Samurai

Jay Nightwind | 28.03.11 | / / / |
Der Atem ist flach, aber geballt. Die Fäuste sind geballt, aber die Hände flach.
Die Arme, nur das Instrument der unabwendbaren Vollführung der Absichten. Die natürliche Verlängerung des Willens; Werkzeug zur Wirkung des Unausgesprochenen.
Der stand ist sicher und fest, keine Erschütterung kann ihn nehmen. Er ist so sicher und fest, wie es die Erinnerungen an die Jahre sind, die es brauchte ihn zu erlernen.
Mit jeder Zehe in den Boden gepresst und jeder Zeit zum Vorstoß bereit.
Aber niemals überhastet.
Also verweilend.
Der Moment ist dehnbar. Er beugt sich der Länge des Atems. Die Wertigkeit eines Augenblickes steigt, in dem sich die Zahl der Blicke der Augen vermindert.
So wie es kein Schwert braucht, um eine Waffe zu tragen, so braucht es keinen Blick um ein Ziel vor den Augen zu sehen.
Der Weg, den es gilt vom Stand durch die Arme in die Hände bis zu seinem Ziel zu gehen, der ist genauso lang, wie es dauert auszulernen.
Im entscheidenden Moment sind Meister und Schüler darin gleich, dass es Ziel ist, in der Ausführung seiner Kunst die Erfüllung zu finden; dieses Leben in den Namen seiner Kunst zu stellen.
Der Stand ist fest, der Atem lang und der Blick auf das Ziel geschärft.
Mit der Erfahrung vieler Stunden in Erfolg und Schmerz, der Übung und Ausführung seiner Bewegungen, legt jeder das Rüstzeug an, das es braucht um seine Schlacht zu schlagen.
Jeder verfeinerte, zur immer wieder gleichartigen Perfektion geführte, Griff: Zeuge und Vorbereitung eines lebenslangen und augenschlagkurzen Erfahrens.
Rüstzeug ist weder Schmuck noch Andenken, es ist bittere Notwendigkeit. Die Bewegung, das Wirken muss Schmuck des eigenen Weges sein und Andenken an alte Lehrmeister, um seinen eigenen unverwechselbaren Schnitt zu schlagen.
Es dauert, von der letzten bis zu dieser und auch von dieser bis zur nächsten Prüfung immer eine Ewigkeit, auch wenn sie nur weniger Sekunden bedarf. Nur wenn das Bedürfnis nach einer neuen Prüfung ewig scheint, kann auch die Lektion aus der Prüfung ewig sein.
Der Stand ist fest.
Der Atem lang und flach.
Der Blick weit, geschärft und gebunden,
wie der Griff meiner Hände um meine Waffe.
Ich bin bereit.
Der Stand löst sich, der Atem öffnet sich und Blick spitzt sich zu, als ich meinen Stift auf das Papier drücke, als ich meinen Pinsel auf die Leinwand setze, als ich die Nadel auf die Schalplatte setze, als ich die Kappe auf die Sprühdose setze, als ich den Akkord greife, als ich den Finger auf den Auslöser setze
Und zu schlage.
Ich bin kein Poet,
kein Maler,
kein DJ,
kein Sprayer,
kein Musiker,
kein Fotograf.
Der Stand ist fest. Der Atem lang. Der Blick aufs Ziel gerichtet.
Samurai.

Kommentare:

  1. Gefällt mir richtig gut. Die Feder ist mächtiger als das Schwert und das Wort kann eine gefährliche Waffe sein.
    Zählst du dich eher zu den Dienern oder den Beschützern? ;)

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  2. Ich zähle mich so oder so eher erstmal zu den Schülern.

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