31.07.09

Weg zum Text: Kleiner Freund

"Kleiner Freund" basiert auf einer wahren Begebenheit, die ich etwas ausgeschmückt habe.

Ich war gerade aus der Dusche gesprungen, hatte Badezimmerfenster und Tür offen gelassen und mich an meinen Computer gesetzt. Ich habe ein wenig an einem Text von mir gearbeitet, mich aber gewundert, als ich dann tatsächlich einen leisen Schlag an meinem Kleiderschrank gehört hatte.
Ich bin nicht besonders schreckhaft, aber ich war wie erstarrt im Angesicht des kleinen Vogels. Ich wollte ihm nicht unnötig Angst machen - er war kleiner als ein Tennisball - und ich bewegte mich ganz langsam. Er war zwar durch das Bad hinein gekommen, aber ihn zum winzigen Fenster hinaus scheuchen wollte ich nun wirklich nicht.
Ich machte bei mir im Zimmer das Fenster weit auf und die Tür zu. Er wollte nicht raus. Fünf Minuten später saß der kleine Vogel immer noch an der selben Stelle. Also musste ich zur Aktion übergehen.
Mit Hilfe meines Mitbewohners wollten wir den Vogel auf ein Stück Tuch (damit die Vogeleltern ihn wegen Menschengeruch nicht verstoßen) bringen und ihn zum Fenster heben. Kein besonders realistischer Plan, aber nicht die dümmste Idee, unserer Meinung nach.
Der Vogel war etwas wehrig und bewegte sich öfters im Zimmer von einer dunklen Ecke zur anderen, wobei wir wirklich sehr langsam vorgingen. Dann war er aber weg.

Ich dachte ein wenig über die Situation nach und war auch etwas aufgeregt. So was erlebe ich nicht jeden Tag. Als ich dann weiter an meinem Text arbeitete, dachte ich immer wieder an den Vogel. Ich habe Leuten mit denen ich gesprochen habe davon erzählt. Irgendwie war die Situation etwas besonderes. Ich dachte darüber nach einen Text daraus zu machen.
Plötzlich erschrak ich heftig. Ich wollte eigentlich zu meinem White Board die Idee aufschreiben, da sah ich den Vogel oberhalb meines Monitors im Regal sitzen.
Er war gar nicht weg, er war geblieben. Und er war mir viel näher gekommen. In meinem Kopf machte es perfekt Sinn, dass er gar nicht weg fliegen wollte/durfte. Da ich zu allen Tieren "mein Freund" sage (außer zum Kater meiner Mutter, der hört bei mir auf "Gauner") war der Text in meinem Kopf quasi schon geschrieben.
Nachdem ich den Vogel dann wirklich aus meinem Zimmer manövriert hatte (Hier ist einfach kein Lebensraum für ihn), machte ich mich direkt daran den Text zu skizzieren.
Ich wollte dem Text ein besonderes Gefühl geben. Keine überzogene disneyeske Fröhlichkeit, aber auch nicht traurig oder gar böse. Ich wollte mich auf einer Grenze bewegen, einer Art Melancholie mit positivem Nachgeschmack. Das ist ein Gefühl, dass ich meinen Texten gerne versuche ein zu hauchen.

Ob es gelungen ist, oder nicht, dass kannst du entscheiden.

29.07.09

Was Liebe ist

Autor: Jay
Verfasst: 19.07.2009

Was Liebe ist

Liebe ist Streben
Streben und Warten
Liebe ist leben
in einem immergrünen Garten

Liebe ist Vermissen
Vermissen und Hoffen
Liebe ist wissen
welcher Blick ins Herz getroffen

Liebe ist Freuen
Freuen und Lachen
Liebe ist jeden Tag von neuem
sich Erinnerungen schaffen

Liebe ist Wachsen
Wachsen und Gedeihen
Liebe ist die stärkste Achse
die es gibt, zwischen Zweien.



27.07.09

Mensch & Ort

Autor: Jay
Verfasst: 19.07.09

Mensch & Ort

Du warst mir Heimat
Warst mir Grund
Ich fühle mich gesund

Du warst mir Begleiter
Warst mir Freund
Zu oft hab ich dich versäumt

Egal was du mal warst
Und wer du bist
Du wirst von mir vermisst


Anmerkungen:
Mit dem Titel bin ich nicht glücklich. Du darfst gerne etwas anderes vorschlagen.

26.07.09

Mal wieder etwas Gänsehaut

Ich bin bei OCRemix auf dieses fantastische Stück gestoßen.




OverClockedRemix ist eine Internetseite mit Interpretationen von Videospiel-Soundtracks. Ab und an befinden sich dann solche Schmuckstücke dazwischen. Der Download auf der Seite ist gratis.

Ich dachte mir, ich teile es mit dir.

25.07.09

Ungewohntes Reisefieber

Autor: Jay
Verfasst: Juni & Juli 2009


Ungewohntes Reisefieber

Es war ein schrecklicher Freitag im Büro. Alle waren um Eins gegangen. Ich auch, aber nachts. Zu viel war liegen geblieben, zu viele Projekte waren wichtig. Zu oft meinte ich, ich müsste alles selber machen.
Auf dem Weg zum Auto beschloss ich das ganze Wochenende nirgendwo hin zu gehen und mich mit meiner DVD-Sammlung einzuschließen. Ich machte mein Handy an. Es war sonst nie aus, aber irgendwie war mir diesesmal danach. Mal so richtig professionell sein im Büro.
Es piepte fast ununterbrochen. So viele Nachrichten hatte ich noch nie auf meinem Handy. "Julika" stand da im Display. In den Himmel schauend, auf der Suche nach Wolkenschiffen, atmete ich schwer durch. Eine Mischung aus Sorge, Sinn für die Katastrophe und keine Lust auf sie lag in meinem Atem.
Nachricht 1:"Hey, was machst du heute? Ich hätte Lust auf den Weinkeller."
Nachricht 2:"Keine Antwort? Doof. Dann komm halt nach, ich gehe und warte da auf dich."
Nachricht 3:"Ohne dich macht es keinen Spaß, deine Witze fehlen mir."
Nachricht 4:"Ohne dich ist Wein trinken nur sich betrinken. Doof."
Nachricht 5:"So lagnsam bni ich beleidigt. Wnen ic morgen Kopfschmerzen hab bist du schuld."
Nachricht 6:"Du bist doof doof doofi du Doofmann."
Die letzte Nachricht war keine Zehn Minuten alt. Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, bis jetzt gearbeitet zu haben. Ich versuchte also sie anzurufen, denn ich hatte vor Augen wie sie irgendwo beleidigt rum saß und etwas schrecklich schief gegangen war. Bevor ich die "Wählen"-Taste drücken konnte, setzte ich Julika im Kopf in verschiedene kleinere bis mittelschwere Katastrophen, wobei die meisten eher meinem Amüsement dienten. Bei der Vorstellung wie sie im Weinkeller spülen musste, weil sie alleine zu viel getrunken hat, drückte ich dann auch endlich.
Es klingelte gar nicht richtig, da ging sie schon dran: "Hi. Du bist voll der fiese gemeine Doofmann. Warum bist du nicht gekommen?" - "Ich war ar..." - "Ist mir auch egal. Mir ist total kalt, alles ist voll doof. Du bist doof. Deine Dusche ist kaputt." - "Bist du bei mi...?" - "Beeile dich." - Tuut tuut tuut.
Julika ist kein Mensch. Manchmal ist sie eine Naturgewalt. Eine liebevolle kleine Gewittersturmfront, die manchmal nicht merkt, dass sie wenn sie zu impulsiv ist alles hinter sich verwüstet. Zu mindest war das mein Eindruck.
Nun gut, meine Dusche war also kaputt, also sollte ich mich vielleicht beeilen. Julika war zwar als Künstlerin handwerklich durchaus geschickt, aber das wusste sie meist nicht mehr, wenn sie betrunken war. Und da sie bei mir war, musste sie betrunken gewesen sein. Der Gedanke setzte mir ein etwas deprimiertes Gesicht auf.
Ich fummelte an meinem Schlüsselbund meinen Haustürschlüssel raus, oder versuchte es zumindest, als ich in den wunderschönen Sternenhimmel schaute. Es wäre so eine Last, wenn in dieser Nacht noch etwas schlimmes passieren würde.
Als ich in meine Wohnung hineingähnte, war da keine Spur von ihr. "Julika?" Ich machte ein paar Schritt in die Wohnung. Es wirkte ziemlich still und ich bekam Gänsehaut. Alle Lichter waren aus und ich beschloss erstmal in mein Zimmer zu gehen, egal wie es wohl im Bad aussah. Immerhin stand da kein Wasser auf dem Boden, also konnte es so schlimm nicht sein.
Ich warf meine Sachen in die Ecke und atmete tief aus. Ich hatte aus meinen letzten Treffen mit Julika gelernt. Sie musste einfach gleich irgendwoher angeflogen kommen und mich umwerfen. Im Kopf zählte ich ganz leise bis Zehn. Da kam keine Julika angeflogen.
Vielleicht hatte ich zu lange gebraucht, dachte ich und wollte mein Bad anschauen gehen. Wäre meine Dusche wirklich im Eimer, dann wäre es auch mein DVD-Wochenende. Wirklich begeistert war ich nicht.
Ein sonderbares Bild bot sich mir in meinem Bad. Da saß nun also Julika in der Dusche, das Wasser angestellt, drückte auf ihrem Handy rum und machte ein schmolliges Gesicht. Sie hatte all ihre Sachen noch an. Ich musste einfach Lächeln. Wieso wusste ich nicht. Als sie mich ein paar Augenblicke später entdeckte, da legte sie direkt los: "Du bist voll der Doofi. Ich bin voll sauer auf dich. Da kannste dich auch mit nem guten Witz nicht rausretten." Ich musste einfach Lächeln. "Du sitzt in Klamotten in meiner Dusche und sagst mir, ich bin ein Doofi?" - "Ja, du und deine tolle Dusche, ihr seid doof.", schmollte sie ins Bad, mit einem leichten Unterton von Reue. Als hätte sie ihren Fehler erst mit mir bemerkt. Ganz kleinlaut sagte sie: "Deiner doofen Dusche ist es egal ob man zu betrunken ist sich auszuziehen. Die duscht die Sachen einfach nass."
Die Seife die mich traf merkte ich vor lauter Lachen kaum. Es kam von ganzem Herzen und aus voller Lunge, da war kein Platz für die Seife. "Julika, für so was lieb ich dich." Als ich wieder zur Ruhe gekommen war, machte ich ihr ein Angebot: "Ich hohl dir was gaaanz warmes zum Anziehen und mach dir einen Kakao und dann legen wir uns aufs Sofa und schauen einen Film, okay?"
Ich holte uns etwas warmes zum Anziehen. Auf die Idee, dass sie jetzt mit ihren nassen Sachen mich vor Freude anspringen könnte war ich nicht gekommen.

Julika sah in meinem viel zu großen Kapuzenpullover total niedlich aus. Und das wusste sie. "Hihi. Der ist wie eine Höhle für mich." Ihre Arme guckten nichtmal aus den Ärmeln. Selbst ihr Gesicht sah ich nur ganz schemenhaft. Auch ich hatte einen Kapuzenpullover an, meiner war aber bei weitem nicht so "geräumig". Julikas Laune war deutlich aufgeklart. Sie nahm sich den warmen Kakao vom Tisch, als ich ihr etwas erzählen wollte: "Ich hab tatsächlich einen neuen Witz für dich, willst du ihn hören?" - "Ja! Ja! Ja! Aber erst nehme ich den Kakao mit rein."
Sie nahm den Kakao tatsächlich durch die Kopföffnung der Kapuze an und lies ihn in der Kapuze verschwinden. Ich war irritiert, aber atmete für meinen Witz ein. Julika kam mir aber zuvor: "Komm doch auch rein. Es ist schön hier."
Hall. Ihre Stimme hatte Hall. "Wie eine Höhle. Hihi. Das muss du dir anschauen." Wieder Hall. Als wäre sie wirklich in einer Höhle. Das konnte doch nicht - Ihre Beine konnte ich nicht sehen und der Pullover sah einfach wie ein Hügel aus Stoff aus. "Komm schon!" lachte sie hallend heraus.
Langsam näherte ich mich mit meinem Kopf der Kapuze. Ich schaute langsam hinein, doch ehe ich mich versehen konnte, griffen zwei zarte Hände nach mir und zogen mich in die Dunkelheit.
Weich war ich gefallen, wie in Kissen. Beim blinden Griff neben mich, waren es wirklich Kissen. "Eine riesige Kuschelhöhle für uns, toll." pfiff Julika. Eigentlich hätte sich mein Kopf überschlagen müssen, aber ich habe mir genau so was gerade gewünscht. Ein kleiner Junge in mir, der keine Lust auf Arbeit und Stress hatte, sondern sich einfach leicht müde in eine Kissenburg werfen wollte.
Es war so, als würde Julikas Lächeln und ihre funkelnden Augen das Licht von unsichtbaren Fackeln reflektieren und eine zauberhaft schummrige Atmosphäre aufbauen. Ich war zu Hause. Genau hier wollte ich sein. Das ganze Wochenende. Das ganze Leben wenn es geht. Leben in einer Kuschelhöhle. "Julika, du führst mich an ungewöhnliche Orte." stammelte ich nur aus.
Julika lächelte nur, umarmte mich ganz feste und hauchte mir ganz sanft ins Ohr:
"Und jetzt erzähl' mir den Witz, Doofi."


23.07.09

Nicht jeder

Autor: Jay
Verfasst: 16.07.2009

Nicht jeder

Nicht jede Wolke heißt Regen
Nicht jeder Sonnenstrahl Leben
Nicht jeder Kuss heißt Liebe
Nicht jede Umarmung, dass ich gern bliebe
Nicht jeder Streit kommt aus Wut
Nicht jedes Nicken heißt "gut"
Nicht jeder Schrei entsteht aus Hass
Nicht jedes Lachen aus Spaß
Ich brauch' nicht zu erwähnen
nicht jede Trauer kommt mit Tränen

Nicht jeder Reim heißt Gedicht
Nicht jede Pflanze braucht Licht
Nicht jedes Lied wird gesungen
Nicht in jedem Kampf wird gerungen
Nicht alle Gedanken sind frei
Nicht alle bleiben dabei
Nicht alle Menschen sind gleich
Nicht alle Wohlhabenden Reich
Ich brauch' es nicht sagen
nicht jeder Zweifler stellt Fragen

Nicht all' meine Worte sind wahr
Nicht jede Aussage ist klar
Nicht alle Bilder Metaphern
Nicht jeder Beobachter ein Gaffer
Nicht jeder der trinkt ist ein Säufer
Nicht jeder Kunde auch Käufer
Nicht alle Abhängigen sind süchtig
Nicht jeder Verfolgte auch flüchtig
Ich brauch' nicht zu nennen
nicht alles Bekannte kann man auch kennen

Doch eines würde passen:
Denk' nicht in zu einfachen Klassen!

21.07.09

Spielen auf eigene Gefahr

Autor: Jay
Verfasst: 15.07.2009



Spielen auf eigene Gefahr
denn die Äxte sind gewetzt
Es ist ein jeder selber schuld
der sich auf eine Streckbank setzt

Spielen auf eigene Gefahr
denn unser Gift ist giftig
Wenn sie es freiwillig trinken
wird unsere Haftung nichtig

Spielen auf eigene Gefahr
denn die Feuer hier sind heiß
Doch wenn sie Warnungen gerne ignorieren
holen sie sich bitte selber den Beweis

Leben auf eigene Gefahr
denn es kann immer was passieren
Unsere Warnungen sind nur für die
die selbst das nicht kapieren


20.07.09

Haiku #28-31

Salzige Seeluft
Tage unter der Sonne
Sehr ruhiges Meer

Bronzene Körper
Arbeit bei Sommerhitze
Schweiß ist hoher Lohn

Ich suche nach dir
hinter Gewitterwolken
Scheinst nicht bis zu mir

Gedanken kreisen
Bilder bleiben nicht stehen
Ein Herz will träumen

19.07.09

Treuer Freund

Autor: Jay
Verfasst: 12.07.09

Treuer Freund

Wenn du einen Kontakt suchst
dann lädst du wieder auf
Suche ich Kontakt mit dir
dann tue ich es auch
Denn du singst nur für mich
Tausend schöne Lieder
und wenn ich dich darum bitte
dann singst du sie immer wieder
Du kennst die ganze Stadt
und hast alles schon gesehen
Wenn wir zusammen sind
dann lässt du mich einfach wählen
Du lenkst meine Laune
mit deinen Worten
und das auf dem Weg
zu allen Orten
Bei dir
kann ich pure Energie tanken
Es ist so nicht üblich
Mp3-Player
Doch ich möchte mich bedanken

17.07.09

Die Matelote

Autor: Jay
Verfasst: 12.07.2009

Die Matelote

"Wir fahren auf der Matelote
und kapern alle Boote
Kein Mann kann uns vertrauen,
denn wir stehlen alle Frauen!
Nehmen sie uns mit starker Hand
und bringen sie bei uns an Land
Um sie lieblich zu um singen
und vor den Altar zu bringen!
Wir fahren mit der Matelote
Brauchen weder Kronen oder Brote
Unsere Heimat kann auf uns bauen
In Island gibt es keine Frauen!"

Der Singsang der Besatzung begleitet unsere Annäherung an das Fährschiff in die neue Welt. Wir wollen sie einschüchtern und hoffen sie zur Aufgabe zu zwingen. Im alten Europa sieht man uns noch als Wikinger und Barbaren, hat aber kein Gehör für unsere Not. Seit vielen Generationen werden nur noch männliche Nachkommen gezeugt. Island gehen die Frauen aus.
Also nutzen wir unsere Seefahrerwurzeln und überfallen auf hoher See Schiffe aus Europa. Wir lassen die Besatzung am Leben, wir stehlen keinen Proviant. Es sind nur die Frauen die uns interessieren.
Unser Land ist reich und stolz, unsere Männer haben einen hohen Sinn für Familie. Wir sind keine schlechten Väter und sterben lieber, als unseren Eheschwur zu brechen. Die Alten sagen, wir hätten die Götter verärgert und die Jungen sagen, die Alten haben ihre Frauen verärgert, so dass sie aus Trotz nur noch Jungen zur Welt gebracht haben.
Auf mich und meine Mannschaft schaut ganz Island. Das ganze Jahr sind wir auf der See. Wir selbst haben keine Frauen, wir warten noch auf die Richtigen. Ab und an, wenn wir an Land gehen, da danken uns sogar Frauen die wir entführt haben. Island ist schön und vielfältig, es gibt vieles bei uns zu entdecken. Man kann ein ruhiges frommes Leben führen.

"Wir fahren auf der Matelote
und kapern alle Boote
Wir wollen keinem Schlechtes
Wir nehmen nur was Recht ist
Denn nur aus Liebe entsteht Leben
Und das soll es bei uns geben!
Man kann uns wohl vertrauen
denn wir lieben unsere Frauen
Wir fahren mit der Matelote
Brauchen weder Kronen oder Brote
Unsere Heimat kann auf uns bauen
In Island gibt es keine Frauen!"



Anmerkungen:
Dieser Text hat keine wahrheitsgetreue historische Grundlage. Er soll unterhalten und in keinsterweise sexistisch sein. Er hat eine besondere Entstehungsgeschichte, aber du weißt ja inzwischen, wie du nach dieser fragen kannst.

15.07.09

Kein Frieden bis Wittmund

Autor: Jay
Verfasst: 12.07.2009

Kein Frieden bis Wittmund

Brennendes Gummi steigt mir in die Nase. Zumindest müsste es das, so wie ich die Autobahn entlang schieße. Verschwommen lese ich irgendetwas von "Oldenburg" und drücke mein Gaspedal noch tiefer in den Fußraum. Eigentlich trete ich es eher. Immer feste rein. Und noch mal. Den Schaltknüppel schlage ich in die Gänge und spiele mit dem Gedanken, einfach nicht die Kupplung zu treten, nur um dem Getriebe weh zu tun.
Die Zahnräder sollen nicht greifen, sie sollen in einander schlagen, kollidieren und vor Schmerz schreien. Haha! Getriebe, dir hab ich es jetzt aber gegeben. Und, Motor? Spürst du es schon? Du funktionierst nur und funktionierst. Genau wie ich.
Jeden Morgen ins Büro, die Projekte betreuen, mich mit anderen Abteilungen streiten, Sachen hinterher telefonieren. Kein Spaß. Es macht einfach keinen Spaß. Und kaum ist man eine Minute raus aus dem Büro, da klingelt das Handy und daheim stürzen dann auch noch hundert Mails auf mich ein. Betreff: "Hallo, ich bin deine Arbeit und stalke dich auch zu Hause." Meine Antwort: "Nein."
Ich springe einfach in mein Auto. Toller Wagen; toller teurer Wagen. Egal. Weg hier. Irgendwo hin, wo mich keiner kennt, oder keiner mehr kennt. Gen Norden. Sattelt die Pferde und Tschüss. Alle 180 Pferde galoppieren freudig los, um brennend durchs Land zu ziehen. Der Tsunami der Verpflichtungen in meinem Nacken kann mich mal. Die sind auch alle noch da wenn ich zurück komme.
In meiner Fantasie explodiert einfach alles was ich hinter mir lasse. Ja, in meiner Fantasie gibt es auch nur noch die Vorderhälfte des Wagens, weil einfach alles explodiert. Immer und immer wieder. Würde ich den Kopf in den Nacken legen, würde er auch explodieren, wenn er es noch nicht gemacht hat.
Termine, Termine, Termite. Knabbere freudig meine Zeit und zersetz sie. Wenn ich Abends mal Fernsehen will, dann trage ich es mir als Meeting mit meinem Medienbeauftragen in den Kalender ein. Abendessen mit der Freundin wird im Kalender kommentiert: "Bessere Konditionen schaffen; Mehr Ressourcen für das Marketing" nur um mir zu merken, ihr mehr Komplimente zu machen.
Diese Namensschilder an den Büros sind nicht dafür da, zu wissen wer drin sitz, nein. Es ist der erste Teil der Symbiose. Man wird zu seinem Büro. Man ist der Computer, das Telefon, ja, sogar der Tacker. Und wenn etwas fehlt, dann geht man schonmal in der Pause durch das Haus um es zu suchen. Dabei noch hier und da was deligieren und beantworten. Oh, Pause vorbei? Tja. Pech.
Auch jetzt klingelt mein Handy. Und Jetzt. Jetzt auch. Ich geh nicht dran. Immer noch. Nein, ich gehe nicht dran. Jetzt. Jetzt. Nochmal. Was wenn es wichtig ist?
Fenster auf, Tschüss Handy. Adieu.

Ein salzig fader Geruch zieht mir plötzlich in die Nase. Heimat. Ich sauge sie mit vollen Lungen ein und platze lieber, als sie jemals wieder gehen zu lassen. Das Ortschild von Wittmund habe ich noch nicht einmal passiert, aber der Krieg ist vorbei. Mein Handy liegt friedlich auf der Rückbank und schläft wie ein Baby. Die Pferde traben gemütlich über die Straße zwischen den Feldern. Wenn es überhaupt Felder sind. In jedem Fall grün und friedlich.
Ich pfeife ein mir unbekanntes Lied und verliebe mich neu in Klinker. Jedes mal wenn ich hier bin passiert das. Ich denke an Jever, eine Stadt die nach einem Bier oder ein Bier das nach einer Stadt benannt wurde. Ich schmecke die Stadt und rieche das Bier. Möchte ein Fischbrötchen essen und zwar ein echtes. Nicht das, was uns als Fischbrötchen verkauft wird. Ich sehne mich nach Tee und Gesprächen, die aus zufriedenem Schweigen bestehen. Ich spüre stillstehende Zeit.
Blau und weiß auf Porzellan ist mein Frieden. Still und leise legt er sich über meine Gedanken.
Egal wo mich mein Leben hinführt: Es gibt keinen Frieden bis Wittmund.

13.07.09

Kleiner Freund

Autor: Jay
Verfasst: 11.07.2009

Kleiner Freund

In meiner kleinen Kammer hocke ich über einem Buch. Es ist zwar Sommer, aber das Wetter verhält sich nicht entsprechend. Es ist zwar warm genug die Fenster weit geöffnet zu lassen, aber zu verregnet um draußen einen zufriedenstellenden Tag zu verbringen. So bietet es sich also an, ein wenig in längst eingestaubten Büchern umher zu blättern und einfach etwas zu "schmökern", wie man früher noch so gerne sagte.
Ich verirre mich in düsteren Horror-Wäldern und verlese mich in traurigen Gedichten. Irgendwie berühren mich diese Texte. Sie sind ängstlich und beschäftigen sich mit Liebe und Tod, mit Tod und Liebe. Ich versuche mich ein zu fühlen, aber nicht all zu tief. Nicht so, dass ich mich selbst in ihnen sehe. Ich versuche mir ein paar schöne Metaphern einzuprägen und mir einen guten Reim zu merken.
Plötzlich höre ich ein leises Geräusch. Ein Schlag gegen ein Regal, wo keiner hingehört. Von meinem Platz aus kann ich es nicht genau sehen, beuge mich etwas vor. Als ich um meinen Tisch zwinkere, da erstarre ich. Ob aus Ehrfurcht oder Überraschung, kann ich nicht unterscheiden.
Nachtschwarz sitzt dort ein ganz kleiner Vogel, sanft und zerbrechlich gebaut. Er schaut mich an und beobachtet mich, wie ich ihn anschaue und beobachte.
"Wie kommst du denn hier her, mein kleiner Freund?"
Er beantwortet meine Frage nicht, vermutlich ist er schüchtern oder es ist ihm unangenehm, erwischt worden zu sein. Da ist keine Spur von Angst in ihm zu sehen. Kein zitterndes Gefieder, keine nervösen Füße, ganz im Gegensatz zu mir. Ich erfriere in meiner Position, erstaunt und leicht verängstigt.
"Bist du nur zu Besuch hier? War es ein Versehen, oder wolltest du tatsächlich zu mir, mein kleiner Freund?"
Ich kenne mich nicht besonders gut mit Vögeln aus, merke aber seine ruhige überzeugte Art auf mich ausstrahlen. Ich fühle mich ihm unterlegen und lasse mich von seinem stahlharten Blick ins Sofa drücken. Ich verstumme und auch mein Atem wird ganz flach und leise. Wenn er etwas zu sagen hatte, dann wäre jetzt seine Gelegenheit.
Die Luft ist statisch, aber nicht geladen und die Zeit ist langsam, aber nicht ewig. Wir reden.
Ich sage ihm, dass er sich nicht fürchten braucht. Ich habe nicht im Sinn ihm etwas zu tun, ich möchte ihm nur helfen weiter zu kommen. Gerne würde ich noch etwas Zeit mit ihm verbringen, wie mit jedem guten Freund. Gerne würde ich ihn besser kennen lernen, mit ihm raus gehen etwas erleben, aber vielleicht sind unsere Welten dafür zu verschieden. Auch wenn meine Welt da draußen keinen Platz für ihn hat, die in meinem Herzen hat ihn.
Er sagt mir, dass er mich beobachten will und soll. Er will nur schauen wie es mir geht. Ich soll mich von seinem Gefieder nicht irritieren lassen und seinem jägerischen Blick, er ist kein böses Vorzeichen oder Omen, sondern einfach ein Freund. Er ist eine Sorge um mich, ein kleiner flüchtiger Gedanke an mich. So bald er genug gesehen hat, fliegt er wieder zurück in sein Nest. Er will die Antwort auf eine gedachte Frage sein.
"Ich verstehe, mein kleiner Freund."
Ich lächle ihn an. Meine Lähmung fällt von mir ab, wie ein Stein vom Herzen. Ich atme einmal ganz tief ein, als wäre ich gerade aus einer tiefen Höhle zum ersten Mal seit langem an das Tageslicht gekommen. Ich bin mir nicht sicher, aber mir ist, als würde er mich auch anlächeln. Zumindest hat er seinen Kopf etwas zur Seite gelegt.
Ich öffne ihm weit mein Fenster und biete ihm sowohl an frei zu fliegen um wieder sein zu hause zu finden, biete ihm aber auch an zu bleiben. Mein Nest soll ihm zur Erholung dienen, er soll wenigstens etwas Ruhe sammeln können, eh er wieder fliegen muss. Aber ich sehe, dass ihm nicht der Sinn nach Ruhe steht.
Ich beschließe es bei ihm zu belassen. Er ist so viel erwachsener als ich, da kann er selbst besser entscheiden, wann es für ihn weiter geht. Ich vertiefe mich wieder etwas in meinen Tag, habe aber immer etwas Raum im Augenwinkel, um zu sehen wo er ist. Immer irgendwie in meiner Nähe, aber nie einschränkend, nie beeinflussend.
Erst als ich spät am Abend auf meiner Bettkante sitze, da steht er am Fensterbrett. Nachtschwarz vor dem Sonnenunterganggefärbten Nachbarshaus wirft er einen letzten Blick auf mich. Er wünscht mir eine gute Nacht und sagt mir, ich soll mich nicht um ihn Sorgen. Er sagt mir, ich muss ihm keinen Platz in meiner Erinnerung schenken, gibt aber auch zu, dass er es trotzdem schön fände.
"Das mache ich, mein kleiner Freund. Du bekommst deinen Platz, kleiner Freund."
Erst als ich am nächsten Morgen etwas verspannt wach werde, merke ich, dass ich am geschlossenen Fenster geschlafen habe. Habe ihm hinterher gesehen und mich um ihn gesorgt, obwohl er es nicht wollte. Ich lächle und überdecke das Zwicken im Nacken mit dem wohligen Gefühl, da draußen einen Freund zu haben.

"Mach es gut, kleiner Freund."

10.07.09

Weg zum Text: Kleine Bilder

"Kleine Bilder" ist ein Text, der aus einem Satzfetzen entstanden ist. Beim Joggen habe ich in Gedanken mit einigen Ideen herum gespielt. Da ich in einem kleinen Waldstück unterwegs war, welches ziemlich erdig roch, kam mir die schon eher altmodische Idee, die vier Elemente zum Thema zu machen. Allerdings wollte ich sie nicht alleine stehen lassen. Wenn man schon altmodisch ist, was bietet sich dann mehr an, als "Liebe" als Thema?
Ich fragte mich wie lassen sich Elemente und Liebe in Verbindung bringen? Ich habe in meinen Gedanken auch die freundschaftliche und familiäre Liebe mit eingeschlossen.
Da ich keine konkrete Vorstellung hatte, welche Form der Text bekommen soll, also ob es eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht werden soll, oder vielleicht sogar eine ganz andere Form annehmen soll, habe ich auch ersteinmal von Reimen abgesehen. Kurzförmig (ich war ja noch beim Joggen) habe ich folgendes festgehalten:
Erde steht für die Bodenständigkeit und für eine fruchtbare Basis, aus der etwas entstehen kann. Der Wind ist der Antrieb bzw. die Energie, die einem Bewegung erlaubt und Auftrieb gibt, wie bei einem Vogel. Bei Feuer denke ich unweigerlich immer als erstes an Kampfgeist und Aufgeregtheit. Mehr an Adrenalin als an Wut. Wasser hab ich mit einem ruhigen See oder auch Bach verknüpft. Orte, an denen ich persönlich hervorragend zur Ruhe finden kann und auch Energie sammeln kann.
Mit diesen Bilder im Kopf, habe ich mich für erste Notizen an mein WhiteBoard begeben. Ein Hilfsmittel, das mir zur Zeit deutlich das Schreiben erleichtert.
Die ersten vier Verse, entstanden aus diesen Ideen waren die folgenden:

Du bist der Wind in meinen Schwingen
Mein Boden für einen festen Stand
Du bist das Feuer in meinem Herzen
und der stille See in meinem Geist

Ich habe überlegt, ob ich es nicht dabei belasse. Die Idee eines so kurzen Textes gefiel mir sehr gut, aber ich hatte nicht das Gefühl, dieser Text wäre damit abgeschlossen. Es bewegten sich noch zu viele Bilder in meinem Kopf, die sich um Elemente drehten und sich beim Thema Liebe geradezu aufdrängten.
Da mir die ersten vier Zeilen so aber gefielen, wollte ich sie so oder ähnlich behalten. Deshalb entschied ich mich, eine eigenes Reimschema für den Anfang zu wählen (abcd-abcd). Die personenanzeigenden Artikel habe ich entfernt, damit der Leser ersteinmal die einzelnen Motive wahrnimmt und seinen eigenen roten Faden entwirft, bevor er meine Überlegung liest.
An dieser Stelle kam mir auch die Idee für den Titel "Kleine Bilder". Wenn man an besondere Menschen denkt, dann denkt man manchmal einfach an die kleinen Gesten und die Momente die man mit ihm hatte. Als würde man in das Fotoalbum seines Gedächtnisses gucken.
Ab da sollte dann meine Idee übernehmen. Das Gedicht sollte jemanden ansprechen, nicht für sich alleine stehen. Die anfänglich verworfene persönliche Ebene sollte nicht aus dem Text verschwinden.
Mit diesem neuen Fokus auf die "kleinen Bilder" bot es sich aus meiner Sicht an, die eher abstrakten elementarbezogenen Bilder noch etwas zu "füttern". Da der Teil des Textes nicht mehr besonders viele inhaltliche Überraschungen bot, wollte ich durch das wechselnde Reimschema trotzdem eine Abwechslung bieten. Zu dem war nun mit der persönlichen Ebene auch der rote Faden zwischen den Bildern erkennbar, also konnte ich auch gut im Reimschema einen "roten Faden" verankern.
Die abschließenden vier Verse waren dann als eine Art persönliche Nachricht gedacht. Wie ein Schlusswort, das eigentlich erst nach dem Gedicht kommen würde. Eine Art zu sagen: "Ich habe an dich gedacht, als mir diese Ideen/dieser Text begegnet sind/ist."


Anmerkungen:
Ich hoffe, diese erste Erklärung wie ich zu einem Text gefunden habe, ist für dich zufriedenstellend. Ich möchte auch weiterhin erklären, wie ich zu Texten gefunden habe, wenn es dich interessiert. Nicht jedesmal wird es so "sachlich", das verspreche ich dir.
Übrigens: Den "Weg zum Text" kannst du dir auch zu älteren Texten wünschen. Schreibe dort einfach "WzT" oder "Weg zum Text" in einen Kommentar.

08.07.09

Haiku #25-27

So wenig Worte
Doch so viel auf dem Herzen
Ich mag dich zu sehr


Fühl dich wirklich frei
Leg all deine Ketten ab
Pfeif ein frohes Lied


Ein flüchtiger Blick
Ich bekomme Gänsehaut
Ich rieche Sommer

06.07.09

Kleine Bilder

Autor: Jay
Verfasst: Juli 2009

Kleine Bilder

Wind im großen Segel
Boden für festen Stand
Glut eines jeden Pulsschlages
Bach mit ruhigem Lauf
Bruch für jede Regel
tanzende Schritte im Sand
Glanz der Sonne am Ende des Tages
Immer gehen Lichtlein auf

In all dem bist du für mich
und andere sehen es nicht

Der Wind kommt und treibt mich an
schiebt und trägt soweit er kann
Auf junger Erde gedeihen Ideen
die aus starken Wurzeln entstehen
Funken und Feuer geben Kraft
für eine Seele voller Leidenschaft
Tropfendes Wasser zeugt von Stille
mit sanftem Fluss regeneriert mein Wille

In all dem bist du für mich
und siehst es selber nicht
In all dem bist du
und eben das bist du


01.07.09

Der schmale Grat des Autors

Wenn man schreibt (oder anders künstlerisch tätig ist) und tatsächlich vorhat damit und davon zu leben, dann steht man oftmals vor einer schweren Entscheidung. Zumindest vor einer, die einem das aktuelle Kulturgefüge der Gesellschaft aufdrängt:
Mach ich jetzt brotlose Kunst oder kunstloses Brot um vorwärts zu kommen?

Massengesellschaft, Massenmedien, Internet, Fernsehen, Radio, SMS-Ticker, Zeitung, Live-Feeds und so weiter. Unsere Welt ist schnell geworden. Der Damm der begrenzten Informationen ist gebrochen und ein nicht abreißender Strom an Inhalten stürzt auf uns nieder. Inhalte ganz verschiedener Beschaffenheit und Qualität fallen über uns her und wir tun uns schwer uns dauerhaft an etwas zu binden bzw. uns dauerhaft mit etwas zu identifizieren. Wir suchen/sehnen uns nach Trends um unsere Bindungen darüber aufzubauen als informiert und "up to date" zu gelten.
Wenn ich mich jetzt mit Texten, Fotos oder auch Musik in diesen Strom stürze, wie mache ich das?


Die brotlose Kunst:
Als Künstler dieser Neigung, bin ich Rebell und verweigere mich. Ich will nicht im Strom schwimmen aber auch nicht dagegen, denn auch das wäre mir zu angepasst. Ich will ein eigener Arm dieses Stroms sein oder den gesamten Strom in eine andere Richtung lenken. Einen eigenen Namen haben, auffallen.
Aber wer auffällt, der kann auch unbequem sein. Und wer unbequem ist, der kann auch unbeliebt sein. Natürlich kann auch eben genau das beliebt machen.
Wer sich und sein Handwerk neu erfindet, der muss erst überzeugen. Wer nicht einfach "Einer aus Tausend" sondern "Einer" sein will, der kämpft dagegen an, vom regulären Strom mitgerissen zu werden. Der kämpft. Und das kostet Kraft.
Wer sich der brotlosen Kunst verschreibt, der wird es schwer haben Verbündete zu finden. Und reich wird er auch nicht. Er bekommt in seinem dauerhaften Kampf viele Einblicke in sich selbst, er wird reich an Erfahrungen, die er aus kleinen Erfolgen und auch Misserfolgen erntet.


Das kunstlose Brot:
In diesem Strom zu erlernen, wie man auch etwas herstellt ist einfach. Erlernen durch Imitation ist eines der angeborenen Talente des Menschen. Was den Strom weiterträgt, was mit in eine Richtung reißt und schiebt, das gefällt.
Als "Bäcker" dieses kunstlosen Brotes verändere ich nur die kleinsten Kleinigkeiten am Rezept, um nicht zu außergewöhnlich zu sein. Ich bediene nur den einfachen "Hunger", aber decke damit auch einen Bedarf. Ich fertige wie am Fließband um auch möglichst viel Profit aus dem aktuellen Trend zu schlagen. Denn im extrem schnellen Wandel, da muss ich konkurrenzfähig bleiben. Und wenn ich kunstlos bin, dann muss ich es über Fleiß und Masse lösen.
Wer sich dem kunstlosen Brot verschreibt der wird zwar Verbündete finden können, da sich ein Gefühl der Gemeinschaft einstellt, aber er wird nicht berühmt. Reich wird er vielleicht wenn er sich geschickt anstellt, aber nicht an Erfahrung. Er macht jedesmal das selbe, was tausend andere auch tun. Wiederholung als Segen und Fluch in einem. Wer kunstloses Brot macht, schränkt sich eventuell selber ein.

Es ist schwierig das Gleichgewicht zu finden oder sich zu entscheiden.