Warum ist das bei der Bahn so? #003 - Fachbegriffe

Wie in allen Bereichen des täglichen Lebens gibt es auch im Eisenbahnverkehr eine ganze Menge Fachbegriffe. Besonders Journalisten verwenden sie gerne, wenn auch in den allermeisten Fällen falsch. Ich habe die gängigsten  Fehler mal zusammengetragen und erkläre, wie es richtig wäre.


Nr. 1: Der Lokführer
Um in einen Artikel möglichst viel Variationen hineinzubekommen, wird der Lokführer oft mit anderen Bezeichnungen versehen.
Meistens wird vom "Zugführer" geredet, was nicht immer, aber oft falsch ist, denn der Zugführer ist z.B. beim Fernverkehr der ranghöchste Zugbegleiter innerhalb des Zugpersonals und hat mehr Aufgabenbereiche als der Zugbegleiter. Das heißt, dass wenn man beim Fernverkehr von Zugführer spricht, man nicht den Lokführer meint, sondern den Zugchef.
Anders beim Regional- oder S- Bahnverkehr, denn da ist der Lokführer in der Regel gleichzeitig auch Zugführer. Das hängt damit zusammen, dass das Zugbegleitpersonal hinten im Zug in der Regel KiN (Kundenbetreuer im Nahverkehr) sind.
Die korrekte Bezeichnung für den Lokführer wäre "Triebfahrzeugführer" (kurz: Tf) oder ganz einfach "Lokführer".
Was komplett falsch ist aber gerne benutzt wird, ist der Begriff des "Bahnfahrers" oder "Lokfahrers". Das ist völliger Kokolores, denn als Bahnfahrer werden die Reisenden bezeichnet.

Nr. 2: Die Fahrzeuge
Auch hier lauern Fallen im Sprachgebrauch. Es wird gerne von Loks und Triebwagen geredet, blöderweise genau in den falschen Momenten.
Fangen wir bei der Lok an:
Eine Lok ist das Triebfahrzeug an einem Wagenzug. Der Wagenzug sind entweder einer oder mehrere Wagen aneinandergehängt. Diese Wagen haben selbst keinen Antrieb verbaut. Damit die Wagen bewegt werden können, braucht es eine externe Zugmaschine, die Lok. Die wird vor den Wagenzug gehängt und zieht, bzw schiebt den Zug.

Dann wird oft von Triebwagen geredet.
Ein Triebwagen ist laut Defintion aber meistens nicht das, was in Zeitungsartikeln gemeint ist, denn hierbei handelt es sich um einen Wagen mit eigenem Antrieb. Es wird also keine Lok benötigt um das Fahrzeug zu bewegen.
Nicht zu verwechseln mit einem Triebzug. Das ist nämlich ein Zug, der aus mehreren Wagen gebildet wird und bei dem der Antrieb über den kompletten Zug verteilt ist, wie zum Beispiel bei S- Bahnfahrzeugen.

Und als wäre das nicht genug, gibt es noch die Triebköpfe, beispielsweise bei Thalys- oder ICE- Zügen der ersten beiden Generationen. Das ist so gesehen eine Lok, die aber betriebsmäßig nicht vom Zug getrennt werden kann. Während Loks in der Regel zwei Führerstände haben, hat ein Triebkopf nur einen. Er kann also als Zugfahrt nur in eine Richtung bewegt werden

Nr. 3: Sonstige Begrifflichkeiten
Welcher Begriff häufiger mal auftaucht, ist "koppeln", wenn man sagen will, dass zwei Zugteile vereint werden. Korrekt wäre an dieser Stelle allerdings "kuppeln", den Begriff mit "o" gibt es in der Bahnsprache tatsächlich nicht.

Was mir ebenfalls oft begegnet, ist der Begriff "Ampel". Der Eisenbahnverkehr kennt allerdings keine Ampeln, die sind nur für den Straßenverkehr zuständig. Im Eisenbahnbetrieb spricht man von "Signalen". Das sind allerdings nicht nur die roten, gelben und grünen Lichter, sondern auch sämtliche Schilder, die entlang der Strecke aufgebaut sind.

Gehen wir davon aus, dass der Triebfahrzeugführer den Zug schnell zum Halten bringen muss (z.B. aufgrund einer Gefahrensituation), leitet der Lokführer keine Notbremsung, sondern eine Schnellbremsung ein. Eine Notbremsung kann nur im Fahrgastraum durch Ziehen an den Notbremseinrichtungen vorgenommen werden.


Es gibt noch viele andere Begriffe, die gerne mal durcheinander geworfen werden aber die eben aufgeführten Termini sind dann doch die, die am häufigsten in die Hose gehen.
Das ist vielleicht alles ein wenig Erbsenzählerei aber Fachbegriffe haben nun mal eine bestimmte Definition und das soll auch so bleiben.


Falls Ihr Fragen habt und wissen möchtet, wie gewisse Dinge im Bahnbetrieb ablaufen, dann schreibt uns diese Fragen gerne als Kommentar unter den Beitrag. Ich versuche diese dann zu beantworten!

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