Jetzt ist eh zu spät

Der Hartmann | 25.09.17 | / |
Es ist der 24. September 2017.
Der Tag der Bundestagswahl und es flimmern die ersten Hochrechnungen und Prognosen über die Bildschirme.
Platz 1 und 2 sind geschenkt, das war schon vor der Wahl klar. Angela Merkel kriegt noch einmal vier Jahre als Bundesmutti und Martin Schulz geht mit Pauken und Trompeten unter.
Doch dann kam das, was Viele befürchtet haben: Die AfD als drittstärkste Kraft.

Vorne weg: Ich finde das alles andere als gut und hätte mir sogar lieber Fußpilz auf den dritten Platz gewünscht, da die AfD eine Partei ist, die genau entgegen meiner Prinzipien arbeitet:
Als Kritik getarnter Fremdenhass, ein fehlender Gemeinschaftssinn, fehlende Toleranz, widerlicher Populismus und auf billigen Klischees und Vorurteilen basierendes rechtes Gedankengut.
Mir wird schon beim Gedanken an die AfD schlecht, von ihren ekelhaften Wahlslogans, die nun zu lange das Straßenbild prägten, mal abgesehen.

Auf Facebook schreiben nun viele AfD- Gegner, dass jetzt die beste Zeit zum Auswandern wäre, was selbstredend nicht allzu ernst gemeint ist.
Aber dennoch wäre das der genau falsche Weg.

Zunächst, das Ergebnis war alles andere als überraschend. In einer Welt, die immer brauner wird, in der Donald Trump die Führungsorange der USA geworden ist, in der Viktor Orbán mit seinem Antiflüchtlingsdenken der EU auf der Nase rumtanzt oder eine Front National in Frankreich so grade eben scheitert (wohlgemerkt im 2. Durchgang), ist es nicht verwunderlich, dass auch die braunen Hetzer in Deutschland derart absahnen bei der Wahl.

So unpopulär ich mich jetzt vielleicht mache, aber ich glaube, dass wir uns das teilweise selbst zuzuschreiben haben. Als die AfD damals gegründet wurde, ist sie belächelt worden, hat aber immer mehr Zuspruch gefunden. Der kleine Mann hat sich verstanden gefühlt, die Finanzhilfen für Griechenland waren einigen Mitbürgern schon länger ein Dorn im Auge.
Man hat allerdings, so war mein Empfinden jedenfalls, nie wirklich versucht, einen lösungsorientierten Dialog zu führen, sondern es immer nur wegzureden versucht und die Leute als Spinner abgetan. Man hat sie schlichtweg nicht ernst genommen.
Dass daraus Frust und noch mehr Wut entsteht, war eine logische Konsequenz. Und das hat die AfD sich zu nutzen gemacht und ist mit großem Gefolge nach rechts abgedriftet.
Die immer größer werdende Unzufriedenheit hat die AfD instrumentalisiert und die Menschen in ihrem Glauben bestärkt, dass sie ungerecht behandelt werden, die Flüchtlingskrise hat ihr Übriges getan. Auch daraus hat die Partei Kapital geschlagen und ihre blaubraune Soße in die Köpfe der Menschen gekippt, sodass plötzlich viele glaubten, ihnen würde was fehlen und die Schuldigen wären die Geflüchteten.
Wir wissen alle, dass das Mumpitz ist und es den Leuten unter anderem wegen einer schlechten Politik an Dingen wie einer vernünftigen Rente oder anderer staatlicher Unterstützung fehlt.
Daran sind allerdings nicht die Flüchtlinge schuld, sondern so manche Partei, denen wir Dinge wie die schwarze Null, Hartz IV oder das Kaputtmachen der umlagefinanzierten Rente zu verdanken haben. Auch die immer größer werdende Kluft zwischen arm und reich und die immer größer werdende Armut in diesem Land, sind nicht den Flüchtlingen in die Schuhe zu schieben. Das läuft an ganz anderen Stellen schief.

Doch all das liegt in der Vergangenheit. Die Wahl ist gelaufen und es ist zu spät. Der rechte Keim, der bei Vielen im Kopf verbuddelt war, keimt jetzt auf.
Allerdings sind wir jetzt gefragt, dass wir den Schaden so gering wie möglich halten.
Wir müssen die Fahne der Toleranz so hoch halten, wie wir können und dem rechten Pöbel zeigen, dass sie nur ein kleiner Teil des Volkes sind und dass wir für uns selber sprechen. Dass unsere Stimme lauter ist! Dass wir rechtes Gedanken"gut" weder hinnehmen, noch akzeptieren.
Wir müssen zusammenhalten und uns nicht auf widerwärtige AfD-Rhetorik einlassen, die Gauland, von Storch und wie die nicht alle heißen von sich geben (und sich hinterher wieder von distanzieren). Wir müssen zeigen, dass Fremdenhass hier in Deutschland keinen Platz hat. Auch nicht im Osten, wo es No-Go-Areas für Menschen mit Migrationshintergrund gibt. Wo Menschen wegen ihrer Herkunft beleidigt oder auf die Intensivstation geprügelt werden
Wir dürfen weder wegschauen, noch weghören, wenn Nazis und "besorgte Bürger" gegen Asylsuchende oder Menschen mit Migrationshintergrund pöbeln oder sie sogar angreifen.
Denn wir in Deutschland leben von Multikulturalismus. Hass hat in diesem Land schon zu viel Schaden angerichtet und das darf sich nicht mal ansatzweise wiederholen.

Also tut mir einen Gefallen: Steht auf und zeigt dem Hass, dass wir uns von ihm nicht unterkriegen lassen und immer für unsere Prinzipien der Freiheit, der Demokratie und der Weltoffenheit einstehen!
Hass gehört nicht zu Deutschland!


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