Bericht und Interview: Menschlichkeit in Dortmund

Als ich am Freitag die Bilder der Flüchtlinge in Ungarn sah, war ich besonders gerührt von einem jungen Mann, der ein Pappschild hoch hielt: "Where is humanity?". Und ich hab ich mich verzweifelt gefragt, ja wo ist die Menschlichkeit?

Liebe Menschen, ihr braucht nicht mehr zu suchen, ich hab sie gefunden. In Dortmund. Ja, in dieser grauen schangelligen Stadt, in der ich wohne.

Samstag Abend verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Viele Flüchtlinge, die aus Ungarn nach Deutschland gekommen sind, waren auf dem Weg nach Dortmund. Um 3:00 sollte der erste Zug aus München in Dortmund ankommen. Ich war gerade beim Roxy-Slam in der Dortmunder Nordstadt, als mir der Poetry Slammer Sven Hensel die Ankündigung auf Facebook zeigte. Der Moderator des Abends Björn Rosenbaum verkündete laut, dass Wasser und Decken am Hauptbahnhof gesammelt würden. So und so ähnlich verbreitete sich die Nachricht in der ganzen Stadt und in der Nacht standen hunderte Dortmunder am Hauptbahnhof, sammelten Decken, Essen und Wasser und warteten auf die Flüchtlinge. Gegen 1:20 Uhr tauchten Neonazis am Dortmunder Hauptbahnhof auf, um Ärger zu machen. Die Polizei drängte die 20 teils aggressiven Nazis zurück, während ca. 1000 Menschen dabei waren die vielen Spenden zu sortieren und zum nahe gelegenen Kulturzentrum Dietrich-Keuning-Haus zu transportieren. Die ersten Flüchtlinge trafen dann am Sonntagmorgen ein und wurden mit Applaus und Refugees-Welcome-Rufen begrüßt.

Ich habe mich am Sonntagabend kurz mit Helferin Özge Cakirbey unterhalten. Während die lokalen Medien viel davon erzählen, wie toll alles in Dortmund ist, spricht sie es endlich an: Helfen ist kein Zuckerschlecken, vor allem wenn alles selbst organisiert ist! Mit müden Augen aber unerschütterlicher Tatkraft wuselte sie durch das Dietrich-Keuninghaus und versuchte ein bisschen Struktur zu schaffen. Sie erzählt von Schwierigkeiten, vor denen die Helfer standen, von Stolz auf die Dortmunder Bürger, von angestachelten Rechten und dass es auch in Ordnung ist, mal Pause zu machen.




Die Gruppe auf Facebook heißt trainofhopedo. Informiert euch dort, ob gerade Hilfe gebraucht wird!

Wenn ihr nachhaltig und längerfristig helfen möchtet, schreibt direkt die Flüchtlingsunterkünfte an. Deutschlehrer, Kinderbetreuer und helfende Hände werden immer gesucht!




Kommentare

  1. Das war eine super Idee von dir, liebe Fatima, dich dort umzuhören und zuschauen. Das Interview finde ich sehr spannend, gerade auch, weil es natürlich gut und richtig ist den Flüchtlingen zu helfen, ich aber schon geahnt habe, dass es da bei so vielen "ungelernten" ehrenamtlichen Helfern sicher auch mal ein wenig hakt.
    Menschlich finde ich es sehr beachtlich was alle da leisten. Danke an alle Helfer für ihre Mühen!

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  2. Mir ist es wichtig nochmal zu sagen: Wenn ihr am DKH abgewiesen wurdet, weil dort schon zu viele Helfer sind, gebt nicht auf! Meldet euch bei den andren vielen Unterkünften und bietet eure Hilfe an. Auch dort gibts viele Spenden zu sortieren, Kinder zu betreuen, Deutsch zu lehren...

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