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Vlog: Lange Wege wählen und laufen

Der Nachtwind | 19.02.18 | / | Kommentieren

Slam in NRW #010 - Braucht Poetry Slam eigene Berichterstattung?

Es gibt Anglerzeitschriften, Motorsport-TV-Sendungen, Outdoor-Magazine (für Männer. Danke dafür Geo...), Radiosendungen in denen es außschließlich um Gaming geht und Youtube-Kanäle bei denen sich alles ums Thema Film dreht. Die meisten Szenen, Subkulturen und Interessengruppen haben eine eigene Berichterstattung. Das gilt jedoch nicht für die Slam-Szene. Aber brauchen wir überhaupt eigene journalistische Erzeugnisse? Und wenn ja, in welcher Form und mit welchen Inhalten? Genau um diese Fragen geht es in unserer ersten Studioausgabe von Slam in NRW. Interviewgäste sind Jay Nightwind und Marius Hanke alias Zwergriese.


Wenn ihr auch die Gesichter sehen wollt, dann könnt ihr euch das Interview aber auch ungeschnitten auf Youtube ansehen:




Ankündigung:
Auch ihr habt die Möglichkeit, euch an unserem Podcast zu beteiligen. Interviewt Zuschauer*Innen, Slammer*Innen, Veranstalter*Innen. Nehmt eure Ergebnisse als Audiodateien auf (MP3!), schickt sie uns an Nachtwindteam at gmail punkt com und wir bauen, wenn es passt, eure Inhalte ein. Natürlich unter Nennung eurer Namen und den ganzen üblichen Ehrerbietungen.

Content machen ist schwer, oder? Warum eigentlich?

Jay Nightwind | 12.02.18 | / | 6 Kommentare

Als ich in unseren Blog schaue, merke auch ich, dass hier aktuell gar nicht mal so viel los ist. Klar, Daniels coole Kochrreihe läuft, aber daneben ist es still. Wir sind ein großes - ehrenamtliches - Team, einerseits kommt einem da ganz gerne das Leben in die Quere, andererseits sollte es aber doch auch möglich sein, was zu veröffentlichen. Was zu erzählen gibt es doch bestimmt, oder? Immerhin ist Leben live und wenn was live ist, wird schon irgendwas passieren. So sagen es meine Lieblingskanadier von LoadingReadyRun.

Wir leben in den vielleicht am besten dokumentierten Zeiten, nunja, aller Zeiten. Während wir heute unsere Vergangenheit rekonstruieren müssen, in dem wir uns durch die Erde buddeln und Speerspitzen suchen, um einer Vorgeschichte auf die Spur zu kommen, wird in sehr naher Zukunftdiese Arbeit eine Armee von Algorithmen machen, die sich durch das Internet buddeln und Content durchsuchen, um herauszufinden, was relevant ist. Ich finde nur ältere Zahlen dazu, aber sich anzuschauen, wieviel Inhalte in einer Stunde ins Netz geblasen werden, ist nicht nur erstaunlich, sondern wirkt fast schon wie ein Tumor.

So war es zum Beispiel Stand 2013, dass in einer Echtzeitstunde Videomaterial mit einer Gesamtspielzeit von drei Tagen bei Youtube hochgeladen wird. Innerhalb eines Tages in unserer analogen Welt, laden wir also 72 Tage digitale Videowelt ins Netz. Die Absurdität steigt mit jeder weiteren Umrechnungsstufe.
Dabei gleichzeitig nicht ganz uninteressant: Das Internet ist nicht auf der Welt gleich verteilt. Im Juni 2017 sagen die Zahlen, dass erst 51% der Weltbevölkerung das Internet verwenden. Mein Verständnis der Welt sagt mir: Die Dokumentation ändert sich, die Geschichte wird immer noch von den Gewinnern geschrieben. Den wirtschaftlichen Gewinnern. Das sind wir, die weißen Priviligierten in den Industrienationen. Wieviel von der Geschichte der Jetztzeit leider noch gar nicht dokumentiert wird, wissen wir ironischerweise nicht, weil es nicht dokumentiert wird.

Wenn jetzt also die Welt sich fleißig selbst hochlädt den ganzen Tag, weshalb zögern wir dann eigentlich? Eine gute Frage. Vielleicht genau deshalb. Wenn ich mit meinem Eimer Wasser am Fluss stehe, wundere ich mich natürlich auch, warum ich jetzt den Liter auch noch in den schon reißenden Strom schütten sollte? Am Ende ist es ja doch auch nur ein Liter von vielen. Er vermischt sich mit dem Gesamten und verschwindet. So fühlt sich der eigene Content manchmal an. Warum gegen die Tausenden Tweets, Postings, Clips und Texte antreten? Die Chance auf Innovation ist verschwindend gering.

Eigentlich ist das frustrierend. Da verstehe ich dann auch, dass wir uns gar nicht so recht bewegen und nicht unsere Pflichtabgabe pro Stunde ins Netz leisten. Frustration bremst. Wie soll ich mir denn meine Selbstwirksamkeit beweisen, wenn ich gar nicht weiß, ob mein Inhalt jemanden erreicht oder etwas tut. Das ist nämlich die andere Seite dieses Dokumentationsstroms: Wer soll das denn alles konsumieren? Es wird ganz einfach klar: Wenn wir 72 Stunden Material hochladen in einer Stunde, dauert es trotzdem 72 Stunden alles zu gucken.

In meiner Subjektiven Wahrnehmung hat sich die Aufnahme von Medien verändert. Früher waren es mehr Empfänger als Beiträge, heute gibt es mehr Content als Adressaten. Wie also reagieren? Medizinisch betrachtet, haben wir mediale Tumore geschaffen. Gewebe, welches über die vorhandenen Körper hinaus wuchert. Einige Medienprofis reagieren passend. Markus Freise, Medienmacher in Bielefeld, reagiert chirurgisch und schneidet Facebook und Twitter aus seinem Gewebe.

Ein Beitrag geteilt von Markus Freise (@markus.freise) am

Inhalte veröffentlicht er selbst übrigens täglich. In unterschiedlicher Frequenz, in unterschiedlicher Qualität. Er schüttet also selbst fleißig Wasser in den Strom. Ich würde nur sagen, er hat sich eine ganz konkrete Stelle am Fluss gesucht. Die, die zu ihm selbst passt. Ich würde nun aus der Distanz behaupten, dass er auch nur noch soviel Content zu sich nimmt, wie er auch aufnehmen kann und will. Er wird nicht "überflutet". Ganz im Gegenteil, er wirkt meiner Beobachtung nach die meiste Zeit recht inspiriert.

Vielleicht ist das Teil des Problems. Wenn unsere sinnlichen Eingänge so verstopft werden mit all diesen Impulsen, für die wir gar nicht mehr ausreichend Zeit haben sie zu verarbeiten, wie sollen wir dann noch etwas ausarbeiten und ausspeichern? Wieviel Content konsumiert ein Content Creator? Damals sind die Maler*Innen, Musiker*Innen und Poet*Innen spazieren gegangen, waren auf Reisen, sind in Gespräche gestürzt. Heute machen wir das alles auch, nehmen aber auch die gesamte rasante Kommunikation der Welt mit oben drauf.

Das wir diese Kommunikation haben, ist fantastisch. Wir schaffen den Rahmen, um uns allen näher zu sein. Technologisch nähern wir uns an, die Hürden in der Kommunikation werden von mal zu mal geringer. Vermutlich müssen wir nun auch mit der Technologie mitwachsen und lernen diese neue Masse an Impulsen zu verarbeiten. Und wenn wir Dinge verarbeiten wollen, werden wir oft kreativ produktiv. Ironisch: Die Flut der neuen Eindrücke könnte also aus einer Flut der neuen Eindrücke entstanden sein.

Vielleicht wünsche ich mir deshalb auch, dass wir selbst aktiver werden. Ich möchte wissen, wie meine Menschen damit zu recht kommen. Ich kann ja nicht alleine sein mit diesem Problem, also wie zum Teufel packen die anderen das? Scheitern sie auch manchmal am Angebot? Wie gehen sie mit der Lähmung um, selbst nichts mehr produzieren zu können? Wie sollen sie mir das beantworten, ohne selbst etwas erschaffen zu müssen?

Vielleicht ist die Antwort, wie so oft: "Machen." Vielleicht ist die moderne Antwort: "Nachhaltigkeit." Wie kann die in den Medien aussehen? Wie schaffen wir es genau so viel zu produzieren, dass es auch verbraucht werden kann? Und wenn mich all diese Fragen plagen, weshalb ist es mir dann doch so leicht gefallen, diesen Beitrag zu schreiben?

Weil ich ein Ventil öffnen wollte. Weil ich die Gedanken aus meinem Kopf abgeben wollte. Und das sollten wir uns dringend wieder trauen. Statt Sorge zu haben, dass wir gar nicht im Strom auffallen, sollten wir unseren Anteil einfach abgeben, gewähren lassen und abwarten, ob er eine Rolle spielt oder nicht. Eines leistet er in jedem Fall: Wir sind Teil einer der ausführlichsten Dokumentationen der Welt, die jemals bemüht wurde.


Jay Nightwind | 05.02.18 | / / / | 1 Kommentar

Bericht: "Wie süß sind die denn?"

Jay Nightwind | 15.12.17 | / / / | Kommentieren
Jays Sicht:
Als ich mich in die letzte Reihe setze, blinkt wieder die Chronik zu diesem Showabend auf, den ich mir dann gleich angucken würde: Im April 2012 spricht mich auf meiner – noch kleinen niedlichen – Slamveranstaltung in der Weststadthalle eine Studentin an, welche Garderobendienst hatte. Sie würde auch Texte schreiben, hauptsächlich Kolumnen für eine Studentenzeitschrift und das mit dem Poetry Slam, was wir da machen, das würde sie gerne mal ausprobieren. Im nächsten Monat steht sie dann bei unserer Weststadtstory auf der Bühne.

Schwupp! Es vergehen ein paar Jahre, es klingelt in meinem Postfach. Sandra Da Vina war in den Jahren fleißig. So hat sie zwei Bücher geschrieben, tourt inzwischen mit einem Soloprogramm durch Deutschland, taucht in Rundfunk und Fernsehen auf und erntet damit die Früchte ihres Fleißes. Mit dem sie, meiner Einschätzung nach, nie selbst so hausieren gehen würde. Sandra schreibt mir, dass sie mit zwei Bühnenfreunden gerne eine einmalige Lesebühne in Essen machen wollen würde, für einen guten Zweck. Und dafür würde sie eigentlich am liebsten in "mein" Haus, die Weststadthalle.

Ein paar Wochen später ist also einer dieser seltenen Fälle, wo ich als Zuschauer in die Weststadthalle komme. Nach inzwischen Sieben Jahren in der Poetry-Slam- und Bühnenliteratur-Szene habe ich schon vieles gesehen und manchmal, ganz ganz manchmal, sind die Abende zwar sehr schön, können aber nicht mehr aus der Masse der konsumierten Inhalte rausstechen.

Als Handwerker der selben Zunft guckt mensch auch nochmal anders auf so einen Abend. Das Analyse-Tool bleibt dann meist an, es wird nicht nur genossen, sondern auch gemessen.

Jetzt sitze ich also an meinem Rechner und habe das Bedürfnis, von dem Abend zu erzählen. Weil es ein richtig guter Abend war. Einer, von dem Leute halt unbedingt wissen sollten, damit sie neugierig werden, wenn sich so etwas nochmal ankündigt. Damit sie nichts verpassen. Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Abend erleben durfte, nicht nur, weil er handwerklich gut war.

Mein persönlicher Bezug zu Sandra stellt sie natürlich bei mir in einen Fokus, aber ihre beiden Begleiter möchte ich natürlich nicht aussparen: Florian "Flori" Wintels ist ein dekorierter Poetry-Slam-Profi, technisch aus Niedersachsen, schicksalshafterweise aber aus Paderborn. Piet Weber ist natürlich auch Poetry-Slam-Profi mit Meisterschaftserfahrung, kommt aus Berlin und bringt auch den zuvorerwähnten guten Zweck mit.

In einem Satz: Eine Strukturschwache Region im Norden Ghanas wird gestärkt und Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche ermöglicht. Die Hintergründe zu dem unterstützten Projekt findet ihr hier: http://www.africa-action.de/wulugu.html.

Auslöser für die Lesebühne ist dabei auch der Entschluss von Piet Weber, alle seine Gagen aus dem Dezember direkt in das Projekt zu investieren. Er suchte dafür Bühnen und Spielorte, die bereit waren einen Auftritt von ihm quasi gegen eine Spende zu tauschen.
Nachdem also etabliert ist, dass es an diesem Abend nur Gewinner geben könnte, mussten die Drei das aber auch ausfüllen. Zuschauer*Innen wollen trotzdem unterhalten werden, guter Zweck hin oder her.

Unterhaltung heißt halt nicht nur, dass ich den ganzen Abend mir die Locken aus der Frisur schüttel vor Lachen, sondern sogar noch viel eher, dass ich mich wohl fühle. Schon ab dem ersten Moment auf der Bühne, bis zur letzten abschließenden Moderation, gab es nur positive Stimmung zu spüren. Piet, Sandra und Flori standen da nicht als die Profis, die sie sind, sondern lassen mich vermuten, dass da dichte Freundschaften bestehen. Auch wenn viele Segmente dazu eingeladen hätten, hier und da eine Spitze auf jemanden abzufeuern, wurde sich auf der Bühne unterstützt und gefeiert. Wenn Sandra spontan laut gelacht hat, Flori den Piet in einem Spiel als den süßesten Menschen vorstellt, dann hat auch mein Analysetool mir gesagt, dass wir nicht mehr in der Weststadthalle, sondern im Wohnzimmer der Drei sind.

Deshalb wurde an dem Abend zusammen mit dem Publikum gespielt und gesponnen. Mit Lückentexten, Auktionen und Süßig-keits-wettbewerben mit PowerPointStütze. Ich befürchte fast, nicht genau beschreiben zu können, wie sie es gemacht haben, weil dann irgendwann, wenn es schön ist, auch der Handwerker mit Analyseblick sich frei macht und zurücklehnt. Vielleicht hilft der für mich schönste Moment des abends, um zu verstehen:

Als Flori Wintels die Auktion durchführt und moderiert, läuft er richtig heiß. Mit dem Auktionshammer eskaliert er auf dem Tisch auf der Bühne herum, bekommt einen schelmischen Glanz in den Augen und schlägt dann einfach auf das herumliegende Glockenspiel. Er spielt. Also nicht Musik, sondern er lebt sich einfach aus. Das hat Spaß gemacht beim Zuschauen. Und Lust darauf gemacht, auch ein bißchen mit sehr kleinen Hämmern willkürlich auf Dingelchen herum zu hauen. Sandra und Piet sitzen dabei auf dem Sofa, folgen der Auktion, lächeln und lassen Flori einfach seinen Platz. Niemand versucht sich rhetorisch vorzudrängeln, alle sind gleichwertig, ohne das alle gleich sind. Das fand ich super schön.

Und das liest sich vielleicht auch für so einen Nachbericht übermässig pathetisch, vielleicht ist es sogar unverhältnismäßig, aber wenn eine einmalige Lesebühne halt so einen schönen Abend geschaffen hat, dass mir schon in der Pause klar ist, dass ich darüber schreiben möchte, dass ich Leuten davon erzählen möchte, dann hat das eine Bedeutung. Wenn so ein Abend eine bereitsvorhandene Begeisterung für Texte, Bühne und Unterhaltung noch weiter anschieben kann, dann ist das diese ganz große Qualität, die so viele erreichen wollen.

Vielleicht bin ich aber auch massiv voreingenommen, weil ich an dem Abend ein T-Shirt mit Flori Wintels drauf ersteigert habe.


Miriams Sicht:
Dieses Shirt... Nicht gerade mein Highlight des Abends. Aber von vorne: Montagabend ploppt auf meinem Handy eine Nachricht auf: "Kommst du mit?", schreibt mir ein Freund. Mitgeschickt der Link einer Facebook-Veranstaltung. Das Titelbild: Drei lächelnde Menschen, von denen ich genau eine mit Sicherheit identifizieren kann. Sandra Da Vina. Flüchtig bekannt und von mir bewunderte Slammerin aus meiner Heimatstadt Essen. Die anderen Beiden kenne ich höchstens vom Hören-Sagen: Flori Wintels und Piet Weber. Der Titel der Veranstaltung: "Wie süß sind die denn?" Ein kurioser Titel für eine Bühnenshow, denke ich. Ein Format-Titel wie "Lesebühne" oder "Poetry Slam" wäre sicher eindeutiger gewesen, hätte mich aber auch weniger neugierig gemacht

Tatsächlich haben Sandra, Flori und Piet mit so einem schwammigen Titel auch alles richtig gemacht. Denn in klassische Formate lässt sich dieser Abend eben nicht so richtig einordnen. Mit einer guten Mischung aus Texten ohne Wettbewerb, Wettbewerb ohne Texten dafür mit Bildern, Musik und lockeren Publikumsinteraktionen, haben die drei etwas für mich Neues auf die Bühne gebracht.

Etwas Neues in dem vorallem ganz viel Herz steckt. Das schien den gesamten Abend immer wieder durch. Das fängt schon damit an, dass zwei von drei Menschen eine Anreise von über 100 und über 500 Kilometern hatten. Auch, dass die Künstler für den guten Zweck auftraten und selbst keinen finanziellen Vorteil aus dem Abend gezogen haben macht das deutlich. Dazu kommen noch Dinge wie eine eine gute Vorbereitung, die mensch zum Beispiel dadurch bemerkt hat, dass ein Konzept hinter dem Ganzen steht, oder dass sich Gedanken über immer wieder auftauchende Elemente gemacht wurde, wie zum Beispiel einen Voice-Opener.

Dass viel Herz in diesem Abend steckte, zeigte sich aber am deutlichsten durch den Umgang der Künstler untereinander. So konnte mensch spüren, dass die drei den Abend wirklich als gemeinsames Projekt realisiert haben. Anstelle von Einzel-Charakteren, die, jeder für sich, ihre Slots füllen, traten die Drei als Team auf, dem mensch auch abnimmt, dass es tatsächlich eins ist. Obwohl jeder Künstler Zeiträume hatte, in denen er sich individuell präsentieren konnte, herrschte den gesamten Abend eine starke Dynamik zwischen Sandra, Piet und Flori. Als Zuschauer war das echt schön anzusehen. Darüberhinaus schafften es die Künstler den Abend ihren Bock und ihre Energie an das Publikum weitergeleitet. Das gelang nicht nur in den interaktiven Teilen des Abends sondern auch dann, wenn mensch einfach "nur" zuschauen musste.

Einziges Manko dieses Abends: Das T-Shirt mit Flori Wintels drauf, das Jan ersteigert hat. Das ist halt leider mal so überhaupt nicht süß.

Videos: NachtwindLive! vom 24.11.2017

Wir haben es mal wieder gemacht! Wir waren mit unserem Blog live auf der Bühne, haben unser Team und tolle Gäste zusammen geholt, um frischen Content für euch zu produzieren. Ganz nebenbei haben Andy und Jay die Stuntmen-Moderation erfunden, Tobi musste kritischem Druck standhalten, Hanna hat einen ihrer schönen Texte gelesen und auch hinter den Kulissen waren wir im vollen Einsatz.

Als Gäste hatten wir Christina Keilmann, Dramaturgin am KJT mit einem Filmprojekt mit Geflüchteten; Jens Eike Krüger, angehender professioneller Spaziergänger und Musiker und überhaupt alles; darüber hinaus noch Batman, als Daniel Buth, der im Kostüm für den " "Helden für Herzen e.V." einsteht. 

Ob der Einsatz sich gelohnt hat, könnt ihr in diesem ersten Paket Videos, gebündelt als fesche Playlist selbst überprüfen.



In den nächsten Tagen reichen wir auch noch einige der schönen Fotos nachreichen und die Interviews als Podcasts hocharbeiten. Wir wünschen viel Freude! 

Podcast: Interview zur Bundeswehr mit Jay Nightwind

Miriam | 06.12.17 | / / / | 2 Kommentare
Bundeswehr. Lange kannte ich diese Institution nur aus amüsanten Anekdoten meines Vaters oder durch das Gegenteil der Wehrpflichtleistenden, nämlich meine Zivildienst-leistenden Brüder. Soldaten begegnete ich maximal am Bahnhof, wenn diese in ihren Uniformen unterwegs von A nach B waren. Doch seit einiger Zeit kann mensch dem Thema Bundeswehr gar nicht mehr ausweichen. Als Banner am Bahnhof, als Postkarte in der Kneipe oder als Spot vor dem nächsten Youtubevideo - die Werbung dieser Institution begegnet uns inzwischen überall in unserem Alltag. Und in der direkten Konfrontation stelle ich für mich fest: Ich weiß gar nicht wirklich viel über diese sogenannten Streitkräfte, die uns im Ernstfall verteidigen und schützen sollen.

Deshalb habe ich mich mit Jay Nightwind zusammengesetzt, der rund zwei Jahre bei der Bundeswehr gedient hat. Mit ihm habe ich über seine Zeit dort gesprochen. Über Vorurteile, die ihm und seinen Kameraden begegnet sind. Und über seine Zukunftsversion einer Welt, in der die Bundeswehr so wie sie heute besteht, vielleicht gar nicht mehr nötig ist.




Die im Podcast angesprochenen Texte von Jay Nightwind zu den Werbekampangen der Bundeswehr findet ihr hier:
Mach was wirklich zählt 
Bundeswehr aus Youtube abziehen

Die Done-Liste

Jay Nightwind | 04.12.17 | / | 1 Kommentar
Sich produktiv fühlen ist wirklich knifflig. Es gehört leider zum Leben dazu, hier und da mal was zu tun, was bewirkt, dass mensch spürt, an dieser Welt beteiligt zu sein. Das Konzept nennt sich Selbstwirksamkeit und nervt ordentlich rum. Sobald wir auf diesem Planeten als Person realisiert werden, wollen wir auch irgendwie Einfluss haben. Und wenn es nur ist, indem wir als Baby rumschreien. Seit damals, seit wir geschlüpft sind, haben wir dazu gelernt. Wir haben gelernt wahrzunehmen und zu verstehen. Zur Wahrnehmung gibt es im Paket noch ein paar Wahrnehmungsfehler oben drauf.

Bei der Produktivität sieht das häufig so aus: Unser Leben läuft vorwärts, wir gucken zur Seite und sehen, wie krass alle anderen unterwegs sind. Die sind super produktiv. Soziale Medien haben diesen Effekt, diesen Eindruck verschärft. Regelmäßige Statusupdates suggerieren, dass ständig was los ist in unserem Umfeld, während wir an einem Gerät hängen und "nichts" tun.
Jetzt kommen die Logiker*Innen an und argumentieren, dass mensch nie nichts tun kann und überhaupt. Ich weiß ja nicht, wie es euch damit geht, mir hilft dieser pauschalisierende Blickwinkel nur selten. Ich sehe trotzdem, dass alle anderen ständig unterwegs sind, was unternehmen, Videos und Lieder produzieren, im Urlaub sind und so weiter.

Häufig denken wir am Ende einer Woche, dass wir gar nicht so viel geschafft haben. Da spielt uns unsere Psyche einen Streich: Unser Gedächtnis kann sich nicht erledigte Aufgaben besser merken, als erledigte Aufgaben. Das haben kluge Menschen in der Psychologie herausgefunden vor vielen Jahren. Nicht-Erledigtes fühlt sich wie ein Misserfolg an. Misserfolge bleiben also, Erfolge verschwinden.

Klingt für mich nicht gut. Ich möchte meine Erfolge sehen, sie auftürmen und dann darauf trohnen! Na gut, sie zu sehen reicht mir eigentlich schon. Und um das zu leisten, ohne das meine Wahrnehmungsverarbeitung mich austricksen kann, brauche ich ein Werkzeug. Manchmal hat mensch das gute Werkzeug schon im Kasten, aber übersieht, dass es andere Funktionen hat. So bin ich auf einen Verwandten der "To-Do-Liste" gestoßen: Die Done-Liste.


In verschiedenen Kategorien, die ich ganz persönlich wichtig finde für meine Leben, habe ich einzelne Kategorien erstellt auf die ich achten möchte. Dinge die ich mir vorgenommen habe zu lernen oder auch Sachen von denen ich weiß, dass ich sie mal vernachlässige. Außerdem aber auch Sachen, die ich oft unspezifisch tue, die auch produktiv sind für mein Leben, aber durch meine Filter fallen. Sowas wie Haushalt zum Beispiel oder Lesen.

Am Ende jeden Tages halte ich nun also für mich nach, welche der Sachen in der Tabelle ich an diesem Tag gemacht habe. Das soll für mich den Effekt haben, mir nochmal eine Basis zu geben den Tag zu reflektieren. Darüberhinaus sammel ich aber auch quasi Punkte. Der Videospieler in mir liebt das. Nicht nur, dass ich plötzlich anfange visuell zu erkennen, dass ich doch recht effektiv bin, ich kann auch mir einen entspannteren Tag gönnen, wenn ich sehe, wieviel ich die letzten Tage geschafft habe. Außerdem kann ich sehen, ob ich mich vielleicht noch mal verlagern möchte. 

Ein Beispiel: Wenn seit Tagen ich immer Sport mache, das Büro sauber geführt ist (definitiv Beispiel und nicht Realität), aber mich weder kreativ noch sozial ausgetobt habe, zeigt in meinem Fall die Tabelle darauf. "Hey Jan, du hast dich jetzt zwei Tage nicht um dich als Person gekümmert, nehm dir mal diesen Moment." Das produziert Aufmerksamkeit, die modern auch oft als "Achtsamkeit" verbucht wird.

Vorsicht: Der professionelle Pessimist könnte immer noch auf die Lücken gucken und am Ende eines Monats immer noch bescheinigen, was alles nicht passiert ist. Und wir arbeiten ja daran, unseren Optimisten auch zu professionalisieren. Daher ist es wichtig, das Ganze als Prozess und nicht nur Momentaufnahme zu sehen. Denn wenn ich dann über Monate hinweg meine Punktzahlen halten kann oder vielleicht jeden Monat ein bißchen besser werde, dann hat auch der Pessimist nichts mehr zu melden.
Auch-Vorsicht: In einigen Kategorien ist manchmal auch einfach nichts mehr zu tun. Wenn die Hütte schon glänzt und blitzt, dann braucht es keinen Druck, doch noch was zu tun. Dann darf gethront werden. Dann darf das "Ich hab mein Leben gut genug im Griff"-Banner über der Wohnungstür aufgehangen werden.

Fazit:
Ich mag Methoden und probiere das für euch aus. Ich werde hier und da mal ein Update abwerfen im Blog. Wenn ihr das auch testet, bin ich neugierig auf eure Erfahrungen.