28.05.10

Rezension: Scott Pilgrim Band 1-3

Nach der Rezension zum Webcomic Allan und dem ersten Buch von „The Goon“ möchte ich erneut eine Comicserie vorstellen. Dieses mal handelt es sich um „Scott Pilgrim“ von Bryan Lee O’Malley.
Scott Pilgrim ist ein 23-jähriger Junge aus Toronto der „zwischen Jobs“ steht, in einer erfolglosen Band spielt und gerne Videospiele spielt. Sein Leben ist ziemlich einfach und daran stört er sich auch nicht sonderlich. Eigentlich geht es ihm hauptsächlich darum, einfach eine gute Zeit zu haben, also ein „precious little life“, wie der erste Band auch heißt. Da er so unbeschwert ist, denkt er auch nicht besonders darüber nach, wie fragwürdig es sein könnte, dass er mit dem High School Mädchen Knives Chau ausgeht, obwohl sie erst Siebzehn ist.
Das leichte Leben kommt dann durcheinander, als Ramona Flowers, eine Paketbotin von amazon.ca durch seinen Kopf reist, um ihre Lieferrouten ab zu kürzen. Scott verliebt sich in sie, Knives liebt immer noch Scott und Ramona hat mal so mir nichts dir nichts sieben böse Ex-Beziehungen, die Scott jetzt einen nach dem anderen „besiegen“ muss, damit er mit Ramona zusammen sein kann. Das auch Scott noch Altlasten in seine frische Beziehung mit Ramona bringt, versteht sich von selbst und das Chaos im Protagonistenkader ist perfekt.

Man merkt schnell, dass die Serie es auf zauberhafte Art schafft das reale Toronto des Scott Pilgrim, mit Studentenparties, Szenekneipen und Konzerten von abgefahrenen Garagenbands, ganz einfach mit den fantastischen Elementen der Videospiel- und Filmkultur zu mischen. Da macht Scott in einem Kampf mit dem ersten Ex-Freund schon einmal ein „Reversal“ wie bei Street Fighter oder bekommt ab und an Items, auch wenn er manche davon nicht tragen kann.
Scott Pilgrim liest sich entspannt und ist unkompliziert, trotz aufwendiger Personenkonstellation. Auch wenn die Geschichte um Scott spannend erzählt ist und voller nachvollziehbarer Konflikte steckt, gibt es Phasen, in denen es nur um kleinere Witze und Wortgefechte zwischen Freunden geht. Zudem spielt der Zeichner immer wieder gerne mit der Metaebene des Comics, so erwähnt Scott gerne, dass Teile der Geschichte lieber in einem anderen Buch erzählt werden sollten.
Die Serie soll Sechs Bände haben, von denen Fünf bereits erschienen sind. Ich habe die Serie bisher auf Englisch gelesen, aber ich denke, dass auch in der deutschen Version der Mangaeske Zeichenstil und die herrlich abgefahrene Story begeistern und hervorragend unterhalten können. Bei einem Preis von ca. 8 Euro pro Band (Preise und Seitenzahlen variieren leicht von Band zu Band) macht ein Kauf besonders viel Freude, denn das Preis-Leitungsverhältnis stimmt in jedem Fall. Nur Freunde von Hardcover-Comicheften könnten leicht enttäuscht sein, denn Scott Pilgrim gibt es tatsächlich nur im Manga-Taschenbuchformat.
Jetzt wäre noch zu erwähnen, dass diese Serie in den USA und Kanada (Heimat des Zeichners) so erfolgreich ist, dass sie jetzt vom Drehbuchautor und Regisseur von „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“, Edgar Wright auf den Weg in die Kinos gebracht wird. „Scott Pilgrim vs. The World” wird der Film in Anlehnung an das zweite Buch heißen und der erste Trailer und auch die Besetzung sahen wirklich gut aus. Vor allem fiel mir beim Trailer auf, dass die Szenen fast genau so wie die entsprechenden Szenen im Buch aussahen.

23.05.10

Training für Schreiber - Nachtrag

Nachdem ich bereits den Vokabelkasten und die "rhetorische Figur der Woche" vorgestellt habe, würde ich diesesmal nur eine Kleinigkeit nachreichen wollen.
Präfixe
Beim Lernen mit dem Vokabelkasten merke ich immer wieder, wie schwer ich mich mit den griechischen und lateinischen Begriffen tue. Einige kann ich mir gut merken, aber es gibt genug, bei denen es mir nicht gelingen will. Bei mehr als Hundert "Vokabeln" brauche ich also eine Strategie.
Ich habe mir im Vokabelkasten eine neue Abteilung erstellt, neben Tages-, Wochen- und Monatstests. Darin habe ich alle für mich relevante griechische Präfixe, also Vorsilben, gesammelt und ihre lateinischen Verwandten habe ich gegebenenfalls dazu geschrieben. Jedes mal wenn ich nun also zu dem Vokabelkasten greife, gehe ich als Teil des Tests auch einmal die Präfixe durch. Ich sortiere sie nicht in die anderen Testbereiche ein und lasse sie einzeln stehen.


Anmerkungen:
Ich werde bei Gelegenheit und Interesse weitere Teile des "Trainings für Schreiber" vorstellen. Also, Interesse?

17.05.10

Rhetorische Figur der Woche

Paranomasie

Die Paranomasie ist ein Sonderfall eines Wortspieles. Eine Paranomasie (altgriechisch, wird als "Wortumbildung" übersetzt) nennt man es, wenn zwei von der Bedeutung her unterschiedliche, aber ähnlich klingende Begriffe mit einander verwendet werden.
Das klingt erst kompliziert, aber es gibt ein ganz berühmtes Beispiel für eine Paranomasie:

"Wer rastet, der rostet."

"Rasten" und "Rosten" unterscheiden sich inhaltlich, werden hier aber zu einer Inhaltebene zusammen geschoben. Es ist leicht auf die Schnelle einige andere Worte zu finden, die gut zusammen passen. "Leben" und "Lieben", "Streben" und "Geben" und so weiter. Allerdings wirken diese Beispiele ohne passenden umgebenden Inhalt nicht besonders stark.

 Quelle und Nachschlagemöglichkeit:
-Wikipedia "Paranomasie"

Anmerkungen:

13.05.10

Ideendämmerung: Das Abenteuer beginnt

„Bist du ein ganz Mutiger, oder bin ich einfach vollkommen ungefährlich?“

Ich hatte schon lange nicht mehr so gut geschlafen. Alles was ich sonst hatte, das waren Ohnmächte. Hier konnte ich trotz oder vielleicht auch gerade wegen der vielen tickenden Uhren sehr gut schlafen. Nur geträumt hatte ich nichts, was mich wunderte, denn das Fass in meinem Unterbewusstsein musste doch eigentlich bis zum Platzen voll sein.
Marius hatte das Haus verlassen, so stand es zumindest auf dem Zettel an der Haustür.
Ich musste dringend etwas gegen meine Ahnungslosigkeit und Passivität in diesen Ereignissen tun. Immer hatte man mich rumgeschickt oder mitgeschleift. Ich bin bisher nur Statist und das wollte ich ändern. Meine Gedanken waren viel klarer und sortierter als bisher. Kein Wunder, ich hatte zur Zeit ja auch nicht all zu viel im Kopf, dass ich hätte verstehen können. Ich hatte also die Fotos von Gegenständen, die mir nicht sonderlich viel sagten. Da sie aber ganz eindeutig in meinem Rucksack waren, ging ich davon aus, dass es wohl meine waren.

11.05.10

Weg zum Text: Insomnia

Vor einiger Zeit habe ich als Miniserie „Insomnia“ veröffentlicht und damit spannende Kommentare geerntet. Es wurde die Selbstdarstellung und die Entwicklung der Geschichte bemängelt, vor allem die Ähnlichkeit der verschiedenen Abschnitte untereinander.
Insomnie, also Schlafmangel ist eine sehr anstrengende Krankheit bzw. ein ätzender Zustand. Ätzend verwende ich in diesem Fall ganz bewusst, denn Schlafmangel „verätzt“ dich schon irgendwie. Man wird müder, langsamer, hat sich schlechter im Griff und verliert seinen persönlichen Rhythmus. Zu dem habe ich immer das Gefühl, das die eigene Wahrnehmung zunehmend schlechter wird. Ich übersehe und überhöre dann oft, aber ich vermute, so etwas äußert sich bei jedem anders.
Als ich beschlossen habe, eine Serie zu diesem Thema zu machen, da habe ich mich gefragt, wie man diese Faktoren textlich erfassen kann. Vor allem das Fehlen von jeglichem Spannungsbogen wollte ich einfangen, denn so sind Tage unter Schlafmangel. Sie sind nicht spannend, sie sind anspannend. Mit der Frage im Blick, wie man am besten keinen Spannungsbogen beschreibt, bin ich in meinem Kopf auf Suche gegangen und habe mich dann ziemlich schnell an den Film „A Scanner darkly – Ein dunkler Schirm“ erinnert.
In diesem Film wird die Ohnmacht, die bei mir durch Schlafmangel beschrieben werden sollte, durch Drogenkonsum hergestellt. Obwohl der Film durchaus eine Geschichte zu erzählen hat und auch nicht uninteressante Personenkonstellationen bietet, wird er so unaufgeregt und langsam erzählt, dass es richtig anstrengend ist, ihn zu schauen. Ich empfehle den Film trotzdem sehr.
Der Versuch war also, von dem Film zu lernen, zu beobachten ob und wie man so etwas in einem Text einfangen kann. Ich bin schnell zu dem Schluss gekommen, dass die beste Art mit einem Text absichtlich zu langweilen, die Wiederholung ist. Und zwar die Wiederholung mit so minimalen Änderungen, dass sie kaum auffallen oder wie Fehler erscheinen, die beim Schreiben entstanden sind. Natürlich ist es für einen Leser schwer zu identifizieren, was Absicht und was Versehen ist, aber den Versuch war es mir wert.
Als ich zufrieden war, habe ich angefangen zu veröffentlichen, habe aus den Kommentaren aber bald heraus gelesen, dass mein Plan nicht aufgeht. Insomnia IV habe ich also verändert und dann so hinterher geschoben, dass wenigstens etwas Aufklärung für den Leser zu Stande kommt. Sogar den fehlenden Spannungsbogen habe ich als Wink erwähnt.
Ob Insomnia so verstanden oder auch beobachtet wurde, das weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob sich Insomnia nicht vor diesem Hintergrund ganz anders liest. Ich wollte es wagen, den Text ohne Gebrauchsanleitung zu veröffentlichen und für mich hat es sich in jedem Fall gelohnt. Ich hoffe, für dich auch.

05.05.10

Alles Asche






Los. Bewege deine Finger. Du spürst sie sind da. Du spürst, du bist da. Also bewege dich. Komm schon Körper. Dein Umfeld fühl sich fahl und schmutzig an. Bewege deine Finger. Jede Bewegung rauscht und raschelt. Es ist unangenehm warm, ja, es glüht regelrecht. Alles staubt. Los. Bewege deine Finger, Körper. Ja, so ist es gut. Auf dem Weg zweier Fingerspitzen sich zu berühren vergeht ein dünnes fragiles Gewebe, zerfällt im Wind und geht dahin.
Los, Körper. Öffne deine Augen, fange wieder an zu atmen. Sei wieder deiner mächtig, sei nicht mehr ohnmächtig. Los, Körper. Eine schwere schwarze Schicht liegt auf den Augen und ein Film aus Ruß hindert die Lungenflügel sich in die Freiheit zu schlagen. Reflexe übernehmen. Husten führt ins Würgen, Husten führt ins Spucken. Nasse schwarze Klumpen schlagen aus und der spontane Ruck lässt die Augen aufspringen.
Hier ist alles Asche.
Wo einst Bäume und Häuser standen, wo Menschen an ihrem Schaffen werkten und ihr Werk erschafften, da sind jetzt nur noch Glut und Asche. Lebensbefreite brüchige Fasern, die einen Teppich des Todes über dieses Land legen und keinen Zweifel über eine dramatische Vorgeschichte mehr lassen.
In den Krieg waren wir gezogen, bewaffnet mit Idealen und Ideen, angeführt von Stift, Papier und anderem Schreibgerät. Dem Kampf für stärkeren Inhalt hatten wir uns verschrieben. Wollten mehr sehen als da war, wollten mehr sein, als unsere Bestimmung sein sollte. Wir wollten Helden sein und den Unterschied machen, doch jetzt lerne ich, wo Bomben fallen, da macht nichts mehr einen Unterschied. Wo die Erde verbrannt ist, da wachsen auch keine Bäume mehr, egal wie viele Verbündete du bringst.
Begeistert rannten wir ins Gefecht, ohne einen Feind genau benennen zu können. Entgeistert waren wir in Wirklichkeit, ohne Sinn und Verstand. Hatten uns zu einem Batallion, zu einer Kompanie, zu einer Armee zusammen ziehen wollen, doch hätten schon an der geringen Zahl merken sollen, wie wenige unseren Kurs teilen. Doch beflügelt von unseren eigenen Worten, von den zauberhaften Farben unserer hochtrabender Worte trugen wir uns selbst in ein Gefecht, dass niemand von uns jemals gewinnen können sollte. Hier war kein Platz für ein Batallion.
Hier ist alles Asche.
Verbrannter Boden ist unter meinen Füßen und ich frage mich, was wir zu erstreiten versuchten. War jeder von uns für seine Ideale hier? War ich tatsächlich für meine Ideale hier? Habe ich Ideale? Trage ich meine Waffen nicht nur, da ich nie wirklich etwas anderes gelernt habe?
Ich bin ein Soldat ohne Heer und Herr. Das Kämpfen, das beherrsche ich wie kein anderer, aber eine Grenze würde ich nicht einmal erkennen, wenn ich darauf gehen und stehen würde. Ich kann keine Grenzen erkennen und mich auch für keine Seite entscheiden. Trotzdem bin ich mit einer Armee in den Kampf gezogen, vielleicht auf der Suche nach einer Seite, nach einer Fraktion der wir angehören können. Auf der Suche einer Fraktion, die uns angehören möchte.
Hier ist alles Asche.
Und wo die anderen sind, weiß ich nicht. Ich finde sie in diesem grauen Sturm aus partikelfeinem Atemtod nicht, doch muss bei so lebensfeindlicher Umgebung vermuten, dass sie längst gefallen sind. Selbst von einem staubigen Hügel aus sehe ich nur mehr und mehr Staub. Keine Hand in der Asche die sich regt, wie zu Beginn meine eigene. Keiner der in dieser gleichförmigen Todeslandschaft hustet und würgt. Ergeben und Aufgeben vor dem Grau.
Ich will in keiner Einheit mehr stehen, die ihren Weg nicht kennt und keinen Orden tragen, der dem Soldaten vom Soldat verliehen. Ich verlasse meinen Kurs, ich entziehe mich dem Gefecht aber nicht. Mein eigener Söldner soll ich sein, die Kämpfe annehmen wie sie kommen und immer achten nicht die Verhältnismäßigkeiten zu vergessen. Auf einem ungefährlichen Grund lasse ich keine Bomben fallen, in einem befriedeten Land rote ich keine Söldner zusammen.
Hier ist alles Asche. Nur ein Notizblock, der bleibt unversehrt am Start meines Weges liegen.

Anmerkung: Das ist mir neulich zum Bleistift-Battalion eingefallen.