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Friend in Need - Vorläufige Pause

Jay Nightwind | 23.05.16 | / / | Kommentieren
Ahoi. Bloggen ist ein komisches Hobby. Eigentlich macht mensch es für sich, es geht ja darum irgendwie Tagebuch zu schreiben und gleichzeitig macht mensch es nicht für sich, denn es ist ja öffentlich. Und wer veröffentlicht, will halt auch gesehen werden.

Seit längerem habe ich Lust, eine durchgängige Serie in den Blog zu bringen, vor einigen Jahren hatte ich ja auch mit Hans schon 2274 geschrieben, eine SciFi-Serie. Damals war ich schlauer. Ich habe die Reihe für mich geschrieben, es ging mir darum Figuren, die in meinem Kopf rumgeisterten auf gute Abenteuer zu schicken. Zu dem sollte es eine Art Schreibübung sein.

Friend in Need hat auch so angefangen, war mal eine nette Schnapsidee, zart basierend auf der alten Amalgam-Reihe in der Marvel und DC-Helden aufeinander getroffen sind. Ein herliches schreckliches Chaos. Leider hat sich beim Schreiben Friend in Need in den Versuch verwandelt, eine besonders lustige, eine sehr gefällige Reihe zu schreiben, die möglichst Menschen ködert. Das wäre nicht so verwerflich als Ziel, wenn es dann nicht so niederschmetternd wäre, wenn es nicht zum gewünschten Erfolg führt. Denn Kommentare, Resonanzen, "Likes" und auch das die Reihe geteilt wird, dass ist nicht passiert und waren traurigerweise meine Ziele.

Ich will hier ganz ehrlich sein: Ich bin an diesem seltsamen Punkt, wo ich weiß, dass meine Sachen nicht schlecht sind, vielleicht manches sogar echt gut, aber ich das Gefühl habe, nicht die Resonanz zu bekommen, die ich - "verdient" will ich nicht sagen - gewünscht habe. Ich blogge seit Acht Jahren, Slamme seit Sechs und das mit zufriedenstellendem Erfolg, aber aktuell wenig Interaktion mit den "Konsumenten". Die ist mir wichtig, die brauche ich auch als Antrieb. Vermutlich bin ich ein Unterhalter und mag gerne bedienen.

Aber wenn die Motivation dann einschläft, weil halt eben die Ziele auch nicht mehr aufrichtig sind, dann kann mensch sich weiter durchquälen oder einen klaren Schnitt machen. Ich entscheide mich für zweiteres. Steward Fin ist mir sympathisch genug, dass ich ihn behalten möchte und die Idee immer noch ganz okay, aber vorläufig geht er mit seinen neuen Superfreunden in eine unbestimmte Pause. Ich hoffe bald wieder Folgen für ihn zu produzieren und so die erste Staffel zu einem Ende zu führen.

In der Zwischenzeit werde ich mich wieder mehr Projekten zu wenden, die sich mehr "ich" anfühlen und weniger eine Angel für neue Leser sein sollen. Wenn ihr zu Friend in Need Anmerkungen haben solltet, wäre jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt, um diese in die Kommentare zu werfen. Ich bin für jedes Wort dankbar.

Friend in Need #12 - Ertrinken

Jay Nightwind | 16.05.16 | / / / | Kommentieren
"Autopilot aktiv" Alex war da unten und ich musste zu ihr. Ich war noch nie einer dieser Beschützer-Typen, keiner dieser "mein schwaches kleines Mädchen"-Kerle, ich glaubte nicht mehr an die "Damsel in Distress", wie es die Sarkessian in ihren Videos erklärte. Aber wenn die Person die du liebst dir so eine sorgenvolle Stimmlage ins Ohr legt, dann triggert das Instinkte.

Und wenn dir dann dieser schmauchige Geruch in die Nase steigt und fehlerhaft ein schwarzer glühender Ring auf einer Wiese prangt, dann fragst du dich nicht mehr, ob du jetzt in veralteten Rollenbildern denkst. Alles ist egal, wenn du nur wissen könntest, dass nichts schlimmes passiert ist.

Ich erwartete gierig, dass der Batwing sich endlich absenkt und ich aus irgendeiner Nebengasse heraus zum Ort der Geschehnisse rennen kann. Meine Finger kratzten an den Rahmen der kugelsicheren Scheiben oder pressten sich gegen die Scheibe, so ganz kann ich es nicht mehr zu ordnen. Ich wollte hier nur unbedingt raus und so schnell es geht zu Alex.

Ich vertraute Batman. Ein Satz, der mir auch heute noch komisch vorkommt, aber Batman war ein Freund. Kein normaler, mit dem ich mich zum Rumhängen traf, dafür war sein Leben einfach zu anders. Ich hatte immer mal wieder Leute, deren Lebenswandel etwas besonderer war, so dass sich mit ihnen Treffen oder mit ihnen reden schwierig war, aber für die kurze Zeit die wir uns kannten, war Batman mein Super-Freund. Superheld und Freund. Aber ich verstand noch nicht die Logik, die Superhelden verwendeten.

Meine Zwangpause und Erinnerungen an die Fertigkeiten von Batman erlaubten mir mich etwas zu beruhigen. Genug, um zu merken, dass der Batwing nun zum zweiten Mal den selben Häuserblock passierte. Einen Parkplatz hatten wir noch nicht gefunden und ich wusste auch nicht, ob so ein Gerät Parkplätze suchen kann. Aber irgendwas musste ich ja tun können, oder? Ich musste doch herausfinden können, was da unten passiert war? Wie geht es Alex? Ist sie verletzt? Sind noch mehr Menschen verletzt? Was hat sie durchmachen müssen? Warum landen wir nicht endlich? Was ist da los? Die Antworten lagen für mich an einem unerreichbaren Ort und das war Qual. Ich drohte zu ertrinken.

Ich fummelte mein Smartphone raus. Wenn ich schon nicht da sein konnte, dann wollte ich wenigstens nochmal anrufen. Kein Netz. Langsam sank ich weiter hinab, den schleichend steigenden Druck auf meine Lungen spürend. "Alle telefonischen Netzwerke sind im Batwing abgeschnitten, damit dieses Gefährt nicht geortet werden kann.", klärte mich die Stimme des Bordcomputers auf, was mir weiter an der Kehle drückte, "Da sie die Bat News-App auf ihrer Apparatur haben, sollten sie diese für Kontakte verwenden." Ich ruderte ein wenig mit den Armen, um wieder an die Oberfläche zu kommen, aber die rettende Luft füllte sich nicht in mir an.

Die letzten Statusaktualisierungen im Raum New York:
"Große Explosion in Nähe der Universität" 

"Superhelden in unmittelbarer Nähe:
Eine Sichtung von Johnny Storm - Fantastic Four"

Flammen. Der Typ mit den Flammen. Ich kannte ihn aus manchen Nachrichten. Er war zwar ein Held, aber auch rücksichtslos. Die Medien kritisierten ihn für die hohen Schadenssummen, die er auslöste. Sollte er etwa? War Alex durch einen seiner Dummheiten verletzt worden? War Alex überhaupt verletzt? Traumatisiert? Was zum Teufel ist hier nur los? Und warum saß ich noch in diesem Scheiß-Flugzeug?

Der Batwing flog nun zum dritten Mal an der selben Stelle vorbei und das weitere Absinken erhöhte den Druck so sehr, dass ich mich beinahe übergeben musste: Batman hatte mich weggeschlossen. Der Batwing würde nicht landen. Wie jeder gute Ertrinkende, gab ich mich nicht der Panik hin. Rotierte mein gesamter Körper. Ich schlug gegen die Wände, windete mich in meinem Sitz, überstreckte mich, um nur irgendwie heraus zu kommen, nur irgendwie Luft zu bekommen oder wenigstens endlich zu sterben, damit der Schmerz aufhört. Aber die Schmerzen wurden schlimmer, ich rammte und stieß gegen Metalstreben und irgendwelche Kanten, ich merkte zwar dass ich mich selbstverletzte, aber der Schmerz in mir war zu groß, als dass ich den Schmerz an mir hätte ernst nehmen können.

Ich musste hier raus. Zu Alex. Aber ich ertrank in den Sorgen. Der Druck zu hoch, meine Augen verdunkelten sich.

Friend in Need #11 - Verbrannte Erde

Ich bin zwar auf Batman zu gerannt, aber den Wahnsinn ihn im Faustkampf besiegen zu wollen ließ ich nicht aufkommen. Er allerdings rechnete fest damit und dafür hatte ich bei all der Hektik sogar eine Erklärung: Ein Bösewicht würde ihn jetzt frontal angreifen. Ich nutze meine Kenntnisse in klassischem New Yorker Hinterhof Basketball und wendete mich schnell unter seinem Schlag hinweg, als wollte ich einen Ball an ihm vorbei dribbeln. Ich ahnte, dass Iron Man nicht feuern würde, da Batman ja sein Allierter war und damit sollte ich auch Recht behalten.

Also tänzelte ich albern hinter Batman herum, während dieser einen minimalen Moment zögerte, weil er einen Treffer erwartete, wo sonst einer wäre. Das Leben und Kämpfen mit Bösewichten beeinflusste stark die Psyche dieser Menschen. Als er sich dann aber ruckartig umdrehte, war ich schon damit beschäftigt, davonzulaufen. Meinen Blick hatte ich dabei immer wieder bei ihm, weil ich versuchen wollte Batman zwischen mir und Stark zu halten, damit dieser nicht auf mich feuerte. Theoretisch ein guter Plan.

Später verrät mir Stark, dass sein Anzug natürlich auch Flugbahnen berechnen kann und ihm angezeigt hat, wie er die Tennisbälle auch hinter Batman an ihm vorbei schießen konnte. Abpraller über Wände sind unglaublich schwer zu erahnen, aber trotzdem kann ich knapp über einen der Bälle hinweg springen, von denen ich ja immer noch dachte, dass es tödliche, wenn nicht sogar zweimaltödliche Projektile sind. Was ich für ein Training ganz schön extrem fand.

Batman spurtet nicht. Das macht ihn so angsteinflößend. Er läuft einfach entschlossen auf dich zu. In ewiger Zeitlupe. Im Hintergrund geht dann von alleine "The Day is my Enemy" von The Prodigy an und wenn es der Hintergrund nicht tut, dann explodiert wenigstens dein Herz, weil der Puls schneller rennt als du es kannst. Und das sage ich, während ich schon so schnell wie noch nie zuvor gerannt bin. Aber auch diesem großen Raum gingen irgendwann die Weiten aus. Also musste ich die Wand entlang rennen.

Das Lied lief überhaupt nicht im Hintergrund von Batmans epischem Auftritt, aber ich war so sehr im Fokus, dass ich erst wieder wach wurde, als Iron Man den Arm senkte und seinen Helm öffnete. "Steward." Ich rannte aber noch. "Steward!" Und rannte, immer hin konnte das eine Falle sein. "Dein Handy klingelt." Und tatsächlich war das mein Handy. Ich weiß nicht, ob Superbösewichte aufhören würden dich zu jagen, wenn dein Handy klingelt, aber da mir in spätestens Zehn Sekunden eh die Ausdauer ausgegangen wäre, war ich ganz froh.

Dass Alexandra mich anrief war gar nicht so überraschend. Es war die Tatsache, dass sie genau so heftig atmete wie ich. So kamen wir beide nicht sofort dazu etwas zu sagen und hechelten uns stattdessen gegenseitig in die Ohren. "Steward." Sie klang ängstlich und aufgelöst. Mein Adrenalin stieg weiter an, als es nach meiner Jagd gerade noch konnte. "Es ist was schlimmes passiert." Abgehackte hektische Sätze sind die Hölle auf Erden. "Ich....du.....Komm bitte zu mir." Eh ich noch fragen konnte wo sie ist, griff Batman meine Schulter und drückte etwas Zuversicht in mich hinein. Dann nickte er mir zu und deutete auf die Tür. "Alex, wir sind jeden Moment bei dir. Sag mir nur wo du bist!"

Washington Square Park. Direkt an der Universität. Ich konnte mir damals nicht im Ansatz ausmalen, was hier schlimmes passiert sein konnte. Gut, inzwischen hing ich mit Superhelden ab, dass öffnete die Fantasie für so einige wilde Szenarien, aber so wirklich ernsthaft hatte ich sie nicht in meine Vorstellung aufgenommen. Hätte ich aber vielleicht gesollt. Denn als wir den Park anflogen, traff mich ein wenig der Schlag.

Einige Bäume glühten und anstelle einer grünen Wiese, schwebten kleine Asche-Partikel über dem Boden. Alexandra stand nur ein kleines Stück davon entfernt und schüttelte panisch ihren Kopf. Ich musste sofort zu ihr. "Du kannst nicht sofort zu ihr.", durchschnitt Batman meine Gedanken und Fürsorge. "Wir müssen dich woanders rauslassen und erst muss ein Held mit ihr sprechen. Vertraust du mir?" Alles in mir sträubte sich, aber scheinbar mussten Menschen in der Nähe von Helden klug und vernünftig sein. Ich presste mühsam ein "Ja" hinaus und dann katapultierte sich Batman aus dem Fluggefährt. "Autopilot aktiv."

Friend in Need #10 - Die offensichtliche Antwort

Ich dachte lange Zeit, der Waschmaschinen- und Trockner-Keller in meinem Wohnhaus wäre ein sehr unheimlicher Ort. Es ist dort nicht nur feucht, sondern schon eher sporig. Die Wände dort erinnern immer an diese Szene mit Stiefelriemen-Jack bei Fluch der Karibik, als er mit der Schiffswand verbunden ist. Der "Verhör- und Notfall-Aufenthalt" auf Rikers aber übertraf mein ekeliges Heim-Untergeschoss massiv.

Im flackernden Licht der spärlichen und halbdefekten Neonröhren sah es erst aus, als wäre es eine dieser massiven Graffiti-Wände, wie es sie in New York an jedem eingetretenen Kaugummi gab. Aber als ich in der klischeehaften Beleuchtung näher auf die Wände zu ging, erkannte ich, dass es sich nicht um moderne Straßenkunst handelte. Die Todesschwüre gegen diverse Helden standen hier an die Wände geschmiert, teilweise in Rottönen, die mir nur einen Schluss erlaubten. "Es ist Blut.", erklärte Stark, als ich mit einem Finger die Schrift entlang fahren wollte.

Batmans Augen schimmerten seltsam, als er die Wand betrachtete und an einer Handschrift blieb er besonders lange hängen. Iron Man hingegen nahm seinen Helm ab und schaute überraschend betroffen drein. "Einiges ist mit dem eigenen Blut geschrieben, aber das meiste kam von überwältigten Wachleuten." Dann ging auch seine Hand auf die Wand zu, aber im letzten Moment, bevor er sie berühren konnte, ballte er eine Faust. "Deshalb inhaftieren wir hier keine Superverbrecher mehr. Und deshalb hat S.H.I.E.L.D. das Gefängnis übernommen." Stark war sichtlich unzufrieden, mit der ehrfürchtigen Angst und dem Ekel in meinem Inneren hatte ich nicht besonders viel Empathie für ihn über. "Viel zu spät.", sagte er dann und ich wendete meinen Blick zu Batman.

Dessen Augen blitzten kurz auf, als hätte er ein Foto von etwas gemacht, aber noch ehe ich mir anschauen konnte, worauf er sah, sperrte er mir den Weg ab. "Wir sollten mit deinem Training beginnen.", grummelte er in seiner üblichen tiefen Stimme.

Entgegen meinen Erwartungen, war der Schwerpunkt meines Trainings ein ganz anderer, als ich vermutet hatte. "Was ist der Schlüssel zum Sieg im Kampf gegen einen Superverbrecher?", fragte mich Batman und ich hatte keine Ahnung. "Ich weiß es nicht.", sagte ich und merkte auch, dass mein Kiefer immer noch außer Gefecht war. Da habe ich mich das erste Mal gewundert, wie ich so eigentlich kämpfen lernen soll. "Mach es dir nicht so leicht, Fin. Denk nach.", ergänzte Iron Man, der mit einem großen Abstand einen Kreis um uns herum ablief. "Ihr würdet es nicht so fragen, wenn die offensichtlichste Antwort richtig wäre." - "HA! Der Junge ist gut!", klatschte Iron Man begeistert. Batman, der inzwischen ebenfalls, allerdings andersherum einen großen Kreis um mich herum abschritt, vertiefte diesen Test: "Was ist denn die offensichtlichste Antwort?"

"Ein Superheld zu sein." Das dachte ich. Anders waren die massiven Kräfte der verschiedenen Bösewichte bestimmt nicht aus zu halten. Ich hatte damals ehrlich gesagt noch nie gesehen, was diese Superverbrecher so konnten, aber wann immer es zu einem Kampf kam, lag alles in Schut und Asche. Also mussten da heftige Kräfte am Werk sein.
"Coole Spielzeuge.", nuschelte ich mit einem Lächeln raus. Batman lächelte nicht oft, was vorallem daran zu merken war, dass er nicht wusste, wie gruselig er aussah, wenn er es mit seiner Maske tat. Lachen ging, aber Lächeln ließ ihn wie einen Wahnsinnigen aussehen. Ob Ironman lächelte war nicht mehr zu erkennen, denn Stark hatte seinen Helm geschlossen.
Batman ließ mir meinen Moment des Humor-Triumphes vollständig, fragte dann aber weiter: "Was ist denn die richtige Antwort?"

"Überleben." Nach meiner Überlegung mit der Zerstörung wurde es mir klar. Übermäßige Fertigkeiten hin oder her, wer nicht getroffen wurde, dem konnte nichts passieren. Natürlich helfen coole Spielzeuge und Kräfte dabei, aber, vielleicht waren sie gar nicht so dringend notwendig, wie es den Anschein machte. Genug Passanten entkamen, wenn mal wieder irgendwo Häuserteile herabstürzten, Fahrzeuge sich überschlugen und Projektile einschlugen. Und die folgten nur ihrem Instinkt.

Iron Man nickte, vermutlich anerkennend, was nicht eindeutig zu erkennen war und Batmans Gesicht erfüllte ein gewisser Stolz. Nicht dieser väterliche, sondern dieser Stolz, wenn Menschen sich freuen, dass sie eine richtige Entscheidung getroffen haben. "Sehr richtig.", ergänzte er seinen Blick und fing an zu erklären: "Tony und ich haben beschlossen, dass der Anfang deines Trainings sich hauptsächlich mit dem Überleben von Gefahren beschäftigt. Deine erste Lektion heute wird sich ums Ausweichen drehen."

Ein zischendes Pfeifen zog meinen Kopf wieder zu Iron Man. Ich wusste bis zu diesem Augenblick auch nicht, dass es dieses Geräusch gibt, aber als ich sah, wie er seinen Arm auf mich richtete und sich irgendwas auflud, sprang ich zur Seite weg. Es sollte also keine theoretische Vorbereitung geben, sondern den Sprung ins kalte Wasser. Und wer ins kalte Wasser gesprungen ist, sollte eines sofort tun: Sich bewegen! Sonst erstarrst du. Also lief ich weiter damit Iron Man mich nicht treffen konnte und tatsächlich verfehlte sein erstes Tennisball großes, Tennisball gelbes Projektil. Aber er würde schnell meinen Laufweg vorher sehen können, daher brach in meinen Weg nach links ab, so dass ich nun auf Batman zu lief.

Dieser hob seine Fäuste. Sie wollten es mir nicht nur nicht einfach machen, sondern direkt bockschwer. Aber das machte auch Sinn, immerhin hielten sich Superschurken nicht an irgendwelche Regeln. Sonst wären sie nicht die Superschurken. Ich wendete mich nochmal nach links und spürte, wie mich eines von Iron Mans Projektilen am Hosenbein gestriffen hatte. Ich sollte erst später merken, dass es sich wirklich um Tennisbälle handelte. Aber in diesem Moment hatte mich der sportliche Ehrgeiz schon gepackt. Mir war klar, dass ich Batman und Iron Man nicht besiegen konnte, aber ich könnte mir zumindest richtig viel Mühe geben.
Und als Batman sich langsam in Bewegung setzte, wusste ich auch, dass weniger heute auch nicht gelten würde.



Friend in Need #9 - Darwin-Awards

Ich war nicht so richtig darauf vorbereitet, dass Batman so schnell wieder bei mir auftaucht. Ich war eigentlich auf gar keinen Besuch eingestellt. Mein Kiefer machte mir zwar nicht so schlimm zu schaffen, aber mit meinem Sprachvermögen hatte ich auch keine besondere Freude am Rausgehen. Der Gang zum Supermarkt hatte mir schon gereicht. Auch wenn ich gerne gemeinnützige Dinge tat, ich musste jetzt echt nicht der große Lacher für alle Leute werden.

Ich hatte mich also in einem Jogginganzug auf mein Sofa und an die Spielkonsole zurück gezogen. Batman deutete mein Outfit aber ganz anders: "Oh super, du hast geahnt, dass ich rumkomme fürs Training!" Während ich meinen Kopf schüttelte, fiel etwa ein Drittel der Chipstüte aus den Falten meines Outfits, die ich an meinem Vormittag dort sorgsam eingearbeitet hatte. Das übersah er aber, vermutlich auch absichtlich und deutete auf meine Schränke. "Pack dir was zu Trinken ein, du hast heute deine erste Lektion in Selbstverteidigung." Und dabei grinste er unter seiner Maske, wie ich es eigentlich von einem Bösewicht erwartet hätte.

Batman hatte übrigens auch einen Trainingsanzug an. Darin sah er nicht mehr so gestählt aus, wie in seiner Heldenmontur. Ich merkte aber noch früh genug, dass er wirklich in Topform war und nicht seine Rüstung gepolstert war, wie ich spontan vermutete. Er musste ein wenig schmunzeln. "Ein Weilchen lang haben Zivilisten in Gotham versucht die Stadt in meinem Namen zu verteidigen. Die haben sich auch an den unmöglichsten Stellen ausgepolstert."

Auch wenn Batman in ziviler Kleidung unterwegs war, verweigerte er sich Konzepten wie der U-Bahn. Wenn ich einen militärischen Schwebepanzer als Gefährt hätte, würde ich mir das auch vielleicht überlegen. Ist nicht so einfach damit zu parken, andererseits ist da wo man das Ding hinbuchsiert auch immer automatisch ein Parkplatz.

"Steward, ich habe mir überlegt, dass wir regelmäßig gemeinsam trainieren sollten. Ich werde dir einige Grundlagen der Verteidigung beibringen und auch so manches über das Erkennen von Gefahren. Diese Dinge sind nicht so kompliziert, wie man vielleicht glauben könnte", der Bordcomputer quatschte dazwischen, dass sich ein unbekanntes Flugobjekt mit hohem Tempo nähert, "In einigen Sachen hilft uns Helden auch nur Menschenverstand und etwas Intuition.", er meinte, dass eine fatale Kollision bevorstünde und so wurde ich auch etwas nervös, da Batman nicht nach Vorne, sondern zu mir schaute, "Aber ich möchte dich auch ein wenig mit dem Schrecken bekannt machen. Ich hoffe, du vertraust mir?" Und dann lenkte er den Steuerknüppel leicht zur Seite und wich dem orangenen Feuerstreifen aus, der da auf uns zu geschossen kam.

Ich dachte erst, das wäre mein Herz, dass ich da höre, aber das Klopfen kam von draußen. Es musste uns doch getroffen haben und jetzt müsste ich sterben. Da war ich mir sicher. Batman kochte auch nur mit Wasser und hatte sich in einem Versuch von überzogener Coolness verschätzt. Jetzt starben wir einen Tod, der später mal auf der Internetseite der Darwin-Awards auftauchen würde:
"In unzerstörbarem Fluggerät in den East River gestürzt und doch zerstört." Na toll.

Na toll. Das Klopfen war nicht ein Schaden am Flugzeug.
"Hallöchen, Jungs! Ich dachte mir schon, dass ihr was zusammen unternehmt." Iron Man flog neben dem Bat Wing. Eine Superheldenkraft haben diese Säcke alle, ihr überzogendes Ego. Während ich innerlich mehrere Tode starb, hatte ich ganz vergessen vollkommen aus zu rasten, weil Iron man so ein riesiger Arsch war. Jetzt hatte ich auf jeden Fall Lust auf etwas Kampfsport, weil ich Tony Stark unbedingt eine reinzimmern wollte.

Batman merkte zwar, dass ich stinksauer war, war aber auch zu sehr damit beschäftigt, sich mit Iron Man zusammen zu beömmeln, wie erschrocken ich war. Superhelden sind Penner. Manchmal nur ganz schwer von den Bösen zu unterscheiden. Als wir dann auf Rikers Island ankamen, änderte sich meine Stimmung aber plötzlich.

Für Helden mag ein Gefängnis ein natürlicher Ort sein, aber ich hatte noch nie vorher in meinem Leben ein echtes gesehen. Vorallem hatte ich aber auch noch nie vorher in den Lauf einer Schusswaffe geschaut und in diesem Moment schaute ich in drei oder vier. Iron Man setzte gerade auf und wechselte mit dem ersten Bodenkontakt in einen entspannten Lauf auf die Wachen des Gefängnisses zu: "Chillt mal, Jungs! Das ist nur ein Besucher." Und tatsächlich nahmen die Männer ihre Gewehre runter. Die SHIELD-Embleme hatte ich gar nicht gesehen.

Grau. Schaute man Rikers aus dem falschen Winkel an, verschwanden alle Konturen, so dass nur eine geschlossene Wand vor den eigenen Augen stand. Selbst der ehemalige Rasen, über den wir zum Haupttor gingen, war zu zertretendem Pappmatsch degradiert. Ich hatte jetzt auch nicht unbedingt einen Vergüngungspark erwartet, aber ich bekam eine Vorstellung davon, wie mit den Gefangenen hier umgesprungen wurde.
Die Prioritäten hier waren aber einfach auch andere. Nach der ersten Stacheldrahtbarriere dachte ich mir nichts besonderes, aber als wir die Panzer und Kampfhubschrauber passierten, schaute ich mich intensiver um und als ich dann so an die Hundert Wächter vor einem Kasernengebäude stehen sah, fing ich an mich zu fragen, wer hier untergebracht sein könnte. Ein besorgtes "Oh wei." rutschte mir raus und Batman, der hier höchstgradig angespannt und konzentriert unterwegs war, erklärte mir ohne dass ich weiter fragen musste: "Hier sind keine Superverbrecher stationiert. Aber viele rekrutieren hier ihre Gefolgschaft."

Das beruhigte mich nur bedingt, vorallem, da ich mich wunderte, weshalb Batman auch so angespannt war. Ich konnte das inzwischen beurteilen, immerhin saß er ja schon mal angetrunken auf meinem Sofa. Irgendwas stimmte hier nicht und machte mir große Sorgen, denn ich war hier der einzige normale Mensch, der keinen Superanzug hatte und auch kein ausgebildeter Agent war. Ein Glück, dass ich auf einer Insel voller Verbrecher war. Nicht, dass nachher noch ein einziger Funke Sicherheit bei mir aufkommen könnte.

Wir drangen immer tiefer in diese Betonfestung ein, passierten einige Tore, liefen enge Gänge entlang, sahen Iron Man dabei zu, wie er alle Wachen grüßte. Er war hier so eine Art Superheld. Also, das war er ja sowieso, aber die Wachen waren alle voll die Fanboys. Manche machten sogar auf die Schnelle Selfies mit ihm. Sehr befremdlich. Aber die wurden auch nicht von ihm zu Tode geängstigt. Ich wollte ihm immer noch eine reinzimmern.

"Hier ist es.", raunte Batman und erinnerte mich daran, dass wir aus einem bestimmten Grund hier waren.

Friend in Need #8 - in Ausbildung

Ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen. Das Bier hatte mich zwar dösig gemacht, aber als Alexandra so neben mir lag, fing ich an mir Sorgen zu machen. Ich hatte vielleicht eine tolle Alarmanlage, war mit Batman und scheinbar jetzt auch mit Iron Man befreundet, aber wenn es darauf ankam, konnte ich weder mich und noch viel weniger Alexandra schützen. Ich meine, bisher hatte ich nur die Guten getroffen - Oder besser gesagt die Guten hatten mich getroffen - Aber da wurde ich schon alleine mit einem Schlag zwei Wochen ausgeschaltet. Wie sollte ich mich schützen?

Irgendwann an der Uni habe ich mal einen Selbstverteidigungskurs mit gemacht, aber ich glaubte nicht, dass Metamenschen sich von Pfefferspray oder einem Schlag in den Genitalbereich beeindruckt zeigen würden. Ich musste also lernen oder herausfinden, was ich tun kann, aber ich konnte mir nichts vorstellen, was ein Pizzataxifahrer aus New York wohl hätte tun können. Und so versuchte ich es wenigstens die Nacht über mir vor zu stellen und wälzte mich so von Seite auf Seite.

Am Morgen hatte ich aber scheinbar Ruhe gefunden. Denn als Alexandra aufstand um zur Uni zu gehen, lag ich vollkommen paralysiert im Bett. Der Körper holte sich vielleicht zurück, was er brauchte, immerhin war ich immer noch "krank". Ich blieb liegen, drehte mich um und zeichnete seltsame Zukunften in meinem Geist, in dem Alexandra und/oder mir schlimmes passierte oder aber wir Helden werden mussten. Der Gedanke in einer Iron-Man-Rüstung Pizza aus zu tragen gefiel mir aber ganz gut. Bei der Verkehrslage hier wäre das auch gar nicht mal so unpraktisch.

Aber das alles führte mich nicht weiter. Ich musste was Konstruktives tun und deshalb entschied ich mich, Batman zu kontaktieren. Er könnte mir bestimmt sagen, was ich tun kann, um mich besser schützen zu können. Da gab es nur ein Problem: Ich wusste gar nicht, wie ich Batman erreichen konnte. Einen direkten Draht zu ihm hatte ich gar nicht. Und just in diesem Moment wurde mir klar, dass Batman sich nur bei mir gemeldet hatte, wenn ich Alexandra geschrieben hatte. Helden mögen zwar oft versuchen richtiges zu tun, aber wenn es dann um Privatssphäre geht, ist das mit der Moral irgendwie in den Hintergrund gerückt.

Aber ich hatte meinen maskierten Kumpel scheinbar unterschätzt. Als ich mir dachte, dass ich dann einfach Alexandra eine SMS schicke, in der ich sie um Hilfe bat, sah ich, dass Batman mein Handy modifiziert hatte. Nicht nur, dass er scheinbar auch nicht immer ganz so bescheiden war und mein Hintergrundbild auf sein Logo geändert hatte, war auf dem Startbildschirm eine neue App. Das Logo war sein Zeichen in einem Lichtkegel, was ich irgendwie witzig fand, aber nicht so ganz verstand. Hätte nicht "Bat News" dran gestanden, hätte ich nicht gewusst was los ist.

In der App wurde mir dann auch klar, was diese App eigentlich macht und warum ihr Name ein sehr gutes Wortspiel war. Neben der Möglichkeit Textnachrichten auf einer gesicherten Verbindung zu versenden, waren hier verschiedene Daten und Funktionen gesammelt. Ich war neugierig genug, um mal den Scanner einzuschalten, der seinem Tooltext nach Verbrechen aus der Umgebung in einer Navi-Map anzeigte. Hier war aber nichts los. Eigentlich erfreulich. Keine Bad News.

Plötzlich spürte ich etwas, auf das ich in meinem Leben nicht vorbereitet war: Macht. In dieser App lagen Karten von Orten, Informationen über Verbrecher, Historien von Kampagnen und Ereignissen und ja, sogar Kontakte von Helden. Die gesamte Gerechtigkeitsliga war hier zu erreichen.
Gerechtigkeitsliga auch bekannt als Justice League
Ursprünglich von Aquaman, Batman, dem roten Blitz, Green Lantern, Martian Manhunter, Superman und Wonder Woman gegründet, hat dieses Elite-Team aus Superhelden schon verschiedenste Veränderungen erfahren. Eine Konstante ist aber schon immer die Verpflichtung gegenüber der Erde und ihrer Verteidigung gewesen.
Quelle: DC Wikia
Natürlich waren die privaten Identitäten der Helden geschützt. So lief ich auch nicht Gefahr heraus zu finden, wer jetzt eigentlich wirklich hinter Batmans Maske wartete. Wobei mich damals die Frage brennend interessierte, ob die Helden untereinander überhaupt wussten, wer sie privat waren.Wie oft waren wohl manche Helden schon in der Shopping Mall aneinander vorbei gelaufen, ohne sich zu erkennen?

Ich schrieb Batman, dass ich Hilfe bei ein paar Sicherheitsfragen bräuchte und gerne lernen würde mich ein wenig besser zu verteidigen. In manchen Sachen sind Helden auch nur Menschen und ihre Apps zeigen das. "Bat News" zeigt an, ob und wann die Nachricht gelesen wurde. Aber eine Antwort bekam ich nicht von Batman. Nicht sofort, als er es gelesen hatte. Direkt sprang bei mir die übliche Gedankenmaschine an: Ich störe ihn gerade! Er ist schon genervt von mir! Er weiß auch nicht was wir tun sollen! Und so weiter. Dann beruhigte ich mich aber wieder.

Was war eigentlich mein Profil in dieser App?
Ich suchte ein wenig rum, fand dann aber meine Seite in dieser App. "F.I.N." stand da als Abkürzung und wurde nicht erklärt. Wo bei anderen Helden Übersichten kamen über diverse Fertigkeiten, letzte Aufenthaltsorte und aktuelle Jobs, waren bei mir fast alle Felder frei. Nur bei Status stand etwas, was mich überraschte: "Held in Ausbildung"

Was? Ich? Ein Held? Gut, vorher fand ich den Gedanken des "Pizza Boy" als neue New Yorker Heldenfigur noch witzig, aber als realistische Möglichkeit hatte ich es nicht eingeschätzt. Ich kann ja im Moment nicht mal mein eigenes Gewicht richtig aus dem Bett stemmen und liege nach einem Kinnhaken Acht Tage im Krankenhaus. Wie sollte ich denn der Welt helfen? Ich konnte mich ja nicht mal selbst retten.

Friend in Need #7 - Kein CGI

"Wiffen Fie, Mifter Ffft...Fffft....Ftark" - Der Name viel mir besonders schwer - "Fielleifft kann iff ihnen fagen waf lof ift." Passend zu meinen Aussichten, verdunkelte sich auch draußen alles zu nehmend. "Ftellen wir unf mal for, iff hätte jemanden getroffen, der Gutef tut." Was hatte ich getan, als ich auf Batman getroffen bin? "Jemand, der fon Geheimhaltung lebt." Geheimhaltung ging überraschend gut über die Lippen. "Und fagen wir mal, iff wäre in diefem riefigen Dilemma." Hatte ich eine Ahnung.

Inzwischen war es vor dem Fenster nachtschwarz und Tony Ftark...Stark hörte mir auch schon gar nicht mehr so richtig zu. Der Nebel von draußen waberte zum Fenster hinein und ein deutliches Rauschen kündigte von Regen. Als es dann blitzte, war mir vollkommen klar was los war und ironischerweise kam der intelligenste Mensch im Raum zum falschen Schluss: "Loki hat wieder den Godstorm beschworen und du wusstest davon!"
Blitzartig, also wirklich zeitgleich mit dem Blitz, tauchte ein mir bekannter Schattenriss auf, mit einer weiteren Person im Arm. "Bafman.", sagte ich, was wirklich unglaublich dämlich klingt. "Bafman?" wiederholte Stark und schaute in meine Richtung, statt den neuen Teilnehmer dieses schwierigem Gespräch mit der gebührenden Aufmerksamkeit für seinen Auftritt zu belohnen. Batman hatte andere Sorgen.
Godstorm:
Godstorm ist der stärkste und gefährlichste Sturm der Welt. Als Loki erfolglos versucht mit einem Sturm Thors Tag zu ruinieren, wendet er sich an den Göttersturm und überzeugt ihn, dass Thor versuchen wird ihn zu versklaven. Daraufhin wendet der Sturm sich gegen den Gott, als dieser ihn in einem Kampf zur Hilfe ruft.
Quelle: Marvel-Wikia
"Steward, ich bin enttäuscht von dir! Du wolltest mein Geheimnis verraten!", beschuldigte er mich, ignorierte Tony Stark, setzte Alexandra ab und ergänzte dann etwas, was mehr wie Teenager und weniger wie dunkler Ritter klang: "Ich dachte wir wären Freunde!"
"Bafman? Freunde?" stammelte Stark dazwischen, aber ich hatte schlagartig wichtigeres zu tun. Ich musste einen Dialog weiterführen, der auch aus einer Telenovela hätte sein können: "Find wir auff. Iff wollte diff nifft ferraten." Batman stand immer noch im Fenster, aber mit verschränkten Armen und schaute nach oben weg. "Iff wollte Tony Fttt....Fttt.....Ftark nur meine Fituafion erklären, ohne diff auf nur fu erwähnen." Batman machte einen schmalen Blick, noch schmaler als die Maske die Augen sowieso schon macht und musterte mich. Dann spitze er kurz die Lippen, was ich als internationales Zeichen für "Ich weiß nicht ob ich ihm glauben soll" deutete. "Wirklich?", fragte Batman. "Wirkliff.", sagte ich.

Ich hätte es nicht gedacht, aber Batman ist kein nachtragender Typ und kann scheinbar nicht lange wütend sein. Er hielt mir sein Faust hin, um diese dämliche Bro-Fist-Geste zu machen, aber da mir die letzte Faust die mir entgegen kam ans Kinn ging, nahm ich das gerne an. Außerdem war es eine gute Gelegenheit, die Tausend Dollar endlich auf den Tisch zu legen.

"Jetzt zu Ihnen, Stark!", bellte Batman plötzlich los. Alexandra setzte sich zu mir, küsste mich, als wäre es das normalste überhaupt, dass Batman sie zum Fenster mit reinbringt, aber gemessen daran, dass sie ziterte und wie heftig sie bebte, war es wohl eher eine wilde Fahrt gewesen. "Sie können nicht einfach die Freundin von einem Zivilisten entführen und verhören." Tony Stark zuckte mit einer Augenbraue. "Die Gute ist immer noch ziemlich geschockt und total durch den Wind." Ich drehte mich erst zu Alexandra, dann zu Tony Stark, auf den ich jetzt los steuerte. Batman war ja hier und ein Held, sollte ich was dummes tun, würde er mich schon retten. "Fie haben waf?!"

Stark stand rückwärts von seinem Stuhl auf und hielt schützend seine Hände vor sich. "Das waren die Jungs von SHIELD, damit habe ich nichts zu tun." Und dann schaute er wütend. Ich ging weiter auf Stark zu, doch tatsächlich hielt Batman mich zurück. "Lass gut sein.", deutete er mir und zeigte nochmal zu Stark. Krachend polterte seine Faust auf meinen Wohnzimmertisch. "Ich hasse es, wenn sie das tun." Er began wieder zu referieren. Seine wirkliche Superkraft. "Ich sage denen jedesmal, dass ich mich schon darum kümmern werde, dass ich das schon machen werde. Und wisst ihr, was das Perfideste ist?" Wir schüttelten alle den Kopf. "Die nicken dann immer und sagen ja. Und diese blöden Hohlbirnen wissen dann schon, dass sie doch nicht auf mich hören. Das ist doch zum Kotzen." Stark setzte sich wieder hin. "Nie vertrauen die mir!"

Wie er da so saß und ihm seine Enttäuschung ins Gesicht geschrieben stand, fragte ich mich, was er sich jetzt wohl am sehnsüchtigsten wünschen würde. Womit könnte man diese vollkommen defekte Situation vielleicht wieder reparieren? Minus mal Minus ergibt Plus. "Noff jemand ein Bier?", fragte ich in die Runde und schaute mich einmal um.

Ich weiß tatsächlich nicht mehr, wie genau es passiert war, aber ich weiß, dass wir alle ein Bier genommen haben. Wir anderen redeten nicht so viel, aber Tony Stark redete ununterbrochen. Möglicherweise lebte da ein genialer Geist, der tolle Überwachungssysteme baute und andere praktische Dinge wie seinen Anzug, aber so richtig jemanden zum Reden hatte er nicht. "Und dann habe ich mir überlegt gehabt, dass ich ein Alter Ego brauche, wenn ich ein Hobby haben will und so kam ich damals auf Robert Downey Junior. So konnte ich schauspielern und Superheld sein, ohne dass jemand mit bekam, dass da Ironman vor der Kamera stand."   Batman nickte interessiert, wobei ich nicht sicher sagen konnte, ob er das aus Höflichkeit tat oder wirklich zu hörte. "Ironisch wurde es dann, als sie meinen erfundenen Schauspieler fragten, ob er mich in einer biographischen Verfilmung spielen wollen würde." Stark nippte noch mal am Bier und war unbescheiden wie immer. "Übrigens kein CGI. Ich habe einfach den echten Anzug genommen!"

Alexandra und ich hatten irgendwann bei einem Urlaub bei ihren Eltern gelernt, eine Gesprächshöhle zu bauen. Dabei drehten wir uns so in einander, dass uns niemand flüstern hören konnte, wir für alle anderen aber nur besonders verliebt aussahen. "Ift allef okay bei dir? Hat die FFIELD waf angetan?" - "Jetzt geht es mir besser. Aber ich glaube, es gibt noch mehr Ärger. Irgendwas stimmt da nicht." Und sie sah selten wirklich besorgt aus, aber in diesem Moment wirkte sie sogar etwas ängstlich. "Batman hat mich aus deren Verhörraum entführt." - "Oh Ffeiffe." Alexandra presste die Lippen zusammen, verängstigt - Dachte ich - lachte dann aber ein wenig: "Du solltest dich fluchen hören."

Tony Stark unterbrach, weil Alexandra lauter lachte, als in der Gesprächshöhle zulässig. "Habe ich was witziges gesagt?" Ich schüttelte den Kopf, nutzte aber auch die Sprechpause vom eisernen Redefluss. "Bafman hat Alexandra auf FFIELDf Gewahrfam befreit. Daf könnte ein Problem für unf fein." Tony Stark presste ebenfalls die Lippen zusammen und auch Batman neben mir spannte sich spürbar an, um nicht sofort los zu lachen.
Aber sie lachten los. Alle. Auf meine Kosten. Es ist nicht wie in den Serien am Ende der Folge! Der, auf dessen Kosten gelacht wird, lacht nicht mit. Der sitzt nur da und ist bedröppelt. Vorallem, wenn er selbst nichts für seine Verfehlung kann. Und die Drei kriegten sich kaum mehr ein. Tatsächlich, muss ich zugeben, war ich ein wenig eingeschnappt. Ich nahm mir die leeren Bierflaschen und brachte sie in meine neue aufgeräumte Küche. Als ich mit einer neuen Runde zurückkam, hatte sich aber die Stimmung gedreht.

Batman und Stark sprachen darüber, was jetzt zu tun wäre und tauschten sich aber vorallem darüber aus, was denn überhaupt passiert ist. Also erzählte Batman die ganze Geschichte. Wobei, wenn ich mich jetzt so richtig erinnere, erzählte er eben nicht die ganze Geschichte. Warum er überhaupt in New York war, wurde nämlich nicht klar. Auch ich kannte es nur ab der Stelle, wo sein Seil reißt. Auch damals hat keiner wirklich gefragt, was davor geschehen war.
Die Beiden entschieden sich, bei der Wahrheit zu bleiben. Stark würde erklären, dass es Batman war und es ein Missverständnis gab "falls die bei SHIELD mir diesmal vertrauen sollten" und Batman erklärte Stark, wie er seine Überwachungssysteme umgangen hatte und mein Handy von der Wanze gesäubert. Wie sie da so saßen und sich über meine potentiellen Probleme unterhielten, sahen sie fast aus, als wären zwei Jungs zum Spielen verabredet worden, weil die Eltern mal alleine weg wollten.

Es verging noch etwas Zeit - Batman hatte die Sache mit dem elektromagnetischen Nebel erklärt, die Stark den Kontakt zum Stark Tower abgebrochen hatte, außerdem die dazugehörige Anekdote erzählt, wie er in zivil mal im Fahrstuhl fest saß mit verkohlten Hosen, weil im so ein Teil im Portmonnaie losging - Und das Bier war alle. Was ein gutes Timing war, weil ich gerne meine Superheldengäste rausschmeißen wollte. Und auch wenn Stark auf Alexandras "Oh, es ist aber schon spät geworden"-Schauspiel mit "Aber es ist doch gerade so lustig" konterte, hakte sich Batman bei Stark ein und meinte: "Lass uns gehen", dann klopfte er auf meine Schulter, "Der Junge hat viel durchgemacht und braucht jetzt seine Ruhe."
Stark willigte angetrunken ein, schmollte aber auch ein bißchen rum. Batman hakte sich wieder aus und ging zu meinem Wohnzimmerfenster. Dabei stieß er ein paar Bierflaschen vom Tisch, weil er doch ein wenig torkelte. Alexandra, die größte Superheldin in meinem Leben, kam dem dunklen Rächer aber zuvor: "Batman, ich habe schon ein Taxi für euch gerufen. Lass das mit dem Batwing mal gut sein." - "Ein Taxi?" fragte Stark ungläubig, während Batman ein Blickduell gegen Alexandra verlor und sich wieder zurück zu seinem neuen Kumpel begab. "Ein Taxi.", nickte Alexandra nur und began sanft die Beiden zur Tür heraus zu schieben.

Gerade fast über die Schwelle, Batman ging weiter, drehte sich Stark nochmal um und machte wieder diese Fingergeste auf mich. "Du bist ein guter Typ, Steward Fin." Und dann schaute er fast schüchtern. "Ich meld mich die Tage mal bei dir, dann können wir zusammen was unternehmen!"

Ich schaute mir noch an, wie die Beiden zum Fahrstuhl liefen, Batman aber lieber die Treppen nehmen wollte. Die EMP-Nebel-Sache. Dann schwankten die Beiden unbedenklich genug zu den Stufen und verschwanden in die Nacht, weniger spektakulär, als es von Helden zu erwarten wäre.

Ich hatte gehofft, dass sich jetzt die Lage ein wenig beruhigen würde, aber wie bereits gesagt: Superhelden sind wie kleine Kinder und der anstrengende Teil sollte jetzt erst noch kommen.

Friend in Need #6 - Fonfurenf

"Mister Fin, kommen Sie und setzen Sie sich, sie müssen meinen genialen Ausführungen folgen." Ich ging in mein Wohnzimmer in dem Stark falsch herum auf einem meiner Stühle saß. Also in dieser Macho-Stuhllehne-zwischen-den-Beinen-Pose. "Oder störe ich Sie gerade?" Bevor ich ja sagen konnte – Und ich hatte immer noch die Tausend Dollar in der Hand – "Ist auch egal. Hören Sie sich einfach mal meine Überlegungen an." Ich setzte mich.

"Ich bin nochmal alles durchgegangen. Ihre Handydaten, den Beobachtungsbericht der Shield-Agenten, die Videoaufzeichnung unserer Begegnung im Stark-Tower, ihre Krankenakte, ihre psychologischen Eignungstests die im Studium mit ihnen gemacht wurden, ihre Amazon-Bestellungen und ihre Browserchronik sowieso." Dann stockte er kurz- Ich glaubte, weil ihm bewußt wurde, wie ekelhaft es war, dass er all diese Daten von mir durchsehen konnte – Um einen sehr mittelmäßigen Witz zu machen: "Keine Pornographie, sehr beachtlich. Ihre Freundin wäre stolz auf sie." Ja, total. Kann ich ihr ja erzählen.
"Ja, auch ihre Kontakte habe ich überprüft. Freunde, Familie, Nachbarn, alles. Und wissen sie, was ich heraus gefunden habe."
"Vermutliff ja, ift immerhin mein Leben daff fie da auffpionieren!"
Schneid. IMMER im falschen Moment. Und so spannte ich schon wieder mein Gesicht an, um den Treffer nicht so hart zu kassieren. Tony Stark hob seine Faust, aber nur um mit dem Zeigefinger auf mich zu deuten: "Sie haben Schneid. Das gefällt mir." Das entspannte mein Gesicht, aber die Lage nicht. Vorallem nicht, da mir bewußt wurde, dass er meine Browserchronik durchsucht hatte, ich aber darin auch das Batman-Logo gesucht hatte. Das könnte ein Problem werden.

"Ich habe nichts gefunden. Sie sind vermutlich einer der normalsten Bürger, die es überhaupt gibt. Und nichts auf der Welt spricht dafür, dass sie in irgendwas seltsames verknüpft sind und schon gar keine Gefahr sind. Sie sind kein Supergenie, haben nie an einem fragwürdigen Forschungsprojekt teilgenommen, arbeiten auch nicht für eine Firma die auf unserer Beobachtungsliste steht. Alles sieht so gut aus."
Da stimmte was nicht. Er machte zwar auf Gutwetter, aber da bahnte sich etwas an. Was übrigens tatsächlich auch für das Wetter stimmte, denn es wurde draußen ein wenig grauer und rauchigerer, als New York normalerweise schon ist.

"Wissen sie noch, was ich gesagt habe, was das Geschäft belebt?" Konkurenz wollte ich sagen, aber mit meiner damaligen Kiefersituation kam nur ein klumpiges "Fonfurenf!", raus, was mir wirklich nicht half, um auch nur ein wenig Gewicht in diesem Gespräch zu gewinnen.
"Sehr richtig. Fonfurenf.", schelmte Stark über meine Situation und schaltete aber wieder auf ein recht ernstes Gesicht zurück. "Ich bin ja eher ein bescheidener Typ, aber ich sage ihnen, ich bin einer der intelligentesten Menschen der Welt. Das ist immer leicht zu erkennen, wir Genies haben meist einen sprechenden Computer und irgendein cooles mechanischer Gefährt. So wie Stephen Hawking." Für einen von den Guten, machte Tony Stark ziemlich geschmacklose Witze. "Und wir Genies gehen halt, ebenfalls vollkommen bescheiden, davon aus, dass es ein gewisses Maß an Intellekt braucht, unsere Erfindungen zu verstehen." Ich saß wie ein begossener eingeschüchterter Idiot auf meinem Sofa und ehrlich gesagt bereute ich ein wenig, dass Batman in meine Küche gekracht war. Ich wusste nichts über ihn, hatte aber schon reichlich Ärger. Wie sich heraus stellen sollte, war ein gewisser Grad an Ärger Pflicht in der Nähe von Helden.

"Da jetzt aber ihr Handy vor kurzem von meinen Überwachungsmonitoren verschwunden ist und seit dem ich diese Wohnung betreten habe und sie auf ihrer Alarmanlage rum gedrückt haben, ich keine Verbindung mehr zu meinem Computernetzwerk habe, belebt mich das auch ganz schön. Denn offensichtlich habe ich hier Konkurenz." und dabei lächelte er, vollkommen unangemessen. Ich versuchte mich in ihn zu denken, auch weil ich mich in mir gerade nicht besonders wohl fühlte.
Da saß nun dieser hochintelligente Superheld mit scheinbar unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten und wusste nicht genau, mit wem er es zu tun hatte. Dieser Mensch da hat schon Dimensionsrisse erlebt, ist durch die Zeit gereist und hat unzählige Male unerklärbare Phänomeme untersuchen dürfen, die aus heiterem Himmel auftauchten und jetzt saß er hier und konnte eigentlich nicht wissen, ob er sich nicht auch in Gefahr befand. Es konnte ja nicht sein, dass man den Superschurken ansah, ob sie nun einer waren oder nicht.
Aber Tony Stark lächelte. Weil er ein Spieler war. Er wusste vielleicht alles über kausale Beweisführung, Statistik und war ein Mann der Wissenschaft, aber doch verlies er sich auf sowas wie Glück oder Intuition. Plötzlich fühlte ich mich gar nicht mal mehr so sicher in einer Welt, die möglicherweise aus dem Bauch heraus verteidigt wurde.

Stark wartete darauf, dass ich passend reagierte oder etwas spannendes tat, aber ich zuckte nur mit den Schulter. "Waf follen fie hören? Iff bin nur ein Piffabote.", sagte ich und beschloß Batman weiter zu schützen. Ich glaubte aber nicht, dass mich Schweigen weiter bringen würde. Ich wusste aber auch nicht so recht weiter. Was würde Batman tun? Ach, pfeiff auf diese blöde Frage. Was würde Steward Fin tun?

"Wiffen Fie, Mifter Ft...Ftark" - Der Name viel mir besonders schwer - "Fielleifft kann iff ihnen fagen waf lof ift."