Poetry Slam von Innen: Jason Bartsch über Jan-Phillipp Zymny

Es ist die Hölle, mit Jan Philipp Zymny befreundet zu sein. Es ist nicht etwa so, dass man keine schöne Zeit mit ihm hätte, ich bitte Sie. Ein Mann ist auf der Bühne immer nur halb so lustig und sympathisch, wie er es im privaten Leben ist, aber Jan Philipp wird erkannt. Und das nervt. Es sind die kleinen Mädchen, die dir auf dem Weg zum Zigarettenautomaten "Awesome" hinterherschreien, die coolen Dudes aus der letzten Reihe, die ihn auf offener Straße angröhlen und bitten seine Bären zu katapultieren und die Hinterwäldler, die davon ausgehen, dass ich sein Manager bin. Ja. Natürlich. Ohne mich wäre Jan Philipp, ich weiß nicht, vermutlich Bundesverdienstkreuzträger.

Wenn man sich mit ihm verschanzt, ist er aber okay. Ich trinke Tee, er trinkt Met aus einem Horn. Seltsam, aber niedlich. Ich sitze vor dem Laptop, er tanzt, ich tanze, er trinkt Met aus einem Horn. Er trinkt sehr viel Met aus Hörnern. Aber das ist nicht alles, was ihn ausmacht. Da gibt es mehr als alberne Geschichten über rennende Verliebte und Tiere in Zoos, Jan Philipp hört zu. Daraus zieht er wohl auch seine Inspiration (für die von euch, die es nicht wissen: Das Leben ist meistens alberner als ein Text von Jan Philipp Zymny), aber vor allem zieht er daraus die Kraft, Freund zu sein. Das klingt pathetisch und beschissen, ist es auch, aber scheiße (wenn ich schonmal fluche: F*/&%): Der Typ ist der Hammer.



Seine Intelligenz überholt ihn manchmal, was ebenfalls seltsam und niedlich ist, er ist einfühlsam und das Beste ist wohl, dass er verdammt sensibel ist. Ein Knuddelbärchen vor dem Herrn. Ein dufter Typ, auch wenn er mir auf der Bühne schon sowohl den Tod gewünscht, als auch mich als Behinderten dargestellt hat. Er verkauft sich aber nicht für jeden Lacher. Dieser Mensch weiß, was er tut. Er hat Stil und klare Grenzen. Wie oft habe ich folgendes Gespräch geführt?

„Naja, wenn du bei Slam-Texten meist nicht lachen kannst, wieso magst du dann die Texte von Jan Philipp Zymny so gerne?“
BACKPFEIFE.

Zymnyeskes heißt: Literaturkritik auf einer Ebene, auf der die meisten Leute stocken und stammeln, Performance, die so ehrlich ist, dass Michel Friedman sich noch umschauen wird und eine Tiefe, bei der dir schwindlig wird. Lustig ist er auch, ja. Das ist wohl auch ein Grund für seine große Resonanz auf jeglichen Slambühnen, aber er kämpft. Er kämpft dagegen an, immer nur der lustige Typ zu sein, denn er ist viel mehr, wie eigentlich jeder besoffene Waldschrat spätestens beim Finale des Slams 2014 gemerkt haben sollte. Spoken Word, ihr Säcke, hat viele Seiten. Eine davon ist bunt, flauschig und lebt im Ruhrgebiet.

Ich war mal mit Jan Philipp im IKEA und selbst das war nicht langweilig. Wir saßen stundenlang in unserer Stammkneipe und haben uns über Gefühle unterhalten, weil wir verdammte Klischeepoeten sind und - Ja! - Wir haben Met aus Hörnern getrunken wie kannibalische Elche. Dieser Mann hat ein lebenslanges Anrecht auf mich, meine Couch, Wein und Hilfe zu jeder Zeit an jedem Ort. Also, liebe „Fans“ - und jetzt werde ich zum Groupie #1:

Ich bin sein größter, also verpisst euch, wenn ihr ihn mit mir seht. Diese Stadt ist nicht groß genug für mehrere von uns. Oder aber: Achtet ihn, sprecht ihn an und seid ehrfürchtig, denn dieser Mann ist viel mehr als einfach nur Awesome.


Jason Bartsch. Geboren in Solingen, dem kleinen Dorf neben der Stadt, wo mal ein Elefant aus einer Schwebebahn gefallen ist. Er war postpoetry-Preisträger in der Kategorie Nachwuchslyriker 2012, der Aufstieg kam schnell. Der Abstieg schneller. Schon 2013 war er Jurymitglied desselben Preises für dieselbe Kategorie, dann verstrickte er sich in dubiosen Machenschaften mit sich selbst und wurde dank finaler Kräfte doch noch Finalist der U-20-Meisterschaften und Halbfinalist der deutschsprachigen Meisterschaften 2013 im Poetry Slam. Irgendwo Veröffentlichung des Kunstbuches Wortbeben. Durch sein leidenschaftliches Geschwafel dieses Jahr für seine Lyrik auf der Longlist des internationalen New Voices Award der PEN, Vizelandesmeister NRW im Poetry Slam und jetzt ist er nach Bochum gezogen. Auch das noch.

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