Poetry Slam von Innen: Ruby Tuesday über Alexander Bach


Eleganz im Anzug:

Es ist einer dieser typischen Abende in der Straßenkneipe um die Ecke. Der Laden ist brechend voll. Studenten und Angestellte tummeln sich gemeinsam bei Bier und typischer Kneipenatmosphäre um ihren Feierabend zu genießen. Nebenbei wird auf der kleinen Bühne im hinteren Bereich der Kneipe ein Mikrofon aufgebaut. Später soll es noch einen Poetry Slam geben. Deswegen ist auch der Großteil der Studenten hier. Sie freuen sich auf etwas Kultur bei einem oder mehreren Gläsern Bier.

Einige der Slammer sind bereits anwesend. Sie hängen zusammen in einer Ecke und reden angeregt über die neusten und aktuellsten Themen, als die Tür der Kneipe sich öffnet und plötzlich ein elegant gekleideter Mann im Anzug eintritt. Er wirkt fehl am Platz, doch er steuert gezielt zur Gruppe der Slammer und wird dort freudig begrüßt. Dabei verströmt er noch immer diese distanzierte Eleganz und doch passt es zu ihm und seinem Aufzug. Obwohl er einen krassen Widerspruch zum anwesenden Klientel darstellt, fällt er kaum auf. Er passt ins Bild und doch wieder nicht.

Mittlerweile wurde er auch vom anwesenden Slammaster entdeckt, der ihn herzlich willkommen heißt und ihm mitteilt, dass er auf Startplatz sieben gelost wurde. Der Mann im Anzug nickt, lächelt kurz – es ist ein eher zurückhaltendes Lächeln – dann stellt er seine Sachen ab und wendet sich wieder den anderen Slammern zu, welche ihn sofort in ihr Gespräch mit einbinden. Er lauscht ihnen, hält sich zurück, ab und an bringt er sich mit ruhiger, sanfter Stimme ein und deutet auf Probleme hin. Die Slammer nicken, geben ihm recht und der Mann im Anzug nickt nur bedächtig, während die Slammer wieder weiter diskutieren.

Währenddessen ist der Slammaster mit seinen Vorbereitungen fertig geworden und kommt zur Gruppe der Slammer, um ihnen mitzuteilen, dass es in wenigen Minuten los geht. Daraufhin bricht ein kleiner Tumult in der Gruppe der Slammer los. Einige eilen hinaus um noch eine letzte Zigarette zu rauchen, bevor sie auftreten, andere gehen noch einmal kurz auf die Toilette. Nur der Mann im Anzug bleibt ganz entspannt zurück und entscheidet sich dazu sich ein Getränk an der Bar zu holen.

Er hat sich gerade wieder in der Ecke der Slammer eingefunden, als der Slammaster, welcher an diesem Abend auch der Moderator ist, den Slam eröffnet. Es folgt das übliche Vorgeplänkel, welchem die meisten Slammer keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Nur der Herr im Anzug lauscht still und aufmerksam, dann wird der erste Teilnehmer auf die Bühne gerufen und es wird still im Raum. Außer ein paar geflüsterten Bemerkungen der Slammer unter sich, hört man, neben dem Vortrag des Auftretenden, nichts.

Der Abend vergeht langsam - und bald wird der Slammer mit dem Startplatz Nummer sieben aufgerufen.
„Und jetzt bitte ich euch um einen Leuten 10-Punkte-Applaus für ALEXANDER BACH!“
Der Herr im Anzug, Alexander Bach, schreitet entspannt durch die Menschenmenge, dann erreicht er die Bühne und nimmt seinen Platz hinter dem Mikrofon ein. „Guten Abend ihr Lieben.“, begrüßt er das Publikum. „Es freut mich heute Abend hier sein zu dürfen.“ Er blickt kurz in die Runde, sieht auf die Gruppe der Slammer, die sich gerade innig umarmen und sagt: „So viel Liebe ist in diesem Raum. Vor allem in der Ecke der Slammer. Kuschelparty.“

Er macht eine weitere kurze Pause. „Passend dazu habe ich euch einen romantischen Text mitgebracht. Doch zuvor möchte ich euch gerne auf eine kleine Besonderheit dieser Stadt aufmerksam machen.“
Er berichtet mit ruhiger, angenehmer Stimme von einem Erlebnis am Bahnhof, dann kommt er zurück zu seinem Text. „Ich bin anonymer Melancholiker, wie ihr vielleicht schon bemerkt habt. Deswegen geht es in meinem Text auch um die Liebe.“ Er trägt mit klarer, ausdrucksvoller Stimme seinen Text vor, dann bedankt er sich und verlässt unter lautem Applaus die Bühne.

Obwohl Alexander Bach an diesem Abend nicht gewinnt, bleibt er vielen Anwesenden im Gedächtnis, welche sich bewundernd an den Herrn im Anzug erinnern, der zuerst so gar nicht in die Kneipe gepasst hatte und dann plötzlich doch dorthin gehörte. Sie erinnern sich an sein elegantes, angenehmes Auftreten und auch an seinen Text, der so anders – zurückhaltend und doch besonders – war.

Währenddessen sitzt Alexander Bach im Zug zurück nach Hause und denkt lächelnd an den schönen Abend, den er heute wieder hatte. Auch im Zug fällt er irgendwie auf und doch passt er hier her.
Der Mann im eleganten Anzug, der irgendwie fehl am Platz wirkt und doch dazugehört und das Bild abrundet. Der Mann, welcher mit seinem Anzug Eleganz an die seltsamsten Ort bringt und sie damit veredelt.


Geschrieben von Ruby Tuesday, einer Slammerin und Organisatorin der Kulturbotschaften Slams in Mülheim
an der Ruhr.

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