Ich hab noch nie... 'Das Leben des Brian' gesehen



Im ersten Nachtwind Live Event des letzten Jahres baten wir das Publikum, uns Filme zu nennen, die man unbedingt gesehen haben müsste. Diese wollte ich dann in der damals eingeführten Reihe „Ich hab noch nie…“ anschauen und kommentieren. Wie das so oft bei meinen Planungen abläuft, dauerte es bis heute, dass ich der Reihe einen zweiten Teil spendiere und außerdem endlich den Film abarbeite, der beim Live Event am häufigsten erwähnt wurde: Das Leben des Brian!
 
"Nun, alles in Ordnung, Brian. Setz dich. Nimm dir 'n Keks. Machs es dir schön bequem."

 "Ich war nie ein großer Freund des Monty Python Humors."


Wenn ich vorher sagte, dass ich noch nie „Das Leben des Brian“ gesehen habe, erntete ich in der Regel verständnisloses Kopfschütteln. Wenn in einem lockeren Beisammensein mit Referenzen aus diesem Film um sich geworfen wird, halten sich alle lachend die Bäuche, während ich die Welt nicht mehr verstehe. Das Interesse, dieses Filmdefizit aufzuholen, war allerdings auch nie da. Ich war nie ein großer Freund des Monty Python Humors. Ritter der Kokosnuss ging mir so schnell auf die Nerven, dass ich den Film nach 20 Minuten beenden musste und auch andere Fernsehsendungen der britischen Kult-Komiker haben mich nie überzeugt. Ohne diesen Blog hätte ich also wahrscheinlich weiterhin dem ewigen Einreden aller Bekannter getrotzt und mich nie im Leben an den Film gewagt.

So stellte ich mir zum Weihnachtsfest des letzten Jahres aber doch die Frage: Originalton oder deutsche Synchro? Wahrscheinlich muss man Monty Python in der Originalfassung schauen, um den britischen Humor in voller Ladung zu bekommen und eigentlich umgehe ich deutsche Synchronisation auch so gut es geht. Bei alten Klassikern ist es aber oftmals so, dass gerade die Synchro auch einen Teil des popkulturellen Charmes ausmacht. Wenn ein Gag sich nicht komplett lokalisieren ließ, wurde gerne mal ein komplett neuer geschrieben, was einen ganz eigenen Pool an Referenzen aushob. Da mir alle Kenner*innen des Films mir auch nur deutsche Zitate an den Kopf knallten, war die Frage zumindest schnell geklärt.
 
"Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist?"

"'Das Leben des Brian' ist für mich vor allem völlig überdreht."


Sollte jemand diesen Beitrag lesen, der „Das Leben des Brian“ ebenfalls nicht kennt (ihr seid mir sympathisch!), hier eine ganz kurze Zusammenfassung: Am gleichen Tag wie Jesus Christus wird im Stall nebenan der kleine Brian zur Welt gebracht. Aus seiner Perspektive wird nun erzählt, wie es sich so gelebt hat zu Zeiten des christlichen Heilands. Erzählt wird die Geschichte dann in einer Aneinanderreihung skurriler Situationen, die sich mit Religion, Rebellion gegen das römische Reich und alltäglichen Problemchen befassen. Und ich will hier gar nicht lange um den heißen Brei reden: ich habe während des Films kein einziges Mal gelacht. Während meine Freundin neben mir vor Lachen teilweise nach Luft schnappen musste, schaute ich verständnislos auf den Bildschirm.

Ja, der Film bietet haufenweise Potential dazu, in jeder beliebigen Lebenslage irgendwie zitiert zu werden. Es werden Situationen geschildert, die im Setting der damaligen Zeit unfassbar skurril wirken, da wir ihre Relevanz in der Moderne verorten. Ich verstehe also durchaus, wie der Humor hier funktioniert, was lustig sein soll und was damit ausgesagt werden will. Ich finde es einfach nur nicht lustig. „Das Leben des Brian“ ist für mich vor allem völlig überdreht. Viele Pointen werden mit der Keule in den Film und die Zuschauer*innen geprügelt. Es war, als würde der Film mir die ganze Zeit ins Gesicht schreien: „Schau mal, das ist witzig! LACH ÜBER MICH!“, was mir einfach um Längen zu plump war. Dazu kam dann auch noch die Synchronisation, bei der mir 90% der Stimmen allein durch ihren Klang schon unfassbar auf die Nerven gingen.
 
Always look on the bright side of life...

 "Dieser Film wurde durch mein komplettes Umfeld auf ein Podest gehoben"


In meinen Augen funktioniert dieses Werk mittlerweile nur noch über den Kultfaktor. Was ich in diesem Werk zu sehen bekomme, mag für damalige Verhältnisse bahnbrechend gewesen sein. Das zeigt allein schon die öffentliche Reaktion. Der Film darf auch heute noch nicht an Karfreitag gesendet werden, weil er damals als zu anstößig betrachtet wurde. Ich will also gar nicht absprechen, dass Monty Python im Allgemeinen sehr viel für die Entwicklung des Humors getan hat. Nur gibt es mittlerweile so viel Material, dass diese Grundlagen einfach um ein vielfaches besser umsetzt. Für mich hatte „Das Leben des Brian“ nichts bahnbrechendes, nichts schockierendes, nichts neues. Dazu kam dann mit Sicherheit auch noch, dass ich jede der Pointen schon kannte, weil sie irgendwer mal irgendwo durch einen Raum gebrüllt hat. Dieser Film wurde durch mein komplettes Umfeld auf ein Podest gehoben, welches allein aus erhöhten Erwartungen bestand. Diesen konnte Monty Python in keinster Weise gerecht werden.

Solltet ihr also wie ich „Das Leben des Brian“ nur aus Erzählungen kennen, braucht ihr ihn euch nicht anschauen. Ihr werdet nur enttäuscht sein. Wenn ihr noch nie etwas von diesem Film gehört habt, keine Referenzen benennen könnt und euch auch britischer Humor völlig neu ist, habt ihr eventuell euren Spaß. Und trotzdem bezweifle ich, dass ihr diesen Film  auf ein ähnliches Podest stellen würdet wie die Personen, die ihn schon seit langem kennen. Der Humor hat sich einfach weiterentwickelt und auch, wenn die dargestellten Themen sicherlich zeitlos sind, so sind die Pointen es definitiv nicht.

Ich hoffe wirklich, dass die nächsten Empfehlungen, die ich hier auf einigen Karteikarten rumfliegen habe, ein angenehmeres Filmerlebnis werden.

Kommentare

  1. Ja, hier muss ich Ihnen Recht geben,mit solchen Filmen kann ich überhaupt nichts anfangen,da sieht man, wie unterschiedlich die Geschmäcker doch sind,ich hatte nie die Muse mir sowas überhaupt bis zu Ende anzuschaun,obwohl meine Familie sich das bei meinen für sie Kitsch Sendungen, sich abends denkt, da scheiden die Geister enorm, da wäre nur ein Fernseher undenkbar,also jedem das Seine,hat vielleicht auch bisschen was mit dem Alter zu tun, obwohl meine Schwägerin so alt ist, wie ich es auch bin,und ich ihre Begeisterung nie begriff, was mich persönlich eher fasziniert, sind die schwarz-weiss Klassiker, die jetzt in Farbe zu sehen sind, hab mal drüber gelesen, dass jeder einzelne Schritt berechnet wird, möchte jetzt nicht nachsehen, sonst ist der Text hier wieder verschwunden,ja auch wieder ein tolles Thema, was hier aufgegriffen wurde,könnte man doch so schön fortsetzen,Gesprächsstoff gäb es genug,wünsche noch eine gute Woche, A1

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