Darf ich vorstellen? Jay Nightwind


Foto: Tobi Hartmann
Name:
Bürgerlich: Jan-Michel Richard Karl
Künstlername: Jay Nightwind

Geburtsjahr:
1985

Beruf:
Anerkennungsjahr Erzieher, Freiberuflicher Freiberufler





Was wolltest du werden, als du ein Kind warst?
Gärtner-Astronaut, mit einer eigenen Biosphäre auf dem Mond. Zum einen, weil mir der Gedanke sehr gut gefallen hat, dass der Mond von der Erde aus auch grün ist. Zum anderen, weil mich Raumfahrt unfassbar interessiert hat.


Warum hast du deinen Beruf gewählt?
Den Erzieherjob aus einem Akt der sanften Verzweiflung, als ich beruflich nicht mehr weiter gekommen bin, weil ich keine abgeschlossene Berufsausbildung hatte. Die freiberufliche Tätigkeit im Kulturbereich beruht darauf, dass ich eigentlich immer an und in diesem Bereich aktiv war. Da war es die Sicherheit, dass ich dazu die Fertigkeiten habe.


Was bezeichnest du als Heimat?
Heimat ist für mich kein Ort, sondern die Gewissheit, eine Sicherheit zu haben. Wenn ich mit einer Gruppe Menschen bin in der ich mich frei fühlen kann und akzeptiert werde, dann ist das ein Bauteil. Die andere Hälfte ist, das diese Sicherheit über eine Zeit bestehen muss. Wenn das gegeben ist, dann kann meine Heimat überall sein. Auch in einer Biosphäre auf dem Mond.


Magst du Fotos von dir selbst?
Inzwischen schon. Das habe ich aber auch lernen müssen. Natürlich mag ich nicht jedes Foto, ich bin leider nicht frei von Zweifeln bezüglich meines Aussehens. Wenn ich dann aber sehe, wie ich in bestimmte Momenten mich bewege oder schaue, dann gibt es mir auch Möglichkeiten zu verstehen, wie andere mich wahrnehmen. Mensch sieht sich ja selten selbst, außer vorm Spiegel. Wenn Menschen mir manchmal erzählen, dass ich gestrahlt habe oder mensch mir ansehen konnte, dass ich motiviert war, dann verstehe ich das nicht immer. Mit den Fotos geht das dann besser, weil ich mich ein wenig von mir trenne und mich auch von Außen betrachten kann.


Was bedeutet Freundschaft für dich?
Heimat. Alles was ich da beschrieben habe, trifft auch zu. Die Akzeptanz muss so sein, dass auch eine schlimme Version von mir mit bestem Willen entgegen genommen wird. Was nicht bedeutet, dass ich nicht kritisiert werden darf. Ganz im Gegenteil. Ich möchte Kritik, ich muss aber spüren, dass ich sie da von jemandem bekomme, der/die möchte, dass ich mich entwickeln kann. Daher spreche ich so gerne vom Rudel. Natürlich wird gerauft und auch mal miteinander gekämpft, aber es darf nie ein Zweifel daran entstehen, dass die Menschen zusammengehören. Das ist ein hoher Anspruch, der es mir auch selbst oft erschwert, mich sicher zu fühlen.


Welchen Moment wirst du niemals vergessen? // Was ist deine liebste Erinnerung?
Hm. Das kann ich so nicht beantworten, ich kann das nicht auf eines zusammen dampfen. Jetzt gerade, in diesem Moment wo ich das beantworte, würde ich sagen, es war, als ich das erste Mal mit meinem Hund auf dem Sofa eingeschlafen bin. Keks war ganz neu in unserem zuhause und wir alle mussten noch super viel lernen. Dann nach toben, spielen, lernen und üben, waren wir alle sehr angestrengt. Ich habe mich aufs Sofa gelegt, weil ich fertig war und wirklich nicht mehr konnte. Ein Welpe ist eine Mission. Als der tapsige Halunke dann an der Sofakante aufgetaucht ist, sich hochgezogen hat und zu mir kam, war ich mir sicher, dass er mich wieder zum Spiel auffordern möchte oder mir weiter mit seinen scharfen Welpenzähnen die Arme zerkratzen möchte. In Wirklichkeit war der kleine tapfere Kerl auch vollkommen fertig. Lernen ist eine Mission. Ein flauschiger Kopf plumpste auf meinen Bauch und in meiner Armbeuge lag ein warmes Nest aus Zuneigung. Keks ist der Beste.


Was ist deine Vorstellung von Glück?
Ich glaube an die per Studien nachgewiesenen Faktoren von Glück: Gesundheit, Gemeinschaft und Geld. Letzteres hat diese Position nur, weil es ein Mittel zu Selbstverwirklichung ist. Ein Transportmittel, auch für die anderen Faktoren. Die Kategorien sind nur recht unkonkret angelegt. Darunter finden sich natürlich noch andere Faktoren. Keine Ahnung, sowas wie einen okayen Charakter zu haben oder so.

Wer ist dein Vorbild?
Auf der Position ist bei mir hohe Rotation. Es gibt Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld, bei denen ich mir Fertigkeiten an- und abgucke. Dann gibt es einige, die schlaue Bücher geschrieben haben. Marshall Rosenberg zum Beispiel. Dazu kommen die skurrilen Vorbilder: Einige Profi-Wrestler (wegen der Fitness und dem Bühnencharakter), einige Personen im Showbusiness (Jimmy Fallon, Conan O'Brien) oder auch fiktiver Figuren. Ich finde es aber befreiend, da nicht festgelegt zu sein. Meine Ziele ändern sich ja auch regelmäßig, wie sollen meine Vorbilder da gleich bleiben?

Wovor hast du Angst?
Gelebt zu haben, ohne etwas bewirkt zu haben. Der sicherste Weg um seinen Teil für die Gesellschaft zu tun, ist in meinen Augen etwas zu bewegen. Sein es Herzen, sein es Ideen, sein es Entwicklungen. Die Vorstellung gelebt zu haben, ohne auch nur einen einzigen Impuls gesetzt zu haben, macht mir Sorgen und Panik.


Hast du „Ticks“? Welche?
Diese Frage würden meine Freund*innen anders beantworten, als ich. Also nehme ich deren Antwort: Ich habe einen Ordnungsfimmel. Alles hat seinen Platz und seine Struktur bei mir, ich merke sofort, wenn etwas nicht da liegt, wo es sonst hingehört. So sieht es nach Außen aus. Inzwischen ist es mir aber egal ob die Sachen woanders liegen, ich merke nur trotzdem, dass sie verschoben wurden. Die Sache ist die: Ich habe diese Ordnung als Reaktion darauf, dass ich ein vollkommener aufrichtiger Schlunz bin.


Was magst du an dir?
Ich mag an mir, dass ich verstanden habe, wie ich lernen kann. So stehen mir viele Dinge offen, die ich mir einfach draufziehen kann. Dazu konfrontiere ich gerne. Häufig auch mich. Und auch wenn das oft darin endet, dass ich unzufrieden bin, weil ich mehr aufs Soll, als aufs Haben schaue, sehe ich den Vorteil, nie einen festen Status zu zementieren. Die Welt verändert sich ja auch, da darf mensch nicht stillstehen bleiben.
Auf einem Nebenschauplatz mag ich meine Haare. Haare kann ich.


Was willst du unbedingt lernen? // Was würdest du gerne mal ausprobieren?
Alles. Alles! Alles!! Ich möchte alles können, alles kennen und am liebsten zu allem Talent haben. Weil ich aber weiß, wie Zeit und Leben funktionieren, gebe ich mich aktuell damit zufrieden, ein Dojo zu suchen, in dem Sumo-Ringen unterrichtet wird. Sumo ist ein Kampfsport voller Tradition und Strategie, daher bin ich sehr interessiert da reinzuschauen. Außerdem finde ich den Gedanken sehr witzig da mal mitzuspielen, eben weil ich nicht die klassische Montur dafür habe.


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