Gesprächsstoff #008: Kindheitserinnerungen

Was ist das Dümmste, das du als Kind 
geglaubt hast?

Miriam sagt:
Mein erster Gedanke - ich habe an den Weihnachtsmann geglaubt. Also, so wirklich. Meine Eltern waren ziemlich gut darin, mir vorzumachen, dass die Geschenke an Weihnachten von diesem bärtigen, dick-bäuchigen Typen in rot-weißen Klamotten gebracht wurden, der leider immer dann kam, wenn ich gerade nicht da war. Aber: das war leider nicht das Dümmste. Und so kommen wir zu meiner zweiten Erinnerung: Ich habe einen älteren Bruder. Und wie das so ist mit Geschwistern - man ärgert sich schon mal. Auch schon mal häufiger. Und ich wollte es meinem Bruder sehr häufig gerne heimzahlen - ging aber nicht. Weil ich kleiner und jünger und schwächer war. Aber ich dachte folgendes "Irgendwann werde ich so alt sein, wie mein Bruder. Und dann werde ich es ihm heimzahlen." Und mit "so alt" meine ich genauso alt. Ich dachte, dass ich meinen Bruder alterstechnisch irgendwann einholen würde. Und zack - dann wären wir gleichauf. Das ist wohl das Dümmste, das ich als Kind gelaubt habe.

Aber um ehrlich zu sein, es steckt ein Fünckchen Wahrheit drin. Denn klar - mein älterer Bruder wird immer älter sein. Aber inzwischen sind wir beide erwachsen. Wir haben beide Fähigkeiten und Talente und auch Schwächen und Schwachstellen. Wenn wir uns heute ärgern (das passiert tatsächlich nur noch sehr sehr selten), dann kann ich es meinem Bruder heimzahlen. Nicht mit gleicher Münze, aber irgendwas ist eben da, mit dem ich ausgleichen kann. Und damit war das Dümmste, an das ich als Kind gelaubt habe, vielleicht doch der Weihnachtsmann.


Tobi denkt:
Das ist schwierig, weil ich als Kind noch weit leichtgläubiger war, als heute. Ich hab jeden noch so groben Unfug geglaubt.
Spontan kommt mir da eine Sache in den Sinn. Mein Bruder und ich haben uns damals ein Zimmer geteilt, abends lief dann oft das Radio oder eine CD. Und so fummelte mein Bruder dann abends gerne an dem Einstellrädchen für den Radioempfang, was dieses allgemein bekannte Störgeräusch verursachte. Ihr wisst schon, dieses Rauschen mit hohen, schrillen Geräuschen.
Wie bereits erwähnt, war ich damals noch dämlicher als heute und glaubte ihm, dass das der Versuch von Außerirdischen sei, Kontakt mit uns aufzunehmen.
Jetzt war es natürlich auch genau die Zeit, als das Thema oft im Fernsehen aufkam. In Filmen, in Serien, bei "X- Faktor - Das Unfassbare", was ich damals für bahre Münze genommen habe.
Und so habe ich dann auch gerne mal Panik geschoben.
Geschwister sind schon eine feine (fiese) Sache.

Jan erzählt:
Es ist Ostern, meine Eltern stellen das Essen auf den Tisch. Ich analysiere genau, wäge ab, dann heule ich und verweigere unter heftigem Protest. Ich begründe sogar recht plausibel: "Wir essen ja auch nicht den Weihnachtsmann!" Meine Eltern lachen erst, dann fällt Ihnen ein, dass ich noch nie Essen verweigert habe oder nicht probiert habe. Es ist also ernst. 

An Ostern einen Hasen zu essen, war für mich mehr als absurd. Vollständig nicht akzeptabel. Was damals ein kindlicher Gedanke und Reflex war, hat wenigstens zu einem guten Ergebnis geführt. Ich bin recht reflektiert mit meinem Essen geworden und Feiertage hinterfrage ich auch sehr.

Fatima sagt:
Ich war davon überzeugt, dass das Meer mich verschlingt, wenn ich ihm zu nah komme. Wir waren an der Nordsee im Urlaub, also quasi im größten Sandkasten der Welt - besser hätte es nicht laufen können. Die anderen Kinder bauten ihre Burgen möglichst nah am Wasser. Sie entwarfen Swimming Pools, Wassergräben und Kanäle. Ich hielt Abstand. Näher als 15 Meter ans Wasser war ich einfach nicht zu bekommen. Das Argument meiner Eltern, dass sie schon auf mich aufpassen würden, erschien mir nicht stichhaltig. Was, wenn eine Welle kam, und wir nicht schnell genug waren? Mein Überlebenswille war jedenfalls ausgeprägt. Ich baute dann Burgen mit Muschelfassaden. Wassergräben werden sowieso überbewertet, finde ich.



Malte erinnert sich:
Ich habe als Kind sehr viel Zeit vor dem Fernseher verbracht. Von diversen Spielfilmen wie dem kleinen Satansbraten, Eine Familie namens Beethoven usw. war das Cartoon-Programm am Wochenende fester Bestandteil meiner ausufernden Freizeit. Was mir allerdings nicht ganz bewusst war, war die Tatsache, dass Cartoons gezeichnet und animiert werden. Selbst die Bezeichnung "Zeichentrick" hat mir nicht auf die Sprünge geholfen. Ich war der festen Überzeugung, dass es sich bei diesen Serien um echte Personen handelt, die einfach nur mit einer ganz besonderen Kamera gefilmt wurden. Einer Kamera, wie mein Opa sie immer benutzt hat, wenn Familienfeiern anstanden, nur eben mit einer ganz bestimmten Funktion. Ich habe keine Ahnung, was letztendlich der Auslöser war, mit dem ich die eigentliche Wahrheit hinter den Ghostbusters, Scooby Doo oder den Peanuts erkannt habe. Aber dass ich diesen Gedankengang im Kindergarten in Diskussionen knallhart vertreten habe, weiß ich noch sehr genau.

Kommentare

  1. Hallo, grüße euch wieder einmal recht herzlich und sehe euer Thema, was das Dümmste gewesen ist, was man als Kind geglaubt hat, fiel mir auf Anhieb der Sandmann ein,da ich eine fünf Jahre ältere Schwester habe, wir uns früher ein Zimmer teilten,ging man zur selben Uhrzeit schlafen,wir erzählten uns Geschichten, bis meine ältere Schwester mich wie an jedem Abend aufmerksam machte,dass der Sandmann bald durchs Fenster kommt, durchs verschlossene Fenster, wohl bemerkt, um zu sehen, ob wir auch wirklich schlafen, Kinder die um diese Uhrzeit noch wach wären, streut man Sand in die Augen und du wirst nie mehr was sehen können,dieses Ritual funktionierte scheinbar gut .Ich glaubte daran, meiner großen Schwester vertraute ich immer ,bis ich eines abends hörte, wie meine Schwester zu meiner Mutter sagte, ja sie schläft, da begann ich zu zweifeln,ich öffnete das linke Auge, da ich mir überlegte, falls der Sandmann kommt und dir tatsächlich Sand in die Augen streut, dann hast du das eine Auge immer noch, um ein bisschen zu sehen, der nächste Tag, ich behielt mein Geheimnis für mich, selbe Ritual, zuerst wieder eine kleine Geschichte und dann,es begann das Abendprogramm,hiess es, wie jeden Abend, oh, jetzt müssen wir aber einschlafen, Augen zu, das Sandnännchen kommt gleich, ja enttäuschend mit einem geöffneten und einem geschlossenen Auge,hörte ich meine Schwester flüstern, schläfst du schon, ich lag mucksmäuschenstill im Bett und sah, wie meine grosse Schwester langsam aus dem Bett stieg, ins Wohnzimmer marschierte und hörte , ach hat schon angefangen, ja sie schläft!! Das meine Schwester 5 Jahte älter gewesen, hab ich nicht berücksichtigt, bin noch am selben Abend wütend ins Wohnzimmer marschiert, der richtig Mitleid hatte, war mein Vater, ja vergisst man nie, aber ich lache heute darüber, so wieder ausgiebig meinen Teil dazu gesteuert. Wünsche euch noch viele Ideen, Einfälle und lustige Geschichten,weniger Hitze und noch einen schönen Sommer. Ciao, bis zum nächsten Mal! A1

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    1. Vielen Dank fürs Teilen dieser Anekdote. Durch Gesprächsstoff hoffen wir ja heimlich, auch unsere Leser ein bisschen näher kennen zu lernen. ;)

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