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Danke! - 1. Essener Stadtmeisterschaft im Poetry Slam

Jay Nightwind | 17.01.17 | / | 3 Kommentare
Liebes Rudel,
Ich bin euch so dankbar.

Zum ersten Mal bringen wir mit Poetry Slam in Essen eine Stadtmeisterschaft auf die Beine, ein Event für die heftige lebhafte Essener Szene und - Meine Güte - war das ein Wochenende!

16 Künstler*Innen die in Essen leben brachten persönliche, wichtige, aufwühlende, aufklärende und unterhaltsame Texte auf die Bühne. Von allen Erfahrungsstufen und Altersgruppen kamen die Slammer*Innen, aus allen Schichten, aus allen Geschmacksrichtungen. Wir sind stolz auf die Diversität von Stadt und Szene. Ich wäre schon glücklich gewesen, das ganze Wochenende nur zuhören zu dürfen.

Aber als jemand der seit jetzt etwa Sieben Jahren Essen auf Slambühnen vertritt, lasse ich mir so eine Chance nicht entgehen. Auch nicht, wenn ich mit den anderen Essener Slamveranstalter*Innen gemeinsam Organisator bin. Das ich dann am Ende ausgerechnet noch gewinnen durfte, macht mich noch dankbarer, als ich es eh schon bin.

Im Vorfeld gab es die Frage, wofür es eine Essener Meisterschaft überhaupt braucht. Ich sage: Damit wir uns einmal im Jahr hier feiern und stolz sind. Weil es motiviert, so ein Ziel im Blick haben zu können, weil es nicht so weit weg ist, wie NRW oder deutschsprachige Meisterschaften. Weil es das Familientreffen der Essener Szene ist, die ja nicht nur auf und hinter der Bühne lebt, sondern auch davor. Slamily meint das alles, euch alle. Danke für die alten, aktuellen und kommenden Zeiten!

Danke an Slam in der Heldenbar, Krawall und Zärtlichkeit Poetry Slam, Slamassel, GREND SLAM, das Veganz (Essen), den Speakers Corner Raid, WestStadtStory! Ihr gebt den Menschen in dieser Stadt einen Platz, um ihre Gedanken, Schmerzen, Wünsche, Träume, Visionen und Hoffnungen teilen zu können. Ihr gebt Platz für Stimmen.

Danke an die Fünfzehn (!) anderen Teilnehmer*Innen, von denen ich es jedem und jeder wünsche, dass sie weitermachen. Ich freue mich darauf, euch in den nächsten Jahren zu hören.

Danke an alle, die auch nicht dabei sein konnten, aber aus der Distanz und Nähe bestätigt haben, dass eine Stadtmeisterschaft eine gute Sache ist.

Danke liebes Rudel,
dass ihr mich möglich macht, mir zuhört und mich besser macht.
Es ging nie um die Punkte, sondern immer um euch!


Poetry Slam: Rollen in einer Szene

Jay Nightwind | 11.01.17 | / | 3 Kommentare

Liebes Rudel,
wenn mensch sich länger in einer Szene aufhält, wächst mensch in Sachen rein. So ist es beim Slam natürlich auch. Im Laufe der Zeit hängen an der selben Person mehrere Rollen und Aufgaben. Das ist gerade in unserer Szene nicht unüblich. Aus auftretenden Künstler*Innen werden dann auch schon mal Veranstalter*Innen, Moderator*Innen und und und. Das ist eine tolle Sache, weil viele von uns in einem Bereich wertvolle Fertigkeiten und Erfahrungen erlangen, die an anderer Stelle helfen.

Egal welche Rolle wir aber inne haben, sehen wir nach Außen für gewöhnlich identisch aus. Klar, selbe Nase, selbe Dudette, selber Dude. Da gehen die Rollengrenzen manchmal wieder vergessen.  Innerhalb einer Szene kann das manchmal zu Konflikten führen. Denn häufig erfordern unsere Rollen, dass wir gerade ein anderes Verhalten zeigen.

Im Slam bin ich Performer, Veranstalter und Coach. Drei Rollen die alle ihre Wurzeln in mir haben, aber nicht immer gleichzeitig stattfinden können, sich sogar häufiger mal widersprechen.

So bin ich als Veranstalter vielleicht sehr verkopft und reflektiert, versuche aber als Performer immer die innere Eskalation aufrecht zu halten. Ich bin sehr bei mir, schaue auf die Zuschauer und versuche da eine Synergie zu schaffen. Als Coach muss ich aber gedanklich sehr bei denen sein, die sich verbessern wollen; einen Fokus auf die Texte der anderen haben.

Die Transfers zwischen diesen Rollen passieren nicht mit einem einfachen Fingerschnipsen, sondern müssen bewusst passieren. Wird mensch dazu "gezwungen" die Rolle zu wechseln, führt das nicht selten zu Konflikten. Und das nicht nur in unserer Szene.
Wer im Büro arbeitet und dort auf Freunde, Angehörige oder eigene Kinder trifft, hat eine ähnliche Situation durchgemacht.

Wenn eine neue Rolle für eine Person hinzukommt, ist es manchmal auch schwer, diesen Prozess als Außenstehender zu erkennen. Siehe oben: Selbe Nase, neue Rolle. Eine neue Rolle bedeutet nicht, dass eine alte Rolle keine Gültigkeit hat. Wenn jemand in meinem Umfeld einen neuen Job hat, hört ja zum Beispiel nicht auf mein Freund zu sein.

Wir sollten versuchen uns für die neuen Rollen zu interessieren und sie zu verstehen, wenn wir in einer der alten Rollen gut mit jemandem zusammen gekommen sind. Das gibt uns auch mehr Sicherheit mit diesen Menschen. Ein Wechsel im Verhalten lässt sich dann besser erklären.

Ich bin gerne Performer, Veranstalter, Coach. Das alles bin ich, aber nicht immer gleichzeitig.

Poetry Slam von Innen: Wenn die Punkte eine Bedeutung hätten

Jay Nightwind | 10.02.16 | / | Kommentieren
Abstimmungssysteme gibt es beim Poetry Slam so einige, aber manche sind einfach prominenter. Das Bekannteste, der Star unter diesen Systemen scheint mir seit Jahren das "Wertungstafel-System" zu sein, welches mir am häufigsten begegnet.

Am Ende ist ja egal, denn in der Slam-Szene schwingt über den Künstlern immer wie ein Damokles-Schwert der Satz "The points are not the point", aber für das Publikum ist das nicht so. Das Publikum sieht eine andere Erzählstruktur des Abends, als die Organisatoren und die Künstler. Für die Zuschauer sind auch die Punkte der Punkt, weil sich Favoriten bilden bei ihnen, weil sie bestimmte Stile scheitern, andere triumphieren sehen wollen. Und natürlich, weil sie auch wollen, dass ein Künstler auf der Bühne sich für ihre Gunst und die Kunst voll reinlegt, nicht nur vorliest, sondern performt und sich verausgabt. Und um die Anerkennung durch das Publikum erkennbar zu machen, braucht es halt Bewertungssysteme.

Das System mit der Wertungstafel ist ausgeliehen, aus anderen Kunst-Wettbewerben, welche schwer zu vergleichen sind: Tanz zum Beispiel, aber auch beim Skateboarden kommt dieses System zum Einsatz. Dort sitzt eine Jury, in der jedes Mitglied von einem bis zu Zehn Punkten vergeben kann. Die Jury hat eine ungrade Anzahl Mitglieder, da zur Ermittlung eines statistischen Mittels und zum Ausgleichen möglicher Befangenheiten die beste und die schlechteste Wertung wieder gestrichen werden. (Sollte der Wunsch einer Erklärung bestehen, einfach in den Kommentaren nachfragen) Beim Slam ist die Besonderheit aber, dass die Juroren keine Experten sein müssen. Sie brauchen keinerlei Vorerfahrung, werden recht spontan am Abend aus dem Publikum ausgewählt.

Und dann sitzen diese Leute da, mit der Verantwortung etwas - den Gerüchten nach - Unvergleichbares zu vergleichen. Eine gar nicht mal so einfache Aufgabe, die viele Zuschauer instinktiv bewältigen, einfach nach spontaner Eingebung gehen, aber dann auf einmal in eine neue Dynamik des Abends geraten können, denn während vielleicht fünf Leute Jury sind, Fünfzig oder auch schon mal Fünfhundert im Publikum sitzen, die nicht entscheiden wer nochmal lesen darf, aber trotzdem auch eine Meinung haben. Und dann wird eine Jury plötzlich für Zehnerwertungen gefeiert und für schlechte Wertungen ausgebuht. Sichere Menschen lassen sich davon nicht beeindrucken und werten freudig weiter nach ihrem eigenen Geschmack, aber weniger sichere lassen sich damit im Laufe des Abends vielleicht beeinflussen, was schwierig ist, da sie dann ja nicht alle Künstler nach gleichen Maßstäben bewerten.

Gleiche Maßstäbe könnten aber genau dabei eine gute Hilfestellung sein. Punkte von Eins bis Zehn sind natürlich irgendwie schwierig zu differenzieren. Natürlich kann jeder Mensch beantworten, ob ihm Texte gefallen haben oder nicht, aber welcher denn jetzt besser war, wenn sie auf sehr ähnlichem Qualitätniveau waren, ist extrem schwierig zu trennen.

Um Zuschauern eine Hilfestellung zu bieten, müsste mensch sich jetzt überlegen, worauf es beim Slam ankommt. Meine lieben Leser und Leserinnen, es ist Zeit für Streit, denn ich möchte eine Überlegeung anstellen, was denn wäre, wenn jeder Einzelne der Zehn Punkte einen Sinn hätte.

Der Respekt (1 Punkt)
Slam Poeten können, müssen aber keine Profis sein. Sich überwinden, sich trauen, sich vorbereiten, sich freuen, die Energie aktivieren und dann für die Sache brennen, ohne vorher zu wissen, ob Publikum und Text heute zu einander finden werden, das ist eine Leistung, das ist ein großer Einsatz. Und dafür ist Anerkennung angebracht. Daher sollte einer der Punkte der Wertung dem Respekt gelten. Auch wenn es vielleicht gerade der schlechteste Text aller Zeiten war oder vielleicht auch genau gerade dann, denn diesen Text vor zu tragen, braucht dann auch Mut.
Dankbarerweise nehmen Wertungstafeln die Entscheidung über den Punkt für Respekt gerne selbst in die Hand, indem es einfach keine Null als Zahl auf den Tafeln gibt.

Die Technik (0 - 2 Punkte)
Natürlich geht es hier nach Vorliebe, aber Technik ist ein entscheidener Faktor für Texte. Der beste Inhalt, die beste darstellerische Leistung verpuffen, wenn die Erzählstruktur, das Metrum oder auch die Qualität der Reime gegen das Werk arbeiten. Und das kann passieren, denn auch ohne Deutsch LK oder Hiphop-Kenntnisse kann mensch als Zuschauer erkennen, das "Haus-Maus"-Reime zwar auch Reime sind, aber keine hochwertigen. Das kann den besten Inhalt wirklich ins Schwanken bringen, wenn die Darreichung nicht stimmt.
Technik bezieht sich hier aber auch vorallem auf den Text. Eine Testfrage die ich mir zur technischen Untersuchung gerne stelle ist die: Würde dieser Text auch funktionieren, wenn ich ihn im stillen lese?
Wenn die Finessen und Handgriffe des Autoren auch ohne seinen Auftritt funktionieren, dann ist es ein technisch gut gemachter Text.

Wenn die Technik gar nicht stimmt, dann gibt es hier auch keinen Punkt. Ist sie herausragend, beeindruckend und besonders stark, dann gibt es hier natürlich die volle Punktzahl. Vielleicht sogar mehr. Dazu kommen wir später aber nochmal. Für alle Texte die technisch weder schlecht noch spektakulär sind, gibt es den einen Punkt dazwischen.

Die Performance (0 -2 Punkte)
Einige Menschen bezeichnen ja die Gesamtheit des Auftrittes eines Künstlers als seine Performance. Wenn aber technische Geräte beobachtet werden, bezeichnet die Performance die Leistungsfähigkeit. Das wiederum klingt irgendwie so "unkünstlerisch", beschreibt aber sehr treffend, um was es hier geht.
Bezieht sich die Technik auf den Text, geht es bei der Performance um die Leistungsfähigkeit des Künstlers.
Da ist beim Slam, also dem Vortrag von Texten mehr möglich, als das Format im ersten Moment vermuten lassen mag. Springen, Schreien, Flüstern, Gesten, Pantomime, Stimmwechsel, Bewegungen, die Bühne verlassen und was den Poeten sonst noch an spektakulären Aktionen einfällt, kann das Gesamtbild deutlich prägen und auch beeindruckend sein. Wenn nämlich der Vortrag unter theatralischen Methoden nicht einbricht, sondern unterstützt und verstärkt wird, dann ist die Leistungsfähigkeit gezeigt und stark. Fehlende Performance kann aber halt auch andersherum ebenfalls den Text schmälern, ja, im schlimmsten Fall sogar töten. Monotone unmotivierte Stimmlage ohne Abwechslung, ohne Feuer und schnell stirbt hinweg, was sprachlich viel verspricht.

Die Bewertungsempfehlung ist die selbe wie bei der Technik: Für nichts gibt es auch nichts, für die solide Leistung einen Punkt und für das Performance-Feuerwerk dürfen es dann gerne mal zwei Punkte sein.

Der Inhalt (0 -2 Punkte)
Es ist immer schwierig Inhalt qualitativ zu bewerten, aber das erfreuliche an Slam ist, dass die Bewertung super subjektiv sein darf. Aber, wenn mensch es objektiv(-er) probieren möchte, geht das natürlich auch. Daher ist es wichtig, hier "Inhalt" und "Thema" zu trennen. Gefällt einem als Zuhörer das Thema nicht, nehmen wir mal einen Slamklassiker wie "Zugreisen", kann es aber trotzdem inhaltlich sehr gut bearbeitet sein. Auch bei einem so alltäglichen Thema kann vorher Recherche betrieben werden, Fakten und Informationen gesammelt werden. Neben Performance und Technik kann auch der Inhalt durch sorgsame Vorbereitung die Stimmung des Vortrages prägen.
Inhaltliche gute Arbeit wird nicht immer spürbar, wenn der Künstler am Mikrofon steht. Aber mit Hilfsfragen, ob mensch zum Beispiel das Gefühl hat etwas neues erfahren zu haben oder neue Denkanstöße bekommen hat, können das Gespür für den Inhalt schärfen.
Vorsicht: Auch lustige Texte können inhaltliche Tiefe habe, ernste Texte können dafür aber auch trotzdem nicht besonders stark sein in diesem Segment. Da darf mensch sich von literarischen Stimmungen nicht täuschen lassen.

Wenn der Inhalt gar nicht überzeugt oder im schlimmsten Fall sogar falsch ist, gibt es auch keine Punkte. Am anderen Ende der Skala steht zum Glück nicht eine wissenschaftliche Facharbeit, aber eine kluger kausalschlüssiger Denkanstoß, der das eigene Wissen vergrößert, darf gerne zwei Punkte bekommen.

Die Authentizität (0-2 Punkte)
Ich weiß nicht mal sicher, ob das wirklich ein zu bewertendes Kriterium sein sollte. Heut zu Tage wird das Wort ja oft damit verbunden, ob jemand "echt" ist. Aber für Slam ist es auch okay, wenn eine Rolle eingenommen wird auf der Bühne. Aber wie soll ich dann die Echtheit dieser Person bewerten?
Es gilt sich von dem Gedanken zu trennen, dass ein Vortrag dann echt war, wenn Autor und Bühnenperson übereinstimmen. Authentizität entspricht für mich beim Slam zum einen der Originalität.
Wenn ein Künstler sehr stark versucht dem Stil eines anderen nach zu eifern, dann ist das für ihn selbst ein legitimes Ziel, aber ohne eigene Note, ist die Imitation als Eigenleistung nicht ausreichend. Inhalt, Technik und Performance greifen daher auch in dieses Feld mit ein.
Neben der Originalität geht es aber - für mich- um eine Sache, die Tobi Katze mal im Interview angedeutet hat: "Wir Autoren erleben Sachen, damit andere sie nicht mehr erleben müssen." Daraus leite ich für mich ab, dass ein authentischer Auftritt der ist, bei dem ich spüre, das der Vortragende fühlt, was dort zu fühlen ist. Seine Trauer, Anteilnahme, Freude, Neugier, all diese wunderbaren Emotionen, die einen Menschen umtreiben können, sind ihm in seinem Text wieder ab zu gewinnen. Was erzählt wird, ist ein lebendiges Erlebnis. Um diese erkennen zu können, spielen Augenkontakt, Bewegung, Gestik, Mimik, Stimme, alle eine Rolle, auch wenn es keine definitiven Kriterien gibt, nach denen hier zu bewerten wäre.

Trotzdem ist sie wichtig genug, um sie nach dem gewohnten System von Null bis Zwei Punkten in dieser Kategorie zu bewerten.

Der Unterschied (1 Punkt)
Manchmal, da gibt es diesen Moment an einem Abend. Da geht eine Künstlerin, ein Künstler an Mikrophon und legt los. Plötzlich ist etwas anders und es bewegt den Raum. Einer oder alle vier Leistungsbereiche werden über das maß hinaus erfüllt und jeder ist sich sicher, dass wenn er/sie jetzt weghört, es viel zu bereuen gibt. Die Zuhörer hängen an den Lippen, der/die Poet/In geht vollkommen im Auftritt auf. Er oder sie ist die Person, die heute den Unterschied macht.
Manchmal, da passiert dieser Moment auch gar nicht beim Poeten. Der Zuschauer oder die Zuschauerin hat heute selbst eine Geschichte im Herzen, eine Bedürfnis in der Seele, welches überraschend bedient wird. Der Druck sinkt, eine Erleichterung tritt ein, das Gefühl muss dem der Katharsis entsprechen, von dem im Theater immer mal wieder die Rede ist.
Es kann sein, dass nicht nur eine Person am Abend diese Qualität erreicht, sondern ein ganzer Abend voller Höhepunkte steckt und dann ist es auch legitim, jedes Mal diesen Punkt zu geben, der den Unterschied makiert. Er ist ein Exklusivrecht für den oder die Beste, sondern die Erhöhung des Respektes, wenn jemand die Grenzen geweitet hat und etwas Besonderes geschaffen hat, das bleibt.


Fokuspunkte
Du interessierst dich nicht für Authentizität, aber Technik ist dir wichtig? Was schert dich der Inhalt, wenn der oder die jenige authentisch sind? Dann verschiebe die Punkte. Verteile die freigelegten Punkte auf andere Kategorien. Meine Aufteilung ist eh nur Empfehlung, aber das grundsätzliche "Planen" der Bewertung des Abends finde ich gar nicht mal so verkehrt.
Es hilft nämlich dabei, eine Schwachstelle des Jury-Tafel-Systems zu relativieren. Häufig wird der oder die erste Starter/in des Abends schwächer bewertet, weil das Publikum noch steigerungsfähig bleiben will. Es weiß noch nicht, was noch so alles kommt und ist damit noch nicht auf die Qualität des Abends geeicht. Werden für die Texte aber bestimmte Maßstäbe angesetzt, kann es auch mal gut sein, dass auch jemand auf Startplatz Eins alles anbietet, was es an dem Abend braucht, was eine volle Punktzahl dann berechtigt.
Sicher keine Musterlösung, aber vielleicht den Versuch wert.

Sowieso, das alles ist natürlich nur Empfehlung. Ein Gedankenspiel. Ein Versuch zu erfassen, was ein Zuschauer bei einem Slam überhaupt bewerten kann, neben all den Dingen, die niemals nie nicht in die Wertung fließen sollten (z.B.: Körperliche Attraktivität, Outfit, Herkunft etc.). Ganz am Ende, schwingt das Damokles-Schwert über dem Abend, dass es eben nicht um die Punkte und eben nicht um den Wettbewerb geht und es daher eigentlich egal sein sollte. Ein solcher Artikel zeigt nur, dass es ja dann doch auch irgendwie nicht ganz egal ist.
Und wenn wir ehrlich sind, dann ist es auch nicht vollständig egal. Sonst hätten wir keine Landes- und Bundes-Meisterschaften. Und wenn es diese aber gibt, möchte ich da wenigstens versuchen den Zuschauern eine Art Denkanstoß geben, wie sie denn werten könnten.

"Und für diesen Beitrag brauchen wir eine Wertung, deshalb bitte auf Drei die Jurytafeln hoch....Eins.....Zwei.....Und Drei!"

Podcast: Slam in NRW #003 - Krefeld, sexy und seriös

Das neue Jahr beginnt mensch ja meist eh liegend und wenig produktiv, daher fühlt euch herzlichst eingeladen, heute nur zu konsumieren. Dafür steht dieser kleine feine Podcast bereit, der euch Stimmung und Stimmen aus Krefeld mitgebracht hat. Mit dabei sind Johannes Floehr, Jan-Phillipp Zymny und Michael Heide; gewiefte Zeitreisende hören Oscar Malinowski, der aus einem Podcast aus der Zukunft gekommen ist, um uns ein mögliches Intro einzusingen.



Die Frequenz der unregelmäßigen regelmäßigen Dokumentation wird sich jetzt ein wenig erhöhen, zum einen, da ich gerade Ferien und damit Zeit habe, aber auch, weil ich so schnell wie möglich #RoadToGütersloh als Thema haben möchte. Im März finden dort die NRW-Meisterschaften im Bereich der bis zu 20-Jährigen, sprich dem Nachwuchs der Szene, statt und es ist damit die erste wichtige Meisterschaft in 2016. Für den Sieger/die Siegerin dieses Turniers geht es zur deutschsprachigen U20 Meisterschaft.

Weiterhin: Anregungen sind immer gern gesehen, ihr dürft konsumieren, müsst aber nicht nur alles schlucken.
Ich wünsche viel Spaß mit der Ausgabe!

Podcast: Slam in NRW #002 - Duisburg, Wesel und Pizza im Mund

Jay Nightwind | 14.12.15 | / / / | Kommentieren
Tada! Hier sind wir wieder und mit wir meine ich eigentlich nur mich. Unsere unregelmäßige regelmäßige Reihe über Slam in NRW geht weiter und ist immer noch stark in ihrer Findungsphase. Feedback ist in den Kommentaren gerne gesehen.
Aber auch ohne Verbesserungsvorschläge habe ich mich auf Slams hier in der Gegend gewagt und in Erfahrung gebracht...ja, was eigentlich? Was Zuschauer wollen, was Slammer denken, dass es Zuschauer es wollen und was für Zuschauer die Slammer eigentlich haben wollen. Nächstes Mal frage ich dann, was Zuschauer wollen, dass es Slammer von ihnen wollen, um das Chaos perfekt zu machen.



Heute mit verpodcastet: Sandra Da Vina, Fatima Talalini, Luca Swieter, Luise Frentzel, Christofer mit f, Tobi Katze, Özge Cakirbey, Henrike Klehr, Sebastian 23 und Jan-Philipp Zymny, wobei die letzteren Zwei nur meiner Schelmerei zum Opfer fallen.

Falls ihr bestimmte Fragen oder Wünsche für die nächsten Ausgaben habt, lasst es uns in den Kommentaren wissen. Aktuell arbeite ich mit Vorproduktion, was bedeuten würde, dass eure Fragen es vielleicht noch nicht direkt in die nächste Ausgabe schaffen, aber dran kommen sie auf jeden Fall.

Konzeptionell beschäftigt mich auch gerade die Idee, ein wenig Vorberichterstattung zu besonderen Ereignissen zu machen, mein Blick fällt da auf die kommende U20-NRW-Meisterschaft in Gütersloh. Alle Themen die da anhängig sein könnten, würde ich beleuchten wollen. Feedback-Frage an euch: "RoadToGütersloh" als Rubrik mit reinnehmen? Gerne Kommentare mit Begründungen.  

Slam in NRW #001 - Duisburg, Oberhausen und keine Motivation

Jay Nightwind | 05.12.15 | / / / | Kommentieren
Neulich habe ich ja noch behauptet, dass es vielleicht ein journalistisches Erzeugnis aus und für die Poetry Slam Szene braucht. Zu dem Beitrag gab es viele Anmerkungen und Resonanzen, auf Facebook und spannende Antworten. Daher wird es demnächst dazu eine eigene Nachlese geben.

Trotzdem habe ich aber für euch schon ein Erzeugnis, welches den Versuch darstellt, mal ein wenig rein zu horchen, was hier so geht beim Slam. Herzlich Willkommen zu Ausgabe #001 von "Slam in NRW", einem Interview-Podcast (Was auch sonst?) mit Zuschauern, Moderatoren und Künstlern auf Slams in NRW.

In dieser Ausgabe bin ich in Oberhausen und Duisburg, bin auf der Suche nach der richtigen Form für den Podcast und rede mit Rainer Holl, Temye Tesfu, Jason Bartsch, Marvin Suckut, Björn Gögge, anonymen Zuschauern und wundervollen Hintergrundgeräuschen wie zum Beispiel Straßenverkehr und Zugfahrgeräuschdingsbums.


Wo die Reise für diese Reihe hingeht, könnt ihr gerne mitbestimmen. Schreibt mir Fragen, die euch auf den Lippen brennen, sagt mir was ihr über die Szene wissen wollt und müsst! Lasst die Neugierde raus, steuert mich Interview-Drohne fern und ich will versuchen zu erforschen, was wichtig ist.

Die Folgen werden übrigens nicht in einem regelmäßigen Turnus erscheinen, sondern immer, wenn ich genug Material habe. Aktuell kann ich etwas vorarbeiten, daher sind die ersten Folgen gesichert, aber da die Frau von Christofer mit f ihr Aufnahmegerät zurück will, welches ich seid unserer NRW-Slam-Reportage in Münster in illegaler Dauerausleihe habe, könnte eine kleine Lücke entstehen. (Für gute Empfehlungen für Aufnahme-Alternativen, zum Beispiel eine okaye bis gute App fürs Windows Phone, bin ich sehr dankbar!) Aber das soll euch erstmal nicht so Sorgen.

Wenn ihr mögt, empfehlt unseren Podcast weiter, abonniert uns aud Soundcloud und ihr kriegt diese und andere Inhalte schon was früher mit als hier im Blog. Kritik und Tipps gerne in die Kommentare! Danke für eure Aufmerksamkeit!

Poetry Slam von Innen: Was fehlt

Jay Nightwind | 25.11.15 | / | 6 Kommentare
Hier fängt die Geschichte an.
1986 bringt der Amerikaner Marc Kelly Smith mit einigen Verbündeten die Urform des Poetry Slams auf den Weg. In den 90er-Jahren schwappt es dann überall in die Welt über. Aus Gründen wird die deutsche Poetry Slam-Szene dabei besonders stark und bringt sowohl viele Veranstaltungen, als auch Künstler hervor. Meisterschaften entstehen, der WDR entdeckt Slam kurzfristig als relevant, aber trotzdem bleibt es Subkultur und irgendwie "underground"-ig. Ein Geheimtipp für das - in der Szene - sogenannte "studentische Publikum".

Vielleicht war es dann Julia Engelmann, die mit einem Text ein Gefühl der Mehrheit getroffen hat; vielleicht lag es aber auch einfach an der motivierten unermüdlichen Arbeit der Szene, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an einer Mischung aus beidem, dass Slam immer weiter in renommiertere Kreise gestiegen ist. Schon vor dem Engelmann-Effekt sind Slammer in anderen Formaten aufgetaucht, Torsten Sträter, zum Beispiel, dem Slam schleichend gänzlich entstiegen, Sebastian 23, Patrick Salmen, Quichotte und weitere tauchen bei Nightwash, dem Quatsch Comedy Club auf und etablieren Slam Poetry außerhalb der Poetry Slams.

Der Griff nach der Leitersprosse oberhalb der Untergrund-Kultur ist da, die Bereitschaft vom Geheimtipp aufzusteigen gegeben. Ich kann nur für NRW sprechen, aber wenn immer größere Hallen und Orte mit Slams ausverkauft werden, die Zuschauerzahlen ins Vierstellige steigen, dann fühlt es sich nicht mehr sonderlich "geheim" an und vor der Öffentlichkeit ist so eine Bewegung nur noch schwer zu verstecken. Aus Szenekreisen ist aktuell zu vernehmen, dass ein Antrag auf Zulassung als Kulturerbe gestellt wurde. Untergrund ist anders.


Fussball, Heavy Metal, Achtsamkeit, Leute die Plastikminiaturen bemalen, ein Heft darüber wie man Steaks brät - Das 14€ kostet! - oder halt eine Sammlung von Schuldgeständnissen: Für jede Katzenkirmes und noch so kleine Interessengemeinde gibt es ein eigenes - na, nennen wir es mal so - journalistisches Erzeugnis. Selbst wenn es nicht besonders neutral-faktisch ist, sondern vor fiesem Lobbyismus trieft, alle Zünfte schaffen es scheinbar irgendwie ihre eigenen Heftchen auf den Markt und an eine Leserschaft zu schleudern. Und ausgerechnet eine schreibende Gemeinschaft hat kein Szene-Magazin. Finde nur ich das ironisch?

Und dabei wäre es gut und gerne nützlich, darüber hinaus vielleicht sogar notwendig etwas zu veröffentlichen. Denn nicht nur, weil immer noch Journalisten und Zuschauer nicht unterscheiden können, ob nun ein Text als "Slam" bezeichnet wird oder eine Abendveranstaltung, sondern auch, weil es der Charakterbildung der Szene als Ganzes dienen könnte. Berichte, Kommentare, Beobachtungen, dass sind die Grundlagen, an denen in Diskussion und Austausch sich eine Szene nach Innen weiterentwickeln und nach Außen erklären kann.

Denn es gibt reichlich Diskussionen innerhalb der Szene: Frauen-Männer-Verhältnis im Slam, Nachwuchsförderung, Regelwerkauslegungen und Entwicklungen, Umgang mit kommerziellen Partnern, Lohndumping bei Workshops, Inhaltliche Entwicklungen, Qualitätssicherung und noch viele weitere. Dazu noch die Menge der niemals notierten und verankerten Brauchtümer und unausgesprochener Regeln unserer Sparte, die sich eben nicht selbst erklären.

Mit Myslam.net gab es mal eine Art soziales Netzwerk für Poetry Slam, welches in eingeschränktem Maße eine Innen- und Außenseite hatte. Auch eine der Diskussionen der Szene: Wie umgehen mit dem ausgehungerten Anlaufpunkt für Terminabsprachen? Nun hat das eine große soziale Netzwerk diesen Platz eingenommen, ist aber nicht nach Außen offen und erfordert immer noch die Kontakte, das Vitamin Beziehung, um vorwärts und an Informationen zu kommen.

Was fehlt, ist meiner Meinung nach ein Magazin. Aus der Szene, für die Szene und darüber hinaus. Denn wir können uns nicht weiter über Journalisten ärgern, die in Tageszeitungen schlecht über Slams berichten, wenn wir ihnen nicht zeigen, wie es unserer Meinung nach aussehen sollte. Wir können uns nicht über wiederkehrende Diskussionen innerhalb der Gruppen in sozialen Netzwerken ärgern, wenn ihre Ergebnisse und Erkenntnisse niemals als Produkt außerhalb der Diskussion gesichert wurden.
Denn so machen es andere "Szenen" ja nun seit Jahren auch. Fussballprofis schreiben auch für den Kicker, Politiker bekommen Spalten in den Tagesblättern, Journalisten etablieren ganze Blogs, in denen journalistische Erzeugnisse kritisiert werden: Die Zielsetzung ist bei allen gleich: Diskurs und Szene-Entwicklung.

In eigener Sache:
Und dann so als erster Kommentar unter dem Beitrag: "Ja, dann mach es doch selber. Ja, sowas ist aber teuer. Ja, aber wer soll das denn machen? Ja, wenn die Idee so gut wäre, dann würde es ja schon jemand machen!"

Natürlich bin ich kein Slammagazin, aber tatsächlich schreibe ich, wenn auch unregelmäßig, über Slam. Und spätestens seit der NRW-Slam-Reportage dürfte kein Zweifel daran offen sein, dass ich gerne und begeistert darüber sprechen möchte, was wir auf und neben der Bühne machen. Und wenn Danny Grimpe (Hamburg) und Björn Gögge (Essen) einen Podcast auf den deutschsprachigen Meisterschaften (Augsburg) aufnehmen, zeigt sich doch, dass es jetzt Angebote für eine nicht näher definierte Nachfrage gibt.

Mit Finanzierungen von journalistischen Veröffentlichungen kenne ich mich nicht aus, aber als langjähriger Blogger kenne ich mich mit Formaten aus, die keinerlei Unterstützung durch Geld erfordern. Der Antrieb sind dort oft die Kraftstoffe Neugier, Zeit und Begeisterung. Aber in einer Szene mit diversen Verlagen in freundschaftlicher Nähe, ja sogar als Teil der Familie, ließe sich doch vielleicht tatsächlich ein Szene-Magazin auch in gedruckter Form realisieren. So spontan gedacht.

Ich, in jedem Fall, würde ein solches Magazin abonnieren.

Podcast: NRW-Slam 2015 in Münster


Am 1. & 2. Mai fanden in Münster die Landesmeisterschaften im Poetry Slam für NRW statt. Christofer, einige andere die hier im Blog schon aufgetaucht sind und ich durften vor Ort sein, um an dem Turnier teil zu haben. 
In einem Anflug von spontaner Angst vor Unterbeschäftigung, kam die Idee auf, eine Reportage in Form eines Podcasts zu erstellen. Sowas hat es für den NRW-Slam noch nie gegeben und wir fanden, riskieren kann mensch es ja mal.

Heraus gekommen ist eine zweiteilige Dokumentation, die Einblicke in die emotionale und inhaltliche Welt eines solchen Wochenendes gibt und dabei vielen vielen tollen Menschen aus unserer Szene die Gelegenheit gibt - neben der Bühne - zu Wort zu kommen. Egal ob es um Organisation, Nachwuchsförderung, Verlage, Abstimmungsmodi oder Traditionen der Szene geht, es ist von allem ein wenig dabei, vorallem aber ganz viel gute Laune.

Wenn ihr euch das anhören wollt, vielleicht auch zur Einstimmung auf den Webslam II, dann klickt doch einfach mal hier auf abspielen oder downloaden:



Wir möchten uns auch hier nochmal bei allen Beteiligten bedanken. Besonders aber bei den Organisatoren, die uns ein unvergessliches Wochenende in Münster geschenkt haben. Außerdem Dank an Jens Kotalla und Sven Hensel, die als Gastreporter eingesprungen sind!

Wir hoffen, die Reportage gefällt euch!