Survivalguide: Erkältung & Grippe

Foto: Hanna Flieder
Der Überlebenskampf drehte sich mal darum, Nahrung zu finden, eine sichere Bleibe zu finden und nicht von Dinosauriern gefressen zu werden. Das urbane Zeitalter hat die Bedrohungslage verändert, es sind nicht mehr die größten Lebewesen, sondern die Kleinsten, die uns jagen. Egal ob die Fünf-Sterne-Grippe aus der Kindertagesstätte oder auch eine reguläre Erkältung, die Bakterien sind da. Zu dem Zeitpunkt als ich dies schreibe, ist NRW in einer heftigen langatmigen Grippewelle gefangen. An dieser Stelle könnte ich ein "Walking Dead"-Szenario beschreiben, wäre aber unverhältnismäßig.

Ich für meinen Teil bin ein Profi darin, Erkältungen nieder zu schlagen. Ich verabscheue wehleidiges Rumgeflenne, denn eine wissenschaftliche Studie, die ich selbst durchgeführt habe hat gezeigt: Mitleid ist kein erfolgreiches Grippemittel. Ändert nichts, außer dass mensch sich legitimieren lässt, dass es okay ist krank zu sein. Was ironischerweise, je mehr mensch jammert, wieder weniger okay wird. So klug ist diese Strategie.

Als Viren-Preis-Boxer mit ewigem Bildungsauftrag, möchte ich euch an meinen Geheimnissen teilhaben lassen. Es sind keine echten Geheimnisse, sondern eine Sammlung von Strategien, die euch helfen können, der Grippe etwas entgegen zu setzen. Es ist für alle was dabei, von klassischen Tipps bis hin zu fragwürdigen Thesen. Die Reihenfolge ist zufällig.

1. Kleidung
Grippe und Erkältung tauchen häufig dann auf, wenn es draußen ordentlich kalt ist. Daher packen wir uns immer schön dick ein. Allerdings müssen wir uns bewusst machen, dass Bakterien sehr gut darin sind in Kleidung und Textilien zu wohnen. Natürlich ist es richtig, sich vor Kälte zu schützen, aber wer zum Beispiel mit einem Schal seinen Mund und Nase verdeckt, fängt auch alle Bakterien vor seinem Gesicht ab. Da Bakterien es auch gerne warm haben, halten wir sie mit Körperwärme in Form und atmen sie immer wieder schön selbst ein. Natürlich werde ich niemanden zwingen, sich von klirrender Kälte das Gesicht zerfrieren zu lassen. Aber nutzt Orte an denen ihr den Schutz nicht braucht, um die Textilien zum Beispiel zu wenden.

Auch daheim ist es wichtig über Kleidung nachzudenken. Denn in der warmen eigenen Butze, da fühlen sich die Bakterien natürlich wohler. Wer jetzt dem Klischee des Kranken nach direkt im Schlafanzug bleibt, wenn er morgens wach wird, trägt einen Anzug aus seiner eigenen Krankheit mit sich herum. Daher ist es nicht nur wichtig, diesen abzulegen, sondern insgesamt häufiger die Kleidung am Tag zu wechseln, um die eigene Wideransteckung in den Wäschekorb zu werfen. Bei Krankheit läuft die Waschmaschine bei mir öfter als sonst.

Auch für die Bettwäsche. Denn wer die erste Nacht in seinem Bett liegt, dort vielleicht sogar schön die Grippe ausbrütet, der sollte seine Bettwäsche ordentlich in kalter Luft auslüften oder gar nach der Nacht neu beziehen. Auch Unterdecken die leicht gewechselt werden können, können sinnvoll sein.

Wenn ihr darauf achtet, fallen euch selbst noch mehr Textilien und Orte ein, an denen ihr euch bei Krankheit immer wieder den eigenen Bakterien aussetzt. Denkt daran, dass sie Kälte nicht abkönnen und macht euch bewusst, wo sie wohnen, so könnt ihr sie leichter loswerden.

2. Ernährung
Vitamine helfen dem Körper eine intakte Abwehr zu haben. Viele Menschen neigen daher dazu, mit Beginn der Erkältung sich besonders viel Vitamin C rein zu pumpen. Erneut: Da habe ich gar nichts gegen. Ich empfehle mit starken Gemüsesuppen zu ergänzen, welche Flüssigkeit mitbringen und ebenfalls Ressourcen in den Körper bringen. Eine scharfe Suppe hilft ebenfalls, macht die Atemwege frei und bringt den Körper in Wallung. Allerdings gibt es hier auch ein Problem: Viel von den Vitaminen kommt quasi zu spät.

Der Körper bekämpft gerade bei hohem Energieaufwand einen Feind im Inneren. Was braucht der Körper, wenn er hart arbeitet? Energie! Empfehlung des Hauses: Schlechtes Essen ist gut! Alles was sonst böse ist, weil es zu viel "Energie" bzw. Kalorien hat, bringt Power in die Hütte! Eine Pizza mit doppelt Käse ist eine gerngesehende Medikation! (Wird nicht vom Arzt verschrieben und nicht von der Krankenkasse übernommen.)

Mein Hausarzt hat mir diese These tatsächlich bestätigt. Viren bekämpfen ist Sport bei eingeschränkter Funktion für den Körper. Daher erleiden manche von uns bei Krankheit auch Gewichtsverlust, da Fett- bzw. Energiereserven angegriffen werden. Es ist also klug, den Zugang zu mehr Ressourcen möglich zu machen.
Außerdem ist schlechtes Essen oft gut für die Seele und wenn es der Seele gut geht, dann zieht der Körper auch oft gerne mit. Er will ja kein Spielverderber sein. Also gönnt euch ordentlich, genießt euch!

3. Zu den Waffen
Wenn wir schon häufiger am Tag die Kleidungwechseln, können wir auch in die Offensive gehen. Es klingt dekadent, aber in Zeiten von Erkältung ist es eine kämpferische Handlung und kein Luxus: Geht mehrfach am Tag duschen. Ein Bad nehmen ist auch immer gut, duschen geht schön schnell und wäscht erneut die Bakterien runter. Das geht bei mir so gut, dass ich sogar das Gefühl habe, es zu spüren. Ich denke, der Körper merkt, wenn die Haut irgendwie besetzt wird. Und wo etwas besetzt wird, sind der Erfahrung nach oft Wasserwerfer im Einsatz. Also ab unter die Dusche!

Baden ist dann besonders gut, wenn ätherische Öle zum Einsatz kommen, welche ebenfalls die Atemwege frei machen. Das liegt daran, dass wir in der Wanne nebenbei inhalieren. Die Dämpfe des heißen Wassers lösen die Verstopfung in der Nase vorerst auf. Viele Menschen vergessen dabei aber, dass eben dieses Inhalieren auch regulär eine gute Option ist. Es geht schneller als sich eine Wanne ein zu lassen, ist sehr fokussiert und ehrlich gesagt fühlt es sich für mich wie die Sauna des kleinen Geldbeutels an.

Für die Einsteigerversion wird nur Wasser und etwas Salz gebraucht, dazu eine Schüssel, ein Wasserkocher und ein Handtuch. Wasser erhitzen, Salz in die Schüssel, Wasser drauf, Kopf drauf, hinter dem Kopf mit dem Handtuch alles so abdecken, dass die heiße Luft nur schlecht entweichen kann. Ich empfehle so lange darunter zu bleiben, wie es sich gut anfühlt. Nicht zu nah ans Wasser und ganz wichtig: Laufen lassen. Jaja, wir haben alle gelernt uns die Nase zu putzen, aber dieses Wasser wirst du eh für nichts mehr verwenden, also kann der Schnodder auch da rein. Wer die Inhalationszone zum Naseputzen verlässt, verliert dringende Zeit unter der Saunahaube. Die ist übrigens auch deshalb fantastisch, weil sie bei tiefer – dann – freier Atmung sogar die Stirnhöhlen wieder frei macht.

Das so genannte "Japanische Heilpflanzenöl" gibt es übrigens recht günstig in den bekannten Drogeriemarktketten. Ich hau mir das Zeug auch in den Rand meines Schlafshirts. Macht auch da ein bißchen was für die Atemwege, geht mir leider auch immer etwas auf die Augen, was aber dann zur Folge hat, dass mensch doch auch ganz gut schläft. Halt auch ausgeknockt.

4. Profis
Ja, Erkältung kann mensch ohne Ärzt*innen überstehen, trotzdem sollte mensch sich nicht selbst und schon gar nicht mit Hilfe des Internets diagnostizieren. Ja, ich weiß, ironisch, weil dieser Artikel im Netz steht. Das ersetzt aber niemals den Profi. Erkältungen und ihre Symptome können auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten, die sicher nicht mit Pizza zu bekämpfen sind. Herzmuskelentzündung zum Beispiel, die sehr ernst zu nehmen ist. Daher denkt daran, dass ihr nicht unverwundbar seid.

Kommentare

  1. Der Klassiker ist natürlich viel Trinken, da der Körper, gerade bei Fieber, sehr viel arbeitet und schwitzt. Das Wasser muss wieder rein.
    Da man natürlich den Feind wegburnen will (Erkältung ist Krieg und die Abwehrkräfte machen ihrem Namen alle Ehre) sind Getränke in heißer Form natürlich mega gut. Also Tee und alles rein in den Schlund.
    Persönlich gieße ich mir gerne ein bisschen klein geschnittenen Ingwer mit kochendem Wasser auf.
    Das ganze lässt sich noch schmackhafter machen, indem man den Ingwer zusammen mit ein bisschen Zitrone und Zucker zu einem Sud aufkocht. Der hält sich locker 2-3 Wochen im Kühlschrank. Dann einfach einen kleinen Schluck in die Tasse, heißes Wasser drüber - fertig. Hilft sowohl bei der Erkältung, als auch als Abwehrkräftebooster in der nasskalten Jahreszeit.

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    1. Danke für die Ergänzung!
      Ich mache das ganze Jahr wenn Leute in die Kneipe gehen den "Viel trinken ist wichtig"-Witz, aber wenn es um Krankheit geht, vergesse ich es mit in die Liste zu nehmen. :D

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