Hallo Studium - Warum ich dich hasse.

Andasch | 12.11.16 | / |
Hallo Studium,
bitte setz dich. Wir müssen reden.

Das mit uns, das geht jetzt schon vier Jahre und ich bin einfach nicht mehr glücklich, ok?
Es ist ein fürchterliches Klischee, aber ich glaube es liegt an mir und nicht an dir.
Vielleicht liegt es aber auch an uns Beiden. Keine Ahnung..Wir Beide sind so wie wir gerade sind einfach nicht kompatibel. Es ist definitiv nicht nur deine Schuld, schau all die anderen, sie sind ja scheinbar glücklich. Sie meckern immer ein wenig ja, aber das gehört doch ein bisschen dazu, oder?
Alle meckern, immer. Nur deswegen funktioniert doch diese Mario Barth Scheiße, die wir Beiden immer so gehasst haben.

Woran das liegt?

Mhhh.. wie soll ich sagen. Ich hab das Gefühl du schränkst mich ein. Ich kann nichts mehr machen. Du willst immer dabei sein, immer was von meinem Tag haben. Beispielsweise nächstes Semester.
Ich wollte einen Tag in der Woche mit Radio-Praktikum verbringen. Nur einen Tag.
Ich weiß, du magst Radio-Praktikum nicht. Sie ist dir zu verrückt und kreativ und du findest das aufgesetzt. Aber ich mag sie. Und ich will wirklich Zeit mit ihr verbringen. Aber ich darf wegen dir nicht. Genauso wie den Kurztrip mit Tauchen im Dezember den er und ich geplant haben. Es geht nicht, weil du mich jede Woche sehen willst.

Versteh mich nicht falsch bitte. Ich verbringe gern Zeit mit dir. Es vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht an dich denke, von dir schwärme und anderen erzähle was ich so gern an dir habe. Aber du bist verdammt nochmal unflexibel. 
Und nicht nur, dass du mich während des Semesters sehen willst, nein. Auch während der vorlesungsfreien Zeit veranstaltest du deine Klausuren. Dann verbringe ich jeden Tag nur mit dir. Das sind Wochen die ausschließlich für dich geblockt sind. Und als ob das nicht reichen würde, hast du auch immer diese Praktika geplant. Manchmal sind die so spontan, dass ich Pläne absagen muss, auf die ich mich seit Wochen gefreut habe.  Das ist scheiße. Ehrlich!

Das ist auch so'n Ding. Du planst immer irgendwelche Sachen und sagst nie Bescheid. Immer muss ich allem hinterher laufen und gucken, wo ich die Informationen herbekomme. Ich verstehe nicht warum du mir nicht am Anfang des Semester irgendwo einen Zettel hinlegen oder einen Post im Internet schreiben kannst mit allen Terminen des Semesters. Es ist ja nicht so als seien da große Überraschungen bei. Mal ehrlich, dieselben Praktika machst du schon seit Jahren mit allen anderen auch.

Und warum gehen die eigentlich auch immer bis 17/ 18 Uhr?  Wenn ich Zahnschmerzen hab, muss ich dann immer warten bis wir deine Praktika fertig haben. Nach 18.00 bekommt man keinen Arzttermin mehr und fehlen darf ich natürlich auch nie. Nichtmal wenn ich krank bin mit ärztlichem Attest. Was für eine Arbeitskultur willst du damit vermitteln? Die totale Unterwerfung vor dem System und das Ignorieren von Krankheitzeichen und persönlichem Wohlbefinden? Die Waage der Work-Life-Balance steht in deinem Kopf gewaltig schief, meine Liebe.
Außerdem stecke ich womöglich alle meine Mitstudenten, Betreuer und Menschen an die ich treffe. Willst du das?
Du sagst immer, es sei ja kein Problem krank zu sein, weil uns niemand zwingt zu kommen, aber dann soll ich das Praktikum im nächsten Jahr nachholen? Du weißt, dass das meistens nicht funktioniert weil du im nächsten Jahr andere Praktika oder Veranstaltungen geplant hast. Oder die Veranstaltung sogar Voraussetzung für die nächsten ist!

Und warum darfst du eigentlich immer entscheiden was wir machen? Bei Philipp und Germanistik läuft das anders. Der darf sich auch mal aussuchen was die Beiden zusammen machen. Ich muss immer das machen, was du für interessant hältst. Und er hat auch mal frei oder kann sogar einen ganzen Tag mit wem anders verbringen, wenn er will.

Bio-Chemie, es ist so schade. Du hast soviel Potential. So viele interessanten Facetten. Aber zurzeit zeigst du mir nur deine hässliche Seite.
Ich verstehe auch nicht, warum du dich immer in deiner Fakultät einschließt. Sei doch mal ein bisschen kommunikativer und schau nach links und rechts. Ich weiß, dass Medizin, Biologie und Psychologie interessante Dinge zu erzählen haben. Ich weiß, dass du sie mögen würdest. Wer weiß, vielleicht könnten wir gemeinsam mal ein paar Flaschen Wein trinken und schauen was passiert...

Und du könntest gelegentlich auch mal mit Philosophie sprechen. Ich weiß ihr habt euch seit Jahren nicht mehr gesehen und geht jetzt getrennte Wege, aber sie ist deine verdammte Mutter! Lach nicht ständig über sie. Das fand ich schon immer ein wenig seltsam.
Weißt du, andere Fächer haben einen Optionalsbereich, wäre das nichts für dich? Dann würden wir mal wieder unter Leute kommen.

Biochemie, das ist auch schwer für mich. Was hälst du von einer Semi-Pause? Nicht so richtig trennen, nur mal schauen was sonst noch so auf uns wartet? Was hälst du von einer offenen Beziehung?




Kommentare:

  1. Offene Beziehungen werden in der Regel nicht mehr so intensiv gepflegt,denkt man ueber eine offene Beziehung nach, ist das doch ein Zeichen nicht mehr so ganz zufrieden mit der Einen (hier heisst sein Name Studium) zu sein,so ergibt sich die Antwort doch schon von ganz alleine

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  2. Danke, für deinen Kommentar. Aber was ist wenn Bio-Chemie gut ist, also als Fachgebiet, unheimlich interessant und facettenreich ist und ich wissensdurstig und wämehr wissen will, die akademische Strukturierung allerdings total fürchterlich ist?

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  3. Möglicherweise fehlt dem Studium der Pluralismus, den Beziehungen auch erfahren. Dabei geht es ja nicht darum, dass es eine wirklich faktisch richtige Form des Zusammenseins gibt, sondern wir heute viele Optionen haben und brauchen, um verschiedene Lebensmodele zu bedienen.
    Studium ist schon seit vielen Jahren gleich, da könnte ein Aufbrechen alter Formen sinnvoll sein.

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  4. Ihnen aber hierzu einen Ratschlag zu geben,geht meiner Meinung nach gar nicht, koennte man tun, ja,wuerde man ihnen zustimmen, oder den Rat geben, ueberall reinzuschnuppern, mehrere Projekte ansteuern,sich dem strukturierten Modell einmal kuruzeitig oder generell langfristig den Ruecken zu kehren, diese Kommentare koennten alle hier stehn und jeder glaubt seine persoenliche Meinung waere fuer sie die Richtige,Aber waere man dann nicht verdammt oberflaechlich, haette man Ihnen bei der fuer sie richtige, nein das alleine ist schon wieder relativ fuer sie wichtige Entscheidung geholfen? Ich denke nicht, der naechste Schreiber nach mir, versteht vielleicht gar nicht, was ich gerade hiermit meine, alles richtig macht der uebernaechste Kommentator, das hoert man ja immer oefter, du hast nur ein Leben, tu das was dir persoenlich Spass, das Wort aller sich momentan wohlfuehlenden und sich ueberlegenen Menschen raet, ja so schwierig ist das mit einer Entscheidung, die wirklich nicht einfach ist,natuerlich, soll Mensch versuchen bei allem gluecklich zu sein, aber ist man das immer, nein, auch nur Sekunden, Minuten, kurze Momente, wieviel Momente Glueck hat das Studium und all das Wissen schon beschert? Dann nicht vergessen bei ihrer Entscheidung, sind sie ehrgeizig, moechten schnellstens Erfolg im Beruf wird man moeglicherweise bei Auszeit des Studiums an sie vorbeiziehn, ist es ihnen egal und sie moechten dafuer mehr Wissen fuer ihr Leben, sind finanziell auch nicht angewiesen,ihr Studium schnellstems zu beenden,und so wie sie geantwortet haben, sind sie ja sehr wissensgierig oder freudig, hoert sich auch wieder besser an, das sind nur ein paar wenige Gedanken, die ihnen vielleicht ein bissschen helfen, ihre fuer sie richtige Entscheidung zu treffen, waren nur Gedanken, von einem einzigen Menschen alles Gute

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