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Zäsuren - eine kurze Begriffsbeschneidung

Miedya | 11.09.15 | / | Kommentieren


11.09.
9/11
Elfter September

Vor vierzehn Jahren stürzten die Türme. Sechs Worte und jeder erkennt darin die Geschichte.

Und Geschichte war es auch, die an dem Tag geschrieben wurde. Massenweise Geschichte.
Geschichten in Artikeln, Geschichten in Fotos, Geschichten in Interviews, Geschichten in Sondersendungen, Geschichten in Verschwörungsforen, Geschichten in Familien, Büros, späteren Kriegsgebieten.

Vielfach hört man davon, dass der 11.09.01 historischer Wendepunkt gilt, als Zäsur, Ende des 20. Jahrhunderts und Beginn einer neuen Epoche.
Tatsächlich titelten Zeitungen mit Worten wie ,,Es wird nichts mehr, wie es war‘‘, von einem ,,vorher‘‘ und ,,danach‘‘ wurde gesprochen und genau zu wissen vor und wonach was und die Welt hielt den Atem kurz an.

Aber ist der elfte September wirklich die Zäsur, die ihm so oft nachgesagt wird?
Seit 2011 frage ich mich jedes Jahr, ob das alles gewesen sein soll.
Ob ich jetzt gerade in diesem Moment im zehnten, elften, zwölften, 13., 14. Lebensjahr einer neuen Epoche aufgewacht bin und das alles gewesen sein soll.

Für mich war der 11.09. lange Zeit nur eins gewesen: die Rückkehr zum mittelalterlichen Glauben an den gerechten Krieg. Heute weiß ich mehr, was mich auch nicht klüger macht und meide dieses Thema an Theken, Tresen und Biertischen jeder Art. Zum Wohl aller. Keine Sorge, ich bin keine Eso-Verschwörungstante, im Gegenteil. Das ist es ja.
Was mich aber beeindruckt und immer wieder stutzig macht, ist wie genau wir uns selbst beobachten seitdem. Das ist keine Anspielung darauf, dass man auch behaupten könnte, dass unsere neue Epoche die des Überwachungszeitalters sein könnte. Spion-Age. Hihi. Ja. Der musste; wenn auch seit 9/11 Schnitt für Schnitt immer tiefer in unser Leben eingedrungen wird. Wegen Sicherheit und Freiheit und so, ´ne? 
Immer wieder witzig, das mit der Freiheit.

Wie gesagt, es ist keine Anspielung darauf, sondern wirklich auf unsere eigene Spiegelung zu gefühlt jedem Moment, der vergeht, als hätte es das Wort ‚Selfie‘ im Medialen schon lange vor Instagram& Co gegeben und wir merkten es einfach nicht. Wir knippsten nur weiter, kommentierten, beurteilten, fanden schön, fanden hässlich, waren altklug und neugierig. 

Eine Zäsur kann auch erstmal nur durch Betrachtung entstehen. Sie existiert ja so nicht. Für den Fall, dass jedoch irgendwann ein massiver Block vom Himmel fällt, der die Lettern Z-Ä-S-U-R miteinander verbindet, möchte ich an dieser Stelle betonen, dass das hier alles höchst subjektiv ist und nur meine Gedanken zu diesem Thema. Wie jedes Jahr.
Zäsuren sind nachträglich übergestülpte Konstrukte, die zeitlich, räumlich und sachlich begrenzt sind. Nachträglich. Wie nachhaltig ist es dann, wenn Historiker unserer Zeit- wenn unsere Zeit denn am 11.09.01 neu begann, unserer recht jungen Zeit- diese Einordnung vermögen vorzunehmen?
 Jedes Jahr an diesem Tag wiege ich auf’s Neue zwei Argumente bzw. Fragen ab, die mir wie Zwillinge aneinander zu hängen scheinen: Hat der Zeitgenosse mehr Empathie, mehr Augen für die Veränderungen in der Gesellschaft, in der er sich bewegt und haben wir gerade heute, wo theoretisch so gut wie aus jeder Ecke dieser Erde Meinung in die Sphären unserer Wahrnehmung dringen kann, was bei der Beurteilung der Glaubwürdigkeit ja nun keine unwichtige Rolle spielt, viel breitere Möglichkeiten Geschichte zu beurteilen, nah am Geschehen, nah an den Zeitzeugen?

Verschätzt, überschätzt Menschheit aber nicht andererseits auch die Relevanz aktueller Geschehnisse eher? Vielleicht. Ich weiß es nicht. Zeit, Zitat kluger, angesehener Menschen in die Runde zu werfen:
,,Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.‘‘ [Albert Einstein]

 Oder ist es doch so, dass ein gewisser Abstand da sein muss, um das Gesamte zu sehen und muss der Gebrauch von Worten wie ,,Revolution‘‘, ,,Epoche‘‘ und ,,Zäsur‘‘ so vorsichtig wie möglich stattfinden, allein schon um sinnweltliche Zäsuren, sprich Zäsuren, die durch den Eindruck eine Zäsur zu erleben erst den Wandel in Gang setzen, zu vermeiden oder zumindest von historiographischen Zäsuren zu unterscheiden?

Letztlich ist der Begriff der Zeit auch nur relativ. 
Wir zerhacken Zeit, weil sie uns Angst macht mit ihrer Weite und Offenheit und ihrer niemals endenden Art. 
Wir zerhacken Zeit, weil wir denken, so Abschnitte einteilen zu können und Schlussstriche und Neuanfänge.
Vielleicht sind wir in 100 Jahren ja klüger, vielleicht dachte man das aber vor xxxx Jahren auch schon.
Vielleicht ist das aber auch wirklich das 14. Jahr einer neuen Epoche und wir lassen uns gerne beobachten und spiegeln uns bei jeder Gelegenheit irgendwo drin, weil wir jetzt in der Pubertät sind und denken, Selbstbewusstsein hat was mit Ansehen und Aussehen zu tun.
Vielleicht stülpen wir uns gerade auch ein Konstrukt über, das uns gar nicht passt.
Vielleicht passiert bald noch etwas ganz anderes, großes und das war garnicht alles. Vielleicht aber doch und wir sind jetzt 14, weil wenn ja, dann: Happy Birthday.
Einen schönen elften September weiterhin.

Zum falschen Zeitpunkt

Bildquelle: Wikimedia
Endlich!
Endlich ist es soweit! Der Tag, auf den ich so lange hingearbeitet habe, er ist da!
Denn heute fliege ich im Zuge der Raummission zum Mond! Jahrelang wurde ich von der NASA ausgebildet, Tag ein, Tag aus. Es war eine harte Ausbildung bei der mir wirklich alles abverlangt wurde.
Ich habe die Tage gezählt, bis es endlich soweit war. Meine Aufregung war auf einem Level, das ich vorher noch nie empfunden habe. Nicht einmal bei meiner Hochzeit war ich so nervös und selbst da dachte ich schon "Boah, leck mich am Ärmel!".

Dieser eine Satz

Ich wollte immer einen Text über meine Heimat schreiben. Doch das Einzige was mir dann einfällt, ist dieser eine Satz meines Großvaters.

Mein Großvater. Ich erinnere mich nicht an Vieles mit ihm. Den größeren Teil meines Lebens war er schon nicht mehr bei uns. So manches schwebt nebelhaft in meinem Gedächtnis, aber kaum etwas ist greifbar. Es besteht eher ein dunstiges Gefühl. Aber in mitten dieser Gefühlswolke ist ein Raum, ebenfalls nebelhaft.

Allerdings von der Pfeife meines Opas, die auf der anderen Sessellehne lag. Ich konnte sie von meiner Sessellehne aus gut sehen. Mein Opa hatte abwechselnd den bauschigen Tabak und mein bauschiges Haar in den Händen, während ich beauftragt war seine Fernbedienung zu verwalten.

Wir sahen dann immer Fußball. Er im Fernsehen und ich aus dem Mund meines Großvaters. Ich blickte nie zum Bildschirm, meine Augen hatten sich tief in seine Worte vergraben, so wie er sich sein Leben lang in die Kohlenstollen grub. Von Tradition und Arbeit erzählte er mir. Zwei Dinge von denen ich weiter nicht weg sein konnte als Kind, die ich aber tief in mir aufnahm. Er war mein Held, mein Vorarbeiter und seine Worte zeigten mir die Richtung.

Die Sache mit dem guten Personal

Jay Nightwind | 28.01.14 | / / / | Kommentieren
"Aaaaah, Doktor Krachmaninov, ich freue mich so sehr sie zu sehen.", mit einem breiten und herzlichen Lächeln stürzte der dicke Amerikaner auf den hageren Mann zu. "Sie ahnen nicht, was es mir bedeutet, dass sie sich unserer Organisation angeschlossen haben."
Hinter dem Dicken tauchte ein Mann von der Statur eines Hutständers auf, schob seine Brille auf die Nase und merkte an: "Er hat sich uns wirklich angeschlossen, kein Grund es so seltsam zu betonen." - "Wir haben ihn nicht entführt?" - "Nein. Das haben wir doch besprochen. Diese Methodik ist veraltet, wir wollen doch eine moderne Organisation sein."

"Ja, richtig.", schwabbelte er raus, einen wehleidigen Blick machend der irgendwo ins Nichts führte den er der guten alten Schule widmete. Dann wendete er sich aber seinem neuen Mitarbeiter zu. "Dann sind sie ja aber noch viel motivierter für unsere Organisation zu arbeiten, als wenn wir sie entführt hätten!" Krachmaninov lächelte zuversichtlich nach Außen, verzweifelte aber ein wenig nach innen: "Ja. Ich freue mich darauf für sie zu arbeiten." Der Dicke begann seine Hände zu reiben. Krachmaninov erwartete, dass man ihm jetzt den Betrieb zeigte oder sich der Amerikaner wenigstens mal vorstellte, der rieb sich aber, als hätte er einen schlimmen Hygienezwang, nur weiter die Hände und blickte wieder ins Leere. Krachmaninov versuchte dem Blick zu folgen, vor allem da das Lächeln seines gegenüber immer zwanghafter, aber auch diabolischer wurde.

Knappe und Herr

"Ich mach mir Sorgen um dich."

"Siehst du, was ich meine?"
"Mein Herr, ich glaube immer noch nicht, dass dies eine kluge Entscheidung ist." und dabei kaute der Knappe weiter nervös auf seinem Ärmel herum.

"Der Schild stört meinen Kolben nur im Schwung. Es ist nicht von Sinn ihn zu tragen.", dabei schlug der Herr weiter mit seinem Kolben in die Luft, unsichtbaren Feinden den Helm zu verbeulen. Levin, seit vielen Jahren treuer Knappe des Rittersmannes, lehnte auf dem angesprochenen Schild und war von diesen Worten nicht überzeugt:
 "Es mag nicht von Sinn, aber von Vernunft sein, mein Herr. Es wäre ihnen kein so starker Schildarm gegeben, wäre er nicht von Not und Nutzen!" Der Herr hielt in seiner Bewegung inne, hob erst eine Augenbraue und im Wechsel darauf einen Mundwinkel: "Mein treuer Levin, auch ein Nabel am Bauche ist mir gegeben, und auch er zeigte bisher weder Not noch Nutzen."

Eingebildet: Zur See

"Hallo Vater.
Da hast du also am Ende recht behalten, du Arsch. Als wäre es dir in unseren Gesprächen jemals um etwas anderes gegangen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sauer ich auf dich bin. Machst so einen feigen Abgang, nur damit du deinen Willen kriegst. Aber das ist so typisch für dich. Du sturer blöder Bock.

Ich hatte ja wirklich nichts gegen die Kreuzfahrt. Seit Mutter gestorben war, hattest du verlernt dir zu gönnen. Was hattest du dir schon groß an Freude angetan? Gar nichts, du bist sogar wieder arbeiten gegangen, obwohl du nicht musstest. Geflucht hast du den ganzen Tag, über deine dummen, unfähigen Kollegen und auch wenn es so aussah, als würdest du dich da ganz schlimm auf der Arbeit quälen, warst du einfach nur froh nicht alleine zuhause in der Wohnung zu hängen.
Zieh doch bei uns ein, das haben wir dir immer wieder angeboten. Für mich wäre es großartig gewesen, du weißt, Vater, wir hatten immer ein gutes Verhältnis. Harter Streit war nur ein Indiz der Intensität unserer Liebe, denn wann immer es zwischen uns gekracht hat, haben wir uns um so heftiger versöhnt. Nur diesmal hast du feiger Hund die Versöhnung ausgespart.

Die Leiden des Weihnachtsmanns

Es ist doch jedes Jahr das selbe! Am 24. Dezember, wenn es draußen so richtig kalt ist, darf ich wieder meinen Schlitten startklar machen und durch die kalte Luft fliegen. Währenddessen peitscht mir der noch kältere Fahrtwind ins Gesicht. Das tut höllisch weh! Es ist schon mehrfach vorgekommen, dass mein Bart nach dieser Tortur eingefroren war. Das ist ziemlich unangenehm.
Und dann muss ich noch diese, zum Teil, extrem schweren Geschenke irgendwie in die Häuser buxieren. Kamine gibt es ja leider nicht mehr so oft wie früher. Heutzutage muss ich mir da richtig was einfallen lassen. 

Alle Jahre wieder

Stephan Krahwinkel | 23.12.13 | / / / | 1 Kommentar
„Wieso ist eigentlich jeder scheiß Kulli in diesem Haus leer, wenn ich einen benutzen will?!“ schrie Eduard aus dem Arbeitszimmer so laut, dass man ihn, der er eigentlich im zweiten Stock saß, trotz der dröhnenden Weihnachtsmusik von der immergleichen Schaltplatte im Erdgeschoss noch so gut verstand, als wäre er im selben Raum.

Das erwartete Poltern ließ nicht lange auf sich warten: Marianne schoss aus der Küche vorbei am lamettierten Weihnachtsbaum durchs Wohnzimmer in den Flur, stellte sich an das festlich dekorierte Treppengeländer und schrie hinauf: „Du sollst verdammt nochmal keinen Kugelschreiber verwenden, wenn du die Weihnachtskarten schreibst. Nimm den... hier... den mit der Tinte – einen Füller!“ „Das heißt Füllfederhalter, Herr Gott nochmal!“ kam als sofortige Antwort zurück. Sie gaben sich beide keine Blöße.