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Irgendwie besser: Papier und Ähnliches

Fatima Talalini | 02.07.18 | / | Kommentieren

Diese Wattepads sind aus alter Kleidung genäht. 
Als Behälter eignetsich eine alte Verpackung 
aus der Drogerie. Foto: Fatima Talalini
Im Seminar sitzen alle (und ich meine hier wirklich ALLE) Studierenden mit Laptop, Tablet oder Smartphone – und die Dozentin teilt Kopien des Seminarfahrplans aus. Warum? (und ich meine hier wirklich WARUM?) Es gibt in Deutschland recyceltes Druckerpapier zu kaufen. Und die Handouts der Referatsgruppe sind aus dickem ultraweißem wunderschönem Papier. Papier, das man auch für Hochzeitseinladungen verwenden könnte. Papier, das in aller Regel im Müll verschwindet. Papier, das bei den ganz Motivierten in eine Mappe geheftet wird, um es dann in im nächsten Semester wegzuschmeißen.

Dass Papier aus Holz hergestellt wird, war mir irgendwie klar. Dass wir Papier sparen sollten, auch. Aber dass 80 % der Urwälder auf der Welt schon zerstört sind, war mir ganz und gar nicht bewusst. 80 %? Wirklich? Das ist eine so absurd hohe Zahle, die so gar nicht passen will zu meinem modernen ach-so-aufgeklärten Leben. Was kann ich also tun?

Mit Collegeblocks aus recyceltem Papier hat meine Öko-Streber-Clique schon in der Schule angefangen. Eindeutiges Zeichen: Der blaue Engel. Ein Umweltsiegel, das schon seit 1978 Produkte kennzeichnet, die Ressourcenschonend hergestellt wurden. Auch das Ökopa-Plus-Siegel ist eine gute Orientierungshilfe. Und für den Büro-, Schul- oder Unibedarf gibt es wirklich keinen Grund mehr, nicht auf recyceltes Papier umzusteigen. Es gibt Schulhefte, College-Blocks, Druckerpapier, Notizbücher, Kalender, Schnellhefter, Trennseiten… In jedem gut sortiertem Schreibwarenladen zu finden.

Briefumschläge, Dokumente oder Handouts - 
zurecht geschnitten eignet sich alles als Notizzettel. 
Ein leerer Teekarton sieht auch
auf dem Schreibtisch cool aus. Foto: Fatima Talalini

Super einfach für mich umsetzbar ist auch, die sinnlosen Papiere, die ich so bekomme, sinnvoll zu nutzen. Die Rückseiten von alten Handouts, Seminarblättern oder Kopien aus der Bibliothek nutze ich als Druckerpapier und zerschnitten als Notizzettelchen. Auch die Rückseite von alten Briefen von irgendwelchen Behörden oder Versicherungen kann man super als Druckerpapier nutzen. Die Briefumschläge sind zerchnitten super Notizzettel. Das verhindert natürlich nicht direkt die Abholzung, aber man spart sich den Neukauf von viel Papier.

Der Alleskönner unter den Upcycling Produkten ist altes Zeitungspapier. Es eignet sich als Geschenkpapier, als Einlage für den Biomüll oder als Bastelmaterial. Flechtkörbe, Blumen, Bilderrahmen - die Auswahl auf DIY-Seiten im Internet scheint unerschöpflich.

Auch Toilettenpapier gibt es in der Umwelt-Variante! Und Wattepads aus Biobaumwolle. Noch besser ist es aber, diese einfach aus alten Kleidungsstücken selbst zu nähen und wieder zu benutzen (danke Kerstin, für diesen tollen Tipp!). Einfach Kreise ausschneiden, zwei aufeinander nähen und nach dem Benutzen in einem Wäschesäckchen mit in die normale Wäsche geben (damit sie nicht von der Maschine gefressen werden).

Statt Küchenpapier einen Lappen und ein Trockentuch aus Baumwolle verwenden. Wenn es gar nicht anders geht, die Umwelt-Variante kaufen (auf den blauen Engel achten).

Für Frauen ist der neue Trend-Tampon-Ersatz der so genannte Moon-Cup oder auch Menstruationstasse genannt. Das ist ein kleiner Becher aus Silikon, der statt der Tampons benutzt wird. Das Coole ist, dass man ihn abkocht und wieder verwertet – also weniger Müll. Das Schwierige ist, dass es ein bisschen Übung braucht

Schritt für Schritt ein Stückchen besser werden!


Recherchequellen:
- http://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/anthropozaen/256765/papierproduktion
- https://www.blauer-engel.de/de
- https://www.greenpeace.de/themen/waelder/waldnutzung/papierverbrauch-und-umweltzerstoerung
- https://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/waldvernichtung/umwandlung-in-nutzflaechen/
- https://www.apotheken-umschau.de/Gebaermutter/Menstruationstasse-Tampon-Alternative-519921.html




Dieser Blogeintrag ist Teil der Serie "Irgendwie besser". Den ersten Eintrag findest du hier.

Irgendwie besser: Plastik

Fatima Talalini | 04.03.18 | / | 1 Kommentar
(c) Fatima Talalini
Nachdem ich den Film "Plastic Planet" gesehen hatte, wollte ich mich am liebsten in die Innenstadt stellen und Flyer verteilen: "Hast du das mit dem Müll im Meer gewusst?", wollte ich die Leute fragen. " Die Schildkröten! Die armen Schildkröten!", wollte ich rufen. "Habt ihr das gesehen?", wollte ich rufen. Aber wer hätte mir zugehört? Jahrzehntelang lief durch Dortmund eine Frau mit einem Schild auf dem "Jesus rettet" stand. Als sie irgendwann weg war und jemand anderes das Schild hochhielt, fragte jeder, wo sie denn sei. Einen Flyer hatte niemand von ihr gelesen. Obwohl alle sie kannten, hatte sich niemand aus meinem Umfeld für ihre Botschaft interessiert. Niemand will missioniert werden. Also druckte ich keine Flyer.

Wir alle wissen es: Plastik ist böse. Wir alle benutzen es trotzdem. Es gibt kein vorbei. Während ich diesen Artikel schreibe, benutze ich Tastaturtasten aus Hartplastik, Kabel aus Plastik liegen auf dem Schreibtisch, Textmarker, Kugelschreiber, Tupperdose es steckt sogar mit meinen In-Ear-Kopfhörern in meinem Kopf.

Plastik wurde in den 50-er Jahren entwickelt und galt als ein Stoff der Zukunft. Es ist verrückt, wie sich das Material seitdem durchgesetzt hat. Spielzeug, Geschirr, Verpackungen, Küchenutensilien wie Pfannenwender und ähnliches. Das sind alles Dinge, die man auch aus Holz, Stoff, Keramik oder Metall kaufen kann.

Ich habe in Blogs darüber gelesen, wie man ein plastikfreies Leben führt. Und ich war sehr frustriert, als mir klar wurde: Das schaffe ich nicht. Ich bewundere all diese Leute, die sich ihre Zahnpasta selbst anrühren, Gewürze selbst herstellen oder Spielzeug selbst schnitzen. Für meinen Alltag kann ich mir das aber einfach nicht vorstellen. Doch getreu dem Motto „Schritt für Schritt“ habe ich angefangen immerhin weniger Plastik zu benutzen. Diese Dinge kann ich umsetzen, um wenigstens ein bisschen, um irgendwie besser zu werden:

1. Biogurke mit Plastik ummantelt aus Spanien oder ohne Bio und ohne Plastik aus Holland? Ich entscheide mich für die ohne alles aus Holland, das ist ohnehin näher dran.

2. Ich trinke gerne Kaffee. Und ich bin ein Opfer von Stempelkarten. Der Tiefpunkt war letztes Jahr erreicht, als ich mir ein größeres Portemonnaie zulegte, um alle Stempelkarten unterzubringen. Statt jetzt jedesmal einen Pappbecher mit Plastikdeckel zu kaufen, legte ich mir einen permanenten Becher aus Bambus zu. Das ist wie Tupper, angeblich aber besser, weil: Bambus statt Plastik. Bäcker und Cafés sind nicht verpflichtet die mitgebrachten Becher zu befüllen und können sich mit Hygienevorschriften rausreden. Überall, wo ich nachfragte, war es aber kein Problem. Bei manchen Läden und in der Uni gibt es sogar Rabatt, wenn man seinen eigenen Becher mitbringt.

3. Gemüse aus dem Supermarkt. Bei Rewe oder Edeka kann man auf die Tüte verzichten und alles lose in de Korb tun. Für später einfach einen Jutebeutel mitnehmen. In Discountern ist vieles schon in Plastik vor verpackt. Dafür habe ich keine Lösung gefunde, außer Verzicht. In Dortmund gibt es Mittwochs und Samstags einen Markt in der Innenstadt, Freitags in der Nordstadt.

4. PET-Flaschen. Braucht niemand! Fast überall gibt es inzwischen Glasflaschen oder zumindest widerverwendbares Hartplastik. Ich brauche unterwegs eine Flasche Wasser und habe neben Sigg- und Sportflaschen immer PET-Flaschen aus dem Supermarkt gekauft. Das ist zum einen Quatsch, weil der Transport des Wassers vom Quellort in den Supermarkt CO2-Emissionen verursacht, während das Leitungswasser in Deutschland trinkbar ist. Der erste Schritt hieß für mich: Von Flaschenwasser auf Leitungswasser umsteigen. Im Ruhrgebiet kein Problem – das Wasser ist hier relativ weich, hat also keinen hohen Kalkgehalt. In Berlin sieht das schon weit anders aus. Wer dort lebt und den Geschmack des Wassers nicht mag, kann sich Filterbehälter zulegen oder spezielle Kohlestücke kaufen, die man regelmäßig abkochen muss. Der zweite Schritt war für mich: Eine Flasche für das Leitungswasser. Ich habe zuerst eine aus Glas gekauft, der Behälter ist komplett aus Glas, am Flaschenhals ist ein Metallverschluss, nur die Dichtung und der Plöppverschluss sind aus Plastik bzw. Gummi. Nachdem mir drei Glasflaschen samt Inhalt zerbrochen waren, musste ich einsehen, dass diese Option nicht für mich infrage kommt. Meine super bewundernswerte Freundin riet mir zu einer Flasche von Klean Kanteen. Diese bestehen aus Edelstahl. Ich habe mich mit meinem studentischen Geldbeutel für eine günstigere Marke entschieden.

5. Strohhalme. Was für ein Quatsch! Ein Rörchen aus Plastik, das dafür sorgt, dass man das, was man trinkt, anders trinkt? Boykottiere ich.

6. Kosmetika. Ohje. Seife war einfach: Statt Flüssigseife in Plastik einfach feste Seife kaufen, die gibt es in der Drogerie auch in Pappschachteln. Einfach darauf achten, die zu kaufen, die nicht in der Pappschachtel noch zusätzlich in Plastik eingehüllt sind. Shampoo ist schwieriger. In Biosupermärkten und in super fancy Kosmetikläden wie Lush oder Body Shop gibt es festes Shampoo. Das sieht aus, wie Seife und kann in einem Säckchen oder Papier verpackt gekauft werden. Kontaktlinsenflüssigkeit habe ich leider nicht anders verpackt gefunden. Wenn jemand was findet, schreibt gerne eine Mail an: nachtwindteam@gmail.com.

 Diese ersten Schritte helfen mir dabei, darauf zu achten, wo wir überall Plastik benutzen - und wo man es vermeiden kann.


Recherchequellen:
- https://www.bpb.de/mediathek/187448/plastic-planet

Dieser Blogeintrag ist Teil der Serie "Irgendwie besser". Den ersten Eintrag findest du hier.



Vlog: Die Sokratischen Siebe für den Alltag

Der Nachtwind | 06.11.17 | / / | Kommentieren
Blogautor und Poetry Slammer Jay Nightwind ist auf der Suche nach der ultimativen Lösung für gute Kommunikation. Wie das so ist: Für viele Probleme gibt es alte Lösungen. Warum nicht die Philosophen befragen? Die drei Sokratischen Siebe scheinen unserem Autor geeignet, gerade in Zeiten von Hate Speech und Fake News.

Irgendwie besser: Schuhe

Fatima Talalini | 10.08.17 | / | 1 Kommentar
Nachhaltigkeit hat oft etwas mit einkaufen zu tun. Was wir kaufen, beeinflusst unser Leben, das der Verkäufer, Händler, Produzenten und Angestellten. Es beeinflusst die Umwelt, die Flüsse, Seen, die Atmosphäre. Einkaufen ist politisch. Man kann sich keine Gedanken machen und ist dennoch mit politischer Haltung unterwegs: Der Egal-Haltung, eine der gefährlichsten überhaupt. Dass wir in einem kapitalistischen System leben, kann man gut finden oder ablehnen, aber es hat einen großen Vorteil: Die Konsumenten habe große Macht. Nicht nur jeder BWL-Ersti weiß: Angebot und Nachfrage beinflussen den Markt. Ein Label, wie das bekannte Faitrade-Ying-und-Yang in blau, grün und schwarz konnte nur so groß werden, weil die Produkte, die es schmückt, gekauft werden; und das obwohl es preisgünstigere Alternativen gibt. Tee, Kaffee und Schokolade sind nicht das ganze Problem. Es geht um so ziemlich alles, was nicht hier, also in den westlichen Industrienationen angebaut und produziert wird.

Es ist Sommer. Ich brauche neue Schuhe. Oder ich glaube, welche zu brauchen. Ich bin nicht sicher, ob ich sie wirklich nötig habe, doch das wäre ein anderes Thema. Also: Es ist Sommer, ich möchte neue Schuhe kaufen, weil ich glaube, sie zu brauchen.
Das Problem mit Schuhen fängt, wie bei jeder anderen Kleidung, mit der Produktion an. Die Fabriken, die meist in Asien stehen, nutzen bei der Herstellung von Kleidung und Schuhen giftige Chemikalien, die häufig ungefiltert in die heimischen Flüsse gelangen und das Wasser vergiften. Die Chemikalien finden sich in der Kleidung des Konsumenten wider (deshalb neue Kleidung immer erstmal waschen!). Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace gelten zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen als verschmutzt.

Nach einer Studie von Greenpeace waren 58 Prozent der 18 bis 29-Jährigen noch nie beim Schuster. Schuhe sind ein Wegwerfprodukt geworden, dass sich beliebig austauschen lässt. Durch die günstigen Preise neigen Konsumenten dazu, viele günstige Schuhe zu kaufen, statt wenige teure.

Es gibt viele Alternativen, die nachhaltiger sind. Es drängen sich zwei wichtige Bereiche auf: Wie sind die Bedingungen für die Arbeitnehmer, gibt es faire Bezahlung? Gibt es Arbeitsschutz? Sind die Materialen ökologisch oder werden giftige Chemikalien genutzt? Gerade große Firmen wie Adidas oder Nike stehen immer wieder wegen giftiger Chemikalien in der Kritik von Umweltschützern. Und das, obwohl deren Produkte nicht mal günstig sind.
Eine gute Übersicht über faire und ökologische Alternativen bietet das Portal utopia.de.
Ich habe mich für Schuhe von Toms [1] entschieden. Sie werden in Argentinien, China, Äthiopien, Haiti, Indien und Kenia hergestellt, haben also im Transport eine hohe CO2-Bilanz.  Dafür werden die Angestellten fair bezahlt. Die Schuhe sind  aus natürlichem Hanf, Bio-Baumwolle oder recyceltem Polyester hergestellt, einige Modelle sind vegan. Die Schuhkartons sind zu 80 Prozent aus recyceltem Papier. Was mich am meisten überzeugt hat: Für jedes gekaufte Paar Toms geht ein Paar an ein Kind in Not. Dieses One for One Prinzip von Firmengründer Blake Mycoskie soll das Bewusstsein für die Armut in manchen Regionen dieser Welt stärken und gleichzeitig bewusst und aktiv etwas dagegen tun. Außerdem bieten viele große Schuhgeschäfte Toms an, sodass ich sie nicht im Internet bestellen musste und wenigstens einen Transportweg (CO2-Bilanz!) gespart habe (natürlich nur solange man nicht mit dem Auto in die Stadt fährt).
Foto: Fatima Talalini

Wem faire und ökologische Marken zu teuer sind, kann auf Second Hand zurückgreifen oder vorhandene Schuhe zum Schuster bringen. Neue Absätze kosten um die zehn, neue Sohlen um die dreißig Euro.

Will man die CO2-Bilanz möglichst gering halten, empfiehlt sich die Suche nach lokalen Produzenten und kleinen Manufakturen. Für meinen aktuell studentischen Geldbeutel kommt das leider nicht in Frage.

Nachprüfen, ob die Schuhe, die ich gekauft habe, wirklich all das umsetzen, was die Firma verspricht (und womit sie wirbt) kann ich letztendlich nicht. Auf der Internetseite finden sich Bilder von glücklichen Kindern mit ihren Schuhen. Es gibt Labels für Kleidung, ein einheitliches habe ich bisher nicht gefunden. Dieses Stück Restvertrauen muss ich also aufbringen, wann immer ich nachhaltig einkaufen gehe. Ich finde, das ist ein Vertrauen, dass sich lohnt. Zumindest für die, die noch ein bisschen länger was von dieser Welt haben wollen.

Dieser Blogeintrag ist Teil der Serie Irgendwie besser. Den ersten Eintrag findest du hier.

Recherchequellen:
  •  http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/161081/fairer-handel
  • https://www.greenpeace.de/files/publications/20151123_greenpeace_modekonsum_flyer.pdf
  • https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/detox_fs_discounter_final20102014_0.pdf
  • https://utopia.de/bestenlisten/schuhe/
  • https://utopia.de/produkt/toms/

  1. [1] Ich habe lange überlegt, ob ich die Firma nennen soll, deren Schuhe ich gekauft habe. Ich möchte keine Werbung machen, sondern einen Erlebnisbericht darüber schreiben, wie ich über Nachhaltigkeit nachdenke, was ich darüber herausfinde und wie ich schließlich mit diesem Wissen umgehe, also wie ich handel. Ich erzähle, was ich wann warum tue, lasse, kauf, ändere. Um dies vollständig und ehrlich zu tun, möchte ich offen darüber sprechen, was ich kaufe. Daher auch der Firmenname.

Irgendwie besser: Nachdenken

Fatima Talalini | 03.08.17 | / | 1 Kommentar
Foto: Jay Nightwind
Eine meiner besten Freundinnen ist eines meiner größten Vorbilder. Sie ist freundlich, geduldig und klug. Gerade die ersten beiden Eigenschaften bewundere ich sehr, weil sie mir am schwersten fallen. Aber wofür ich sie am meisten bewundere, ist die Tatsache, dass sie jeden Tag versucht, ein guter Mensch zu sein. Sie macht das nicht, um anderen zu gefallen, sondern für sich und für die Welt, in der wir leben. Sie isst kein Fleisch, kauft keine Kleidung aus unfairer Produktion, fährt kein Auto.

Vielleicht ist es eine Illusion, zu glauben, dass der Verzicht auf diese drei Dinge, die Welt retten. Vielleicht auch nicht. Ich möchte es wenigstens versucht haben.

Ich habe mich in meinem Leben schon oft vegetarisch ernährt. Diese Phasen hielten mal einige Wochen an, mal einige Monate. Zwischen diesen Phasen habe ich mal sehr viel, mal sehr wenig Fleisch gegessen. Ich bin ein Jahr lang sehr viel Auto gefahren, danach gar nicht mehr. Ich habe Kleidung aus fairem Handel, aus Second-Hand-Geschäften und von großen Modeketten. Ich kaufe Lebensmittel im Discounter (häufig), im Supermarkt (regelmäßig) und im Bioladen (selten). Auf dem Markt kaufe ich so gut wie nie ein (abgesehen von Waffeln und Orangesaft, denn beides ist dort wirklich gut). Ich habe irgendwann mal einen Demeterhof besucht und irgendwann mal eine Doku über Massentierhaltung gesehen.

Foto: Fischer Verlag
Als ich meine Freundin fragte, warum sie konsequent gar kein Fleisch isst, erzählte sie mir von dem Buch, das wirklich viele Menschen in der letzten Zeit bewegt hat: "Tiere Essen" vom amerikanischen Autor Jonathan Safran Foer. Im Grunde ist dieses Buch das Rechercheergebnis eines mündigen Konsumenten, der herausfinden will, was er da eigentlich isst. Seine Ergebnisse über amerikanische Massentierhaltung lassen sich zwar nicht eins zu eins auf die in Deutschland übertragen, weisen aber viele Parallelen auf. Als ich anfing dieses Buch zu lesen, bekam ich schwarz auf weiß die Fakten präsentiert, von denen ich zwar wusste, dass sie existieren, mit denen ich mich aber nie ernsthaft auseinander gesetzt habe. Irgendwie wusste ich, dass Fleischkonsum schlecht für die Umwelt ist. Irgendwie wusste ich, dass Tiere dort leiden. Irgendwie wusste ich, dass Biofleisch gesünder für mich, besser für die Umwelt und besser für die Tiere ist. Dieses schwammige Halbwissen wurde auf einmal mit Fakten festiert und vertieft. Und ich nahm mir vor: Ab jetzt gucke ich nicht mehr weg. Ab jetzt beschäftige ich mich aktiv mit meinem Handeln und seinen Folgen. Wie kann ich anders von mir behaupten, ein mündiger, ein denkender Mensch zu sein? Es gab ein paralleles Ereignis, welches meinen Beschluss bekräftigte. Im Studium beschäftigten wir uns mit den Philosoph*innen. Wir besprachen Platon und Aristoteles, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer, Peter Singer, Mahatma Ghandi, Albert Schweitzer, Hannah Arendt und Hans Jonas. All diese Menschen, deren Gedankengänge wir im Seminar versuchten nachzuvollziehen, all diese Ansätze über die Welt zu denken, beruhen auf einem Grundsatz: dem Denken. Wenn es wirklich das Denken ist, was mich von anderen Lebewesen unterscheidet, wenn ich wirklich behaupte, mein Handeln durch das Denken zu steuern, dann sollte ich schleunigst damit beginnen.

Mein Ziel ist einfach: ich will besser werden. Nicht besser als andere Menschen, sondern besser, als meine vorherige Version. In der idealistischen Hoffnung, dass wenn viele viele Menschen bei sich anfangen ein besserer Mensch zu sein, unsere Welt irgendwann der Ort ist, an dem ich wirklich leben will.

Und damit fange ich jetzt an.

Isn't it ironic? #2

Fatima Talalini | 09.02.17 | | 1 Kommentar
Eine Reihe bemerkenswerter historischer Fakten, ohne Chronologie, ohne Kommentar. Fakten, die aus heutiger Sicht zu der Frage führen: Sollten wir es nicht besser wissen? Ja, Geschichte wiederholt sich. Isn't it ironic?

#2 Illegale Einwanderer
Anfang des 19. Jahrhunderts siedelten sich viele US-Amerikaner zusammen mit ihren Sklaven im Westen Nordamerikas an. In Texas, das zu der Zeit zu Mexiko und nicht zu den USA gehörte, siedelten viele Amerikaner ohne Siedlungsrecht, was von der mexikanischen Regierung toleriert wurde. Als 1829 die Sklaverei offiziell in Mexiko verboten wurde, verbot Mexiko auch die Einwanderung und Siedlung von US-Amerikanern, da diese häufig mit ihren Sklaven kamen. Daraufhin reisten die Amerikaner illegal nach Mexiko ein.

Am 25.01.2017 unterschrieb US-Präsident Donald Trump ein Dekret zum Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko, um die illegale Einwanderung aus Mexiko in die USA zu stoppen.

Quelle: 
- Vorlesung von Prof. Dr. Michael Wala an der Ruhr-Universität Bochum vom 15.11.2016: Die Geschichte des Nordamerikanischen Kontinents im 19. Jahrhundert. - Spiegel Online: Trump ordnet Bau der Mauer an (Aufruf am 31.01.2017).

Isn't it ironic? #1

Fatima Talalini | 02.02.17 | | 3 Kommentare
Eine Reihe bemerkenswerter historischer Fakten, ohne Chronologie, ohne Kommentar. Fakten, die aus heutiger Sicht zu der Frage führen: Sollten wir es nicht besser wissen? Ja, Geschichte wiederholt sich. Isn't it ironic?

#1 Obergrenze
Von 1939 bis 1945 wanderten circa 82.000 jüdische Immigranten vor allem aus Deutschland, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakai und Ungarn nach Palästina ein. Der britisch besetzte Staat führte am 17.05.1939 eine Obergrenze für die Immigration ein. Darauf folgte eine massive illegale Einwanderung vor allem auf Flüchtlingsschiffen über das Mittelmeer. Da dieses im Zweiten Weltkrieg eine Kampfzone war, starben viele Migranten bei der Überquerung. Die Briten fingen außerdem viele Flüchtlingsschiffe ab und deportierten die so genannten illegalen Einwanderer. 1948 wurde der Staat Israel auf ehemals palästinensischem Boden gegründet.

Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sind im Jahr 2016 mehr als 5.000 Menschen bei dem Versuch, über das Mittelmeer zu fliehen, gestorben oder gelten als vermisst.

Quellen: 
- Flug, Noah & Schäuble, Martin: Die Geschichte der Israelis und Palästinenser, München 2014.
- UNHCR: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/spenden-mittelmeer-nothilfe/wc/J102?gclid=CJPP_eSH7dECFcKVGwod4XgGCw (Aufruf am 31. Januar 2016).

#ReadyToBO - Promo für den NRW-Slam 2016

Es ist jedes Jahr ein Highlight, wenn die Poetry Slam Szene in NRW zusammen kommt, um die Landesmeisterschaft auszutragen. Dieses Jahr kommen wir in Bochum zusammen, damit in einem der Bundesländer mit der höchsten Dichterdichte (Hihi), entschieden werden kann, wer denn 2016 am besten textlich ankommt.

Leider ist die Aufmerksamkeit für die Meisterschaft bei den potentiellen Zuschauern nicht so hoch, wie ich es erwarten und wünschen würde. Mir fehlt der "Hype", die Aufregung. Ruhe vor dem Sturm? Mag sein, aber so einen Sturm kann mensch auch beschwören. Zum Beispiel - meine aktuelle Faszination bricht da nicht ab - in dem mensch wie beim Wrestling eine "Promo" macht. Eine Ansprache und Aufforderung, die Interesse auf den Event lenken soll. So was könnte dann zum Beispiel mit dem aktuellen Vize-Meister laufen und so aussehen:



Oder es könnte auch eine Slammerin sein, die sich unzählige Siege in der letzten Saison anstecken durfte.



Oder es könnte auch ein sportgepumpter Performer sein, der aus seiner zweifelhaften Begeisterung für Wrestling und Kampf seinen Antrieb bezieht:



Egal wie es sich zuträgt, es sind Leute, die großen Spaß hatten, mit einem Augenzwinkern ihre Motivationen für den NRW-Slam darzustellen. Unter dem Hashtag #ReadyToBO geht es auf Facebook etc. weiter und wir hoffen darauf, dass auch andere Slammer mitmachen, erzählen was dieses Jahr ihre Ziele und ihr Antrieb sind.

Danke an unser Team für die Drehtage:
Tobi, Andy, Lio, Tom Lindemann, die Jungs von Sparta Essen und die Weststadthalle Essen.