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Ich hab noch nie... 'Das Leben des Brian' gesehen

Malte | 20.02.18 | / | 1 Kommentar


Im ersten Nachtwind Live Event des letzten Jahres baten wir das Publikum, uns Filme zu nennen, die man unbedingt gesehen haben müsste. Diese wollte ich dann in der damals eingeführten Reihe „Ich hab noch nie…“ anschauen und kommentieren. Wie das so oft bei meinen Planungen abläuft, dauerte es bis heute, dass ich der Reihe einen zweiten Teil spendiere und außerdem endlich den Film abarbeite, der beim Live Event am häufigsten erwähnt wurde: Das Leben des Brian!
 
"Nun, alles in Ordnung, Brian. Setz dich. Nimm dir 'n Keks. Machs es dir schön bequem."

 "Ich war nie ein großer Freund des Monty Python Humors."


Wenn ich vorher sagte, dass ich noch nie „Das Leben des Brian“ gesehen habe, erntete ich in der Regel verständnisloses Kopfschütteln. Wenn in einem lockeren Beisammensein mit Referenzen aus diesem Film um sich geworfen wird, halten sich alle lachend die Bäuche, während ich die Welt nicht mehr verstehe. Das Interesse, dieses Filmdefizit aufzuholen, war allerdings auch nie da. Ich war nie ein großer Freund des Monty Python Humors. Ritter der Kokosnuss ging mir so schnell auf die Nerven, dass ich den Film nach 20 Minuten beenden musste und auch andere Fernsehsendungen der britischen Kult-Komiker haben mich nie überzeugt. Ohne diesen Blog hätte ich also wahrscheinlich weiterhin dem ewigen Einreden aller Bekannter getrotzt und mich nie im Leben an den Film gewagt.

So stellte ich mir zum Weihnachtsfest des letzten Jahres aber doch die Frage: Originalton oder deutsche Synchro? Wahrscheinlich muss man Monty Python in der Originalfassung schauen, um den britischen Humor in voller Ladung zu bekommen und eigentlich umgehe ich deutsche Synchronisation auch so gut es geht. Bei alten Klassikern ist es aber oftmals so, dass gerade die Synchro auch einen Teil des popkulturellen Charmes ausmacht. Wenn ein Gag sich nicht komplett lokalisieren ließ, wurde gerne mal ein komplett neuer geschrieben, was einen ganz eigenen Pool an Referenzen aushob. Da mir alle Kenner*innen des Films mir auch nur deutsche Zitate an den Kopf knallten, war die Frage zumindest schnell geklärt.
 
"Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist?"

"'Das Leben des Brian' ist für mich vor allem völlig überdreht."


Sollte jemand diesen Beitrag lesen, der „Das Leben des Brian“ ebenfalls nicht kennt (ihr seid mir sympathisch!), hier eine ganz kurze Zusammenfassung: Am gleichen Tag wie Jesus Christus wird im Stall nebenan der kleine Brian zur Welt gebracht. Aus seiner Perspektive wird nun erzählt, wie es sich so gelebt hat zu Zeiten des christlichen Heilands. Erzählt wird die Geschichte dann in einer Aneinanderreihung skurriler Situationen, die sich mit Religion, Rebellion gegen das römische Reich und alltäglichen Problemchen befassen. Und ich will hier gar nicht lange um den heißen Brei reden: ich habe während des Films kein einziges Mal gelacht. Während meine Freundin neben mir vor Lachen teilweise nach Luft schnappen musste, schaute ich verständnislos auf den Bildschirm.

Ja, der Film bietet haufenweise Potential dazu, in jeder beliebigen Lebenslage irgendwie zitiert zu werden. Es werden Situationen geschildert, die im Setting der damaligen Zeit unfassbar skurril wirken, da wir ihre Relevanz in der Moderne verorten. Ich verstehe also durchaus, wie der Humor hier funktioniert, was lustig sein soll und was damit ausgesagt werden will. Ich finde es einfach nur nicht lustig. „Das Leben des Brian“ ist für mich vor allem völlig überdreht. Viele Pointen werden mit der Keule in den Film und die Zuschauer*innen geprügelt. Es war, als würde der Film mir die ganze Zeit ins Gesicht schreien: „Schau mal, das ist witzig! LACH ÜBER MICH!“, was mir einfach um Längen zu plump war. Dazu kam dann auch noch die Synchronisation, bei der mir 90% der Stimmen allein durch ihren Klang schon unfassbar auf die Nerven gingen.
 
Always look on the bright side of life...

 "Dieser Film wurde durch mein komplettes Umfeld auf ein Podest gehoben"


In meinen Augen funktioniert dieses Werk mittlerweile nur noch über den Kultfaktor. Was ich in diesem Werk zu sehen bekomme, mag für damalige Verhältnisse bahnbrechend gewesen sein. Das zeigt allein schon die öffentliche Reaktion. Der Film darf auch heute noch nicht an Karfreitag gesendet werden, weil er damals als zu anstößig betrachtet wurde. Ich will also gar nicht absprechen, dass Monty Python im Allgemeinen sehr viel für die Entwicklung des Humors getan hat. Nur gibt es mittlerweile so viel Material, dass diese Grundlagen einfach um ein vielfaches besser umsetzt. Für mich hatte „Das Leben des Brian“ nichts bahnbrechendes, nichts schockierendes, nichts neues. Dazu kam dann mit Sicherheit auch noch, dass ich jede der Pointen schon kannte, weil sie irgendwer mal irgendwo durch einen Raum gebrüllt hat. Dieser Film wurde durch mein komplettes Umfeld auf ein Podest gehoben, welches allein aus erhöhten Erwartungen bestand. Diesen konnte Monty Python in keinster Weise gerecht werden.

Solltet ihr also wie ich „Das Leben des Brian“ nur aus Erzählungen kennen, braucht ihr ihn euch nicht anschauen. Ihr werdet nur enttäuscht sein. Wenn ihr noch nie etwas von diesem Film gehört habt, keine Referenzen benennen könnt und euch auch britischer Humor völlig neu ist, habt ihr eventuell euren Spaß. Und trotzdem bezweifle ich, dass ihr diesen Film  auf ein ähnliches Podest stellen würdet wie die Personen, die ihn schon seit langem kennen. Der Humor hat sich einfach weiterentwickelt und auch, wenn die dargestellten Themen sicherlich zeitlos sind, so sind die Pointen es definitiv nicht.

Ich hoffe wirklich, dass die nächsten Empfehlungen, die ich hier auf einigen Karteikarten rumfliegen habe, ein angenehmeres Filmerlebnis werden.

Eieiei, ich hab noch nie... 12 Monkeys gesehen!

Malte | 04.12.16 | / | 1 Kommentar

Quelle: http://www.amadei33.com/2016/06/12-monkeys-aka-twelve-monkeys-1995-usa.html
Auf Youtube habe ich vor einiger Zeit mal eine Videoreihe entdeckt, in der sich der Ersteller mit Videospielen befasst, die jeder Mensch kennt und gespielt hat... außer ihm. So beschreibt er seine Erfahrungen mit diesen Spielen nach heutigen Standards, inwiefern die Mechaniken funktionieren oder ob die Spiele ihren Ruf verdienen. Ein sehr schickes Format, was ich euch nur ans Herz legen kann, daher hier mal der Link zur Playlist.

Ich würde am liebsten durch die Zeit reisen, mir eine Ohrfeige dafür verpassen und mich vor den Film setzen.


Warum erzähle ich euch das jetzt? Schlaue Köpfe sehen die Antwort darauf bereits im Titel des Blogbeitrags, ich führe es aber trotzdem mal aus. Gestern Abend scrollte ich durch diverse Streaming-Dienste, als ich auf die Serie 12 Monkeys stieß. Was ich wusste: Die Serie soll ganz gut sein und sie basiert auf Terry Gilliams SciFi-Zeitreise-Werk. Mein Problem: Ich habe diesen Film noch nie gesehen und das, obwohl mir seit Jahren gesagt wird, wie sehr ich ihn mögen werde! Also habe ich diesen Umstand kurzerhand geändert und mich dazu entschlossen, euch davon zu berichten. Eben genau wie in der eingangs erwähnten Videoreihe, nur eben auf Filme bezogen. Da gibt es nämlich einiges für mich, was noch nachzuholen ist.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Wow, ich habe 12 Monkeys gesehen! Und bevor ich euch hier auf die Folter spanne, Argumente gegeneinander aufwiege und am Ende ein überraschendes Fazit ziehen werde, mache ich das ganze mal zu Beginn: Wieso habe ich so lange auf diesen Film gewartet? Ich würde am liebsten durch die Zeit reisen, mir eine Ohrfeige dafür verpassen und mich vor den Film setzen, als ich zum wiederholten Male in den ersten zwei Minuten weggezappt habe. Und der Film zeigt ja auch, wie es geht. 2035 gibt es nämlich überdimensionale Zahnpastatuben, die einen in die Vergangenheit pressen. Läuft also, in 19 Jahren hau ich meinem früheren Ich auf die Schnauze!

Quelle: http://www.mensjournal.com/expert-advice/the-best-post-apocalyptic-movies-ranked-by-imminent-danger-20150512/4-12-monkeys-1995

„Wie zum Geier kommt jemand darauf, dass Menschen sich jemals so artikulieren?“

 

Ich mag Science Fiction, ich mag die Darstellung von Dystopien und ich mag Zeitreisen. Es hätte mir direkt klar werden müssen, dass dieser Film aus dem Jahre 1995 genau mein Ding sein muss. Allerdings hat es auch jetzt einige Zeit gedauert, bis ich vollkommen in die Geschichte gezogen war. Das liegt vor allem an Gilliams typischer Machart von Filmen. Enorm viele CloseUps, wackelige Kamerafahrten um die Charaktere herum, enge Räume, in denen die Szenarien ablaufen. Hinzu kommen dermaßen gekünstelte Dialoge der Menschen, die im Film in der Zukunft leben, bei denen ich mir denke: „Wie zum Geier kommt jemand darauf, dass Menschen sich jemals so artikulieren?“
Na gut, im Jahr 2035 leben nur noch sehr wenige Menschen auf der Erde, allesamt unterirdisch, da an der Oberfläche ein gefährlicher Virus die Luft kontaminiert. Wer weiß, wie solche Umstände das Sprachverhalten beeinflussen. James Cole, gespielt von Bruce Willis, ist ein Gefangener in dieser Welt, der die Chance bekommt, seine Haftzeit zu verkürzen, indem er zurück in die Vergangenheit reisen soll, um dort Informationen aus der Zeit vor dem Virus zu erhalten, welche die Menschheit in der Zukunft retten könnten. Der einzige Hinweis für ihn ist, die Armee der 12 Monkeys aufzuspüren, welche mit dem Virus in Verbindung stehen soll.Als er dies in der Vergangenheit erzählt, glaubt ihm natürlich niemand, er landet in der Psychiatrie und entwickelt eine Beziehung zu seiner Therapeutin, die sich durch den ganzen Film zieht, entwickelt und vertieft. Dieses Zusammenspiel ist sehr schön und interessant gezeichnet und für einen Gilliam-Film auch erstaunlich nachvollziehbar. In der Psychiatrie stößt Cole allerdings auch noch auf einen weiteren Charakter, der das absolute Highlight des Films ist und bleibt: Ein junger Brad Pitt, der die Rolle eines psychisch kranken Patienten so ausgezeichnet spielt, dass der komplette Film sich allein schon für seine Einlagen lohnt.

Quelle: http://entertainmentguidefilmtv.blogspot.de/2011/11/12-monkeys-1995.html

 

Die Sache mit den Zeitreisen 

Ebenfalls gefällt mir die Form der Zeitreise, die hier gewählt wurde. Während in Zurück in die Zukunft jede Aktion in der Vergangenheit die Zukunft beeinflusst, ist die Zeitreise hier fest in den Zeitstrahl integriert. Das heißt, dass jede Entscheidung, die Cole in der Vergangenheit trifft, schon immer so getroffen wurde und dementsprechend die Geschehnisse nicht ändert, sondern einfach nur weiter unaufhörlich vorantreibt. Trotzdem hängt man gespannt vor dem Bildschirm, ist immer wieder schockiert, wenn man merkt, dass alle Mühen dem Ende der Menschheit in die Karten gespielt haben und hofft, dass das irgendwie den Akteur*innen bewusst wird, so dass sie daran etwas ändern können. Dieses Prinzip lässt mich auch stark an dem von Gilliam erläuterten Ende zweifeln, welches sowohl wie von ihm gewünscht als Happy End funktionieren, andererseits durch die ganzen Entwicklungen des Films eigentlich nicht gut ausgehen kann.

Wie also bereits zu Beginn gesagt: Ich finde diesen Film grandios. Das Setting passt, die Schauspieler überzeugen und 12 Monkeys hat mich auch nach dem Abspann nachdenkend zurück gelassen. Wenn ihr also mein altes Schicksal teilt und den Film noch nicht gesehen habt: Ändert das sofort! An alle anderen: Entschuldigt, dass ich so lange damit gewartet habe!