Platons Internetgleichnis- Ein Kommentar

Gestern hat Jan euch im Vlog etwas zu Platons Höhlengleichnis erzählt.

Das hat meine Denk-Maschine angeworfen. Ich habe über etwas völlig anderes nachgedacht als Jay mir eine wichtige Erkenntnis über das Internet an meine Höhlenwand projiziert hat.
Ich musste bei Jays Kommentar zur Platons Höhlengleichnis unweigerlich an die Natur von verschiedenen Realitäten denken. Aber bevor ich euch erklären kann, wieso muss ich euch kurz eine Geschichte von einem anderen klugen Mann erzählen.

Zeit ist relativ

Vor einiger Zeit, da gabs son Typen, der hat eine wirklich verrückte Tatsache entdeckt. Sein Name war Einstein und 1905 hat er die spezielle Relativitätstheorie veröffentlicht. Da stand ne Menge drin.
Und daraus lassen sich viele Erkenntnisse ziehen. Aber eine Erkenntnis war für mich besonders beeindruckend. Zeit ist relativ. Jeder hat seine eigene Zeit.
Vor seiner Theorie ging man von einer universellen Zeit aus, die für jeden gleich ist. Wissenschaftler wurden fast verrückt, weil sie Theorien suchten, die Beobachtungen erklären sollten, die sich mit einer universellen Zeit einfach nicht erklären ließen. Niemand kam auf die Idee, Zeit könnte relativ sein.
Wir haben in unserer Höhle immer nur den Schatten der Zeit gesehen. In unserer kleinen Höhle war die Zeit für uns alle gleich. Meine 30 Minuten haben auch für dich 30 Minuten gedauert. Das ist unser Erfahrungshorizont. Unser Schatten.
Natürlich war es erst ziemlich verwirrend für uns, als wir die wahre Natur der Zeit verstanden haben. Aber letztlich mussten wir einsehen, dass es keine absoulute Zeit gibt. Die Zeit tickt außerhalb unserer Höhle manchmal einfach anders. Wenn jemand unsere Höhle verlässt und wiederkommt, zeigt seine Uhr eine andere Zeit als meine.


Könnte Realität nicht auch relativ sein?

Platons Höhlengleichnis geht zwar nicht von einer universellen und richtigen Zeit aus. Allerdings impliziert Platons Gedankenexperiment eine richtige Realität. Die außerhalb der Höhle.
 Ich frage mich, ob das richtig ist. Vielleicht müssen wir ähnlich wie vor mehr als 100 Jahre den Schatten hinterfragen. Was ist wenn meine Realität genauso echt ist wie deine? Was ist wenn jeder seine eigene Realität hat?
Das bedeutet es gibt keine richtige Realität. Vielleicht ist das Gefühl einer einzigen Realtität selbst ein Schatten, den wir als Illusion entlarven können, sobald wir unsere Höhle verlassen.

Ich meine folgendes Beispiel: Stellt euch vor, jemand steht vor einer farbigen Wand und sagt diese Wand ist rot. Ein anderer sagt diese Wand sei blau. Das ist das klassische Qualia-Problem. 
Wenn eine Lichtwelle mit einer bestimmten Wellenlänge auf die Netzhaut trifft, werden Signale ins Gehirn geleitet und man nimmt je nach Wellenlänge des Lichts eine bestimmte Farbe wahr. Warum jemand bei einer bestimmten Wellenlänge rot oder blau sieht kann nicht erklärt werden.
Das Qualia-Problem beschäftigt sich aber eher mit subjektiver Wahrnehmung und sagt nicht ganz aus was ich meine. Denn wenn ich hier sagen würde sowohl der Mensch der rot sieht, als auch der Mensch der blau sieht haben recht und beide Realitäten sind wahr, könnte jemand sagen, dass beide falsch liegen. Jegliche Farbe ist eine Illusion. Die Realität ist, dass die Wand Licht abstrahlt mit einer Wellenlänge von beispielsweise 615 nm.

In einem zweiten Szenario steht jemand vor einer farbigen Wand und misst die Wellenlänge des abstrahlenden Lichts. Er kommt zu dem Ergebnis 615 nm.
Ein anderer Mensch bewegt sich mit annährend Lichtgeschwindigkeit auf die Wand zu. Durch den Doppler-Effekt verändert sich dadurch die Wellenlänge des eintreffenden Lichts von der Wand.

Er wird eine andere Wellenlänge messen. Wer von beiden hat Recht? Wer beobachtet die richtige Realität? Ich nenne es, das modifizierte Qualia-Problem. Vielleicht hab ich auch irgendwo einen Denkfehler.
Aber was genau ist Realität, wenn sich alles relativ zum Beobachter verändert?
Man könnte das hier noch weiterführen. Man könnte über die Heisenbergsche Unschärfe-Relation reden. Über Quantenmechanik, mit der sich immer nur Wahrscheinlichkeiten berechnen lassen und nie exakte Werte.

Aber ich möchte das hier schließen. Vielleicht ein wenig pathetisch mit den Worten von Platons Lehrer:

Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Kommentare

  1. Nach dem von ihnen geschriebenen Text,so geht es mir petsoenlich,ist Leser zunaechst einmal beeindruckt, da ihr Wissen und die Gedanken, die sie dazu beitragen und vermitteln oderauch zur Diskusion stellen moechten,scheinbar ein zu hohes Niveau vorraussetzt, so das es mit Sicherheit eine Menge Leser gibt, die aber letztendlich es nur beim Lesen ihrer Texte belassen, Ist jetzt mein persoenlicher Gedanke, schoene Gruesse und weiterhin so gute Gedanken zu ihren Texten

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