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Rezension ohne Mythos - Ein Versuch

Madse | 17.01.16 | / | 4 Kommentare

Gehen wir mal davon aus, noch nie von Motörhead gehört zu haben... Okay, das funktioniert nicht, schon alleine nachdem Lemmy vor so kurzer Zeit gestorben ist. (Mann, das tut immer noch weh, so lahm wie es klingen mag.) Da hat schließlich sogar die Tagesschau drüber berichtet!
Also nehmen wir statt dessen mal an, Bad Magic wäre nicht von einer der prägendsten und coolsten Rock'n'Roll aller Zeiten, sondern von einer jungen, unbekannten Band. Denken wir uns in eine Welt, in der das Cover nicht vier X für die vierzig Jahre Bandgeschichte trägt, in der wir nicht das 22. (!) Studioalbum in der Hand halten, sondern einen frischen Erstling, gepresst mit Geld, was zum Teil aus der letzten Tour durch die Region stammt und zum anderen Teil von Mutti*, Vati, Oma, Onkel und Kumpels geborgt ist.

Der Einstieg ist stark. Anders kann man es nicht sagen. Eine rauchig-kratzige Stimme verkündet "Victory or die" und schon geht's los. Einfach und geradlinig zocken die Drei ihren eigenartigen aber eingängigen Sound runter. Drummer und Bassist kümmern sich hauptberuflich darum, den geneigten Zuhöhrer in Bewegung zu versetzen, während sich die Gitarre immer wieder Freiräume für kurze Soli freikämpft. Hier findet offensichtlich ein freundlicher Wettstreit von versierten Musikern statt, ohne jedoch den Sinn der Musik als Ganzes aus dem Blick zu verlieren. Druck und Bewegung stehen immer im Zentrum der Aufmerksamkeit, in der ersten Hälfte des Album geht es nur nach vorn. 

Bis zu Till The End. Die Gitarre jault wie immer, der Bass bollert, aber mit dem Schlagzeug zusammen passiert das ziemlich langsam. Der Sänger nimmt sich mehr Zeit um Töne zu treffen, insgesamt drückt die Stimmung. Das qualifiziert locker zur Rockballade. Alle Achtung, mutig, geht doch der Rest des Albums wesentlich direkter zur Sache. Der Song stellt mit vier Minuten in der Reihe von kurzen Songs eine recht lange Verschnaufpause dar, was aber nach Krachern wie Electricity und Evil Eye gut Not tut. 

Der längste Song kommt am Ende: ein Cover des Rolling Stones Klassikers Sympathy for the Devil. Nach den ersten paar Durchläufen war ich noch der Meinung, den besten Titel des Albums hier gefunden zu haben, aber inzwischen musste ich meine Meinung ändern. Motörhead sollte sich weiter auf das konzentrieren, was sie offensichtlich am Besten können: Dir innerhalb von drei Minuten freundlich die Fresse polieren!

... Oh. Tja. 








* ist sowieso die Beste.

Die stärkste Waffe ist der Stift

Fatima Talalini | 13.01.16 | / | 2 Kommentare
 Am 9. Oktober 2012 versucht ein Taliban die zu dem Zeitpunkt 15 Jährige Malala zu erschießen. Eine Kugel trifft Malala, eine zweite ihre Klassenkameradin Shazia und eine dritte trifft das Mädchen Kainat Riaz. Die Mädchen sitzen zum Zeitpunkt der Tat im Schulbus. Und das ist ihr ganzes Verbrechen. Sie wollen zur Schule gehen.


Das Buch "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai in Zusammenarbeit mit der Autorin Christina Lamb erscheint 2013, während sich Malala in Birmingham (Groß Britannien) von dem Anschlag erholt. Es beschreibt eine Jugend, die immer wieder von kriegerischen Auseinandersetzungen und Terror gestört wird.
Malala wächst im pakistanischen Swat-Tal auf. Sie führt ein mehr oder weniger normales Leben, bis die Taliban in Teilen Pakistans die Macht übernehmen. Malala erlebt, wie Nachbarn sich radikalisieren, wie die Amerikaner sich einmischen und wird mit ihrer Familie zur Flucht gezwungen. Sie will eigentlich nur in Frieden leben und zur Schule gehen. Doch die Taliban wollen, dass Mädchen und Frauen Zuhause bleiben. Aus dem Begehren nach einem Grundrecht wird ein politischer Kampf. Malalas Vater betreibt eine Schule für Mädchen und Jungen. Er ermutigt sie, sich für die Bildung von Mädchen zu engegieren und so geraten sie ins Visier der Taliban.

Malala beschreibt, wie ihr Vater Drohbriefe erhält, weil seine Schülerinnen an einem Picknick teilnehmen. Mädchen auf Picknicks, das sei unmoralisch, beschweren sich die selbsternannten Moralhüter. Malala möchte zur Schule gehen, lernen und selbstbestimmt leben. Wie schwach muss die Moral dieser Menschen sein, wenn sie sich von Mädchen auf Picknicks verrücken lässt?

Malala engagiert sich, tritt im Radio und im Fernsehen auf und fordert Bildung für Mädchen. Sie wird als mutiger Teenager "vermarktet". Doch man merkt, sie ist auch einfach ein Mädchen. So streitet sie sich mit ihrer besten Freundin Moniba, liest die Twilight Bücher und träumt von einer besseren Welt. Ein Mädchen, dass die Werte ihrer Eltern übernimmt. Ihr Vater, der für Bildung einsteht und eine Schule führt, engagiert sich politisch und nimmt seine Tochter mit.
Malala formuliert es so: "Ich wusste, dass jedes der Mädchen aus meiner Klasse mit der Unterstützung seiner Eltern hätte erreichen können, was ich erreicht hatte" (Malala Yousafzai: Ich bin Malala, München 2013, S. 264.).

Und genau das ist die Sache: Mit Aufklärung und Bildung, könnten auch andere das schaffen, was Malala geschafft hat. Bildung gibt Menschen Mut und eine Stimme. Sie ist die Stärkste Waffe im Kampf gegen den Fanatismus, gegen Gewalt und falsche Beschuldigungen.

"Ich bin Malala" ist ein großartiges Plädoyer für den gewaltfreien Kampf um eine gerechtere Welt
Das Ergebnis von Bombem ist zwar schneller sichtbar. Aber die Früchte guter Bildung und Aufklärung sind nachhaltig.


"Education is peace", sagt Malala vor der UN:
 

Rezension: Marshall Rosenberg - Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation

Jay Nightwind | 10.11.15 | / / | 2 Kommentare
Quelle: Selbstgebastelt
beim Memegenerator.net
Wäre dies ein Vortrag, würde ich euch jetzt zu erst fragen, was ihr über Marshall Rosenbergs Buch wissen müsstet, damit ihr euch dafür interessiert. Nur leider ist dies hier bis zu der Stelle, an der ihr kommentieren könnt, erstmal eine sehr einseitige Kommunikation.

Was ist mein Bedürfnis?
Diese Frage ist ein zentraler Kern der Kommunikation nach Rosenberg, der sehr glaubhaft vermittelt, dass wir oft über unsere Gefühle reden, obwohl diese nur ein Ergebnis aus unseren Bedürfnissen sind und wir somit nur an der Oberfläche kratzen.

Klingt sperrig und komplex, aber ich bin hier mal einer prominenten Fernsehwerbung dankbar, für ein perfektes Beispiel. Denn wenn in der Snickers-Werbung Liz Tyler rumzickt, dann ist das ihre Emotion. Aber das Bedürfnis ist halt nicht rumzuzicken, was wir nämlich nicht von Natur aus in die Wiege gelegt bekommen haben, sondern das Bedürfnis ist: der Hunger. Das ist jetzt noch nicht so spektakulär als Erkenntnis, aber eine gute Grundlage um zu verstehen.

Denn Bedürfnisse haben wir immer. Ab dem Moment, an dem wir aktiv am Leben teilnehmen, gibt es Antriebe in uns, die uns zu Gefühlen und Handlungen bringen. Hunger, Anerkennung, Pflege, Durst, Zärtlichkeit, sozialer Kontakt, Ruhe. Ironischerweise sind direkt von Anfang an unsere Möglichkeiten Unmut auszudrücken, wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt sind, ziemlich dünn: Schreien. Sind die Bedürfnisse erfüllt, können schon Babies nicht verstecken, dass sie glücklich sind.

Es kommt im Erwachsenalter des Menschen nicht so richtig viel an Bedürfnissen dazu. Zärtlichkeit bekommt eine zusätzliche sexuelle Ebene, aber so richtig viel spektakulärer wird es nicht. Leider erhöht sich aber die Zahl unserer Ausdrucksmöglichkeiten und Strategien unseren Unmut über unerfüllte Bedürfnisse zu äußern. Ja, ein dickes, fettes Leider.

Als Kind musste ein Mensch nur auf eine unserer Emotionen eingehen, um unser Bedürfnis zu befriedigen, heute sind die Möglichkeiten so vielfältig, so dass wir raten müssen, welche Emotion jetzt gerade mit welchem Bedürfnis verknüpft ist.

Und so stehen Partner regelmäßig im gefühlten Regen, weil ihnen mitgeteilt wird, dass sie nicht romantisch genug sind oder weil sie sich auch mal beteiligen könnten und Mensch weiß nicht, was er tun kann. Dabei sind der Wunsch nach Romantik und Teilnahme nur die Symptome die wir behandeln und nicht die Wurzel.

Eine Teilnehmerin in einem Workshop hat mich auf Rosenberg gebracht. Eins dieser Hippie-Mädchen mit Dreads und Batik-Shirt, mit veganem Brotaufstrich und anderem Weltverbessererkram. Damals war ich nur neugierig auf das Buch, weil ich mich für einen sehr fairen und "gewaltfreien" Gesprächspartner gehalten habe.  
Und ähnlich wie ich diese Hippie-Leute belächele, war ich auch in Rosenbergs Buch schnell an dem Punkt, wo ich es lachend weggelegt habe. "Ja, ja. Träum du dir mal eine schöne Welt, aber so redet ja keiner. So kann das ja nicht funktionieren! "

Ich bin froh, dass dieses Sachbuch als Interview geführt ist. Die Journalistin, welche das Interview führt, hatte die selben Vorurteile wie ich und stellte die richtigen wichtigen Fragen. Und mit jedem Beispiel dämmerte mir, dass es zumindest mal einen Versuch wert wäre.

Freunde, Bekannte, Mitschüler um mich herum lächeln, vielleicht aus Verzweiflung, Verlegenheit oder weil Wiederholungen den komischen Effekt stärken, jedes mal wenn ich wieder Rosenberg erwähne und frage "Was ist dein Bedürfnis?"
Und sie nehmen mich nicht ganz ernst. Aber wenn sie mir aus Höflichkeit trotzdem antworten, führen wir schnell ganz andere Gespräche als ich sonst führen würde, die sich auch anders anfühlen. Ob sich was verändert? Das müssten die anderen beantworten.


Aber, doch. Ja. Die Frage "Was ist dein Bedürfnis?" ist nämlich auch eine verdammt gute, um sie sich selbst zu stellen (Auch wenn mensch sich nicht traut sie anderen zu stellen), denn das bringt in Kontakt mit dem Innenleben. Heute erscheinen Magazine wie die "Flow", die Achtsamkeit lehren. Ein moderner Begriff, der so schwer nach Hipster-Subkultur klingt, aber einfach die Pflege der eigenen Seelenwelt meint. Und die Menschen um mich, die sich mit Achtsamkeit auseinandersetzen, federn mir zurück, dass ich gerade sehr viel über Achtsamkeit weiß, ohne auch nur einen Artikel aus diesen Magazinen gelesen zu haben.

Aber inzwischen kann ich das etwas besser. Wenn ich gefragt werde, ob ich genervt bin, kann ich sagen, dass das nur die Emotion ist, aber mein Bedürfnis gerade Ruhe ist. Sauer werde ich nicht mehr, weil ich Mitmenschen mitteile, dass ich gerade ein Bedürfnis nach Akzeptanz habe. Und die Leute, die mir neulich beim Aufbauen von Möbeln Gesellschaft leisten sollten, ohne zu helfen, waren erst verwirrt, aber dann hatten wir tolle Abende, an denen wir kaum miteinander gesprochen, dafür aber unser Bedürfnis nach sozialem Kontakt gestillt hatten. Und spätestens hier hat Rosenberg entweder sein Batik-Shirt ausgezogen oder ich meines angezogen. Der naive Idealist hat ihn verlassen- oder mich betreten.

Mein Bedürfnis ist Anerkennung zu bekommen für meine Leistung das Buch zu lesen, zu erfassen und euch zu präsentieren. Ich würde es als erfüllt empfinden, wenn ihr auch neugierig werdet, Fragen stellt und es mir einfach sagt, wenn ihr diese Leistung anerkennen könnt. Ich bin dankbar, dass ihr eure wertvolle Zeit für meine Rezension verwendet habt.

Schildkröten an die Macht

Stephan Krahwinkel | 03.06.15 | / / | 1 Kommentar

Darf man noch sagen, man ist ein „Kind der 90er“, oder sind dann schon alle genervt? Eigentlich ist das in diesem Fall aber auch nur deshalb interessant, weil zu Beginn der 1990er eine Zeichentrickserie ihren weltweiten Siegeszug antrat, deren Protagonisten Schildkröten sind. Heutzutage hält man das für selbstverständlich, sind die Teenage Mutant Ninja Turtles (bzw. in Europa Teenage Mutant Hero Turtles) doch angesehenes popkulturelles Kultgut. Eines, das ich vergöttert habe, Spielzeug besaß, die Serie liebte und selbst als Raphael im Kindergarten rumturnte. Das konnte man bei deren Entstehung so jedoch nicht absehen. Und eigentlich begann ja auch alles als Comic-Reihe.

Doch kurz zu einem anderen Schauplatz: Angebote wie Netflix und Amazon Instant Video schmeißen nicht nur mit zahlreichen Filmen und Serien um sich, sondern auch mit einem Haufen Dokumentationen. Ich gucke mir in dem Genre gerne einiges an. Meistens geht es um historische Ereignisse, gelegentlich auch Technik, weniger um Umwelt. Und dann rutscht da plötzlich eine Empfehlung in meine Sammlung, deren Titel „Turtle Power“ mich sofort neugierig macht.

Und hier beginnt die Symbiose beider Interessen: Eine Doku über meine Lieblingshelden meiner Kindheit. Das Beste daran: Es lohnt sich diese anzuschauen. In meinen Augen ist sie filmisch nicht perfekt gelungen - dazu gibt es ein paar zu häufige unschöne Wechsel, besonders auf Tonebene, auch wenn der Film insgesamt schön bebildert ist. Inhaltlich hat mich „Turtle Power: The Definitive History of the Teenage Mutant Ninja Turtles“ jedoch vollends überzeugt. Im Kern dreht sich alles um die Beziehung und den Ideenreichtum der Turtles-Schöpfer Peter Laird und Kevin Eastman, die sehr oft selbst zu Wort kommen und tolle Anekdoten erzählen können – so wie eigentlich alle „Talking Heads“, von den Stimmen der Zeichentrickserie über Filmproduzenten bis hin zu Spielzeugproduzenten.



Wir erfahren, wie Laird und Eastman sich begegnet sind, woher die Ideen für die Figuren stammen, dass das erste Comic eigentlich nur ein Spaßprojekt war und bekommen den Weg hin zum weltweiten Phänomen aufgezeigt: Von den Comics über die Zeichentrickserie in Kombination mit der Spielzeugherstellung bis hin zum ersten Kinofilm (der ein wirklich guter ist und damals ein Riesenhit).

Die Dokumentation ist allen zu empfehlen, die sich, klar, für die Turtles interessieren, in Nostalgie schwelgen wollen, aber auch Comicliebhaber (auch über das Handwerk erfährt man ein wenig), Unternehmer (die Herausforderung einer Markenentwicklung und auch Spielzeugentwicklung ist ein Thema) sowie Filmemacher (der erste Turtlesfilm hatte mit großen Problemen zu kämpfen). Ein schönes Stück Unterhaltung!

Die Dokumentation kann man als DVD erwerben oder bei Amazon Instant Video (sowohl im OT als auch auf Deutsch) anschauen. Weitere Infos gibt es in der Internet Movie Database.

Rezension: Ms. Marvel

Jay Nightwind | 27.05.15 | / / / | 2 Kommentare



Normalerweise wird ja so eine Rezension direkt mit Hintergrundinformationen zugeschmissen. Wer ist die Autorin, wie alt ist sie, wo wurde sie geboren, wie trinkt sie ihren Kaffee und was hat das alles am Ende mit der Geschichte zu tun. Spoilerwarnung: Oft nicht genug. Zugegeben, manchmal schon, aber vielleicht sollte einfach mal die Geschichte für sich stehen ohne dieser ganzen Umfeldbewertung.

Die Geschichte von Kamala Khan ist leicht erzählt, auch wenn sie nicht leicht für sie zu tragen ist. Sie ist Tochter strenger muslimischer Eltern in Jersey City in Amerika. Amerika, das eben nicht so wirklich auch muslimischen Werten aufgebaut ist und deshalb schon genug Reibungspunkte mit ihrer Kultur hat. Vor allem, weil Kamala gar nicht mal so konservativ und streng dem Glauben folgt, wie ihre Familie es sich vielleicht wünschen würde.

Einem Glauben folgt sie aber sehr stark und das ist der Glaube an Superhelden. Vor allem die Avengers haben es ihr angetan und so sitzt sie lieber an ihren Fanfictions, als über religiösen Schriften oder auch ihren Schulbüchern. Muslima und Nerd, beides nicht perfekte Voraussetzungen um an der High School Punkte im sozialen Ansehen zu machen und tatsächlich kommt sie maximal zur anerkannten Aussenseiterin. Ein Zustand, der ihr nicht so ganz gefällt. Denn irgendwie will sie normal sein. Oder besonders. Auf jeden Fall dazu gehören. Irgendwo zu. Hauptsache nicht mehr zwischen allen Stühlen stehen.

Und deshalb schleicht sie sich auch im Frust irgendwann auf eine Party ihrer Mitschüler, riskiert das gute Verhältnis zu ihrer Familie, nur um dort von den Mitschülern - die sie alkoholisieren wollen - enttäuscht zu sein. Als sie vollkommen desillusioniert abzieht, holt der scheinbare Alkoholkonsum und ihre einzige Sicherheit sie wieder ein. In einem Ohnmachtstraum erscheinen Kamala Iron Man und Captain Amerika, die muslimische Glaubensverse zitieren, in Begleitung von "Captain Marvel" Carol Danvers. Als diese Kamala fragt, was sie sich denn wünschen würde, will Kamala auch wie ihre Heldin sein.
"Aber in dem sexistischen Kostüm mit den hohen Stiefeln."
Kamala zu Carol Danvers
Der wenig überraschende Twist: Tatsächlich bekommt Kamala Kräfte und wird sofort in die Situation gebracht, Gutes tun zu müssen. Ausgerechnet eine ungeliebte Mitschülerin rettet sie vor dem Ertrinken. Kamala, die selbst noch gar nicht so recht weiß, was da jetzt mit ihr und den Kräften so abgeht, wird aber nicht erkannt. Alle glauben, dass Captain Marvel zurück ist. Ist sie aber nicht. Ms Marvel ist ab jetzt da.

Die neue Comicreihe und Neuerfindung einer der dienstältesten Marvelheldinnen gefällt sehr gut. Zum Einen wegen den herrlichen gesellschaftlichen Reibungspunkten, die sich alle ganz stark auf Kamalas Rücken abspielen, die aber erfreulich menschlich damit umgeht. Zum anderen, weil Kamala halt auch einfach sehr menschlich damit umgeht. Sie ist angenehm unsicher, naiv, aber auch unverbraucht in ihren Ansichten, gerade weil sie zwischen Moderne und Religion so stark geprägt wurde. Schon in dieser Vorzeichnung zeigt sich eine moderne junge Frau. Nicht, dass es die unter den Marvelhelden nicht schon recht häufig gibt, aber eine Heldin mit muslimischen Hintergrund erweitert hier deutlich und erfreulich den Horizont.

Auch, weil es die perfekte Gelegenheit ist, zusammen mit den Figuren im Comic, diverse Vorurteile in alle Richtungen zu überprüfen. Bestimmt nicht Kernziel des Heftes, welches auch einfach eine gute Superheldengeschichte erzählen möchte, aber garantiert ein positiver Nebeneffekt. Gerade wenn ich unsere aktuelle Medienlandschaft anschaue, ist Ms. Marvel ein erfrischender Kontrast zum täglichen Bashing/Missverständnis des Islam.

Nicht so toll: 
Das größte Manko der deutschsprachigen Veröffentlichung: Die Geschichte lässt einen nicht mit einem heißen Cliffhanger, sondern eher einem offenen Ende in der Luft hängen. Die Neugierde ist zwar geweckt, wird aber nicht so hart angefüttert, wie ich es bei einer neuen Heldin erwartet hätte.

Möglicher Streitpunkt: 
Der zeichnerische Stil ist eigentlich sehr toll und ansprechend, sofern ich das als Laie beurteilen kann, allerdings wird in manchen Szenen für einen komischen Effekt auf eine sehr simple Darstellung der Gesichter gewechselt, die schon fast an Emojis erinnert. Ich empfand das im jugendlichen Figurenumfeld passend, aber ich könnte auch gut verstehen, wenn dieser Stil als Bequemlichkeit abgetan wird.

Wer sollte Ms. Marvel lesen?
Natürlich hilft es, wenn Mensch schon Interesse an Superhelden-Geschichten hat. Denn wer eine feinsinnige Kulturstudie haben möchte, wird hier nicht fündig. Wer aber ein neues frisches Gesicht im Marvel-Universum kennenlernen möchte und Lust auf einen intelligenten Twist zur gewohnten Heldengeschichte hat, kann bei Ms. Marvel vielleicht sogar eine neue Favoritin finden.


Wie ihr sicher gemerkt habt, ist das eine duale Rezension. Es gibt sie einmal als Text und einmal als Audiodatei. Beide Versionen sind nicht zu 100% identisch, tragen aber den selben Inhalt. So könnt ihr aber selbst entscheiden, wie ihr die Rezension am liebsten zu euch nehmen wollt.
Diese erste Aufnahme ist alles andere als perfekt, aber seht es als Experiment. Sollten euch die Audio-Podcast-Rezensionen gefallen, wird es diese in Zukunft häufiger geben. Dann auch mit weniger "Ähms" und "Öhms" und "Unds".

Besprechung: Forza Horizon 2 + Storm Island DLC

Jay Nightwind | 06.03.15 | / / | 4 Kommentare

Ich könnte ganze Foto-Love-Storys mit der Foto-Funktion des Spiels bauen und es würde mir nicht langweilig werden. Schaut sie euch an, nehmt euch einen Moment. Klickt eines nach dem anderen durch, öffnet sie in voller Größe, lasst eure Augen mal wirklich ein wenig wandern. Es sind keine Presse-Kit-Screenshots, nein. Das sind Momente, die sich im Spiel kurz aufgedrängt haben. Stimmungsvolle Situationen, die selbst im heißesten Straßenflitzer zum Anhalten nötigen. Kleine Augenblicke, die Forza Horizon 2 besonders machen.

Rotations-Rezension: Far Cry 4

Jay Nightwind | 30.01.15 | / / / / | Kommentieren
Manchmal gibt es so Titel, die zufälligerweise nicht nur einem, sondern allen in den Konsolenschacht oder auf die Festplatte hüpfen. Warum also nur eine Meinung zu einem Spiel einholen, wenn es offensichtlich mehrere gibt? Formate wie das literarische Quartett haben ja gezeigt, dass Diskusion auch spannend sein kann.
Wir probieren jetzt mal im Blog die Rotationsrezension aus, wo schön der Reihe nach, jeder mal das Spiel - oder die Bewertungen des jeweils anderen - zerfleischen kann. Oder wir uns recht geben. Mal schauen.

Der erste Titel, den Hermann, Stephan und ich uns vornehmen, ist kein anderer als Ubisofts FarCry 4. Wie wir es finden, könnt ihr nach dem Jumpbreak lesen.

Rezension: Disney Infinity 2.0 – Was ist das? Was soll das? Und warum überhaupt?

Jay Nightwind | 16.01.15 | / / | 3 Kommentare


Sicherlich seid ihr in den Supermärkten oder Spielzeugläden schon über diese wahnsinnig süßen Disney-Figuren gestolpert. Starr, aber sehr detailverliebt gestaltet. Dran steht irgendwas von 2.0 – hat das jetzt was mit Computern zu tun? Muss wohl – bei dem Preis von ca. 10 Euro pro Figur.
Und wie geht das jetzt? Die Internetseite von Disney gibt da wirklich nicht viel Preis. Vorallem weil das ja auf allen Systemen (xbox one, ps4, etc.) laufen soll. Aber wie soll das gehen?