#heutegelernt

Vielleicht kennt ihr ja Hashtags? Diese Ordnungsmarken, die einen der größten Unterschiede der digitalen zur analogen Welt ausmachen. Hashtags erlauben es uns, Inhalte räumlich zu bündeln, unabhängig von ihrer Position. Wenn also Menschen Fotos von schönem Grünzeug mit dem Hashtag „#Pflanzen“ versehen, kann ich mit einem Blick alles finden auf der jeweiligen Plattform, was diese Marke hat. Eine Funktion, die ich in der physikalischen Welt bitterlichst vermisse. Ich würde gerne, wenn ich etwas zu naschen in meiner Wohnung suche nur eine Ordnungsmarke angeben müssen und alle Leckereien werden gesammelt sichtbar. Warum die Schlüssel suchen, wenn es reicht den Hashtag zu aktivieren?

Hashtags sortieren nicht nur Dinge, sondern erlauben es uns auch Inhalte zu sortieren. Das Internet ist für Inhalte gemacht, Content ist die natürliche Ressource und gleichzeitig das natürliche Produkt des Internets. Mit Hilfe von Hashtags wie #Metoo, schaffen wir es Inhalte von Menschen, die sich noch nie getroffen haben gemeinschaftlich zusammen zu sortieren. Es entsteht die Möglichkeit der Debatte, der Diskussion, des Impulses. Hashtags sind das ultimative Produkt eines Zeitalters in dem es nicht mehr darum geht, selbst möglichst viel zu wissen, sondern zu wissen, welche die richtige Frage ist, die mensch sich, andern oder dem Internet stellen muss.

Eine meiner liebsten Fragen ist: "Was habe ich daraus gelernt?" Ich bin Erzieher, das verpflichtet dazu, sich mit Entwicklung auseinander zu setzen. Ich schau auf Kinder, auf Jugendliche und muss aus deren Verhalten ablesen, was ihnen vielleicht der nächste gute Lernanlass ist. Mit reichlich Übung kann Mensch das auch bei sich selbst. Wer aber nun den ganzen Abend im Denksessel vorm Kamin sitzt und nachdenkt, läuft Gefahr, seine Erkenntnise gar nicht festzuhalten. Die eigenen Gedanken sind am Ende genau so virtuell, wie das Internet. Also müssen Formen her, in denen die Gedanken gebunden werden können.

Eine meiner liebsten Erkenntnisse der letzten Jahre, einer meiner pädagogischen Glückkekssprüche ist: "Du kannst dir nicht aussuchen, wen du inspirierst." Alles was jemand sagt und tut und von anderen wahrgenommen wird, kann eine andere Person auch zum Denken und zur Veränderung anregen. Alles kann ein Impuls sein. Damit also meine Denksessel-Ergüsse auch noch die Chance haben, etwas zu bewirken, teile ich sie im Netz. Auf Instagram. Unter dem Hashtag #heutegelernt.

An vielen Tagen mache ich das nicht nur, um aus meinen Gedanken eine Art Produkt zu fertigen, sondern auch, damit Menschen mich in meinem Überlegungen prüfen, kritisieren und bereichern können. Die bereitserwähnte Diskussion kann entstehen. Eine Chance direkt aus dem Gelernten noch mehr zu lernen.

Inzwischen sehe ich, dass auch andere den Hashtag verwenden. Dann frage ich häufig nach, interessiere mich dafür, was die Menschen gelernt haben. Diese Gespräche machen Spaß. Es ist schön zu sehen, wie Leute stolz auf sich sind und die Euphorie eines Erfolges mit sich tragen. Das steckt an. Das motiviert zum Lernen.

Gleichzeitig bekomme ich nettes Feedback. Menschen die mir sagen, dass sie jetzt auch anfangen sich öfter zu fragen, was sie gelernt haben. Menschen die mit mir darüber sprechen, was ich gelernt habe. Die mir Fragen stellen, weil sie selbst auf vergleichbare Probleme getroffen sind und sich austauschen wollen. Und dadurch vertiefen sich auch Kontakte, weil wir plötzlich zusammen an einem Thema arbeiten.

Es ist schwierig für eine Sache, die aus sich fortlaufender Entwicklung besteht, ein feststehendes abschließendes Fazit zu schreiben. Meine Mission, die ich irgendwann für mich beschrieben habe beinhaltet, dass ich machen mag, dass Menschen sich weiterentwickeln können. Genau wie dieses Hashtag, geht es halt darum, dass sich Dinge weiterentwickeln. Also nie etwas abschließen und festhalten. Immer prüfen und weiter fragen. Was habt ihr heute gelernt?

Kommentare

  1. Unter dem Hashtag finden sich 52 Beiträge, 4 davon von dir, und die sind eher neu. Da kann ich kaum an das in diesem Text vermittelte Trendsetter-Ding oder massenhaft inspirierende Gespräche glauben

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    1. Hallo Anonym!
      Neben den festen Hashtags gibt es die für "Stories", bei diesen mache ich täglich mit und die Stories sind auch gespeichert. Stimmt, ich erwähne das im Beitrag nicht explizit, allerdings gibt es mehrere Wege Hashtags zu verwenden. Danke aber fürs nette Nachfragen!

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