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How to Slam: Impulse zum Schreiben von Texten

Jay Nightwind | 19.07.17 | / | 2 Kommentare
Slam ist ein Wachstumsbranche, dementsprechend ist es vollkommen gut und angenehm und vernünftig und schön und überhaupt, dass immer mehr Menschen den Weg auf die Bühne gehen wollen. Dafür braucht es Texte, Ideen und Gedanken; diese müssen dann auch noch in eine Form gegossen sein, mit der menschselbst auch zufrieden ist.

Das ist überhaupt gar nicht so einfach, denn natürlich ist der Anspruch an die eigene Leistung, egal ob an Technik, Inhalt, Performance oder andere magische Werte sehr hoch. Immerhin sind da darußen schon eine Menge Slammer*Innen unterwegs, die alle irgendwie krass sind. Und ständig werden es mehr. Plop! Jetzt gerade ist irgendwo ein heftiger Text entstanden.

Auch wenn der Wettbewerb nur ein aufgesetztes Format ist, um das Publikum in eine Lesung zu integrieren; eine Strategie um einen dramaturgischen Bogen in aneinandergereihte Referate zu bekommen, möchte niemand auf der Bühne schlecht aussehen. Phase 1 kann dabei sein, einen ordentlichen Text zu schreiben. Aber wie geht das?

Das Folgende sind keine Musterlösungen, sondern Impulse. Was für mich funktioniert hat, kann für euch totaler Bullshit sein. Also lest die folgenden Tipps mit nötiger kritischer Betrachtung, überprüft sie auf Sinnhaftigkeit für eure Arbeiten und stellt ruhig Fragen in den Kommentaren. Wir sind alle zum Lernen hier! Stimmt nicht, aber ich unterhalte mich gerne über sowas. Nun aber die Impulse:


Der Text ist nie fertig (und das ist gut so)
Irgendwann hat mensch sein Thema voll gefasst und legt den Stift nieder. Der Text ist fertig. Viele Kunstformen und Prozesse enden mit einem konkreten Produkt. Auch wir haben einen Text, aber eine der wundervollen Eigenschaften vom geschriebenen Wort ist, dass wir später immer noch alles ändern können. Kein Wort muss für immer dort stehen, kein Name so bleiben, keine Passage an ihrem Platz bleiben.

Und das kann unfassbar befreiend sein. Denn nicht immer fallen uns in einer Schreibsitzung alle Wendung, Worte und Techniken so ein, wie wir sie für unseren Text brauchen. Manchmal haben wir sogar noch gar nicht gelernt, was wir brauchen, um unser Werk zu auf die Beine zu stellen, wie unsere Vorstellung es vorgibt. Die Gefahr, dass die erste Version ziemlicher Murks ist, ist allgegenwärtig. Wie schön, dass es ein leichtes ist, eine überarbeitete Version zu schreiben.

Manchmal ertappen wir uns dabei, dass wir dann denken, die erste Arbeit wäre umsonst gewesen. Ich empfinde das anders, spätestens, seit mir eine weiterer Faktor präsent ist:

Hauptsache schreiben
Bühnenkollege Jason Bartsch hat es wundervoll klar formuliert:
"Schreiben ist ein bisschen wie Sport. Wenn man es täglich macht, wird man nicht unbedingt besser, aber es wird leichter." 
Leichtigkeit bzw. Sicherheit ist wichtig für den kreativen Prozess. Straßenknowledge sagt, dass eine Sache, wenn mensch sie Sieben Wochen durchhält, von einem Versuch zur Angewohnheit wird. Jeden Tag zu schreiben garantiert wirklich nicht, dass mensch ein/e begnadete Künstler*In wird und den nächsten Spiegel-Bestseller raushaut. Aber die Hürde sich an den Notizblock zu machen, an der Rechner zu setzen, die wird geringer.

Weil die Seele Schreiben als Angewohnheit aufnimmt. Aus "Puh, was soll ich nur schreiben?" wird dann: "Komm, das machst du ständig." Und dabei ist es fast schon egal, was du schreibst. Wenn du mehrfach die Woche Sport machen gehst, machst du dir nachher ja auch keinen Vorwurf, dass es die "falschen" Sportarten waren. Hauptsache Bewegung. Optimieren kann mensch sich später immer noch.

Hier eine super simple Technik, welche Bühnenkollege Zwergriese mir weitergereicht hat. Nehm dir vor, jeden Tag eine bestimmte Zahl Wörter zu schreiben! Dabei ist es wirklich egal, was du schreibst. Wenn es dir zu leicht wird oder nicht mehr hilfreich anfühlt, erhöhe die Zahl der Wörter. Schreib Rezepte oder auch Tagebuch. Fasse deinen Tag zusammen. Hauptsache die Tinte fließt.

Kreativität entsteht aus Sicherheit
Forscher*Innen haben sich daran abgearbeitet, Phasenmodelle erstellt, aber im Kern folgendes erkannt: Im kreativen Prozess geht es im weitesten Sinne darum ein Problem zu lösen. Dafür müssen wir in bestimmten Techniken, aber auch mit uns selbst sicher fühlen. Das meint keine vollständige umfassende Sicherheit, aber schon für den Moment. Wenn diese Faktoren gegeben sind, probieren wir rum.

In meiner Erzieherausbildung war das Beispiel im Kunstunterricht, eine Person welche Essen kochen muss, aber nicht die passenden Zutaten für ein ihr bekanntes Gericht hatte. Also schafft diese Person einen Überblick, schaut was sie im Haus hat und überlegt was die verschiedenen vorhandenen Zutaten für Eigenschaften haben. Daraus ergibt sich eine Idee, welche Dinge zusammenpassen können.

Beim Schreiben ist es identisch: Wir wollen eine Sache über die Welt sagen, die uns auf der Seele liegt, aber wissen gar nicht, welche Gedanken wir gerade dazu im Haus haben. Also verschaffen wir uns einen Überblick. Dazu überlegen wir, welche Techniken wir schon draufhaben. Lyrik? Rap? Kenne ich bestimmte Wörter, die mir helfen? Was weiß ich über bestimmte Textsorten? Und wenn wir dann wissen, wie unsere Zutaten/Ideen zueinander passen, können wir uns ein Gericht überlegen.

Darüberhinaus kann es für die Sicherheit wichtig sein, seinen Arbeitsplatz einzurichten. Die Person in unserem Kochbeispiel hat die Küche aufgeräumt und alle Arbeitsschritte vorbereitet, weil sie es so am liebsten mochte. Das ist Sicherheit. Wenn ihr also wisst, dass ihr euch beim Schreiben am wohlsten fühlt, wenn ihr euch im Wald versteckt oder auf dem Bett liegt und Klassik hört, dann schafft euch dieses Umfeld.

Vorsicht: Wenn ihr mehr lernt und mehr beherrscht, können sich eure Sicherheiten verändern. Horcht da ein wenig in euch rein.

Austauschen
Wie arbeiten andere? Was kann ich von ihnen lernen? Hat da jemand ein Problem schon gelöst, welches ich nun vor mir habe? Das findet ihr nur heraus, wenn ihr mit anderen Menschen redet und neugierig seid.

Diesen Punkt nutze ich als Überleitung:
Was macht ihr um ins Schreiben zu kommen? Was sind eure Sicherheiten? Was sind eure Tipps, um vorwärts zu kommen?

Gesprächsstoff #002 - Das Essen mit einem Klon

Jay Nightwind | 12.07.17 | / / / | 6 Kommentare
"Angenommen du würdest mit einem exakten Klon deiner selbst zu Abend essen – glaubst du ihr würdet eure Gesellschaft genießen?"

Jan:
Vorne weg: Nein.
Nicht, weil ich irgendwie ein schlimmer Mensch wäre – Ich glaube beobachten zu können, dass ich die meiste Zeit am Tag ziemlich erträglich bin – Sondern weil ich befürchte, dass mir meine eigene Medizin nicht schmecken würde.

Seit einiger Zeit hat sich meine Art zu kommunizieren verändert. Ich bemühe mich viel stärker, empathisch zu sein. Das bedeutet die eigene Meinung in den Hintergrund zu stellen und sich auf die Gefühlslage und die Gedanken seines gegenüber einzulassen. Dabei hilft es nicht, Ratschläge zu geben und Anekdoten zu erzählen, am besten geht es, wenn mensch offene Fragen stellt, die das Gegenüber auch zur Auseinandersetzung mit sich selbst bringen.

So gut das ganze aber auch gemacht und gemeint sein mag, bekomme ich immer mal wieder das – freundschaftlich vorgetragene – Feedback, dass mein Gegenüber ausrastet, wenn ich jetzt noch eine Frage stelle. Das hinterlässt mich oft etwas ohnmächtig. Wenn ich nun am Tisch mir selbst gegenüber sitzen würde, wäre ich ebenfalls der Mauer aus Fragen ausgeliefert, während ich vermutlich selbst auch versuchen würde, per Fragen empathisch das Gespräch zu führen. Natürlich ist Interesse gut, aber wenn wir uns Beide dann nichts Erzählerisches anbieten können, verschiebt sich alles in ein schiefes und seltsames Verhör.

Dazu würde es auch sehr von meiner Tagesbestform abhängen. Denn ich habe immer mal wieder Phasen, in denen ich mich selbst überhaupt nicht ausstehen kann. Es ist mir dann unverständlich, wie Menschen mich mögen oder vielleicht sogar lieben können. Meine Eigenschaften und Launen empfinde ich dann als störend und bemühe mich darum, den größtmöglichen Abstand zu meinem Umfeld einzuhalten, weil ich Angst habe, etwas Verletztendes zu sagen oder aufrichtig von ganzem Herzen panne zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass an so einem Tag ein Treffen mit meinem exakten Klon gut ausgehen würde, selbst wenn er bessere Laune als ich hätte. Klar, er würde mir empathisch zu hören, aber ob ich mich darauf dann einlassen könnte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Vermutlich fände ich es aber dann deshalb trotzdem sehr spannend, mit mir am Tisch zu sitzen: Ich würde gerne mal unter realen Bedingungen sehen, ob ich mich selbst aus diesen Launen und Phasen herausziehen kann.

Malte:
Ich glaube, ein Abendessen mit einem mir völlig identischen Klon wäre unfassbar langweilig. Ich bin ein Mensch, der es sehr zu schätzen weiß, sich anschweigen zu können, ohne dass es unangenehm wird.

Ein Abendessen zwischen zwei Maltes würde also so aussehen, dass wir schweigend unser Essen vertilgen, danach vielleicht noch gemeinsam etwas zocken und dabei weiterhin einfach die Klappe halten. Es fällt mir manchmal sehr schwer, aus eigenem Antrieb von meinem Tag zu berichten, wenn nicht irgendein besonderes Stichwort gegeben wird. Wäre mein gegenüber ich selber, würde dieses Stichwort allerdings nicht kommen. Die Wahrscheinlichkeit, große Erkenntnisse über mich selbst zu erlangen, schätze ich also als sehr gering ein.

Konfliktpotential würde es höchstens dabei geben, dass wir nicht Beide den selben Charakter bei Mario Kart auswählen könnten und irgendeiner von uns würde sich enorm aufregen, mal nicht zu gewinnen. Vielleicht wäre es also eine ziemlich blöde Idee, nach dem Essen noch gemeinsam vor der Konsole zu hocken, auch wenn das Unterhaltungspotential für andere Menschen nur so auf ein erträgliches Level gehoben werden würde.

Konkret gesagt: Würde ich so einen Abend genießen? Ich glaube, es wäre mir egal, ob ich alleine oder mit einem zweiten Ich im Zimmer wäre. Genuss würde da nicht aufkommen. Dazu sind mir ein paar Unterschiede im zwischenmenschlichen Kontakt einfach zu wichtig.


Tobi:
Kommt drauf an, was es zu Essen gibt ;-)

Nein, keine Ahnung. Ich kann natürlich nur mutmaßen. Allerdings bin ich zwiegespalten.

Auf der einen Seite glaube ich, dass es angenehm ist mit jemandem unterwegs zu sein, bei dem ich kein schlechtes Gewissen haben muss, dass ich zu viel von meiner Arbeit und der Bahn rede.

Auf der anderen Seite: Wenn ich mit meinem Klon rede (also mit mir selbst), dann weiß ich das ja schon alles und kann mir nichts Neues erzählen.
Und wer mich kennt weiß: Ich bin unfassbar schlecht was Smalltalk angeht. Dieses unangenehme Schweigen passiert mir jetzt schon zu oft. Kaum vorzustellen wie es wäre, wenn ich dann mit mir reden müsste.

Es würde wohl so enden, dass wir beide uns so lange Bier reinschrauben, bis wir Beide voll sind, wie ein Schwamm. Dann könnte es wohl ganz lustig sein, auch wenn ich mich spätestens am nächsten Morgen schlecht fühle, weil ich so viel getrunken habe und bestimmt wieder irgendeine Scheiße gebaut habe. Und sei es nur, dass ich noch lauter rede, als so schon.
Oder, was auch gut sein könnte, dass wir Beide uns einfach aufs Sofa klatschen und beim genüsslichen Bier entspannt eine Runde Reggae hören.

Ergo: So lange nicht geredet wird, ist's bestimmt ganz nett. Aber kein Vergleich zum Essengehen mit Leuten, die ich wirklich gern habe. Wie etwa dem restlichen Team des Blogs ( <3 )

Andy:
Ehrlich gesagt, glaube ich: ja. Ich müsste mir keine Gedanken machen, ob es meinem Gegenüber tatsächlich schmeckt oder er sich wegen etwas unwohl fühlt.

Außerdem wäre es fürchterlich interessant mich selbst dabei zu beobachten, wie ich esse oder mich im Gespräch verhalte. Wie ist meine Gestik? Wie meine Mimik?

Und das heißt mein Klon würde das genau so sehr genießen wie ich und niemand müsste ein schlechtes Gewissen haben. Außerdem wäre das eine perfekte Möglichkeit ein paar Punkte auszudiskutieren, bei dennen ich mir noch nicht sicher bin. Ich sehe meistens beide Seiten der Medalien und so eine Diskussion wäre bestimmt hilfreich um ein paar Dinge einmal richtig zu durchdenken. Ich habe gerade darüber nachgedacht, ob das ein guter Podcast wäre, aber wahrscheinlich würden wir so schnell reden, das niemand anders etwas verstehen würde. Wahrscheinlich würden wir uns irgendwann auch im Kreis drehen. Ich brauche in Diskussionen auch eine andere Sichtweise und neuen Input, in zu einem wirklich validen Ergebnis zu kommen.


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"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.

Sandwich #001 - Das Basic

Jay Nightwind | 10.07.17 | / | 5 Kommentare


Die Legende ist einfach. Der Earl von Sandwich hat keine Zeit zum Essen, also lässt er sich seine Mahlzeit zwischen zwei Brotscheiben legen. Damals irgendein Rinderfilet. Gut, dass es an diesem Tag keine Suppe geben sollte.
Unabhängig von der Legende, gibt es aber einen feststehenden historischen Fakt: Ich habe keine Ahnung vom Kochen und Ernährung. Das hält mich aber nicht auf. Besonders hat es mir das Sandwich angetan, da es aus meiner Sicht eine Universalwaffe ist. Sandwich geht immer und gut. Sandwich kann Reste verwerten. Sandwich schläft nie. Sandwich ist für dich da, wenn du müde und betrunken bist. Sandwich kann süß, deftig, scharf und sogar auch crazy. Und alles gleichzeitig.

Foodblog hatten wir bisher auf dieser Seite noch nicht und ich habe wirklich keine Ahnung. Wer kluge Rezepte und Ideen haben will, sollte sich vermutlich woanders umgucken. Chefkoch.de, das Darknet für Lebensmittel ist da ein guter Anlaufpunkt. Wer weiter hier mitliest: Viel Glück, wenn ihr mit mir gemeinsam in die Tiefen der Sandwich-Technologie einsteigt, begonnen auf experimentellem Sandkasten-Niveau.

Okay, genug die Erwartungen nach unten geschraubt. Tatsächlich habe ich mir ein wenig Gedanken gemacht und sowas wie einen Plan entwickelt. Im Rahmen dieses Plans, ist unser erstes Sandwich das "Basic". Es ist so Standard, dass ich keine Zutat konkret benennen muss, sondern meine persönlichen Sandwich-Fachbegriffe einführe. Keine Sorge, alles bleibt sehr bodenständig und einfach, quasi "basic".

Sandwiches stellen sich aus verschiedenen Ebenen zusammen, was eine ihrer größten Stärken ist. Denn beim beherzten vollständigen Biss oder - für die eleganten Kniggerianer*Innen unter uns - dem abgeschnittenen Eckchen, kommen im Mund alle Zutaten gleichzeitig an. Der Architektur der Futterluke ist es aber geschuldet, dass wir nicht alles gleichzeitig schmecken. Beim Kauen kombinieren sich immer wieder unterschiedlich unsere Zutaten. Jeder Bissen ist anders. Das soll mir ein Schnitzel mit Bratkartoffeln mal vormachen.
Dazu kommen die unterschiedlichen Konsistenzen und Oberflächenbeschaffenheiten der Zutaten, welche auch taktil, also in der Berührung, unsere Sinne reizen. Ein gutes Sandwich bietet einen weiteren Erlebnishorizont, als jedes Andreas-Bourani-Album. Da ist auch viel mehr los im eigenen Kopf, wenn mensch ein Sandwich in sich aufnimmt.

Fundament
Am unteren und oberen Ende, so gebietet es die Tradition, aber auch die Architektur des Sandwiches, befinden sich die Fundamente. Fundamentale Fundament-Fundamentalisten schwören hier auf entkrustetes Weißbrot, welches zart angetoastet ist, aber modernere Übersetzungen des Konzeptes erlauben alles, was Halt gibt. Nicht nur seelisch, sondern auch den Zutaten, die da zwischen gehalten werden sollen. Wer gerne einen Kickflip auf seinem Sandwich machen möchte, sollte darauf achten, dass sowohl Boden als auch Dach der Konstruktion fest und griffig sind. Daher haben sich Backwaren wohl durchgesetzt. "Teig, der Zement des Kochs." Oder so.
Bei U-Boot-Sandwichen, also einem Sandwich, welches im Baguette zubereitet wird (Da Baguettes nur unter Wasser auftreten?), gilt das Baguette als Fundament. Warum sich eine Kette die U-Boot-Sandwiche verkauft, nach der U-Bahn benannt hat, ist historisch nicht überliefert und vielleicht einfach nur ein bisschen dumm.


Mörtel
Klar, wenn wir beim Brot vom Fundament sprechen, dann müssen wir bei Saucen und Aufstrichen vom Mörtel sprechen. "Mörtel aufs Brot" klingt komisch, schmeckt aber fantastisch und ohne geht es kaum.Von der klassischen Brotzeit-Entscheidung, mit Butter oder Margarine zu arbeiten, über Frischkäse, bis hin zu selbst gebrauten alchemistischen Erzeugnissen wie hauseigener Sauce, ist hier ebenfalls alles erlaubt.
Bis auf echten Mörtel. Auch wenn er im Ruf steht, für immer satt zu machen, wir wollen zwar kleben, aber nur Brot und Zutaten aneinander.
Außerdem hat unser Mörtel nicht die Aufgabe, satt zu machen. Es handelt sich um eine flexible Schicht, die sowohl Stabilität bieten kann, bestehende Geschmäcker des Sandwiches unterstützen oder kritisieren kann. Da im Sandwich Mörtel häufig zweimal zum Einsatz kommt, können diese Schichten sogar in allen denkbaren Verhältnissen zueinander stehen, in dem wir zwei verschiedene Mörtel verwenden. Wie eine neue Figur in einer Soap-Opera, nur halt deutlich authentischer.

Plot
Wann immer eine Geschichte interessant wird, hat das mit dem Plot zu tun! Wann immer eine Geschichte nicht mehr plausibel ist, hat das mit einem Loch im Plot zu tun! Kein Belag auf einem Sandwich? Die Dramaturgie funktioniert nicht mehr! Die Reise des Helden fällt aus, weil kein Widerstand, kein Konflikt, kein Held, keine Handlung da ist.
Für Mörtel und Fundament tut es mir leid, aber auch schon bei der Schöpfung des Sandwiches waren diese nur Statisten. Und ganz im Ernst: Entkrustetes Weißbrot wird nie einen Academy Award für die beste unterstützende Rolle bekommen. Aber ein guter Belag? Bacon zum Beispiel - Kevin Bacon, hat einen Golden Globe! Was für ein Belag!
Der Plot eines Sandwiches kann alles sein, außer Fundement und Mörtel. Sonst könnte ja alles alles sein und das wird mir hier dann viel zu philosophisch. Besonders wichtig für den Plot sollte aber sein, dass er auch aus eigener Kraft im Mittelpunkt stehen kann. Er hat Charisma, Ausstrahlung und Geschmack. Hach, Geschmack. Stellt euch bitte einmal hin und sagt laut: "Geschmack!" Direkt werdet ihr vor dem geistigen Auge haben, was auf eurem Sandwich liegen sollte.

Ein Beispiel. Fundament: Angeröstetes Toastbrot, Mörtel: Kräuterfrischkäse, Plot: Spiegelei und Bacon, Herausforderung: Gebratene Pilze, Schmuck: Eisbergsalat


Mit Fundament, Mörtel und Plot könnt ihr schon wirklich ein solides Sandwich bauen. Bis jetzt ist das Sandwich aber noch nicht ausreichend von dem Butterbrot, der Bemme, der Knifte, der Stulle oder der Donge -kein Scherz- zu unterscheiden. Dafür braucht es mehr.

Herausfordung
Es war still in Sandwich-County. Es hatte sich herum gesprochen, das Sheriff Plot ein unfassbar guter Schütze war und mit seiner geschmacklichen eisernen Hand nicht nur für Ordnung im Brot gesorgt hatte. Das Leben in Sandwich-County wurde alltäglich und langweilig, es kam kaum mehr zu Aufregung. Es lebten gute Zutaten hier, aber seit sie sich nicht mehr beweisen brauchten, wirkten sie fad. Doch eines Tages kam eine Unruhe zwischen den Brotscheiben auf. Tasty McTasteface war auf dem Weg und er wollte den Sheriff in einem Duell in seine Schranken weisen. Aufgeregt hibbelten alle Zutaten auf und ab. Endlich kam wieder Schwung in die Hütte.
Ein gutes Sandwich braucht keine Herausforderung. Herausforderungen sind ein Gegenspieler, eine Aufgabe für den Plot, dabei dem Plot zum Verwechseln ähnlich. Eine Herausforderung ist selbst ein starker Belag, der auch alleine seine geschmackliche Berechtigung hätte. Und wenn solche Schwergewichte aufeinander treffen, muss die Hierachie neu ausdiskutiert werden. Am besten im eigenen Mund und in mehreren bissigen Runden.


Schmuck

Es geht alles um das Bling Bling und Ching Ching! Das ist im Sandwich-Game nicht anders, als in jeder anderen Kunstform der Pop-Kultur. Es ist eines wenn du Talent hast, aber wenn du dabei klug, gut, attraktiv, krass und selbstbewusst aussiehst, multipliziert das die anderen Eindrücke. Wir wollen ja hier auch nicht nur Brote schmieren, zwischen durch soll ein bißchen Magie passieren. Magie erkennt mensch ja auch am besten am Glitzer. Unser Glitzer sind Kräuter, Gewürze, kleine Handgriffe. Es gilt dabei häufig: "Weniger ist mehr.", sonst kann der Schmuck auch schnell zur Herausforderung werden.
Das ist nicht schlimm, müssen wir aber im Blick haben. Wenn nämlich zu viel auf unserem Sandwich los ist, dann verpassen wir vielleicht etwas. Unerfreulich, wenn mensch dann für 40€ echte handgeschöpftes rotes Hawaiisalz (vgl. Tobi Katze) kauft, mit dem während des ganzen Transportes zum lokalen Gewürzfeinhandel wertschätzend gesprochen wurde, nur damit es dann entweder von einem unmotivierten Käse aus dem Discounter ausgeschaltet wird oder auch schade, wenn wir uns beim Biss ins Sandwich vorkommen, als hätten wir vom hawaiianischen Strand genascht.


Fundament, Mörtel, Plot, Herausforderung und Schmuck sind meine Fachbegriffe für die Sandwiches. Was fehlt? Was sind eure Favoriten? Schreibt es ruhig in die Kommentare!

So Freund*Innen, jetzt haben wir doch eine ordentliche Grundlage um uns in Zukunft hier im Blog mal ordentlich über Sandwiches zu unterhalten.

Podcast: Slam in NRW #008

Jay Nightwind | 04.07.17 | / / / | Kommentieren
Hey! Wir sind zurück! Slam in NRW ist wieder da. Der Podcast für alle, die sich für Slam in NRW interessieren. Ist einer dieser effektiven Projektnamen, keine hohe Kunst. Dafür geht es um hohe Kunst, Bühnenliteratur, vor, auf, unter, über, neben der Bühne. Heute mit Christofer mit f, Jonas Hellmich, Marina Falke und einigen weiteren.



Ankündigung:
Ihr sollt auch die Möglichkeit bekommen, euch an unserem Podcast zu beteiligen. Daher geht gerne daraus, interviewt Zuschauer*Innen, Slammer*Innen, Veranstalter*Innen und arbeitet heraus, was ihr für Slam in NRW wichtig findet. Nehmt eure Ergebnisse als Audiodateien auf (MP3!), schickt sie uns an Nachtwindteam at gmail punkt com und wir bauen, wenn es passt, eure Inhalte ein. Natürlich unter Nennung eurer Namen und den ganzen üblichen Ehrerbietungen.

Einsendeschluss ist für dieses Mal der 23.07.2017.

Wir freuen uns auf eure Inhalte!

Nachtwind Live@EMO - SofaGamingSpecial

Unser Team besteht aus Zockern. Ob Konsole, PC oder Brettspiele: Hauptsache, es macht Spaß. Und deswegen haben wir uns nicht lumpen lassen und ein innerhalb unseres experimentellen Nachtwind Live-Formats ein Gaming Special organisiert. Es konnte nicht nur gedaddelt werden, nein es sind natürlich auch Dinge auf der Bühne passiert. Auch bei diesem Event sind wir unserer Idee live Content für den Blog zu produzieren treu geblieben und haben Fotos gemacht, Videos aufgenommen und Tonaufnahmen mitgeschnitten. Man munkelt, dass wohl auch eine "Behind the Sceene" Kamera aktiv war.


Impressionen: Neben dem Bühnenprogramm gab es
jederzeit die Möglichkeit frei an verschiedenen
Spielstationen zu zocken und andere Gäster herauszufordern.


 Die gesamten Fotos des Events findet ihr hier.

Unser Freund David Grashoff ist Zocker, Nerd, Comedian, Poetry Slammer, Familienvater und unzähliges mehr. Trotzdem hat er die Zeit gefunden eine Runde bei uns zu zocken und ein paar Geschichten zum Besten zu geben. 



Unseren Podcast über künstliche Intelligenz haben ja schon vor einiger Zeit veröffentlicht.


Den krönenden Abschluss des Abends machte sixteen-817 mit einem kleinen Chiptune Set.


Insgesamt hatten wir ziemlich viel Spaß an dem Abend. Wir möchten an dieser Stelle allen Gästen und dem Publikum nochmal ganz herzlich für diesen entspannten Abend rund ums Zocken danken.

Slam-Text: Ja, sicher!

Jay Nightwind | 01.07.17 | | Kommentieren
Bevor ich anfange, muss ich ankündigen, dass sich Taschendiebe im Publikum befinden.

Sicherheit schafft Sicherheit schafft Sicherheit schafft Sicherheit schafft Sicherheit schafft,
Ja sicher.

Ja, sicher, öffne ich auch meinen Rucksack. Ja, sicher, lege ich alles was sich darin befindet vor ihnen auf dem Boden aus. Ja, sicher, mein Ausweis ist abgelaufen. Ja, sicher weiß ich, dass ich einen neuen beantragen muss. Ja, sicher, ich öffne auch gerne meine Geldbörse.

Ja, sicher, ich verstehe, dass es eine allgemeine Personenkontrolle ist. Aber wenn ich der Einzige hier bin, der hier kontrolliert wird, wirkt es gar nicht so allgemein sondern ziemlich spezifisch. Vorallem, wenn ich bedenke, dass es nicht heute diese eine, sondern seit Juni 2016 schon mehrere Kontrollen waren. Ja sicher, bei den ersten Dreien habe ich noch Verständnis gehabt. Bei den nächsten habe ich fest beschlossen, nicht mehr die eine Farbe zu tragen, wenn Fussball in der verfeindeten Farbe in der Stadt ist. Bei unseren nächsten Treffen dachte ich mir:

Ja, sicher, es gibt Vorurteile zu bekämpfen. Den Kontrollierenden haftet der Ruf an, Menschen mit Zuwanderungshintergrund, also Menschen mit dunklerer Hautfarbe, also gefühlte Ausländer, zu bevorzugen, also, mit Kontrollen. Wenn jetzt also ich kontrolliert werde, dann ist das doch ein klares Zeichen. "Hier! Schaut her! In Zeiten von Flüchtlingsdebatten und Kritik an polizeilicher Schikane an Ausländern, schikanieren wir jetzt auch Deutsche. DAS ist Gerechtigkeit!"

Ja, sicher, subjektiv ist das gerecht, wenn jeder und jede kontrolliert werden könnte. Aber wenn es dich dann am Ende inzwischen 32 mal erwischt hat, wenn du bei deinen Bahnfahrten an bestimmten Bahnhöfen schon eine Kontrolle einplanst, wenn dir im Dortmunder Hauptbahnhof – kein Scherz – ein Polizist zu winkt, weil er dich wiedererkannt hat, dann fühlt sich das weder gerecht noch sicher an. Das fühlt sich spezifisch und zielgerichtet an.

Ja, sicher, ich meide inzwischen die Polizei. Ich gucke weg. Ich laufe schnell. Ich höre weg, wenn sie mich ansprechen. Ja, sicher, genau so sieht dann auch jemand aus, der verdächtig ist. "Verdächtig" und "Verängstigt" sehen für die Polizei einfach gleich aus. Ich gucke weg. Ich laufe schnell. Inzwischen schaue ich auch wütend zur Polizei, zu Sicherheitsleuten. Sie sind schuld, dass ich mich nicht mehr unschuldig fühle. Weil ich schuldig aussehe, während ich unschuldig bin.

Aber,
Sicherheit schafft Sicherheit schafft Sicherheit schafft Sicherheit schafft Sicherheit schafft Sicherheit

Mit einem Polizisten in Köln bin ich privat ins Gespräch geraten, was übrigens viel angenehmer ist als in einer Kontrolle. Er hat mir erzählt, dass die Durchsage an Bahnhöfen auch häufig gemacht wird, um das Bewußtsein der Leute zu schärfen. Häufig gab es tagelang keinen Taschendiebstahl. Aber die häufige Durchsage zeigt ja an, dass gerade jemand hinguckt. Moral entsteht dann, wenn jemand zuschaut. Und dadurch entsteht Sicherheit, weil Taschendiebe sich nicht mehr trauen, etwas zu stehlen, weil sie ja beobachtet werden. So der Plan.

Kennt ihr den Drei-Punkte-Check? Handy, Schlüssel, Geldbörse? Wer von euch hat nach geguckt, als ich am Anfang gesagt habe, es wären Taschendiebe im Raum? Und wer hat sich sofort sicherer gefühlt, weil er wusste, dass eine Autorität hinschaut? Und wer hat einen Nebenmenschen angeschaut und sich gefragt, ob er oder sie vielleicht auch ein Dieb sein könnte?

Sicherheit schafft nicht Sicherheit, Vertrauen schafft Sicherheit.

Kurzgeschichten: Die Hölle

Jay Nightwind | 26.06.17 | / | 2 Kommentare
Die Geschäfte liefen nicht gut. Er wollte es ungern zugeben, aber das es die Konkurenz mit abnehmenden Konsumenten und Abonennten zu kämpfen hatte, schadete auch seinen Plänen. Der Teufel rieb sich die Müdigkeit aus den Augen über die Stirn in die Hörner. Er war resigniert. Es war ja nicht mal so, als gäbe es einen greifbaren Feind. Da war es früher einfacher: Gott dachte sich extra ein paar ordentliche Spielregeln aus und brauchte nur seine Leute in den Außendienst schicken, diese Regeln dann nach allen Regeln zu brechen. Heute konnte er selbst nicht mal mehr über diesen Wortwitz schmunzeln. Heute glauben die Menschen nicht mal mehr so wirklich an Gott. Konnte ja aber auch keiner ahnen, dass diese verfluchten Menschen die Aufklärung und liberales Denken entwickeln. Damals dachte der Teufel, dass ihm das in die Karten spielt. Verflixtes Potential der Menschen, haben sie selbst die Zerstörung des Himmelreiches herbei geführt.

Das Kerngeschäft, die Sünde, funktionierte halt nur so, wenn sie als solche angesehen wurde. Aber wenn auf einmal die schlechten Methoden in der Moral als gute Methoden der freien Marktwirtschaft angesehen wurden, erkannt der Teufel selbst, dass sein eigene Erfindung ihn überholt hatte. Damals war er so stolz. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung präsentierte ihm vor weit mehr als 1000 Jahren ihre neuste Entwicklung. "Wir nennen es den Kapitalismus. Er wird den Menschen den Eindruck geben, Macht zu haben, aber in Wirklichkeit geht es hauptsächlich um Gier und Völlerei." Es war so ein einfaches Konzept. So genial. Teuflisch, so zu sagen.

Um seinen Kopf frei zu kriegen, beschloss der Teufel, durch seine Hallen zu wandern und mit seinen Untertanen in Kontakt zu kommen. Er verließ sein Büro, ging den kalten Gang entlang. Zu erst war es die Aufklärung, die Menschen fanden neue Möglichkeiten, Alternativen zum Glauben. Heute waren die Feinde diffuse Subkulturen, die ihm entgegen arbeiteten. Hipster, die nachhaltig bedacht und sparsam, bescheiden und begeistert Dinge selbst herstellten, sich mit ihrer Umwelt auseinander setzten. Ganz schreckliche Leute.

Als er die Tür zu seinem Festsaal aufstieß, ereilte ihn eine kleine Erleichterung. Auch wenn das Kerngeschäft nicht gut lief, hierauf konnte er sich verlassen. Die Symphonie der hassenden und wütenden Qualen, ein Streicherkonzert, gespielt auf weinenden Kindern. Die Gleichgültigkeit erwärmte dem Teufel das Herz. Selbst seine Handlanger ergaben sich dem Totentanz, waren frei von jeglicher Ambition, stumpfe Routinen hatten die Plätze eingenommen, an denen früher einmal bewegte Seelen lebten. Es war die Vollendung seines Werkes, es war das vollkommenste aller Fegefeuer und es hatte eine der schrecklichsten Eigenschaften, um die Menschen zu verführen: Es war subtil.

Eine Lidl-Filiale am Hauptbahnhof, die am Wochenende und an Feiertagen geöffnet hat. Jeder wusste, dass es nicht klug ist, dort hin zu gehen, trotzdem waren die Gänge immer voll. Die Verlockung besiegte die Vernunft. Die Menschen erkannten die Sünde am Eingangsschild, aber trotzdem kamen sie hier her. Ein wenig musste der Teufel lächeln. Er war auf seine eigene Idee hereingefallen. Durch seine viele Kundschaft, verlor er seine Gefolgschaft. Wo einst in ihm ein bewegter Seelenräuber lebte, nahmen Geschäftsbilanzen und Babykotze in Gang drei den Platz.

Warum spiele ich eigentlich immer noch Fifa 14?

Jay Nightwind | 22.06.17 | / | Kommentieren
Es ist die Saison 2025/2026 in der ersten Bundesliga. Das Transferfenster ist gerade
vorbei und bis auf einen Mittelfeldspieler, den ich noch aus meiner Zeit als Trainer in Monaco kenne, habe ich kaum Veränderungen vorgenommen. Das war auch für mich neu. Für gewöhnlich gab es keine Sicherheit in meinem Kader, wer 25 war und keine absolute Granate war wurde aussortiert. In meinen Aufstellungen herrscht Jugendwahn.

Spieler mit großen Namen gibt es schon länger nicht mehr. Leon Goretzka denkt laut der Presse im Spiel darüber nach, seinen Vertrag auslaufen zu lassen und sich zur Ruhe zu setzen. Kann er direkt in Italien bleiben und sich ein schönes Haus kaufen. Die Spieler der Mannschaften haben in den Menüs schon ein Weilchen keine Bilder mehr, einige die heute als Talente durch die Kader der Mannschaften huschen und sehr jung sind, treten jetzt als Veteranen auf. Die neuen Helden des Volksopiums in Europa haben ihre Namen aus einem sehr wechselhaften Zufallsgenerator. Pablo Jesus Rosa, Florian Dijks, Eduardo Zacarias, Akahito Kuriko empfinde ich als plausible Namen, als ich im Jugendkader den Sechszehnjährigen Zhi Gin Brosinski entdecke, verpflichte ich ihn nur wegen diesem poetischen Namen. In England ist mir natürlich auch vom Algorythmus James Bond hingeworfen worden, der leider wenig Talent für Fussball hat.

Vier Saisons lang war ich selbst als Spieler unterwegs, treu im Dienste von Atletico Bilbao, danach bin ich sehr jung Manager geworden. Le Havre, dann Monaco, denen ich für immer die Treue geschworen hätte, wäre da nicht dieses Angebot von Schalke gekommen. Die Mannschaft, der ich meines Geburtsortes wegen unsinnige Loyalität geschworen habe. In der Spielwelt gar nicht so unsinnig, habe ich sie immerhin mittlerweile zur Meisterschaft geführt. Wie im echten Leben auch: Wäre ich der Trainer und Manager, sähe es schon ganz anders aus im Profifuppes.

"Monaco war eine tolle Zeit." Jay Nightwind, Trainer Schalke04


Es ist auch 2017. Fifa 14 war eine Dreingabe zur XBox One in Europa und mit einer spät aufgeflammten Leidenschaft für Fussballspiele für mich ein gutes Geschenk. In den Kampf zwischen PES und Fifa mische ich mich nicht ein, weil: Geschenkter Gaul. Das Werbemenü der Xbox will mich zum Vorbestellen von Fifa 18 begeistern. Mein Interesse daran tut es meinem humoristischen Niveau gleich: Es ist sehr verflacht.

Es ist ein leichtes darauf zu fluchen, das EA jedes Jahr einen neuen Teil produziert, noch viel leichter darüber Witze zu machen. Inzwischen ist das kapitalistische Angewohnheit: Der Bedarf an der neusten Variante wird durch Werbung suggeriert, da mensch ja eine Kuh auch nicht nur einmal melkt und dann weg wirft. Das wird auch vollkommen zu recht kritisiert, sowohl bei Tieren, Handys, Filmen (Guck mal, ein Spiderman-Remake!), Computern und und und.
Auch ich habe Freund*Innen, die sich jedes Jahr das neuste Fifa kaufen und ich mache ihnen keinen Vorwurf daraus. Neben der Zahl im Titel gibt es ja auch tatsächlich Innovationen. Frauenfussball zum Beispiel. Dass EA sich für diesen längst überfälligen Schritt als feministische Spieleschmiede versucht feiern zu lassen empfinde ich immer noch albern, aber wichtiger ist: Es tut sich was. Aber nicht für mich.

Videospiele leben davon, dass sie ein interaktives Medium sind. Das Produkt, welches ich erwerbe, verändert sich sobald ich es verwende. Niemand bei EA kann verhindern, dass ich Fifa so spiele, wie ich es will. Das liegt in meiner Hand. Niemand bei EA kann erzwingen, dass ich anfange, das Spiel so zu spielen, wie sie es sich ausgedacht haben. Im Zeitalter von Speedrunnern, die bauliche Fehler in Spielen als Mechanismen des Spiels nutzen und definieren, ist das ein klarer aufdringlicher Gedanke. Das führt uns aber zu einem Problem:

Ich spiele den Saisonmodus und ich habe diesen endlos Modus noch nicht durchgespielt.

Im besten Fall geht das auch gar nicht. Das Spiel generiert unentwegt neue Nachwuchsspieler, welche teilweise vollkommen crazy sind, aber die Kader immer wieder auffrischen und tatsächlich für große spielerische Abwechslung sorgen. Wenn dein Torwart plötzlich auch Mittelfeld und Sturm spielen kann, dann bietet das ungeahnte Möglichkeiten. Die Stärken von Mannschaften verändern sich durch diese Spieler, die Geschichten hinter dem Fussball, die Fifa nicht mal selbst erzählt, verändern sich. Düsseldorf spielt seit vier Jahren Europa-Liga, das kann nur in einer alternativen Zukunft passieren. Ständig rücken neue Spieler nach, wie in echt und halten den Sport spannend.

Hihi. James Bond.


Technisch erahne ich aber schon, dass dieser Modus an seine Grenzen kommen wird. Die Kommentatoren fangen zwischenzeitlich an über Dinge zu sprechen, die gar nicht passiert sind, es werden Spielernamen auf anderen Plätzen erwähnt, die nicht mehr existieren, der deutsche Pokal wird regelmäßig als der niederländische anmoderiert. Feldspieler tragen lange Hosen, die dann aber manchmal unsichtbar sind. Fehler, die in einem frischen Spielstand nicht auftreten. Der Support für Fifa14 ist natürlich auch schon ewig vorbei, auf Patches brauch ich nicht mehr warten.

Und wenn es einen geben würde, dann könnte mich nur eine Sache zu einem neuen Fifa führen: Lasst mich meinen Spielstand übertragen! Von mir aus verkauft jedes Jahr ein neues Fifa, aber nehmt mir nicht meinen Fortschritt und meine ans Herz gewachsenen Helden weg. Auch wenn es nur virtuelle Leben sind, lasst sie auch etwas zählen. Wer weiß, ob ich in Fifa18 überhaupt einen wie Jesus Rosa gefördert bekommen würde. Wer weiß, ob Andrea Verre auch mit anderen Optionen so ein Badass geworden wäre? Ich will die Jungs nicht zurücklassen müssen. Ich bin der Trainer! Ich bin denen gegenüber verpflichtet, genauso wie es ein echter Trainer gegenüber seinem Verein sein sollte. Aber genau wie die Vereine es machen, kann ein Trainer einfach abgesägt werden, wenn es mal nicht mehr passt. Fifa sägt jedes Jahr die Spieler ab und den Support für einen alten Titel, damit es zu einem neuen geht, aber da gehe ich nicht mit. Auch wenn ich dann in der technischen Schweineliga spielen muss.

So und jetzt gilt es diese Saison zu einem Erfolg zu machen, mit Leuten wie Lasse Korte und Lopero Morena sollte das ja wohl kein Problem sein!