Darf ich vorstellen? Luise Frentzel

Name: Luise Frentzel

Geburtsjahr: 1988

Beruf: Fotografin / Studentin Kommunikationsdesign







Was wolltest du werden, als du ein Kind warst?
Zuerst Sängerin – am besten in einer Girlband. Es war die Zeit der No Angels und jede/r wollte das daylight in your eyes sein. Das hielt aber zum Glück nur ca. ein Jahr an. Später (so mit 12-13) wollte ich dann eigentlich gar nichts werden, sondern lieber als Vagabundin mit Zelt im Wald leben und mich von dem ernähren, was es da so gibt. Außerdem wollte ich herausfinden, ob es wirklich Elben gibt. Was ich wirklich werden will, habe ich erst mit Ende 20 herausgefunden.


Warum hast du deinen Beruf gewählt?
Ich war vor einigen Jahren mal zu einer Hochzeit eingeladen und habe dort mit einer ganz okayen Kompaktkamera Fotos gemacht. Am Ende waren die besser als die vom Hochzeitsfotografen. Später gab es dann an meiner Uni einen Fotokurs, für den man eine eigene Spiegelreflexkamera brauchte. Sobald die bei mir eingezogen war, gab es kein Halten mehr. Ich habe entdeckt, dass ich beim Fotografieren Dinge sehen darf, die man so intensiv sonst niemals zu sehen bekommt. Gesichter und Mimik zum Beispiel, für immer festgehalten. Wann im Leben darf man einem Menschen viele viele Minuten aufmerksam ins Gesicht schauen und entdecken, was ihn gerade bewegt? Diese lebendige Schönheit, diese Freude, aber auch Schmerz, Trauer und Unsicherheit, die jeder einzelne Mensch versprüht und die ich sehen darf, sind für mich die größten Geschenke. Zusätzlich stehe ich auf Ästhetik und darauf, nur mit meinem Kopf und eins zwei Hilfsmitteln komplett neue Welten erschaffen zu können. Deshalb auch das Designstudium.


Was bezeichnest du als Heimat?
Der Ort, an dem meine Eltern leben. Im Moment ist das Thüringen, würden sie aber morgen nach New York ziehen, wäre es dort. Heimat ist für mich nicht „zu Hause“. Zu Hause ist im Moment Bochum. Grundsätzlich ist zu Hause da, wo ich persönlich leben möchte, wo ich mich sicher und willkommen fühle. Heimat hat für mich was mit Wurzeln zu tun und die sind nicht orts-, sondern menschengebunden.


Magst du Fotos von dir selbst?
Geht so. Zumindest mag ich es nicht, von anderen fotografiert zu werden. Das hat nichts damit zu tun, dass andere Fotografen schlechte Fotos machen, aber ich habe keine Kontrolle über das, was der Fotograf abbildet und auswählt. Paradox eigentlich. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich zum einen weiß, wie groß der Interpretationsspielraum beim Fotografieren ist und ich in einigen Bereichen ein kleiner Kontrollfreak bin, zum anderen haben ich und mein Selbstbewusstsein nicht ohne Grund den Platz hinter der Kamera gewählt. Mir mangelt es da wohl an Vertrauen, was aber wiederum gut ist, wenn ich selbst Menschen vor der Kamera habe. Ich weiß, wie es ihnen im schlimmsten Fall gehen kann und kann entsprechend Vertrauen schaffen.


Was bedeutet Freundschaft für dich?
In guten wie in schlechten Tagen, aber nicht an jedem Tag. Freundschaft muss nicht in allen Lebensbereichen funktionieren, darf sich aber nicht nur auf positive Erlebnisse beschränken. Es gibt tolle Saufkumpanen, super Begleitungen für Konzerte und Ausstellungen oder Sportbuddys, die aber gar nicht da oder ganz schnell weg sind, wenn der Tag mal scheiße war oder das Thema einen nicht verbindet. Das sind keine Freunde, was aber auch in Ordnung ist. Freundschaft findet dann statt, wenn man sich auch mal ein paar Monate nicht hört, aber sicher weiß, dass, wenn die Welt jetzt untergeht, der/die andere sofort da ist.


Was ist deine liebste Erinnerung?
Ich habe zwei gleichwertig-fantastische Erinnerungen. Vorsicht, jetzt wird es kitschig. Ich war 11 Jahre alt und mit meiner Mutter bei einem Konzert bei der Kulturarena in Jena. Goran Bregovic – Balkan- und Weltmusik mit einem Hauch Klassik und Pop – spielte mit einem 40köpfigen Orchester und ich stand in der ersten Reihe zwischen sehr vielen „alten“ Menschen und tanzte glücklich. Bei meinem absoluten Lieblingslied schaute mich Groran Bregovic plötzlich an – und 3 Minuten nicht mehr weg. Das fiel sogar irgendwann dem restlichen Publikum auf und immer wieder folgten Mensche seinem Blick und schauten, was er da so fixierte. Das war unendlich schön und beeindruckend. Ich weiß bis heute nicht, was da los war, aber sehe diese Situation noch vor mir, als wäre sie gestern gewesen. Moment Nummer zwei war das erste Bier auf dem Jakobsweg. Ich war 15, wir waren bereits seit 3 Wochen unterwegs und ziemlich im Eimer, als plötzlich auf dem Marktplatz in „Palas de rei“ ein Getränkewagen auftauchte, aus dem laut Jefferson Airplane dröhnte. Die Sonne schien, wir hatten die letzten zwei Betten in der völlig überfüllten Herberge bekommen und tranken ein Bier. Es war fantastisch und wohl einer der freisten Momente in meinem Leben.


Was ist deine Vorstellung von Glück?
„Siehe oben“ wäre jetzt zu einfach,oder? Aber ja, meine liebsten Erinnerungen definieren schon ganz gut, was Glück für mich bedeutet. Kultur erleben dürfen, reisen, wenig besitzen, Verbindungen zu Menschen, Freiheit, Grenzen überschreiten und aus eigener Kraft etwas schaffen sind für mich definitiv Faktoren, die mich Glücklich machen. Aber auch Demut und Achtsamkeit, Familie und Partnerschaft und natürlich Freundschaft und Empathie machen mich glücklich. Ich glaube, Glück ist kein dauerhafter Zustand. Diese wirklich glücklichen „Emotionsspitzen“ sorgend nur dafür, dass wir grundsätzlich zufriedener werden, wenn wir sie uns gut bewahren. Zufriedenheit ist also etwas, was ich anstrebe. Glück ist nur die Kirsche auf diesem fantastischen Eisbecher namens Leben.


Wer ist dein Vorbild?
Meine gute Freundin Anna und Emma Watson. Zwei starke kluge Frauen mit Rückgrat.


Wovor hast du Angst?
Vor Empathielosigkeit. Wenn der kategorische Imperativ, das „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“, nicht mehr gelten, habe ich Angst. Vor Menschen und vor dem, was sie in der Lage sind zu tun. Ich beobachte in den letzten Jahre eine fortschreitende Abstumpfung, eine Radikalität im Denken und Handeln, eine Unfähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und sich selbst zu reflektieren. Das führt zu Auswüchsen wie der AFD, zu Mobbing, zu Donald Trump, zu einem nicht mehr aufzuhaltenden Klimawandel und einem Rechtsruck in ganz Europa. Eine empathische Gesellschaft würde alles tun, um so etwas zu verhindern, selbst wenn sie von den direkten Folgen gar nicht betroffen wäre.


Hast du markante Angewohnheiten?

Teller ablecken. Ich halte das für das größte Kompliment, das man einem Koch/einer Köchin machen kann und plädiere dafür, in Restaurants eine Tellerablecker-Bereich einzuführen.


Was magst du an dir?
Schwere Frage. Ich mag an mir, dass ich mich sehr ungestüm und unbedarft in Neues stürzen kann. Zusätzlich habe ich eine doch recht ausgeprägt Fähigkeit, mich in kurzer Zeit in die meisten neuen Themengebiete einfuchsen zu können. Das hat seine Grenzen sicher bei Atomphysik, aber wenn mir heute in den Sinn kommt, Geige spielen zu wollen, kann ich es wahrscheinlich in ein paar Tagen so gut, dass die Nachbarn nicht mehr ständig klingeln. Das ist eine ganz coole Superkraft. Die funktioniert aber leider nur, wenn ich wirklich Bock auf irgendwas habe.


Was willst du unbedingt lernen?
Javascript programmieren und richtig Sushi machen können. Ersteres steht auf der Superkraft-Liste, Zweiteres fällt mir immer erst dann wieder ein, wenn ich mal wieder glücklos versuche, das Sushi halbwegs unlabberig aufzurollen. Schmecken tut es trotzdem, darum muss das noch etwas warten.#


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