Poetry Slam von Innen: Tristan Kunkel über Jan Schmidt

Wenn man im Telefonbuch nach „Jan Schmidt“ sucht, stellt man erstmal fest, dass man kein aktuelles Telefonbuch mehr hat. Wenn man sich dann aber nach einem Besuch im örtlichen Einkaufszentrum unter vielen verdutzten Blicken ein Telefonbuch besorgt hat, schlägt man „Jan Schmidt“ nach und findet abertausende Namen.

Aber für Jan braucht man kein Telefonbuch, man kennt Jan einfach. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz oder so. Ist man mit Jan auf einem Slam, ist es sicher, dass er die erste Stunde seines Daseins nur mit Begrüßungen verbringt. Das liegt nicht nur an der enormen Menge an Menschen, die Jan kennen, sondern auch an seiner Art, Menschen zu begrüßen.

Zum ersten Mal traf ich Jan in Saarbrücken. Ich wurde prompt mit einer Umarmung begrüßt. Und ich meine jetzt nicht so eine Wischi-Waschi-“Ach cool, du auch hier? Ja, mir geht’s gut. Weißte was? Wir müssen unbedingt mal wieder was zusammen machen! Tschaui!“-Umarmung. Nee. Mit beiden Armen und über den Rücken streicheln – das volle Programm eben. Und ich habe das Gefühl, dass diese Umarmung exponentiell länger werden im Vergleich zur Zeit, die man Jan schon kennt.



Man lief sich daraufhin öfters über den Weg und ich freute mich immer schon, wenn Jan im Line-Up stand. So kam es in Münster im Nordstern schon zu einigen hitzigen Diskussionen über den Stellenwert von Buch und Film, aber auch zu generellen Disputen, ob ein Film jetzt gut ist, ein Meisterwerk oder nur eine Ansammlung von ziemlichen Whacko-Faktoren.

Das ist auch sowas. Jan spricht mit totaler Selbstverständlichkeit Slammerspeak. Begriffe wie „Diggi“, „Brudi“, „Tschuldi“ oder „Whacko“ lässt er in seriöseste Unterhaltungen einfließen.

Reden kann man mit Jan eh über alles. Egal, ob es nun gehaltvolle Themen sind oder nur die Frage, wer eigentlich den Boden erfunden hat. Die Unterhaltung über den Boden endete in einer ganzen Reihe von tollen Erfindern, ohne die die Welt nun ganz anders aussähe.

Natürlich darf man seine Oberteile auch nicht vergessen. Ich schaue ihm immer ganz peinlich auf die Brust, wenn ich ihn sehe und lache dann ob des Wortspiels. Dann schäme ich mich meist ob des Wortspiels. Und dann lache ich wieder.

Achja, Texte schreiben kann der Kerl auch. Schön rund, Hand und Fuss, mit viel Witz, aber auch der nötigen Tiefe an der richtigen Stelle. Wenn man gerade meint, man hätte seinen Stil durchschaut, reißt Jan wieder eine Schicht herunter und man sitzt fassungslos vor seinen Worten und versucht sie vergeblich in das Bild des Jan Schmidt zu zwängen, dass man sich gemalt hat. Schnell stellt man fest, dass dies ein vergeblicher Versuch ist und man belässt es einfach dabei, das Jan halt nunmal immer von einem Nebel des Mysteriums umgeben sein wird.

Im September passierte dann das Unglaubliche: Jan Schmidt zieht nach Erlangen! Say whaaaat?! Ins Ausland?! In der Hinsicht muss man Siegen ja eigentlich sehr viel Tribut zollen, dass hier noch ein Studienplätzchen für den Herrn Schmidt frei wurde und er NRW somit erhalten bleibt. Hier studiert er jetzt, läuft mir dauernd über den Weg und kann bei den Dozenten durch sein extensives Filmwissen glänzen. Zwar wohnt Jan nicht direkt in Siegen, aber Hilchenbach ist größentechnisch immerhin schon eine Steigerung zu Schluppkoten. Man kann wohl behaupten, dass wir Jan für das Großstadtleben vorbereiten. Durch seine WG ist das betreute Wohnen auch gewährleistet und wie so eine Waschmaschine funktioniert, steht ja glücklicherweise im Internet.

Tatsächlich wird Jan auch hier am Campus angesprochen. Jeder erkennt einfach Jan. Vielleicht mag das aber auch zu einem Teil daran liegen, dass ich seine übliche Begrüßung über eine große Distanz (das laute Rufen meines Namens) natürlich nicht unerwidert lasse und wiederum seinen Namen laut rufe. Vielleicht versuchen wir auch einfach nur, potentielles Publikum unterschwellig zu beeinflussen für die nächste Jury-Wertung. Wer weiß das schon.

Damit wurde nun hoffentlich mehr als deutlich gemacht, dass es sich bei Jan Schmidt nicht um einen Schmidt von vielen handelt, sondern wahrscheinlich um DEN einen Schmidt.



Tristan Kunkel ist auch ein ziemlich cooler Hecht, der diesen Beitrag geschrieben hat, mir aber leider keinen eigenen Text für hier geschickt hat. Daher verrate ich noch, dass er natürlich auch Slam macht und auf seinem Foto eine Gitarre in der Hand hat. Oder einen Bass. Da kenne ich mich nicht aus.

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