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Sticker kleben ist politische Aktion!

Jay Nightwind | 13.06.18 | / | Kommentieren
Willkommen in politisch brisanten Zeiten. Während die hohen Herren und Damen sich mit Hilfe der sozialen Medien stündlich in immer größere Wannen voll Fett setzen können, scheint die Aufspaltung zwischen Fraktionen immer mehr zum Alltag zu werden. Die Menschen in meinem Umfeld sagen oft, dass sie unpolitisch sind. Sie hängen keiner Partei an, verfolgen das Tagesgeschehen nicht und Berlin ist für sie halt auch nur ne Stadt.

Was ihnen erstmal keiner verraten hat, ist die Tatsache, dass es kein unpolitisches Handeln gibt. Der Fremdwörter-Duden auf meinem Regal sagt, das Politik das "Handeln mit Wirkung auf das Leben der Öffentlichkeit" meint. Wer also einen grünen Stromanbieter wählt, wer mit dem Auto statt der Bahn fährt, wer sein Geld in Aktien investiert, wer eine Mitgliedschaft in der Bücherei hat und und und und und und, handelt politisch. Haha, Pech gehabt, ob ihr wollt oder nicht!

Neben dem politischen Handeln, da gibt es aber auch die politische Aktion. Sie verfolgt Ziele zu Gunsten einer bestimmten inhaltlichen Strömung. Da spielen sicher schon nicht mehr alle mit, denn politische Aktion erfordert Organisation, Struktur und Vorbereitung. Politische Aktion ist kompliziert und sperrig. Wenn sie groß gedacht wird. Dabei kann es auch einfach und im Kleinen funktionieren.

Menschen egal welcher inhaltlichen Geschmacksrichtung machen Werbung für ihre Sache. In meinem Gefühl machen die Sozialen Medien mit ihrem Bedarf nach Gewinnen im Internet eine Kapital- und Provokationsschlacht aus Werbung. Im Analogen sind die Spielregeln etwas einfacher, wenn auch vergleichbar. Allerdings gibt es keine Benachrichtigungen, wenn etwas kommentiert oder gelöscht wird. Das merken wir uns mal kurz.

Ich kann nur für den Ruhrpott sprechen, aber wenn es eine massive und spannende Form der Werbung gibt, dann sind das Sticker. Kleine Aufkleber, die ein Logo und eine Sache markant machen und an allen Orten auftauchen können. Das Bekleben von Laternen etc. ist natürlich verboten, dass hält aber niemanden so richtig auf. Fans von Sportvereinen zum Beispiel färben ihre Stadt weiträumig in den Vereinsfarben, Bands freuen sich dumm und dusselig, wenn sie Aufkleber mit ihrem Namen drauf haben. Aber weshalb eigentlich? Ich meine, ist es nachgewiesen, dass ein Aufkleber schon mal eine CD verkauft hat? Hat jemand wegen eines Stickers seine Begeisterung für den FC Schalke 04 noch mal überdacht? Eventuell vielleicht wahrscheinlich nicht. Trotzdem machen die Aufkleber etwas mit uns.

Die Psychologie hat den "Mere-Exposure-Effekt" nachgewiesen. Vereinfacht gesagt beinhaltet dieser, dass wir eine Sache die wir immer wieder als Reizwahrnehmung bekommen, im Laufe der Zeit immer besser finden. Was nicht bedeutet, dass wir automatisch Fan davon werden, aber wir quasi "abstumpfen". Je öfter uns die Störung begegnet, desto weniger schockiert sie uns. Ich bin nicht Psychologe genug, um genau und detailiert zu beschreiben, wie sich das im Alltag auf uns auswirkt, aber wenn wir uns die Konzepte und Frequenzen von Werbung anschauen, dann muss an diesem Effekt was dran sein.

Wenn wir davon ausgehen, dass der Mere-Exposure-Effekt uns im Alltag beeinflusst, dann könnte das bedeuten, dass eine dauerhafte Konfrontation mit Emblemen und Aussagen des rechtspolitischen Spektrums uns im schlimmsten Fall die Furcht und Abstoßung gegen solche verlieren lässt. Sie normalisieren sich für uns. Das ist mindestens ein Problem. Wenn gesellschaftsspaltende Inhalte uns nicht mehr stören, dann verlieren wir eine ganze Rutsche Menschlichkeit.

Zurück zu den Stickern. In meinem Stadtteil sind ein ganzes Weilchen Aufkleber der "identitären Bewegung" aufgetaucht. Früher habe ich mich kaum für die Aufkleber an Laternen interessiert, aber als ich in meiner Nachbarschaft zum ersten Mal auf den Spartanerschild gestoßen bin - ein Emblem, welches schon popkulturell mit 300 eine positive Betonung bekommen hat - bin ich auf einmal kribbelig geworden. Mein Stadtteil darf und soll nicht seine Lebensqualität einbüßen. Die bloße Anwesenheit der Sticker hat mich genervt. Das ist nicht mein Bild von hier.

Gut, im Gegensatz zu meinen Freund*innen, würde ich sofort sagen, dass ich politisch bin. Aber auch mir fehlt oft die Zeit und die Energie, mich in Organisationen einzubringen. Trotzdem wollte ich etwas tun.
Das Gute an einem Sticker, im Gegensatz zu einem Post auf Facebook, ist, dass mensch ihn einfach überkleben kann. Das Ursprungsmotiv verschwindet, zu Gunsten eines neuen Inhalts.
Wenn ihr also selbst etwas tun wollt, dann ist das ein guter Einsteiger-Level für politische Aktivität.
Und hier kommt das Schöne: Um einen Sticker von "rechts" zu überkleben, gibt es kaum falsche Möglichkeiten. Jeder Aufkleber hilft. Es ist egal, ob ein Band-Aufkleber, die Werbung für eine Fastfoodkette, ein lustiger Spruch oder ein Werbemotiv für eine Internetseite darüber gelegt werden: Was weg ist, ist weg. Und Inhalte denen ich nicht mehr ausgesetzt werde, schockieren mich wieder dann, wenn es darauf ankommt.

Vlog - Bücher fürs Schreiben

Jay Nightwind | 07.06.18 | / | 2 Kommentare

Vlog - Filmen

Der Nachtwind | 01.06.18 | / / | Kommentieren

Done-Liste - Die Rückkehr

Jay Nightwind | 28.05.18 | / | Kommentieren
Letzten Dezember habe ich die Done-Liste vorgestellt.
Eine selbst erbastelte Checkliste, auf der ich überprüfen kann, ob ich fleißig bin. Die Antwort ist sehr erfreulich und einfach: Ja! Ich bin fleißig. Und nicht nur das, ich entwickel mich prächtig. Mit Hilfe der Liste konnte ich mir nachweisen, dass ich produktiv bin und meine Strukturen sich verbessert haben.

Das hat nicht die Liste alleine gemacht. Inzwischen führe ich einen ordentlichen Kalender, setze mir feste Zeiten für Aufgaben am Tag. Damit bin ich sehr glücklich. Oft halte ich diese Zeiten nicht ein, aber genauso oft verschiebe ich dann die Dinge innerhalb der Woche und habe sie dann abschließend trotzdem erledigt. Weil mein Kalender jetzt das Invictus-Gedicht lebt:
I am the master of my fate: I am the captain of my soul.
Die innere Überzeugung, genau diesen Punkt zu erreichen, hat mich angetrieben. Hinter dem Wunsch zu wissen, ob ich fleißig bin, stand ja in Wirklichkeit das Bedürfnis nach Sicherheit. Sicherheit entsteht nunmal für gewöhnlich aus harten Fakten. Jetzt wo ich die Sicherheit habe, dass ich Dinge erledige und genau sehe, welche es sind, kann ich mich freier bewegen. Und nur noch ganz selten denke ich, dass ich faul bin. Dafür denke ich um so öfter, dass ich vielleicht noch hier und da was optimieren kann.

Unser Andy hat mich neulich gelobt, "Du hast ja auch ein gutes Zeitmanagement!". Ja, das habe ich auch gelernt. Und zwar schön mit der Done-Liste. Plötzlich sieht mensch auch ohne in die Küche zu gehen, dass der Haushalt ein paar Tage vernachlässigt wurde. Ich habe eine besseres Gespür dafür, ob ich aktuell zu viel oder zu wenig Zeit auf der Bühne verbringe.

Als Methode kann ich die Done-Liste also empfehlen. Ich für mich optimiere sie jetzt noch weiter, merke das meine Kategorien ein wenig zu unpräzise sind oder meine Aufgaben sich verändert haben. Dieses Überprüfen ist unfassbar wichtig. Nur so bleibt die Methode auch zielführend.

Jetzt interessiert mich aber auch, wie andere sich organisieren, was andere tun, um ihre Aufschieberitis in den Griff zu bekommen? Wer weiß, vielleicht habt ihr ja die heißen Tipps für Andy, der auch ein bißchen neidisch klang, als er mich gelobt hat.

Weststadtstory - Für eine Hand voll Anekdoten

Jay Nightwind | 24.05.18 | / / | 4 Kommentare
Die hier beschriebene Reihenfolge der Ereignisse ist nicht vollständig chronologisch, was im Kern am mittelmäßigen Gedächtnis des Autoren scheitert.



"Das klingt mir alles viel zu kompliziert, du machst das! Es ist Donnerstag, Montag habe ich ein Konzept von dir in meinem Emailpostfach.", so stellt Heinz mich vor die Tür vor der Weststadthalle und jetzt habe ich also scheinbar einen eigenen Poetry Slam, ohne, dass ich das jetzt und so und überhaupt mal geplant hätte.

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Gabriel, irgendwann 2012
Die Dynamik mit Hermann und mir auf Slams war recht einfach. Ich trete auf, wir hängen nicht im Backstage rum und ich beteilige ihn am damals recht üblichen Freibier. Währendessen nehmen wir nichts ernst, machen zynische Anmerkungen zur Moderation, freuen uns aber auch, wenn ein guter Gedanken und ein kluger Scherz dabei sind. In Wirklichkeit nehmen wir aber auch nur für einen Abend später in meiner WG Anlauf, bei dem wir trinken und zocken. Diese Austrahlung hat uns plötzlich zwei weitere Gäste an unserem Tisch beschert.

Gabriel und Tobi sind mit einem Deutschkurs von der Schule da. Tobi knipst schon den ganzen Abend wie ein Berserker mit seiner Kamera, Gabriel war genötigt an dem Slam teilzunehmen. Rückblickend glaube ich, dass sie von Hermann und mir getriggert waren, weil sie das Konzept Bier & Zynismus überzeugte. Als sich herausstellt, dass die Beiden aus Essen sind, wird eine kleine lose Bekanntschaft daraus.

Als feststeht, dass ich einen eigenen Slam organisieren soll, nehme ich meine Erfahrungen aus dem Jugendverband, was dazu führt, dass ich das nicht alleine machen will. Auch wenn es nicht ganz so war, werde ich bis an mein Lebensende behaupten, dass die Rekrutierung von den Jungs so ein Ocean's Eleven Moment war.

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Tobi Katze, Ilja Budnizki und Johannes Floehr fragen mich, ob ich sie verarschen will? Die riesige Halle, die stehend für über 1000 Menschen Platz bietet, ist unser "Backstage". Die drei packen ihre Taschen zur Seite, machten sich darüber lustig und still und heimlich formuliere ich ein erstes Mal, vielleicht nur in meinem Kopf, dass ich irgendwann mal mit dem Slam auf die große Bühne möchte.

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Thomas, 2011
Im Wohnzimmer seiner Mutter hängt ein Bild, wie er mit Sonnenbrille und Pseudomikrofon
irgendjemanden pseudointerviewt. Als ich ihn kennengelernt habe, hat er mich unter seine Flügel genommen. Sonst hätte ich in der Jugendhaus-Clique keine Überlebenschancen gehabt. Dann sind einige Jahre vergangen. Nachdem Thomas mich viele Jahre gepusht hat und ein guter Freund ist, war klar, dass ich dieser Rampensau ohne eigenes Gehege eine Spielwiese geben muss. Gut, dass ich zufälligerweise jetzt diesen Slam hatte. Thomas steigt mit ins Team ein.




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Jay, 201X
Witzigerweise war ich in Hamburg auf dem Zeiseslam von Kampf der Künste. Die Veranstaltungsagentur macht riesige Schiffe von Slams. Ich hatte mich in einem Urlaub in eins der Line-Ups mogeln können. Ich war schon ausgeschieden, als ich auf mein Handy schaute. "Es ist Irrsinn. Wir müssen in der Halle Stühle stellen." - "Jan, wie krass. Es sind so viele Leute da!"
Es ist natürlich beißende Ironie, dass das passiert, als ich nicht da bin. Später wird immer wieder betont, wie krass das war und wie großartig, dass alle Zuschauer geholfen haben, in der Halle noch die Stühle zu stellen.

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Sven Golze lächelt, droht mir trotzdem eine dicke Schelle an. Und das noch während der Film für unser Saisonfinale anläuft. Nach dem Zuschauerrush war klar, dass wir ein dickes Finale in der Halle anbieten wollen. Und das wir das irgendwie ein bißchen anders machen wollen, als andere Slams. Nicht viel. Nur einen Hauch. Am Ende der ersten Saison gab es ein nettes kleines Making-Of, produziert von Stephan Krahwinkel. 
Diesmal haben wir dicker aufgefahren. Auch weil Stephan Lust hatte was richtiges zu drehen und ich bei der WSS die Basis dafür gesehen habe. Entstanden ist unsere Hommage an "Hangover". Inklusive der sanften Täuschung an unserem Publikum und unseren Slammer*innen, dass ich der Einzige vom Team wäre, der fürs Finale da ist.
Als ich auf der Bühne vortäusche, dass ich nochmal das Team anrufe, ist wirklich spürbar Anspannung im Raum. Als der Film beginnt, die Deckung fällt, verändert sich die Luft im Raum spürbar. Ich kann das nicht beschreiben, ich würde heute sagen, es war so, als hätten alle wieder ausgeatmet. Danach hatten wir ein spektakuläres Finale.

An dieser Stelle möchte ich herzlichst Michael Meier und Luigi Aiello danken. Die beiden Veranstalterkollegen haben sofort und mit voller Inbrunst ihre Unterstützung angeboten, wollten Jobs übernehmen und kannten unseren Slam gut genug, dass sie eine große Hilfe gewesen wären. Tut mir leid, dass wir euch angeflunkert haben. Es war aber sehr schön unerwartet diese Solidarität zu spüren.

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Weil wir keine (Sommer-)Pause haben wollen, denken wir uns einen Lehrer-Schüler-Slam aus, die Idee ist großartig und wird nach diesem Beitrag (hoffentlich) geklaut. Schüler*Innen treten gegen ihr eigenes Lehrpersonal in einem Textwettbewerb an. Leider erkennt, trotz Berichterstattung in der Zeitung und Briefe an alle Essener Schulen, keiner das Potential.
Da wir keine Alternative haben, nutzen Thomas und ich die gemeinsamen Pausen im gemeinsamen Job, um uns ein Format auszudenken. Die gemischte Tüte wird in einer geistigen Nacht-und-Nebel-Aktion erfunden und gestaltet. Aus dieser entstehen im Laufe der Jahre zwei Improvisationstheater-Gruppen. Finden wir geil. Hallo Improffesionell!

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Wir wundern uns, dass es diesmal keine Plakate von uns in den Stromkästenflächen der Stadt Essen geben wird. Die Erklärung irritiert uns, auch wenn sie heimlich ein Kompliment an uns ist: Man hat Angst, dass zu viele Zuschauer*Innen kommen und wir welche wegschicken müssen. Daher reduzierte Werbung.

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Na gut. Irgendwie hatten sie ja auch recht. Wir streamen dann mal im Finale das Bühnenbild in den Vorraum. Der Zulauf ist Irrsinn.

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Wir stehen auf der Bühne, es gilt Startplatz Acht aufzurufen. Der Künstler ist nicht erschienen, wir improvisieren. "Ist zufälligerweise jemand im Publikum, der einspringen möchte?" Links im Publikum geht überzeugt eine Hand hoch. Miriam Jagdmann bekommt viel später den Titel unserer "Alpha-Slammerin", nicht ahnend, dass sich irgendwo am Horizont der Slamszene die Slamalphas formieren. Sie ist unsere erste Homeslammerin.

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Zenator Yen, Mukke vom feinsten
Ein Jahr später. Es gilt einen Startplatz aufzurufen. Der Künstler ist nicht aufgetaucht. Wir riskieren es wieder und fragen von der Bühne aus, ob jemand einspringen will. Links im Publikum geht überzeugt eine Hand hoch. Ich bin mir sicher, dass es der selbe Sitzplatz ist wie ein Jahr zuvor. Benjamin Poliak steigt in den Wettbwerb ein, macht einen Text, der viel zu lang ist und muss disqualifiziert werden, weil er keine weiteren Texte im Gepäck hat. 2016 und 2017 wird er deutschsprachiger U20-Meister. Wir sind stolz. Bei uns debütieren ganz schön krasse Leute.

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Im Rahmen eines intensiven Kennenlernens, begleitet mich eine Bekannte zu diversen Slams. Sie hat mit Bühnenliteratur nicht so viel am Hut, schaut sich aber neugierig immer alles an. Als Ruhrgebietsbloggerin hat sie auch einen geschulten Blick auf Veranstaltungen und sie ist bekannt dafür, Trends zu erkennen, bevor sie welche sind. Bei uns kam sie da zu spät, aber als ich laut sage, dass ich gar nicht so ganz verstehe, weshalb wir so anders wahrgenommen werden, hat sie eine These.
Publikum und Fabian F.

Sie sagt, dass auf anderen Großveranstaltungen das Team und die Künstler*Innen hinter einer Wand verschwinden. Im Vorlauf, in der Pause und nach dem Gig, sind alle Durchführenden im Backstage. Wir laufen hingegen mit unseren lächerlich grellen Shirts durchs Publikum, sind ansprechbar und unterstützen alle. Wir weisen auf die kürzeren Toilettenschlangen im Nebenraum hin, machen Scherze mit den Zuschauer*Innen und organisieren noch Kleinkram während der Fahrt. Wir sind nicht besonders krass sage ich heute, wir sind echt, sagt sie damals. Was für uns damals selbstverständlich war, ist heute für mich Mission. Ich möchte Stammzuschauer*innen Hände schütteln und Fragen beantworten. Ich möchte nah sein.

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"Ey, die anderen Slams machen Sommerpausen." - "Geil. Lass das auf keinen Fall auch machen, weil wir Pausen hassen." - "Aber wir hassen Pausen doch gar nicht." - "Schweig, Narr!" Okay. Dann machen wir halt im Sommer Formate, die nicht so ganz Slam sind. Und zwar über die Jahre einen ganzen verrückten Strauß.

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Thomas ist der eher wirtschaftliche Denker von uns. Es wirkt manchmal so, als würde er glauben, Wachstum wäre unendlich. Ich weiß, dass das so nicht ist. Sowohl, dass er das nicht glaubt, aber auch, dass es nicht unendlich ist. Trotzdem redet er mit Feuereifer davon, das Finale noch größer zu machen, den Slam noch größer zu machen. Wenn Essen ca. 500 000 Einwohner*innen hat und jeden Monat etwa 500 davon zu uns kommen, ist das nicht mal ein Prozent. Irgendwann redet er davon, weil es kaum gute Orte gibt, an die wir hinwachsen könnten, dass er in die Gruga-Halle mit dem Slam will. Während wir anderen sagen, dass das unendlich schwer wird, macht Thomas sich auf den Weg in geheimen Netzwerken. Plötzlich haben wir 2017 einen Sommerslam im Musikpavillion des Gruga Parks. Plötzlich ist die GrugaHalle gar nicht mehr so weit weg.



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Während Gabriel einen Fabian rekrutiert, da wir erkennen, dass wir mit der ganzen Arbeit der Videos überfordert sind - Immerhin betreiben wir inzwischen einen der größten Poetry-Slam-Kanäle auf Youtube - spricht uns seit Monaten immer ein Fabian auf unserem Slam an, dass er liebend gerne unser Team ergänzen würde. Plötzlich haben wir ein Medien-Team. Foto, Video, Social Media. Irgendwie machen wir schon lange nicht mehr nur Slam. Sind wir jetzt erwachsen?

Die ganze Truppe, Tommy, Gabriel, Fabian B., Fabian F., Moi, Tobi
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Wir sind stolz aus das, was wir aufgebaut und geleistet haben. Dieser Beitrag hier entsteht. Die einzelnen Momente sind nicht in richtiger Reihenfolge, Jahreszahlen verschwimmen. Lang ist noch nicht alles erzählt.

Vlog: Videospiele und 4X

Der Nachtwind | 09.05.18 | / | Kommentieren

Wenn Andy Strauß das Singen anfängt

Jay Nightwind | 25.04.18 | / / | 1 Kommentar
Eine Review zu einem einmaligen Event.

Meistens gucke ich mir vorher nicht an, was auf dem Programm steht. Ich wusste, dass ich die Lesebühne LMBN sehen werde, im Konzerthaus Dortmund. LMBN sind Andy Strauß, Sebastian 23, Jan-Philipp Zymny, DJ Nachtfalke, Sulaiman Masomi und der Livepainter Artur Fast. Seit einer von mir nicht recherchierten Zahl Jahren zerflexen die Jungs mit Texten, Musik und dazu entstehenden Bildern diverse Städte und Bühnen, der Ruf der sehr guten Qualität eilt massiv voran. Da mir "LMBN anschauen" in meiner Sammlung fehlte und Neugier meine Lieblingsgier ist, saß ich also am 23.04.2018 im Konzerthaus und hatte nur eine grobe Ahnung, was da so auf mich zurollt.

Die Social-Media-Fast-Food-Plattform Instagram informierte mich per Stories, dass es ein Auftritt mit Orchester wird. Fuck! Ich weiß nichts über klassische Musik, nichts über Musik im allgemeinen und strenge seit Monaten immer wieder den selben Witz an: Ich weiß nicht mal, an welchem Ende mensch in die Gitarre reinpusten muss! Okay, ich musste ja nur zuhören und nicht mitspielen.

Trotzdem hatte ich Angst, dass ich möglicherweise nicht verstehe, wenn etwas sehr sehr toll ist. Ich hoffte auf die magische Kraft der Musik. Diesen Moment, wo einfach das transportierte Gefühl jede notwendige Vorkenntnis ersetzt. Das ist wie bei einem Wein: Manche erkennen feine Geschmackslagen, andere sind froh, wenn er ordentlich reinballert.

Nicht nur für mich sollte der Abend ein Experiment werden. Die Show unternahm den Versuch, Ibsens Geschichte des Peer Gynt zu erzählen. Und hier beginnt eine wundervoll verrückte Kette. "Peer Gynt" war als Gedicht geschrieben. Wurde zu einem Bühnenstück. Wurde von zwei Komponisten mit Musik bestückt. Einige der Stücke daraus wurden zum "Atemlos" ihrer Zeit. Jetzt beschloss mensch, auf diese Stücke die Poetry Slammer die Geschichte mit neuen Gedichten, Kurzgeschichten und Nummern neu zu erzählen. Zusammen mit einem digitalen Pixelschieber aus der absoluten Kunst-Champions-League. Wir sind gerade in einer so hohen Etage der Meta-Ebenen angekommen, dass ich von hier mein Haus sehen kann.

Jetzt kommen wir an dieser Stelle an, an der ich nicht so gut bin. Ein Journalist würde jetzt faktisch ein paar Ereignisse des Abends aufzählen. Klar, es gab Gedichte, einen Raptext und Andy Strauß hat - auch zu seiner eigenen Überraschung - sehr toll gesungen, aber so eine Aufzählung wird nicht der gesamten Breite des Ereignisses gerecht.
Nicht aus meiner Sicht, der von einem, der selbst seit vielen Jahren im Wortsport mitspielt. Für mich war es eine Inspiration, die Bestätigung, dass was wir da machen nicht nur eine sympathische studentische Subkultur ist, sondern es möglich ist, mit den Worten größte Kunst zu machen. "Hochkultur!" , würden sie silberhaarigen Hochkulturprofis mit Theaterabo sagen. "Die Essenz!", würde ich sagen. Gänsehaut beim Spiel des Orchesters, gelacht über das Spiel mit den Worten, gestaunt über die Kunst des Malers, gefeiert. Ich habe einfach alles gefeiert. Denn dafür gehen Menschen auf die Bühne, für dieses Spiel, für diesen Flow, für die volle Kraft der Kreativität.

Wisst ihr, was das Unfaire an dieser "Review" ist? Die Show war einmalig und auch so angelegt. Selbst wenn ich euch hier vorschwärme, werdet ihr euch keine zweite Vorstellung angucken können. Also, vielleicht doch. Angebot und Nachfrage gelten natürlich auch in der Kunst. Wenn also jetzt das Konzerthaus mit Anfragen geflutet wird, dann könntet ihr vielleicht Glück haben. Aber selbst wenn nicht, dann ist das hier nicht nur mein Aufruf, dringend zu LMBN zu gehen, sondern auch mein Wunsch, dass ihr offen und neugierig seid. Neugier ist ein fantastische Gier, folgt ihr. Zum Beispiel ins Konzerthaus, wenn ein Orchester, vier Slampoeten, ein DJ und ein Maler aufeinander treffen.

Müll

Jay Nightwind | 23.04.18 | / / / / | Kommentieren

Ich liebe meine Stadt. Und das ist schon Quatsch. Ich liebe nicht meine Stadt, sondern nur die Idee dessen, was ich als diese Stadt verstehe. Ich bin sehr begeistert von dem, an das ich mich gewöhnt habe. Mein Kopf hat ein Schema, eine Ordnung, ein Bild davon angelegt, was ich als "Meine Stadt" begreife. Störungen für ihren Teil, sind so ziemlich das Gegenteil von Ordnung. Normalerweise begeistern mich Auf- und Ausbrüche in Gewohnheiten, da waren aber auch die Gewohnheiten von Anfang an nicht zufriedenstellend.

Wenn ich gefragt werde, dann sage ich, dass meine Stadt schön ist. Ich lebe gerne hier, ich geh viel raus, sie ist grüner als vermutet wird, sie hat viele gute Geheimverstecke, Schleichwege und tolle Orte, die mir regelmäßige alte und neue Momente ins Gedächtnis setzen. Ich kenne mich hier aus, weiß wo es gutes Futter gibt, wie lange die Trinkhallen offen haben und auch sehr gut, wo ich nicht sagen darf, von welcher Fussballtruppe ich Fan bin.

Ich nenne ganz bewusst ihren Namen nicht. Es ist kein Geheimnis, wo ich lebe. Ich glaube aber, dass auch andere solche Beobachtungen in ihren Städten machen können. Lokalpatriotismus ist kein Verbrechen, er kann überall auftauchen und ich glaube, mensch sucht sich das nicht mal selbst aus. Doch, mensch sucht es sich selbst aus, ich denke aber, dass es neben faktischen Gründen weshalb wir unsere Stadt mögen, auch richtig viel "magisch" pathetischen Unsinn gibt, der unser Herz anteilig auf unseren Ort prägt.

Ich habe einen großen Teil meines Lebens in der besseren Version meiner Stadt gelebt. Vielleicht haben aktuelle Diskussionen und moderne Zugänge zu Nachhaltigkeit meine Filter verstellt. Heute wohne ich nicht mehr in der Version der Stadt oder besser des Stadtteils, in den ich mich verliebt habe. Ich habe das Gefühl, mein Stadtteil vermüllt zunehmend.


Eine Stadt in vollkommen ordentlich zu sehen, ist extrem schwierig. Urbanes Leben, die massive Ballung von Menschen, Bedürfnissen und ihren Folgen, das geht nicht ohne Schmutz. Und Schmutz, der braucht viel Infrastruktur. Zum Beispiel Kanalisationen oder halt Müllcontainer. Ich habe den Eindruck, dass die Strukturen gegeben sind. Wöchentlich wird der Müll in unserer Straße abgeholt, überall in der Stadt sehe ich Containerstationen für Papier und Glas. Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Stadt besonders schmutzig sein müsste.



Als Tobi und ich die Runde durch den Stadtteil laufen, werde ich zunehmend frustrierter. Haus- und Sperrmüll an Papiercontainern. Die Stadt hat angefangen dort Aufkleber anzubringen, die erklären sollen, dass Farben, Möbel und Elektrogeräte nicht hier abgelegt werden sollen. Was mir selbstverständlich erscheint, ist es offensichtlich nicht. Als ich einen Freund der nach zugezogen ist von meiner Frustration erzähle, ist er ratlos: "In meiner alten Heimatstadt hat die Abholung von Sperrmüll recht viel Geld gekostet. Pro Kubikmeter." Hier muss mensch vorher nur einen Termin vereinbaren und angeben, was abgeholt werden muss. Die Dienstleistung ist geschenkt.

Ich muss dann an die "Broken Window Theorie" denken, wo ein Viertel fast schon automatisch weiter herunterkommt, wenn es nur kleine optische Mängel aufzeigt. Es scheint zu reichen, dass alle Anfang Januar ihre Tannebäume vor die Haustür legen. Was im Ikea-Werbespot vorgemacht wird, ist dann auch die Lösung für den Alltag. Bis Mitte Februar lagen die Bäume überall im Stadtteil herum.


Ich bin mir sicher, dass die Reinigungskräfte und Entsorgungsexpert*innen schon alles tun, was sie leisten können. So funktioniert das nur nicht. Die Ressourcen sind begrenzt. Wir können nicht unseren Müll einfach vor die Tür hauen, auf die Entsorgungsbetriebe oder die Regierenden der Stadt zeigen und immer wieder fragen: "Warum unternehmen die denn nichts?" Sie unternehmen jede Menge, aber wie sollen sie das alles leisten, was da "anfällt"?
Warum machen die Bürger*innen diese Dinge falsch? Was geht in einem vor, der Bauschutt und ganze Möbel an einem Park&Ride der Deutschen Bahn in die Grünfläche wirft?

Das hat ja dann nichts mehr mit fehlender Information über die Möglichkeiten der Müllentsorgung zu tun. Es gibt einfach einen Punkt, ab dem Menschen auch Absicht zu unterstellen ist. Denn seine alten Küchenfliesen und ein Kochfeld hat mensch nicht im Handgepäck. Das Ganze, zauberhaft anliegend, gegenüber einer Schrebergartensiedlung, welche sich mit hohen Zäunen vor dem Anblick schützt.


Ich bin ja nicht gut mit Ohnmacht. Wenn ich eine Situation nicht verändern kann, dann werde ich kribbelig. Es gibt schon Sachen die ich tue, allerdings nur Kleinkram. Wenn es nicht zu eklig ist und ein Mülleimer in Sichtweite ist, schmeiß ich schon mal Fundstücke von der Straße weg. Stellt mich für fünf Minuten zufrieden, länger nicht, weil ich dann den nächsten Müll kreuze. Jetzt möchte ich mehr tun.

Und Tobi sagt:
Ich muss gestehen, ich war etwas irritiert, als mich Jay fragte, ob ich Lust hätte, Müll fotografieren zu gehen. Sowas wird man nicht oft gefragt.

Wenn man durch die Stadt geht, ist wild umherliegender Müll nichts Außergewöhnliches. Mal liegt ein Taschentuch auf dem Boden, mal liegt eine Flasche im Gebüsch. Das ist ja leider normal. Aber wenn man sich beim Spazierengehen auf Müll fokussiert, dann ist es eine andere Dimension. Man sieht zwangsläufig wesentlich mehr Müll als vorher und man sieht vor allem anderen Müll.
Jetzt muss man dazu sagen, dass Jay seinen Stadtteil kennt und weiß, wo man immer genug Unrat findet. Aber ich war echt fassungslos, was und wie viel wir gefunden haben.



Poolnudeln, Tische, Bauschutt und eine Herdplatte... und das einfach in Gebüsche geschmissen. Ich war stinksauer, als ich das gesehen habe. Aber ich will auch ehrlich sein: Hätte ich mich nicht auf den Müll konzentriert, sondern wäre durch die Gegend gelaufen wie sonst auch immer, wäre es mir vielleicht gar nicht aufgefallen. Gut, außer die Poolnudeln, weil die durch ihre leuchtenden Farben schwer zu übersehen sind. Und das hat mich fast noch mehr frustriert. weil ich mittlerweile so dermaßen abgestumpft bin, was Müll in der Umgebung angeht, dass ich noch nicht mal sowas bemerkt hätte.

Das ist kein Rant- Artikel gegen die Entsorgungsbetriebe, ganz im Gegenteil. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen Betriebe machen eine großartige Arbeit und ich bin ihnen dankbar, dass sie es tun. Das ist eher ein Hassartikel gegen diese rücksichtslosen Arschlöcher, die ihren Müll einfach ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, in der Botanik versenken, statt sie zu Recyclinghöfen und Mülldeponien zu bringen.

Also seid so gut und nehmt euren Müll mit, wenn ihr unterwegs welchen produziert, der nächste Mülleimer ist meist nicht weit weg.
Danke!