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#Kleinerdreifür: Zwergriese

Jay Nightwind | 31.10.17 | | Kommentieren
Hey Rudel!
Nach klugen Beiträgen von Misharrrgh und Markus Freise ist mir wieder stark ins Gedächtnis gestiegen, dass wenn wir wollen, dass auf Facebook und anderen sozialen Medien auch "schwache" Seiten gesehen und gepusht werden, wir Inhalte, die wir gut finden und feiern selber auch anheben müssen. Das nehme ich zum Anlass, meine "Reichweite" von nun an immer mal wieder Leuten und Dingen zu spenden, die es meiner Meinung nach verdient haben, gesehen zu werden. Nennen wir es einfach mal #kleinerdreifür, also wegen <3

Und heute möchte ich euch einen sehr geschätzten Bühnenfreund ans Herz legen:
Mein kleinerdreifür Zwergriese!

Einige kennen den Bühnenpoeten vielleicht von Poetry Slam Bühnen, als Moderator oder eben als Teilnehmer. Dort arbeitet er technisch hochwertige und ist einer dieser modernen Selbstoptimierer, die immer noch mal ein Schräubchen suchen, an dem gedreht werden kann. Manchmal hat das zur Folge, dass er zögert. Und dafür feier ich ihn. Er ist in Essen ein fantastischer Gegenpol zu (m)einer "Erstmal machen"-Atiitüde.

Und tatsächlich sehe ich ihn in Essen als wichtigen Teil der Slamszene, den er übernimmt Verantwortung für die Entwicklung hier, macht sich Arbeit z.B. mit der Erstellung der Homepage für "Poetry Slam in Essen". Gleichzeitig beginnt auch er sich in der Talententwicklung und Slammer*Innen-Förderung einzubringen. Das deckt sich sehr mit meinen Visionen für diese Stadt und ich bin sehr sehr dankbar, dass er Idee und Pläne mit mir teilt und diskutiert.

Warum solltet ihr ihm folgen? Weil er ein Tausendsassa sind wird, weil er neugierig für alles ist und das bedeutet, dass in Zukunft mit ihm auf Bühnen (und auch daneben) alles passieren kann. Von klugen Texten, einem eigenen Buch, einem Rap-Album und frischen Veranstaltungen für die Essener Kulturlandschaft, kann alles kommen, kann alles passieren. Und egal was es ist: Ich freue mich auf viele viele gute Erlebnisse mit ihm!



Gaming: Verstärkung gesucht!

Jay Nightwind | 29.10.17 | / / / | Kommentieren

Destiny 2 ist ein Spiel bei dem mensch sich in einer Science-Fiction-Welt die beste Rüstung zusammenstellt, die aussieht als käme sie aus dem Mittelalter. Nur, damit mensch sie dann viel zu selten zu Gesicht bekommt.

Destiny 2 ist aber auch ein Spiel, dass erfreulicherweise in Sachen Spieler*Innen-Gemeinschaft im Vergleich zum Vorgänger kleine Fortschritte gemacht hat. Es gibt jetzt Clans und diese Clans bringen einem sogar was. Wer Teil eines Clans ist, sammelt für diesen Erfahrungspunkte. Der Clan kann im Level steigen und erspielt dadurch Vorteile im Spiel. Aber auch für einenselbst springt ein bißchen Loot ab. Und um Loot geht es in Destiny2 so sehr, dass es in einem der Werbetrailer von Cayde-6 (Nathan Fillion!) erwähnt wurde.

Das fantastische an einem Clan bei Destiny2 ist, dass er dir auch nützt, selbst wenn du gar nicht so oft spielst oder gar nicht mit den anderen zusammen spielst (oder spielen willst). Denn da alle Mitglieder für die gemeinsame Wertung sammeln und von ihr profitieren, ist eine Mitgliedschaft im Clan eine Win-Situation.

Passenderweise haben wir ein solches Teil gebastelt. Passenderweise heißt er "Nachtwind" und wir würden euch herzlichst einladen, ein Teil unserer Gang zu werden. Aktuell sind wir einige wenige Leute, aber das geht "Ruckizucki!" und schon sind wir sicher ganz viele. Und wenn nicht, dann ist das auch okay. Hauptsache, wir haben alle unseren Spaß.

Also:
Schickt uns eine Anfrage über bungie.net oder addet "JayNightwind" bei XBoxLive, wir fügen euch dann in den Clan ein. Es wird ein Fun-O-Fun!

Warumwolf

Jay Nightwind | 06.10.17 | | Kommentieren
Der Wolf wohnt jetzt hier. Auf meinem Oberschenkel in schwarzer Tinte scharf gestochen.

"Warum ein Wolf?", fragte mich eine Füchsin.

Weil ich einer bin. Ich habe es selbst erst spät verstanden. Wölfe haben Rudel. Sie sind ihre Familie, ihr Rückhalt, ihre Aufgabe.

Wölfe sind Ermöglicher. Der Leitwolf steht dem Rudel vorne an, nicht, weil er der Mächtigste ist, sondern weil er Erfahrungen hat und bereit ist, andere zu unterrichten. So lehrt er die Jungtiere im Spiel den Kampf, die Jagd, die Regeln des Rudels und ermöglicht sie. Er ermöglicht es, dass sie älter werden und selbst dann im Rudel die neuen Jungtiere unterrichten. Dann, wenn sie alt genug sind, gehen sie und machen ihre eigenen Rudel auf. Der Leitwolf wird nicht abgelöst, nicht bekämpft. Wer bereit ist, löst sich und lehrt selbst, was gelernt wurde. Die Jungtiere wachsen heran, neue Jungtiere kommen nach. 

Der Drang ein Leitwolf zu sein, war schon immer da. Aber ich war jung. Jung im Kopf. Ich dachte es ginge darum, die Macht bei sich zu sammeln. Aber es ging darum, die Macht zu vermehren. Und das geschieht dann, wenn Menschen ermöglicht werden. Vollständige Macht bedeutet, uneingeschränkt handeln zu können. Also muss anwachsende Macht bedeuten, dass wir selbst immer mehr Möglichkeiten bekommen.

Ich habe selbst von Wölfen gelernt. In Jugendverbänden, in Cliquen, in der Schule, in meinen Jobs.
Wölfe, welche eine feine Nase für Potentiale hatten. Sie ahnten und glaubten daran, dass ich Dinge erreichen konnte. Sie glaubten daran, dass jede*r Dinge erreichen konnte. Mit der richtigen Unterstützung. Mit Überzeugung. Mit Leidenschaft.

Beim Lehren, so dachte ich, ginge es ums Wissen. Ich dachte, es würde ausreichen. Es hieß ja auch, "Wissen ist Macht". Ich verstand damals nicht, dass es einen Unterschied machte, Menschen das Ergebnis zu sagen oder mit ihnen zu lernen, wie sie es selbst finden konnten. In einem Wald, in einer Welt, die sich immer verändert, wie sollte die immer gleiche Lösung da immer auf die gleiche Art gefunden werden können?

Der Drang Leitwolf zu werden war da, als ich es wurde, bemerkte ich es kaum. Ich sah nicht, dass andere zu mir aufsahen, merkte nicht, dass ich jetzt ein Impulsgeber war. In den Bereichen, in denen ich aktiv war, hatte ich nie selbst das Gefühl "fertig" zu sein, alles zu wissen, alle nötigen Fertigkeiten zu haben. Das gehörte aber dazu. So sind Wölfe. Wölfe bleiben hungrig. Ich hatte nicht gelernt satt zu sein, sondern wie ich satt werden kann. Ich habe das Lernen gelernt.

Eine Mitschülerin in der Berufsschule sagt es im Scherz. "Du bist Leitwolf." Der Satz verließ diesen Kontext und betrat jeden in meinem Leben. Ich habe nicht den Anspruch ein Anführer zu sein, aber ich möchte Menschen ermöglichen. Ich möchte im Spiel Impulse anbieten und im Ernstfall mit ihnen gemeinsam jagen. Es reizt mich nicht, bestimmen zu können, wie andere handeln. Es reizt mich, wenn meine Techniken in neuen Händen zu anderen Ergebnissen führen. Zu neuen Techniken werden. 

Die Füchsin war mit der Antwort zufrieden. Sie war flink und neugierig mit der Frage, forderte mich damit etwas heraus. Ich festigte meinen Standpunkt, war entschlossener als noch davor. Ich bin dankbar für die Frage, weshalb ich mir einen Wolf tättoowieren lassen wollte.

Besonders dankbar bin ich Deno vom Signed and Sealed Tattoo Parlour in Reklinghausen. Er ist der Ermöglicher für meine Entscheidung, ist der Gestalter des Emblems eines Teils meiner Seele, den ich für immer auf der Haut tragen werde. Mit Stolz und Sicherheit. Denn ich brauche nicht verstecken, was ich bin. Ich bin ein Wolf. Mit Rudel.

HowToSlam: Verbessern II - Körper

Jay Nightwind | 04.10.17 | / / | Kommentieren
Willkommen zurück bei "HowToSlam" und der guten Frage, was kann ich denn eigentlich verbessern? Hier ein paar Vorschläge.

Körper I - Realitäten:
Direkt als erstes: Es geht nie darum, einem Schönheitsideal zu entsprechen, sondern immer darum, sich mit sich selbst wohlzufühlen. Das kommt in bestem Fall nicht dadurch, dass mensch sich einem Schema, Ideal der Gesellschaft oder Lookism beugt, sondern sich mächtig fühlt. Mächtig steht hier im Gegensatz zu "Ohnmacht" und nicht als die Anzeige repressiver körperlicher Optionen.
Der Körper ist deshalb eine Sache, mit der wir uns aktiv auseinander setzen können, weil wir ihn auf der Bühne und im Text immer dabei haben. Der Fleischklumpen ist nunmal Hülle unserer Seele, ohne geht es nicht. Unser Körper beinhaltet Wahrheiten, wenn wir ihn betrachten. Fakten, die wir nicht verstecken können, die jeder Mensch, der uns betrachtet, sofort sieht. Auf der Bühne spielen diese Fakten (leider) auch in die Wahrnehmung dessen, was die Zuschauer*Innen von uns mitbekommen. Wenn wir diese Fakten über uns bewusst haben, gewinnen wir Macht und Kontrolle über uns, können Fakten unseres Körpers zur Verstärkung unserer Argumente im Text nutzen.
Im Bild: Fatima Talalini, Quelle: Weststadtstory
Ein Beispiel:
Fatima Talalini sagt in ihrem Text "Aufs Maul, Terrorist", dass sie mit 1,62m Körpergröße sich nicht traut Putin zu schlagen. Alle Menschen im Raum können das sehen und bewerten, dass sie im Verhältnis zum russischen Staatschef klein ist. Dadurch stehen Aussage und Sichtbares im Verhältnis zueinander. Die zusätzliche Ebene verleiht zusätzliches Gewicht in der Aussage.

Sich mit den Realitäten seines Körpers zu beschäftigen setzt dringend neutrale Beobachtung vorraus. Es geht nicht darum, sich zu bewerten, sein Aussehen in einen Vergleich zu stellen, sondern Merkmale aufzutun, die beweisbar sind. "Ich bin blond, habe Locken, bin 1,74m groß und wiege 72 Kilo." ist beweisbar. "Ich habe schöne Haare und bin zu dick.", liegt in der Bewertung des Betrachters und ist nicht definitiv beweisbar. Versucht euch euch bewusst zu machen und schaut, ob es euch in der Erzählung eurer Texte nutzt.

Körper II - Optionen:
Wegen der erwähnten gesellschaftlichen Bewertungskackscheiße ist es oft wirklich knifflig, sich in seinem Körper wohlzufühlen. Häufig werden wir auf Formen und Merkmale trainiert, die eine Attraktivität erfüllen, die eine Gruppe mal irgendwann so definiert hat. Wichtige Sache: Auch trotz statistischem Mittelwert was attraktiv ist, gibt es keine objektive Attraktivität. Ich zum Beispiel mag Narben und Tattoos an Menschen, würde aber vermuten, dass es durchaus Leute gibt, die hier schon widersprechen würden.

Was aber messbar und erfassbar ist, sind die Dinge, die wir mit unserem Körper können. Ein Bereich, der auch für Slam interessant sein kann. Es geht dabei nicht mal um spektakuläre Stunts für die Bühne, sondern ein Bewusstsein dessen, was alles möglich ist. Und wenn wir feststellen, dass etwas, das wir können wollen, nicht möglich ist, können wir Impulse und Ideen suchen, wie wir es lernen können.

Um zu erfassen, welche Optionen zur Verfügung stehen, kann es sich in einem ersten Schritt lohnen "Verben" zu sammeln. Das gute an Verben ist, dass sie ebenfalls frei von Wertungen sind. Die Frage zur Orientierung lautet: "Was kann ich mit meinem Körper auf der Bühne machen?" Diese Verben können gerne als Liste gesammelt werden. Das könnte dann so aussehen: "Ich kann rennen, springen, hüpfen, sitzen, stehen, liegen, hocken, knien, trotten, tanzen, schreien, brüllen, flüstern, dabben, stampfen und noch so vieles mehr." Diese Liste kann gerne offen angelegt werden, denn immer mal wieder lernt mensch etwas dazu und verbreitert sein Können. Und es geht dabei um den gesamten Körper. Dazu gehören natürlich auch die stimmgebenden Bauteile unseres Körpers, die mensch sich gerne bewusst machen kann.

In einem zweiten Schritt können wir jetzt auf unsere Texte schauen und uns fragen "Welches der Verben kann ich wie mit dem Text verbinden?" Ganz pragmatisch kann mensch Liste und Text nebeneinander legen und sich anschauen, ob es eine Stelle gibt, die sich inhaltlich unterstreichen lässt, wenn eine bestimmte Handlung hinzugenommen wird. Unterstreichen kann dabei auch dadurch entstehen, dass ein Bruch bemüht wird. Da ist es wichtig zu überlegen, was bei Zuschauer*Innen passieren soll. Es ist auch nicht für jeden Text sinnvoll, unbedingt viele eigene Handlungen und Bewegungen zu verbauen. Hier kann und darf experimentiert werden.

Solltet ihr euch bei einigen der Handlungen nicht sicher fühlen, hilft es manchmal einfach zu üben. Gleichgewicht, Ausdauer, Kraft, Lungenvolumen, Stimme, Tempo und so weiter, sind Eigenschaften, die durch Übung und Training verbessert werden können. Dabei ist es gerade nicht meine Empfehlung unbedingt Sport zu machen, trotzdem aber der Verbesserung dieser Eigenschaften etwas Zeit im Alltag zu zu schreiben.

Übrigens: Wenn ihr später mal viel auf Tour seid, in Zügen & Fernbussen sitzt, häufig Slams moderiert und auch sonst bei der "Arbeit" hauptsächlich steht und sitzt, seid ihr für ein paar Übungen zur Ent- und Belastung des Rückens ganz dankbar. Es kann nicht schaden, sie früh ins Repertoire zu nehmen. Auch Übungen die den Körper aktivieren und erlauben Zug- und/oder Backstage-Trägheit vor dem Auftritt abzulegen können sehr sehr nützlich sein, um vor einem intensiven Auftritt in Wallung zu geraten.

Gespenster besiegen

Jay Nightwind | 27.09.17 | / | 2 Kommentare
Liebes Rudel,
in den sozialen Medien wird die Wahl nachbereitet. Es wird vom "armen Deutschland" gesprochen, es wird auf die AfD gezeigt. Das Wiederkehren historisch überholter Verhältnisse. Jede/r Achte hat die AfD gewählt. Die unverzeihbare Schuld der sich die Nicht-Wähler und jede/r Achte schuldig gemacht haben. Auch meine Heimatstadt hat mich enttäuscht, die Zahlen entsprachen nicht der Realität, die ich hier jeden Tag auf der Straße sehe.

Ich habe keine Angst vor Gespenstern. Ich habe keine Angst vor Gespenstern. Und ich habe schon gar keine Angst vor der AfD.

Ein Wahlprogramm, der Wahlkampf, die Nachrichten, das sind eine Menge Worte. Viele viele Hülsen, die erst dann ihr Wirkung zeigen, wenn sie unterfüttert werden. Bisher haben sie nur gesagt was sie fordern, aber was hat die AfD getan? Die Worte sind riesig und furchteinflößend. Wir verwenden drastische dramatische Worte um diese Partei zu beschreiben.

Von Oliver Kahn habe ich gelernt, sich keine Gespenster zu schaffen. Denn Gespenster sind unwirkliche Wesen. Er hat diese These auf einfachere Situationen bezogen, hat aber beschrieben, wie wir manchmal dazu neigen, Ereignissen Superlative und Überspitzungen zu geben, die in ihrer Wortbedeutung von Menschen nicht mehr zu besiegen sind. Wir sprechen von Monstern, von Fluten und weiteren Extremen und fühlen uns ohnmächtig.

Die AfD ist keine unmögliche Wiederauferstehung verstorbener Nazis und ihres Staates. Und bei alle ihren mächtigen Worten, beim Ausnutzen des Status als Monstrum und einer Gespenster-Rhetorik, so hat die Partei selbst bisher sehr wenig real gehandelt. Das werden sie jetzt tun müssen. Sie werden im Bundestag keine mythischen Dinge tun können. Sie werden Anträge stellen, Abstimmen, in Arbeitskreisen sitzen. Und das ist fern von jeder überirdischen Sache.

Ich habe keine Angst vor der AfD, weil sie jetzt handeln müssen. Und das kann ich auch. Daher kann ich jedem Schritt den diese Partei tut etwas entgegen setzen. Ich bin nicht machtlos. Ich habe keine Wahl verloren, als die Ergebnisse bekannt gegeben wurden. Ich kann mich in Parteien engagieren, in Jugendverbänden, Volksentscheide bemühen, Unterschriften sammeln, demonstrieren, Menschen helfen, Häuser bauen, bei Umzügen helfen, Wohnungen suchen, mich vor Menschen stellen, denen Gewalt angetan werden soll. Außerdem kann ich Gebäude besetzen, Sitzblockaden machen und mit aktiven Handlungen etwas leisten, dass unsere Gesellschaft etwas besser wird.

Ich brauche keine toll zusammengestellte Regierung, um in einem guten Land zu leben. Ich brauche gute Menschen. Und gute Menschen sind welche, die gut handeln. Was sie dabei reden ist mir nicht egal, aber wird immer gemessen sein an dem, was sie tun. Und ich bin mir sicher, dass die Energie einer Mehrheit die sich um gutes Handeln bemüht größer ist, als das Feuer in den Worten einer Minderheit.

Die AfD ist kein Gespenst, sie ist ein Kontrahent. Anstatt uns ohnmächtig gegenüber Gedanken, Optionen, Szenarien und einer Mythologie zu sehen, möchte ich gegen jede Handlung eine andere Handlung setzen. Das können wir. Wir sind fähig. Wir können moralisch gut und politisch handeln und unseren Alltag gestalten, auch wenn eine Partei zu viele Sitze im Parlament hat.

Mein Wunsch ist, dass ihr eure Energie nehmt und euch etwas vornehmt, wie ihr der AfD entgegen steht. Handlungen besiegen jede fragwürdige Aussage an jedem Tag.

Häppchen: Dumm und duselig

Jay Nightwind | 21.09.17 | / | 3 Kommentare
"Da ist ein Fehler in der Überschrift. Es heißt dumm und dusselig."
"Bist du dir sicher? Irgendwie fühlte sich duselig richtiger an."
"Ja, ist es aber nicht. Dusselig mit nur einem s klingt dumm."
"Na na. Wart mal ab. Duselig würde doch bedeuten, dass einem schwindelig ist. Und ich finde, sich zu freuen, so dass man dumm und schwindelig ist, ergibt doch Sinn."
"Ne. Wenn jemand Dusel hat, dann hatte er Glück."
"Na, das ist doch noch besser! Ich freue mich dumm und glücklich"
"Das würde aber nicht glücklich heißen, sondern, dass jemand Glück hatte."
"Und dusselig ist jetzt besser?"
"Nee, aber richtig."
"Wer dusselig ist, ist doch sehr ungeschickt!"
"Ja, so heißt es nun mal. Habe ich mir ja nicht ausgedacht."
"Ich freue mich nicht nur weniger klug, sondern auch noch ungeschickt. Dann ist es ja eigentlich gar keine schöne Aussage?"
"Nee, irgendwie nicht."
"Dann ändere ich die Überschrift."
"In was?"
"Dumm und dusselig macht keinen Sinn."
"Da ist ein Fehler in der Überschrift. Es heißt Sinn ergeben."
"Bist du dir sicher?" 

Podcast: Slam in NRW #009

Miriam Jagdmann | 12.09.17 | / / / / | Kommentieren
Das ist er wieder – unser (un)regelmäßiger Podcast Slam in NRW. Dieses Mal sogar mit thematischem Schwerpunkt, nämlich dem U20iger Bereich. Wir* waren unterwegs irgendwo am Bahnhof in Dinslaken und in Essen auf der Premiere des neuen U20 Slams „Zwanni“. Rede und Antwort gestanden haben uns dieses Mal Zwergriese, Hanna, Malte Küppers, Manuel Busse, Miedya Mahmod und ein paar Zuschauer.



*Dieses Mal wirklich wir, nämlich meine Wenigkeit, Miriam und der Urheber dieser Podcast-Reihe, Jay Nightwind. Und wir, dass könntest auch du sein! Wenn du auf Slams in NRW unterwegs bist und Lust hast Teil unseres Podcasts zu werden, dann interview Zuschauer*Innen, Slammer*Innen, Veranstalter*Innen. Schick uns deine Aufnahmen als Audiodatei (Mp3!) an Nachtwindteam at gmail punkt com. Wir bauen, wenn es passt, deine Beiträge dann mit ein. Natürlich unter Nennung deines Namens und den ganzen üblichen Ehrerbietungen.

How to Slam - Verbessern

Jay Nightwind | 06.09.17 | / / | Kommentieren
Im Bild: Micha-El Goehre Foto: Weststadtstory
Ich bin ein Fanatiker fürs Verbessern und Lernen. In meiner Welt ist es das geilste, wenn mensch am Ende des Tages eine Sache neu oder besser kann als vorher. Mit Selbstoptimierung liegt mensch ja auch voll im Trend.

Als Poetry Slammer*Innen machen wir Kunst. Und da meine ich nicht diesen gesellschaftlich aufgblasenen Begriff, sondern gehe vom ursprünglichen Begriff aus. Im lateinischen und alt-griechischem hatten ars und technea überhaupt nichts damit zu tun, wie die Erzeugnisse von einem Publikum aufgenommen werden.

Es geht um das Erlernen und Anwenden von Methoden, Techniken und dem meistern von Formen. Und die Formen im Slam sind vielschichtig. Denn einen sehr guten Text zu schreiben reicht unter Umständen nicht. An welchen Schrauben kann ich also drehen? Was kann ich verbessern? Ein Anfang einer Sammlung:

Schreibstil
ist die falsche Überschrift. Der Schreibstil ist eine sehr individuelle Entwicklungsaufgabe, kein Teilabschnitt. Es ist vom Stamm bis zur Krone das Ergebnis unserer Erfahrungen, Ideen, Entscheidungen und Fertigkeiten. Die Fertigkeiten, die können wir aktiv verbessern, in dem wir sie erweitern. Hier geht es um Techniken, die wir uns aneignen. Dafür können Schreibübungen ein guter Startpunkt sein. 

Ich mag dabei Übungen, die mich vor überraschende Aufgaben stellen. Zum Beispiel Methoden, bei denen sich über den Zufall generiert, worüber oder wie geschrieben wird. Diese Schreibübungen helfen auch dabei, eine Einstellung im Kopf zu schärfen, dass "kreativ sein" von einem zufälligen Moment eher zu einer gezielten Aktivität geführt werden kann.

Auch das Erlernen bestimmter Formen und Techniken hilft bei der Weiterentwicklung. Schnell ist gesagt "Ich kann keine Lyrik schreiben", was oft daraus resultiert, dass die Form die mensch wählt, nicht zu den Ergebnissen führt, die mensch erreichen will. Ein üben und arbeiten mit der Form ist aber sinnvoll. Auch ein Handwerker braucht nicht immer alle Werkzeuge gleichzeitig, es ist aber für ihn sinnvoll, wenn er alle Werkzeuge und ihre Funktion kennt. Daher: Lieber eine Technik immer mal wieder anwenden, auch wenn sie nicht perfekt gemeistert ist, als sie gar nicht erst zur Verfügung zu haben.

Ebenfalls um seinen Schreibstil zu verbessern kann es sinnvoll sein, sich die Erzeugnisse anderer Künstler*Innen anzuschauen. Damit dabei aber nicht der Respekt vor der anderen Leistung einen selbst bremst und einschüchtert, kann es sinnvoll sein, eines intensiv zu üben:

Beobachten
Im Alltag beobachten wir ständig. Das liegt daran, dass wir immer passiv wahrnehmen. Die Sinneseindrücke und Reize kommen, ob wir wollen oder nicht. Eine nächste Stufe ist das aktive Wahrnehmen. Klare Sache: Wir nutzen um unsere Sinne, um gezielt etwas zu erfassen.

Egal ob passiv oder aktiv, reflexmäßig greifen unsere persönlichen Filter, welche die Beobachtungen in der Aufnahme verändern. Wenn wir jetzt zum Beispiel andere Slammer*Innen bei ihren Vorträgen beobachten, bewerten wir nach unseren eigenen Kriterien die Leistungen. Dass diese Kriterien sehr subjektiv sind merkt mensch spätestens dann, wenn wir mit der Wertung auf einer Jury-Tafel für das gerade gehörte nicht übereinstimmen. Der Filter triggert.

Eine subjektive Wahrnehmung ist schon nicht schlecht, aber wir wollen uns ja verbessern bzw. etwas lernen. Dabei können unsere Filter hinderlich sein. Wir könnten uns mit dem Gesehenden vergleichen und dabei so schlecht wegkommen, dass wir frustriert sind. Oder aber zum Ergebnis kommen, dass wir das auf jeden Fall besser können. Mit dem Ergebnis lernen wir aber nichts dazu. Wir sollten uns also eventuell vom Filter trennen. Wie kann das funktionieren?

Ein leichter Einstieg ist es, eine beliebige Situation zu beobachten. Alles was wir sehen, notieren wir in chronologischer Reihenfolge. Es wird leichter, wenn wir eine konkrete Situation herauspicken, statt einer ganzen Straße in der Innenstadt lieber eine einzelne Person, ein Gespräch, einen Kaufvorgang etc. Wenn wir fertig sind, nehmen wir unsere Notizen und untersuchen sie darauf, was bewerten ist und streichen es. Dadurch sollten nur konrete Handlungen übrig bleiben.

Was nutzt uns das für den Slam? Wenn wir uns Auftritte von Slammer*Innen angucken, können wir aus den konkreten Handlungen ableiten, was wir vielleicht lernen wollen. Aus "hat sehr geil den Text gelesen", was wir nicht einfach nachstellen können, wird dann "hat das Sprechtempo laufend erhöht". Wir können viel genauer erfassen, was die eigentlich Technik ist. Je mehr wir das Beobachten einüben, desto mehr Informationen können wir gewinnen. Nicht nur aus der Beobachtung von Slam-Performances, sondern auch aus anderen Kunstformen.


Das sind zwei Bereiche in denen mensch sich beim Poetry Slam verbessern kann. Es gibt noch unzählige weitere, in die wir im Rahmen von "How to Slam" immer wieder reinschauen werden. Was sind die Bereiche, in denen ihr euch verbessern wollt? Habt ihr schon Strategien? Wie sehen diese aus?