Die Faust ist ein Werkzeug

Jay Nightwind | 26.02.18 | / | Kommentieren
Hier fangen die Gedanken an.
Ein einfacher Kopf, kein besonderer Ort.
Alles seine Richtigkeit, die Haare oben, die Haut außen.
Alles korrekt, alles gut, alles lebendig.
Sehr lebendig.
Mit Blut in den Adern und dem brennenden Gefühl, der Bewegung, die wir Puls nennen.
Es glüht in mir. Es glüht in mir. Es glüht in mir.
Weil ich nicht erlischen will, nicht erlischen kann, mich noch weiter an dieser Welt verbrennen möchte, weiter möchte, dass diese Welt brennt.

Ich habe nie was anderes als kämpfen gelernt, nie die Fäuste geöffnet;
weiß gar nicht wie man einen Stift hält und dann hat man mir gesagt, dass es nicht in Ordnung ist zu schlagen.
Dass es nicht gut ist, wenn Menschen gedrückt und gepresst und geschoben werden, dass du nicht schlagen darfst, nicht treten und doch alles schreit nach Gewalt,
sieht gewaltätig aus.

Sie stehen mit Kanonenfingern auf der Straßenecke,
wo sie ihre Gangsterträume träumen und denken,
dass das Mündungsfeuer der Funke der Leidenschaft ist,
den sie brauchen, um ihr Leben zu entflammen.

Ich habe immer nur kämpfen gelernt, durfte aber nie schlagen.
Also musste ich reden, eine Faust mit meiner Zunge bilden, mit ihr schieben, schlagen, treten und kämpfen und mir die Zunge verbrennen an Themen, die zu heiß für mich sind.
Aber ich will sie alle fressen, will sie in mir aufnehmen.

Die Feuer sind heiß, die Funken schlagen mir aus den Augen, ich zittere am ganzen Körpeer, zerfalle von innen, zerstöre mich selbst.
Der Kampf kann nirgendwo hin, die geballten Fäuste bleiben liegen.
Sie stauben ein und reichen nicht aus um eine Tastatur zu drücken, eine Maschine zu bedienen, einen Job zu machen und den Kampf aufzugeben.

Ich habe nur zwei Fäuste, aber die schon immer, ich kann sie trainieren.
Ich habe heute eine Liegestütze gemacht,
habe dann zwei Liegestütze gemacht,
habe dann drei Liegestütze gemacht
und jetzt habe ich Muskeln,
habe vier Liegestütze gemacht,
habe fünf Liegestütze gemacht
und kann die Erde umwühlen, die Häuser der Misstände einreißen und dann, dann vielleicht die Fäuste öffnen, um ein Werkzeug zu greifen.

Neubauen, mit Menschen, in Vertrauen, in Fundamenten und Hoffnung, ein Haus für sie alle.
Dass keiner mehr frieren muss, die Feuer nur noch in Öfen, nur noch in Küchen, nur noch unter Teekannen.
Die Schmerzen lindern, mit Säften der Blättern, die unsere Seelen pflegen und uns zusammen kommen lassen, wie es immer war, schon in den Höhlen.
In den Tiefen unserer Ängste, wo wir nur ein Feuer legen wollen gegen die Einsamkeit.
Für die Freunde, die wir noch kennenlernen werden.


Ich habe immer nur gelernt, Fäuste zu ballen, auf Tische zu hauen, Brandsätze zu werfen, zu beißen, zu kratzen, zu streiten, zu verändern, zu sabotieren, zu zerstören.

Ich kenne euren Frieden nicht,
weiß nicht wo er wohnt,
wo ich ihn suchen kann und habe ihn nie vermisst.

Wie eure Heiligen, die alle nicht mehr bei uns sind und nie einer getroffen hat.
Sie wirken unwirklich, ich verstehe eure Hoffnung nicht, eure Ohnmacht nicht.
Worauf warten?

Wenn wir keine Fäuste ballen sollten, wären unsere Finger ohne Gelenke, aber das sind sie nicht. Sie sind Werkzeuge, zum Graben, zum Streicheln, um Feuer zu machen. Feuer in den Köpfen, um alte Konzepte neuzubauen, Wände niederzubrechen, um in die Schranken zu teilen und in die Paläste zu brechen. Also lasst mir meine Faust, sie ist ein Werkzeug, mein Werkzeug.



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Dieser Text ist mit der Schreibübung des "automatisierten Schreibens" entstanden.

Podcast: Interview zum Magnet-Magazin

Miriam Jagdmann | 24.02.18 | / / | Kommentieren
Von der Speisekarte zum Magazin - getrieben von dem Wunsch spannende Menschen, Projekte und Start-Ups aus ihrem Umfeld vorzustellen gründen Julian Kühn und Igor Albanese gemeinsam mit Inga Pöting und Denise Nelle kurzerhand eine Redaktion und stampfen aus dem Nichts ein Magazin. Im Dezember 2017 erscheint dann die erste Ausgabe des Magnet-Magazins. „Konnektor und urbanes Magazin“ prangt auf dessen Titel-Seite. Was genau drin steckt in dem neuen Magazin und wer damit erreicht werden soll - darüber haben wir mit den Herausgebern Julian und Igor gesprochen.



Die nächste Ausgabe des Magnet-Magazins erscheint im März. Das kostenlose Heft könnt ihr zum Beispiel im KABÜ bekommen. Oder ihr blättert euch auf der Internetseite des Magazins digital durch die Seiten.
Andasch | 23.02.18 | / | Kommentieren
Verschwommener Blick, klebrige Flecken auf dem Boden. Eine leere Zigarettenschachtel beobachtet einsam das anonyme Treiben der Großstadt bei Nacht.

Die Koch-Blog-Reihe - 8. Foccacia

Möchtegern-Held | 22.02.18 | / | 2 Kommentare

Was leckeres als Beilage beim Grillen? Was schmackhaftes to-go? Einfach nur mal zwischendurch? Läuft. Ich habe das Zeug in Italien kennengelernt und mich verliebt. Ich muss gestehen, dass ich es bei weitem nicht so gut hinbekomme und auch mein Belag reichlich anders aussieht als das was ich damals im Urlaub gegessen habe. Aber: Trotzdem geiles Zeug.

1 gewürfelte Kugel Mozzarella über Nacht im Kühlschrank in einem Sieb abtropfen lassen.

250g Mehl und 1TL Salz mit 10g Hefe, Prise Zucker in 10ml lauwarmen Wasser mischen. Schön geschmeidig kneten, dann in Frischhaltefolie wickeln und eine Stunde im Kühlschrank gehen lassen. Bei dem Foto muss ich gestehen, dass ich eine wesentlich größere Menge in Arbeit hatte und daher ist mir der Teig dermaßen aus der Folie explodiert, dass dieses Dilemma sich in meinem Kühlschrank befand.







Ein Backblech vorheizen. Wie immer bei Käse….Ober/Unterhitze. Den Teig zu dünnen Fladen ausrollen und mit etwas spitzem Löcher hinein pieken. Dann wird der Teig nämlich am Ende etwas knuspriger. Etwas Olivenöl darauf verteilen, aber echt nur hauchdünn. Ein paar Chiliflocken oder wie ich es bevorzuge mit frischem Piri-Piri mit drauf. Wer mag: kann auch Salz an die Sache geben, ich bevorzuge es ohne. Den Mozzarella und Rosmarinnadeln belegen und ab auf das heiße Blech (mit Backpapier drunter). Dauert ca. 10-12 Minuten. Kann heiß, aber auch kalt gegessen werden.


Guten Hunger!

Rautavaara - Onewayticket

Der Nachtwind | 21.02.18 | / / | Kommentieren
Unser Tobi ist Teil einer ordentlichen Essener Garagen-Punk-Schrammel-Band. Die haben jetzt mal wieder einen Song auf Youtube geworfen und den wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten! Viel Spaß mit Rautavaara!

Ich hab noch nie... 'Das Leben des Brian' gesehen

Malte | 20.02.18 | / | 1 Kommentar


Im ersten Nachtwind Live Event des letzten Jahres baten wir das Publikum, uns Filme zu nennen, die man unbedingt gesehen haben müsste. Diese wollte ich dann in der damals eingeführten Reihe „Ich hab noch nie…“ anschauen und kommentieren. Wie das so oft bei meinen Planungen abläuft, dauerte es bis heute, dass ich der Reihe einen zweiten Teil spendiere und außerdem endlich den Film abarbeite, der beim Live Event am häufigsten erwähnt wurde: Das Leben des Brian!
 
"Nun, alles in Ordnung, Brian. Setz dich. Nimm dir 'n Keks. Machs es dir schön bequem."

 "Ich war nie ein großer Freund des Monty Python Humors."


Wenn ich vorher sagte, dass ich noch nie „Das Leben des Brian“ gesehen habe, erntete ich in der Regel verständnisloses Kopfschütteln. Wenn in einem lockeren Beisammensein mit Referenzen aus diesem Film um sich geworfen wird, halten sich alle lachend die Bäuche, während ich die Welt nicht mehr verstehe. Das Interesse, dieses Filmdefizit aufzuholen, war allerdings auch nie da. Ich war nie ein großer Freund des Monty Python Humors. Ritter der Kokosnuss ging mir so schnell auf die Nerven, dass ich den Film nach 20 Minuten beenden musste und auch andere Fernsehsendungen der britischen Kult-Komiker haben mich nie überzeugt. Ohne diesen Blog hätte ich also wahrscheinlich weiterhin dem ewigen Einreden aller Bekannter getrotzt und mich nie im Leben an den Film gewagt.

So stellte ich mir zum Weihnachtsfest des letzten Jahres aber doch die Frage: Originalton oder deutsche Synchro? Wahrscheinlich muss man Monty Python in der Originalfassung schauen, um den britischen Humor in voller Ladung zu bekommen und eigentlich umgehe ich deutsche Synchronisation auch so gut es geht. Bei alten Klassikern ist es aber oftmals so, dass gerade die Synchro auch einen Teil des popkulturellen Charmes ausmacht. Wenn ein Gag sich nicht komplett lokalisieren ließ, wurde gerne mal ein komplett neuer geschrieben, was einen ganz eigenen Pool an Referenzen aushob. Da mir alle Kenner*innen des Films mir auch nur deutsche Zitate an den Kopf knallten, war die Frage zumindest schnell geklärt.
 
"Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist?"

"'Das Leben des Brian' ist für mich vor allem völlig überdreht."


Sollte jemand diesen Beitrag lesen, der „Das Leben des Brian“ ebenfalls nicht kennt (ihr seid mir sympathisch!), hier eine ganz kurze Zusammenfassung: Am gleichen Tag wie Jesus Christus wird im Stall nebenan der kleine Brian zur Welt gebracht. Aus seiner Perspektive wird nun erzählt, wie es sich so gelebt hat zu Zeiten des christlichen Heilands. Erzählt wird die Geschichte dann in einer Aneinanderreihung skurriler Situationen, die sich mit Religion, Rebellion gegen das römische Reich und alltäglichen Problemchen befassen. Und ich will hier gar nicht lange um den heißen Brei reden: ich habe während des Films kein einziges Mal gelacht. Während meine Freundin neben mir vor Lachen teilweise nach Luft schnappen musste, schaute ich verständnislos auf den Bildschirm.

Ja, der Film bietet haufenweise Potential dazu, in jeder beliebigen Lebenslage irgendwie zitiert zu werden. Es werden Situationen geschildert, die im Setting der damaligen Zeit unfassbar skurril wirken, da wir ihre Relevanz in der Moderne verorten. Ich verstehe also durchaus, wie der Humor hier funktioniert, was lustig sein soll und was damit ausgesagt werden will. Ich finde es einfach nur nicht lustig. „Das Leben des Brian“ ist für mich vor allem völlig überdreht. Viele Pointen werden mit der Keule in den Film und die Zuschauer*innen geprügelt. Es war, als würde der Film mir die ganze Zeit ins Gesicht schreien: „Schau mal, das ist witzig! LACH ÜBER MICH!“, was mir einfach um Längen zu plump war. Dazu kam dann auch noch die Synchronisation, bei der mir 90% der Stimmen allein durch ihren Klang schon unfassbar auf die Nerven gingen.
 
Always look on the bright side of life...

 "Dieser Film wurde durch mein komplettes Umfeld auf ein Podest gehoben"


In meinen Augen funktioniert dieses Werk mittlerweile nur noch über den Kultfaktor. Was ich in diesem Werk zu sehen bekomme, mag für damalige Verhältnisse bahnbrechend gewesen sein. Das zeigt allein schon die öffentliche Reaktion. Der Film darf auch heute noch nicht an Karfreitag gesendet werden, weil er damals als zu anstößig betrachtet wurde. Ich will also gar nicht absprechen, dass Monty Python im Allgemeinen sehr viel für die Entwicklung des Humors getan hat. Nur gibt es mittlerweile so viel Material, dass diese Grundlagen einfach um ein vielfaches besser umsetzt. Für mich hatte „Das Leben des Brian“ nichts bahnbrechendes, nichts schockierendes, nichts neues. Dazu kam dann mit Sicherheit auch noch, dass ich jede der Pointen schon kannte, weil sie irgendwer mal irgendwo durch einen Raum gebrüllt hat. Dieser Film wurde durch mein komplettes Umfeld auf ein Podest gehoben, welches allein aus erhöhten Erwartungen bestand. Diesen konnte Monty Python in keinster Weise gerecht werden.

Solltet ihr also wie ich „Das Leben des Brian“ nur aus Erzählungen kennen, braucht ihr ihn euch nicht anschauen. Ihr werdet nur enttäuscht sein. Wenn ihr noch nie etwas von diesem Film gehört habt, keine Referenzen benennen könnt und euch auch britischer Humor völlig neu ist, habt ihr eventuell euren Spaß. Und trotzdem bezweifle ich, dass ihr diesen Film  auf ein ähnliches Podest stellen würdet wie die Personen, die ihn schon seit langem kennen. Der Humor hat sich einfach weiterentwickelt und auch, wenn die dargestellten Themen sicherlich zeitlos sind, so sind die Pointen es definitiv nicht.

Ich hoffe wirklich, dass die nächsten Empfehlungen, die ich hier auf einigen Karteikarten rumfliegen habe, ein angenehmeres Filmerlebnis werden.

Vlog: Lange Wege wählen und laufen

Der Nachtwind | 19.02.18 | / | Kommentieren