Posts mit dem Label Bahncontent werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bahncontent werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Die Gefahren im Bahnbetrieb

Der Hartmann | 04.09.17 | / / | 3 Kommentare
Das Eisenbahnnetz in Deutschland stellt einen wichtigen Punkt im Personenverkehr dar und ist für viele Pendler unerlässlich.
Doch worüber sich viele nicht im Klaren sind ist, dass von Zügen und Infrastruktur immense Gefahren ausgehen. Die meisten wissen es nicht, weil sie sich vorschriftsmäßig verhalten, was auch durchaus gut ist. 
Doch man liest immer wieder, dass Menschen durch den Eisenbahnbetrieb schwer verletzt, oder gar getötet werden. 

Aber was ist denn so gefährlich am Zugverkehr?

Der Sog
Eine große Gefahr, die vom Zug selber ausgeht, ist der Sog. Das heißt, dass wenn man sich zu nah an einem durchfahrenden Zug aufhält, man durch die verwirbelte Luft angesaugt wird und im schlimmsten Fall umhergeschleudert wird. Das kann tatsächlich tödlich enden. Deswegen gibt es auf jedem Bahnsteig eine weiße Linie, die man erst übertreten darf, wenn der Zug steht. Besonders bei durchfahrenden Güterzügen sollte man nicht zu sehr den Mutigen spielen, denn dadurch, dass zwischen den Wagen ein gewisser Abstand herrscht, ist die Sogwirkung wesentlich stärker. 
Die weiße Linie auf dem Bahnsteig sollte also dringend ernst genommen werden und nur übertreten werden, wenn der Zug steht.

Fehleinschätzung auf der Bahnsteigkante
Das bringt uns zum nächsten Punkt, denn was besonders Jugendliche und junge Erwachsene gerne tun ist, sich auf die Bahnsteigkante zu setzen. 
Dass das nicht erlaubt und wirklich dumm ist, ist ja eigentlich klar. Dennoch nutzen manche Menschen die Bahnsteigkante als Sitzmöbel und nutzen die "Entschuldigung": "Ich höre doch, wenn ein Zug kommt". 
Und diese Einschätzung ist fatal. Denn besonders moderne Leichtbautriebwagen oder Leichtbautriebzüge hört man erst sehr spät. Besonders bei Elektrotraktion ist das Summen des Fahrmotors nicht laut und je nach Windrichtung hat man keine Chance es zu hören. 
Das gilt allerdings auch für größere Maschinen. Man hört sie schlicht nicht, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. 
Und nein, auch das Argument, man sehe die Züge ja, die Strecke sei ja schließlich schnurgrade ist falsch. 
Grade in Zeiten von Smartphone und Tablet lässt man sich sehr schnell ablenken und schaut nicht permanent auf die Strecke. 
Zumal, was viele Menschen nicht bedenken ist: Der Zug kann auch aus der anderen Richtung kommen. 
Auf der Bahnsteigkante sitzen hat schon vielen Menschen Gliedmaßen oder das Leben gekostet. Deswegen hat man dort auch nichts zu suchen. 

Der Bremsweg
"So ein Zug hat ja auch Bremsen". Auch diesen Satz habe ich schon (mehrfach!) gehört. 
Ja, es ist richtig. Ein Zug hat Bremsen. Nur vergisst man schnell, dass der Bremsweg wesentlich länger ist, als bei einem Auto, denn hier drehen sich Stahlräder auf Stahlschienen. Man muss kein Physiker sein um zu erkennen, dass hier eine wesentlich geringere Haftung vorliegt, als bei Gummireifen, die auf Asphalt rollen. 
Ein ICE mit 300 km/h hat einen Bremsweg von mehreren Kilometern! Ein Güterzug mit mehreren Tausend Tonnen Gesamtgewicht und 100 km/h braucht auch locker 700 bis 1000 Meter, bis er steht. Diese Fehleinschätzung der tatsächlichen Gefahr, ist für viele Menschen schon tödlich ausgegangen. 

Die Oberleitung
Viele Züge sind ja bekanntlich mit Strom unterwegs. Auch hier lauert eine Gefahrenquelle, die viel zu schnell unterschätzt wird. Denn Elektrizität ist gefährlicher, als man denkt. Schon die normale Haushaltssteckdose mit etwa 230 Volt kann verheerende Folgen haben.
In der Oberleitung der Bahn fließen weit höhere Spannungen. Hier reden wir von 15.000 Volt! Das ist verdammt viel. Und das Ganze bei einer Frequenz von 16,7 Hertz.
Umso trauriger ist es, dass man immer wieder von schwerverletzten oder toten Jugendlichen liest, die sich etwas beweisen wollten und auf abgestellte Güterwagen geklettert sind.
Denn entgegen des Volksglaubens, braucht man die Oberleitung nicht zu berühren, damit der elektrische Strom durch einen fließt.
Die Unterschreitung eines Mindestabstandes reicht da vollkommen aus.
Besonders bei Nieselregen, Nebel oder anderem schlechten Wetter, ist auch dieser Abstand zu wenig.
Eine Oberleitung ist nicht zu unterschätzen und man sollte gebührenden Respekt davor haben. Ganz davon abgesehen, dass man ohnehin auf Güterwagen nichts verloren hat.

Bahnübergänge
Diese Liste wäre nicht vollständig, ohne eine der größten Unfallquellen im Eisenbahnbetrieb. Die Rede ist vom Bahnübergang.
An sich ist die Benutzung eines Bahnübergangs (kurz: Bü) keine gefährliche Sache. Doch es kommt immer wieder zu Unfällen, besonders an solchen Überwegen, die mit einer Halbschrankenanlage oder "nur" einem Andreaskreuz gesichert sind.
Das Problem ist oftmals die Ungeduld der Leute. Die Halbschranke wird gerne umfahren oder umlaufen, wenn die Schranken zu lange unten sind. Oder manchmal reicht auch die Tatsache, dass sie unten sind schon, dass Wegenutzer der Ansicht sind, sie müssten den Bü trotzdem genau jetzt überqueren. Das haben viele Menschen schon mit dem Leben bezahlt und es ist immer wieder Thema in den Lokalteilen von Zeitungen.
Bei unbeschrankten Bahnübergängen liegt der Fehler oft darin, dass der Verkehrsteilnehmer nicht gründlich genug schaut, ob sich ein Zug nähert. Der Einfallwinkel der Sonne spielt da auch ab und zu eine Rolle.
Doch auch so ein Bahnübergang ist gesichert und zwar durch das Andreaskreuz, das dem Wegenutzer signalisiert, dass sich ein Bahnübergang vor ihm befindet und dass der Schienenverkehr Vorrang hat. An Bahnübergängen ist Vorsicht geboten. Und zwar immer!

Gegenstände im Gleis
Was gar nicht geht und unfassbar gefährlich ist, ist das Platzieren von Gegenständen im Gleis. Im August diesen Jahres erst ist im Bereich Gelsenkirchen ein Baumstamm auf die Gleise gelegt worden. Das heißt, dass irgendein unfassbar dummer Mensch sein eigenes Leben riskiert hat, indem er den Gleisbereich unbefugt betreten hat und, was noch viel schlimmer ist, er das Leben der Fahrgäste und des Zugpersonals aufs Spiel gesetzt hat. Das hätte ganz schnell ganz fies enden können.
Grade in der Ferienzeit häufen sich auch die Meldungen von Kindern im Gleis, die Schottersteine auf die Schienenköpfe legen.
Natürlich, so ein Zug ist schwer. Aber es werden drei entscheidende Faktoren außer Acht gelassen: Erstens haben Kinder sich nicht unbefugt im Gleis aufzuhalten, Zweitens kann ein Schotterstein, der ja auch ein gewisses Eigengewicht hat, das Fahrzeug stark beschädigen und Drittens kann ein umherfliegender Schotterstein zu einem tödlichen Geschoss werden. Und ja, auch hierzu gibt es bestätigte Fälle, wo das böse audgegangen ist.

Weichen
Auch Weichen können schnell gefährlich werden. Was Gleislatschern oft nicht klar ist, ist, dass wenn sie zwischen die Weichenzunge und die Backenschiene treten, sich die Weiche umstellen kann und den Fuß irreparabel kaputtquetscht.
Eine Weiche hat eine Stellkraft von ca. 5500 Newton, was ca. 560 Kilo sind.
Das heißt: Wenn sich ein Fuß in der Weiche befindet und sich die Weiche umstellt, ist der Fuß ab. Auch hier wieder der Hinweis: Haltet euch aus dem Gleisbereich raus.

Gleisbereich
Wo wir grade schon beim Gleisbereich sind, auch hier lauern noch Gefahren.
Sowohl Schienen als auch Schwellen können sehr schnell rutschig und glitschig werden. Grade bei schlechtem Wetter. Es ist schon mehrfach vorgekommen, dass Menschen so ungünstig auf Schwellen oder Schienenköpfen ausgerutscht sind, dass sie sich Wirbel gebrochen haben oder gar an ihren Verletzungen gestorben sind. Auch schon passiert ist, dass Menschen ausgerutscht sind und vor einen fahrenden Zug gestürzt sind.
Und genau aus solchen Gründen, ist der Gleisbereich ein Bereich, in dem sich nur ausgebildete Mitarbeiter und unterwiesene Kräfte aufhalten dürfen. Und auch nur dann, wenn es zur Erfüllung ihrer dienstlichen Aufgabe dient.


Für alle Anderen gilt: Im Eisenbahnverkehr passieren oft schlimme Dinge, die sich durch Befolgen der Regeln hätten vermeiden lassen können.
Tut uns Eisenbahnern, euch selbst und den Menschen, die euch gern haben einen Gefallen: Haltet euch an diese Regeln. Tut nichts Unüberlegtes und seid vorsichtig. 

Was steckt hinter einer Zugfahrt?

Der Hartmann | 01.08.17 | / / | 1 Kommentar
Wir alle sind schon mal mit der Bahn gefahren oder nutzen sie regelmäßig. Doch was steckt hinter einer Zugfahrt? Was muss im Vorfeld gemacht werden, was passiert während der Fahrt? 

Ich versuche das Wesentliche kurz anzureißen und euch näher zu bringen, denn da steckt eine ganze Menge hinter:
Fangen wir vor der Fahrt an.

Es beginnt mit einem Unternehmen, das eine Fahrt durchführen will. Nehmen wir mal als Beispiel DB Cargo, die einen Güterzug von Seelze bei Hannover nach Gremberg in Köln fahren möchte.

Das Eisenbahnverkehrsunternehmen beantragt nun bei der DB Netz AG diese Fahrt. Die DB Netz AG hat den Großteil des deutschen Schienennetzes in ihrer Verantwortung und kümmert sich um Nutzung und Instandhaltung der Gleise.

Nun schaut ein Mitarbeiter nach einer freien Trasse, die dieser Zug belegen kann und es wird ein Fahrplan ausgestellt.

Das ist wichtig, denn ohne Fahrplan darf kein Zug fahren.
Mit diesem Fahrplan bekommt der Zug eine Zugnummer, die Uhrzeiten und den Laufweg zugeteilt.

In der Zwischenzeit wird im Rangierbahnhof Seelze der Zug zusammengestellt und ein Triebfahrzeug (also eine Lok) davorgehängt.
Der Lokführer oder ein Mitarbeiter des Rangierbahnhofes sind nun damit beauftragt den Zug für die Fahrt vorzubereiten.

Jeder Wagen wird bei einer Wagenprüfung auf Mängel inspiziert und die Bremse im Zugverband wird bei einer sogenannten "Bremsprobe" getestet.
Wenn dann soweit alles in Ordnung ist und der Zug einen Fahrplan hat, ist der Zug abfahrbereit.

Der Lokführer meldet das dem Fahrdienstleiter, der dem Zug dann eine Fahrstraße aus dem Bahnhof auf die freie Strecke einstellt.
Eine Fahrstraße ist ein gesicherter Fahrweg, auf dem der Zug sich bewegt und den Zug dahin fahren lässt, wo er hin soll.

Was macht der Lokführer eigentlich während der Fahrt?
Das Gerücht, er würde nur einen Knopf drücken und er kann die Füße hochlegen, hält sich hartnäckig.

Doch dem ist nicht so, denn der Kollege im Führerstand muss die Signale am Fahrweg beobachten, wissen, was sie bedeuten und deren Bedeutung umsetzen. Und bei Signalen ist es nicht mit einem grünen und einem roten Licht getan.
Nein, es gibt für jeden Pief ein Signal, das eine ganz bestimmte Verhaltensweise des Lokführers fordert.

Außerdem muss der Lokführer in gewissem Maße seinen Fahrweg beobachten und Unregelmäßigkeiten dem Fahrdienstleiter melden. Im Notfall muss er die richtigen Maßnahmen treffen und seinen Zug sicher zum Halten bringen.
Außerdem muss er seine Zugsicherungssysteme bedienen, damit die Fahrt sicher und reibungslos ablaufen kann.

Eine weitere Personengruppe, ohne die sich kein Rad drehen würde, sind die Kollegen im Stellwerk, die sogenannten Fahrdienstleiter.

Sie haben in ihrem Stellwerk einen festgelegten Bereich, für den sie zuständig sind.
Sie sorgen dafür, dass die Züge in diesem Stellbereich dahin fahren, wo sie hinsollen, geben den Kollegen im Führerstand die Zustimmung zur Fahrt durch Stellen von Signalen oder Ersatzmaßnahmen bei Unregelmäßigkeiten, ergreifen im Notfall Maßnahmen (wie etwa Notrufe an die Lokführer abgeben), und disponieren in gewissem Maße.
Außerdem kümmern sie sich um die Beseitigung von Störungen, sofern dies möglich ist. Wenn nicht, wird ein Disponent der Entstörungsstelle informiert, der wiederum die Techniker koordiniert.

Das ist jetzt alles nur sehr grob, die Aufgaben von Lokführern und Fahrdienstleitern sind wesentlich komplexer und umfangreicher, als hier beschrieben. Das würde hier allerdings den Rahmen sprengen.

Kommen wir zu einem sehr leidigen Thema: Die Verspätung.
Jeder kennt sie, keiner mag sie. Doch wo kommen sie her?
Die Gründe für Verspätungen sind sehr vielfältig. Eine sehr häufige Verspätungsquelle ist tatsächlich der Fahrgast, denn beim Halt im Bahnhof läuft oft nicht alles nach Plan.
Fahrgäste berserkern in den Zug, bevor alle, die aussteigen wollen, den Zug verlassen haben, sie blockieren Türen, weil sie noch auf jemanden warten, 50 Leute nutzen eine Tür, statt sich auf mehrere Türen aufzuteilen und, und, und.
Das kostet leider alles recht viel Zeit und ist unter anderem mit dieser "Verzögerung im Betriebsablauf" gemeint.

Was in letzter Zeit stark vermehrt auftritt und die Fahrzeiten der Züge über den Haufen schmeißen, sind Personen oder Kinder am, bzw. Im Gleis.
Das bedeutet, dass Züge nur sehr langsam oder gar nicht fahren, damit niemand zu Schaden kommt.

Das sorgt natürlich dafür, dass die vorgegebenen Zeiten nicht eingehalten werden können und ist für alle Beteiligten sehr ärgerlich.
Ebenfalls eine Verspätungsquelle ist der Mischverkehr.
Hier in Deutschland teilen sich Fernverkehrszüge das Netz bis auf einige Ausnahmen mit dem Nah- und Güterverkehr.

Im besten Falle ist alles pünktlich und es passt. Die Fahrpläne sind so ausgelegt, dass
sich die Züge nicht behindern. Allerdings klappt das nicht immer. Nehmen wir als Beispiel den Essener Hbf. Das Ruhgebiet ist ein Ballungsraum, wo viele Züge in einem relativ geringen zeitlichen Abstand fahren.

Wenn der RE1 von Hamm nach Aachen den Essener Hbf statt wie geplant zur Minute 09 abfährt, sondern erst um 12 oder 13, ist der ICE, der um 15 abfährt blockiert und fährt unmittelbar hinter dem RE1, der noch einen Halt mehr hat, als der ICE.
Folge davon ist, dass der ICE Duisburg Hbf mit ein paar Minuten Verspätung erreicht. Auch das ist ärgerlich, ist aber kaum zu ändern, denn die Zugdichte im Ruhrgebiet ist immens.
Auch die Witterung ist ein Grund, warum es manchmal nicht so richtig rund läuft.

Beispielsweise im Herbst gibt es oft das Problem, dass sich bedingt durch Laub und hoher Luftfeuchtigkeit ein Schmierfilm auf den Schienenköpfen bildet. Das sorgt dafür, dass die Räder beim Anfahren sehr schnell durchdrehen (bei der Bahn "Schleudern" genannt) und beim Bremsen sehr schnell blockieren (bei der Bahn "Gleiten" genannt). Deswegen muss dann früher und weniger kräftig gebremst und behutsamer angefahren werden. Das sorgt natürlich dafür, dass der Fahrplan schnell mal nicht eingehalten werden kann. Man kann den Fahrplan allerdings nicht anpassen, weil Wetter nun mal sehr wechselhaft ist.
Und dann gibt es noch Störungen oder externe Einflüsse, die den Betrieb aufhalten.

Streckensperrungen und Umleitungen nach Personenunfällen, defekte Fahrzeuge, defekte Weichen oder Signale, polizeiliche Anweisung und, und, und... Die Liste ist sehr lang und sorgt dafür, dass oft nicht alles nach Plan läuft.
 
Niemand freut sich über Verspätungen. Lokführer und Zugbegleiter kommen nicht pünktlich in den wohl verdienten Feierabend, Fahrgäste nicht pünktlich ans Ziel und Disponenten telefonieren sich die Ohrmuschel heiß.

Verspätungen lassen sich allerdings nicht verhindern. Deswegen sollten wir versuchen, es mit Humor zu nehmen und uns nicht unentwegt darüber aufregen.
Es sei versichert, dass wir Eisenbahner uns jeden Tag den Allerwertesten aufreißen, damit ihr möglichst zügig und vor allem SICHER ans Ziel kommt.

Ich hoffe, dass dieser ganz kleine Einblick vielleicht die ein oder andere Frage geklärt hat.
Bis dahin