A RUSH of blood to the head

Rush von Universal
Zugegeben ist der Titel dieses Beitrags von Coldplay geklaut. Dabei geht es an dieser Stelle gar nicht um Musik. Schließlich ist heute im Magazin "Kino"-Tag. Im Kreuzfeuer meiner Betrachtung stehen heute "Rennfilme". Beziehungsweise besonders einer, der es mir sehr angetan hat. Ich bin nämlich eigentlich kein Fan von Machwerken wie der "Fast and the Furious" Reihe, auch wenn ich verstehen kann, warum diese so erfolgreich ist und vielen so viel Spaß macht. Auch "Need for Speed" zähle ich in diese Kategorie.

An sich mag ich aber "Autos und Geschwindigkeit". Die Anführungszeichen setze ich deshalb, weil ich ehrlich gestanden keinen blassen Schimmer von der Technik in Autos habe. Als Fahrer im echten Leben bin ich darüber hinaus großer Fan davon, Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten. Ganz davon abgesehen, dass mein C3 in bestimmten Geschwindigkeitsregionen sich eher wie ein Rallyewagen fährt als sanft über die Straße zu gleiten.

Aber ich mag die Formel 1, war immer schon fasziniert von diesem Zirkus und den Wagen. Gleiches gilt für die DTM, wenn auch im deutlich geringeren Maße. Und ja, ich bin auch einer dieser Typen, die sich etwas darauf einbilden, bei Videospielen wie Forza oder Dirt durchaus sehenswerte Rundenzeiten in den Asphalt zu brennen.

Für meine Frau Kira ist das alles Humbug, eigentlich sogar "total öde", denn auch sie gehört zu der Fraktion, die behaupten, bei der Formel 1 "fahren die doch nur hintereinander im Kreis - was soll daran spannend sein?" Und bei den Videospielen wird mit dem geliebten BMW Cabrio eher gemütlich über die Landstraße geschlichen oder ein neues Design gestaltet, als einmal aufs Gaspedal zu treten.

Und dann entstand der Film "Rush" von Ron Howard über die Rivalität zwischen Niki Lauda und James Hunt in den 1970er Jahren der Formel 1. Mit dem ersten Trailer (siehe unten) war ich bereits begeistert von diesem Film, habe es dann aber doch verpasst ins Kino zu gehen. Mit dem jetzigen DVD- und Blu-Ray-Release des Films konnte ich das Anschauen aber nachholen. Ich benötigte nicht einmal große Überzeugungsarbeit, damit Kira sich den Film mit mir ansieht. Schließlich spielt Chris Hemsworth mit - das ist immer schonmal ein gutes Argument. Auch wenn sie sagen würde, dass sie aufgrund meiner Überzeugung, es handele sich um einen guten Film, einstimmte.

Ich sollte jedoch Unrecht behalten: Rush ist sogar ein großartiger Film. Vor allem wird der Inhalt dem Titel des Films gerecht. So wird durch geschickte Kameraarbeit ein Gefühl für die Geschwindigkeit und das hohe Wagnis, dass die Piloten zu dieser Zeit mit dem Fahren dieser Wagen eingingen, vermittelt. Ich kannte den Ausgang der Saison 1976 bereits, weil ich mich in der Blüte meiner Faszination für diesen Sport auch mit dessen Geschichte auseinandergesetzt habe, und saß dennoch gebannt vor dem Fernseher. Kira ging es ebenso - verdeutlicht dadurch, dass sie zwischendurch gar den Atem anhielt und ihr Mitfiebern körperlich spürbar war.

Das tolle an diesem Film: Er ist so viel mehr als die Geschichte über ein Rennen und ein paar Rennszenen. Im Mittelpunkt stehen die Rennfahrer Niki Lauda, grandios und fast schockierend nah am Original verkörpert von Daniel Brühl, und James Hunt, ebenso toll gespielt vom bereits erwähnten Chris Hemsworth. Wären diese beide Charaktere Planeten, könnten sie nicht weiter voneinander entfernt sein.

Der echte Niki Lauda (nach seinem Unfall) und James Hunt
Da hätten wir zum einen den intelligenten, kontrollierten und höchst professionellen Lauda, der sich nicht beliebt machen, sondern seinen Wagen stets verbessern und siegen möchte. Kurz: er ist durch und durch Profi. Auf der anderen Seite steht der saufende, gelegentlich kiffende, Frauen verführende und das Leben genießende Hunt, der mit seinem unbestreitbaren Talent alle davon überzeugen will, wie gut er ist.

Wir folgen den beiden auf dem Weg in und während ihrer Formel 1 Zeit. Die beiden haben nicht viel für die Eigenarten und den Lebensstil des anderen übrig. Jedoch spürt man durchweg deren gegenseitigen Respekt. Und so kommt es schließlich zum ultimativen Zweikampf in der Saison von 1976, in der es nicht nur dramatische Regenrennen gab, sondern auch Niki Laudas schweren Unfall am damals auch in der Formel 1 noch komplett befahrenen Nürburgring, der ihn bis heute zeichnet, aber auch seine grandiose Rückkehr nach nur einem Monat sowie dem epochal dramatischen Finale der Saison. All diese Stationen weiß der Film im hohen Tempo hervorragend einzufangen. Und immer auf eine Weise, dass man mit beiden Charakteren mitfiebert, ein Verständnis für deren Verhalten und Motivation erhält.

Der stets treibende Soundtrack von Hans Zimmer sowie die durchweg stylishe Ausstattung getreu der 1970er tragen zur dichten Atmosphäre bei. Hier geht es nicht einfach nur um Leute, die waghalsig ein paar Runden im Kreis fahren, sondern um das enorme Risiko dieses Sports, dessen Faszination, politische Intrigen und ein ganzes Lebensgefühl. Vor allem aber um die Notwendigkeit eines Rivalen, der einen selbst zu Höchstleistungen antreibt und Grenzen erfahren lässt.

Rush ist daher fast mehr Charakterstudie als Rennfilm. Und dann ist er mit seinem enorm hohen Tempo eben doch wieder genau das: Ein schneller Film, der seine Geschwindigkeit nicht allein aus den Pferdestärken der Rennwagen bezieht, sondern den schillernden Figuren und dramatischen Entwicklungen.

Daher ist dieser Film allen zu empfehlen, die Tempo, Rennwagen, die Formel 1 mögen - oder, und das noch vielmehr, zwei Rivalen in einem epischen Duell sehen wollen, zwei Menschen, die eine enorm spannende Geschichte miteinander teilen, die uns nicht nur die Figuren sondern auch einen zuweilen belächelten Sport näher bringen, in einer Zeit, als dieser wirklich noch in jeder Saison Tote forderte. Und genau diesen Wahnsinn weiß Rush zu vermitteln und beschert dem Zuschauer über fast zwei Stunden wohldosierte Adrenalinschübe.




Kommentare

  1. Wenn ich den Trailer so sehe, muss ich unweigerlicht an Ken und Ryu denken und frage mich sogar, ob die Beiden nicht auf dieser Geschichte basieren. Selbst optisch ist eine Ähnlichkeit da.

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    1. Interessante Parallele, die du da ziehst. Ich glaube zwar nicht, dass die beiden Figuren auf dieser wahren Geschichte beruhen (mit Sicherheit sagen kann ich es aber nicht), allerdings stimmt es durchaus, dass es sich in beiden Fällen um Rivalen handelt, die sich respektieren, zugleich aber bis zum Äußersten treiben.

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    2. Ken, der Lebemann, der es sich gut gehen lässt und Ryu, für den der Sport über allem anderen steht. Das ist schon fast stechend. ;)

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