Darf ich vorstellen? Tobi Katze

© Throsten Wulff
Name: Tobi Katze

Geburtsjahr: 1981

Beruf: Schriftsteller












Was wolltest du werden, als du ein Kind warst?
Mein erster Berufswunsch war tatsächlich „Schriftsteller“ – obwohl ich keine Ahnung hatte, was man da so tut. Aber mein Vater hatte eine alte Schreibmaschine, auf der ich mit drei Jahren völlig sinnbefreit Buchstaben auf Papier hauen konnte. Das fand ich geil. Und das Geräusch – das war noch besser. Dieses saftige Klackern der Tasten. Mein Vater erklärte mir, dass Schriftsteller und Journalisten so etwas benutzten – also wollte ich folgerichtig auch einer werden.


Warum hast du deinen Beruf gewählt?
Wegen der Schreibmaschine. Und vielleicht, weil ich nach meinem Studium recht schnell in der Arbeitslosigkeit gelandet bin. Da musste die Zeit etwas überbrückt werden – und irgendwie bin ich dabei geblieben. Das ist natürlich eine äußerst armselige Begründung, um Schriftsteller zu werden. Aber ich dachte mir: wenn du es JETZT nicht probierst – dann probierst du es nie. Also habe ich es probiert.


Was bezeichnest du als Heimat?
Heimat ist für mich, eine Geschichte an jeder Straßenecke zu haben. Jeden Meter einer Gegend ge- und erlebt zu haben. Verschiedene Lebensphasen mit einem Ort zu vereinen, also sowohl auf einer Kuhwiese fangen zu spielen, als auch zehn Jahre später am selben Ort Bier zu trinken, obwohl es inzwischen ein vollbetonierter Supermarktparkplatz ist. Dieses „gemeinsame“ Wachsen mit Orten macht für mich irgendwie Heimat aus.


Magst du Fotos von dir selbst?
1 aus 100 vielleicht. 1 von 20, wenn der/die Fotograf/in exzellent ist. Aber das wird mit meinem geringen Selbstwertgefühl zusammenhängen. Ich kann mich selbst auf Fotos selten ertragen, weil ich immer das Gefühl habe, in Bewegung wahnsinnig hässlich zu sein.


Was bedeutet Freundschaft für dich?
Die „continue watching“ Funktion bei Youtube. Egal wie lange man weg war – man steigt sozusagen direkt wieder dort ein, wo man aufgehört hat. Alles andere sind gute Bekannte – und das ist vollkommen okay.
Freundschaft ist nicht unbedingt bedingungslos, aber zumindest unempfindlicher der Zeit gegenüber. Problematisch an dieser Definition ist nur, dass man immer erst später weiß, ob man befreundet ist.


Welchen Moment wirst du niemals vergessen?
Der Moment, in dem ich in meinem alten Opel Kadett saß und noch rasch meine Emails checkte, bevor ich zu meiner Freundin aufbrach. Dann verwundert meine Lektorin anrief und ihr die Frage stellte: „Was genau meinst du mit Bestseller?“


Was ist deine Vorstellung von Glück?
Glück sind für mich die Momente, in denen das ganze Leben hinter einen Augenblick zurücktritt. Glück ist kein Zustand, den man dauerhaft erreichen kann, glaube ich. Allerhöchstens Zufriedenheit. Glück hingegen sind kurze Sekunden und Minuten, in denen man einen Moment in all seinen Facetten spürt und aufnimmt.


Wer ist dein Vorbild?
Lange Zeit war das Bernd Begemann. Aber man soll seine Idole ja bekanntlich nicht treffen.
Ein Mensch, bei dem das sehr unwahrscheinlich ist – wäre definitiv Jon Stewart. Der ist zumindest beruflich mein größtes Vorbild. Ich habe noch nie einen Menschen mit mehr Integrität auf einer Bühne gesehen. Analytisch, schlagfertig, unerbittlich und – ja – integer. Wer in einer Livesendung seinen Gastgeber aufs schärfste kritisiert und argumentativ derartig auseinandernimmt, dass dieser sich genötigt fühlt, mit einem „wir haben dich eingeladen, weil du lustig sein sollst“ zu kontern – hat schon Respekt verdient. Aber wenn man darauf auch noch live im Fernsehen mit „I am not your monkey“ antwortet – was soll ich sagen? Ich verneige mich zutiefst. So will ich sein.


Wovor hast du Angst?
Was soll ich sagen. Vor dem Tod. Aber nicht nur vor dem eigenen.


Hast du markante Angewohnheiten?
Wenn ich nervös und verunsichert bin, streiche ich mir permanent durchs Haar, halte mich buchstäblich daran fest. Außerdem wurde angemerkt, dass ich auch völlig allein extrem albern mit mir selbst sein kann. Wenn ich gerade keine Selbstgespräche führe.


Was magst du an dir?
Inzwischen mag ich meine Stimme ganz gerne. Ich habe da lange mit gehadert. Ich wollte immer glockenhell und jung klingen, aber das tue ich schon eine ganze Weile nicht mehr. Heute klingt es verrückt, aber ich habe meine Stimme über viele Jahre überhaupt nicht ausstehen können.


Was würdest du gerne mal ausprobieren?
Ich möchte gerne ein Computerspiel herausbringen. Selbst programmiert, designt, illustriert, alles. Ist ein langer Weg, aber ich arbeite seit einiger Zeit daran und bin inzwischen ganz passabel was das Coding angeht. Das ist ein überraschend guter Ausgleich zum kreativen Schreiben, habe ich festgestellt. So absolut logisch und in engen Grenzen ein „Anliegen“ umzusetzen. Da liegt die Kreativität eben nicht in der Formulierung, sondern in der Art und Weise, ein Problem klar zu definieren – und dann einen Lösungsweg zu finden.


Tobis Arbeit findet ihr hier:
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