Wenn ich das richtig verstanden habe - Joseph Campbells Monomythos

Jay Nightwind | 14.06.17 | |
Bildquelle: WikiCommons
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist das mit dem Monomythos von Joseph Campbell so:

In jeder Geschichte die wir Menschen überliefernswert finden, kommen immer die gleichen Figuren, Rollen bzw. Funktionen vor. Da ist ein Heldencharakter, welcher zu Beginn der Geschichte von der Allgemeinheit nicht zu unterscheiden ist, aber durch Herausforderungen geprüft wird und sich weiterentwickelt, bis er sein Ziel erreichen kann. Dieses Ziel ist meist ein großes Übel zu besiegen, welches den Helden und die Gemeinschaft bedroht. Dieses Übel nennt Campbell den "Schatten", welches traditionell von außerhalb der Gemeinschaft kommt. Zwischen dem Helden und dem Schatten entspinnt sich die Geschichte, welche als "Reise des Helden" bezeichnet wird.

Campbell sagt, dass diese Bedrohung in modernen Fällen und Geschichten nicht zwangsweise eine Gefahr von Außerhalb oder ein Fremder sein muss. Jede der Rollen kann sich in den Schatten verwandeln, aus dem Blick mancher Rollen sieht der Held auch möglicherweise wie ein Schatten aus.

Damit der Held diese Antritt, tritt der Herold auf, welcher nicht nur dem Helden andeutet, dass er nun vom Normalo zum Besonderen aufsteigen muss, sondern auch die negativen Konsequenzen aufzeigt, wenn der Held die Herausforderung nicht annimmt. Gerade der Herold muss dabei keine aktive handelne Person sein, sondern kann zum Beispiel auch von einem Gegenstand oder Ereignis dargestellt werden.

Wenn der Held seine Mission annimmt, kann er  nichts, was er benötigt um den bei weitem mächtigeren Schatten besiegen zu können. Deshalb gibt mindestens ein Element, welches als Mentor auftritt. Der Mentor lehrt den Helden Dinge, welche er im Laufe seiner Reise brauchen wird, um den Schatten schlussendlich besiegen zu können. Aus diversen Gründen, ist dazu meist der Mentor selbst nicht im Stande.

Um den Helden zu prüfen und ihn in die Situation zu bringen, das Gelernte auch Anwenden zu müssen, gibt es verschiedene Prüfungen. Diese treten in Form der Festungswächter auf, was ein wirklich seltsamer Name ist. Aber tatsächlich vertreten sie fundamental auf und ein, wofür der Schatten steht und sie bestärken das schädliche Element in seiner Ausrichtung. Der Held muss diese Hindernisse überwinden, um sein Ziel zu erreichen.

Eine weitere Figur, welche sich gerade beim Bewältigen von Hindernissen zeigen kann, ist der Formwechsler. Dabei handelt es sich um eine Figur, die ihre Rolle ablegt und eine überraschende Wendung in die Geschichte bringt. Die Zahl der Veränderungen ist dabei nicht begrenzt, was in einer modernen personenbezogenden Erzählweise besonders häufig auftritt. Fernsehserien zum Beispiel lieben den Formwechsler.

Zur Lösung der Anspannung in der Erzählung, gibt es auch häufig einen Trickster. Dieser lockert die Geschehnisse auf, bietet eine komödiantische Entlastung an, ist besonders häufig auch gleichzeitig in einer anderen Rolle unterwegs, sieht sein Trickster-Tum nur als Charaktereigenschaften, während er die Ziele einer anderen Rolle verfolgt.

Diese Sieben Rollen kommen laut Joseph Campbell in jeder menschlichen Geschichte vor, die uns attraktiv erscheint. Als Grundlage seiner Untersuchung hat der Mythologe sowohl religiöse Texte, als auch Traumdeutungen, Folklore und auch Unterhaltungsliteratur seiner Zeit untersucht. Die mögliche Überholung seiner These hat er besonders in der Globalisierung erkannt, welche uns zunehmend die Faktoren reduziert, welche außerhalb der Gesellschaft liegen oder uns verpflichten, erst unser persönliches und gesellschaftliches Inneres zu festigen, bevor wir neue Schatten suchen, die es zu bekämpfen gilt.

Wenn wir davon ausgehen, dass Campbell mit seiner These recht hat, dann können wir bei einer Unzufriedenheit mit unserem eigenen Leben probieren seine Analyse anzuwenden. Davon ausgehend, dass wir der Held in unserer Erzählung sind, kann eine Unzufriedenheit darauf basieren, dass uns ein Schatten im Leben fehlt, ein Herold der uns beruft, Mentor*Innen die uns fördern oder auch Prüfungen, welche unsere Fertigkeiten herausfordern.

Quelle:
- Joseph Campbell, "Der Heros in tausend Gestalten"

"Wenn ich das richtig verstanden habe" ist eine Reihe bei der Menschen erlernte Inhalte in eigenen Worten zusammenfassen. Dabei soll nicht nur nochmal der Inhalt wiederholt werden, sondern auch verarbeitet werden. Die Veröffentlichung im Blog erlaubt es dann Leser*Innen vertiefende Fragen oder ergänzende Impulse zu geben. In Zeiten von verdrehten verfälschten Fakten und massiver Informationsflut, kann es sinnvoll sein sich über die Dinge die wir zu wissen glauben zu unterhalten.
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