Übung: Identität mit Variable

Einige meiner Mentor*innen kommen zu dem Ergebnis, dass unsere Identität vorallem dann entsteht, wenn wir etwas tun. Besonders in der Art und Weise zeigt es sich. Wir haben Vorstellungen davon wie bestimmte Personen sein könnten, nur weil wir ihre Musik hören, sehen wie sie ihren Sport machen, wie sie sich in der Öffentlichkeit verhalten. Natürlich sind das dann auch Vorurteile die wir bilden wenn wir andere so beobachten, vorallem aber weil wir nur einen Ausschnitt von einer Person sehen. 

Die Art und Weise wie wir Dinge tun prägt also wie wir und andere uns sehen, was wiederum darauf einwirkt, was wir als unsere Identität sehen können. Identität ist dadurch aber auch beweglich, denn wenn wir uns vornehmen Dinge anders zu machen und das auch umsetzen, dann verändert sich sowohl wie wir uns sehen und auch wie andere uns sehen. 

Um sich dafür Bewusstsein zu schaffen, machen wir zwei Listen. Die erste die wir erstellen beinhaltet Aktivitäten die wir häufig machen, machen müssen oder machen wollen. Alles zählt. Kochen, Kunstmachen, Autofahren, Musikhören, Reden, Umarmen, Emails schreiben, Arbeiten, Küssen, Müll rausbringen, feiern gehen, zum Amt gehen, alles alles kann aufgeschrieben werden. 

Die zweite Liste beinhaltet Eigenschaften oder Qualitäten die wir gerne hätten. Ich empfehle Grundformen aufzuschreiben und nicht Komparative oder Superlative. Also "sanft" statt "sanfter", denn wir wollen uns nicht vergleichen in dieser Übung. Wir schreiben alle Eigenschaften auf die wir gerne hätten. Die wir gerne an uns sehen würden, aber auch gerne zeigen würden. Auch hier ist alles möglich, was euch wichtig ist. 

Danach stellen wir uns eine Frage: Wie kann ich <Tätigkeit> in <Eigenschaft> machen? Ihr könnt euch aussuchen welche Tätigkeit und Eigenschaft ihr bearbeiten wollt, aber ihr könnt auch die Tätigkeiten und Eigenschaften auf kleine Zettel schreiben und auslosen. 

Mit dieser Frage könnt ihr denken und aufschreiben und reflektieren. Denn ihr fragt euch dadurch, welche kleine Handlungen dazu gehören, um sie im großen Bild anders zu machen. 

Wie kann ich Autofahren in sanft machen? 
Wie kann ich Kunstmachen auf eine ordentliche Art gestalten?
Wie kann ich liebevoll mit andren reden
Was braucht es dazu für Handlungen? Wie kann das möglich sein? 

Daraus entstehen neue Listen und zwar mit Handlungsempfehlungen von euch selbst, an euch selbst. Natürlich können andere immer noch bestimmtes Handeln anders bewerten, weil vieles darin einspielt, wie wir Worte und Eigenschaften verstehen. Und sich mit anderen austauschen darüber kann auch sehr sinnvoll sein. Für den ersten Moment wollen wir aber mit uns arbeiten und für uns selbst Bewusstsein entwickeln. 

Diese Übung kann auch mit Gruppen und Kollektiven gemeinschaftlich gemacht werden. Wie kann unser Theaterstück in einfühlsam aussehen? Wie kann unsere Buchhaltung in freundlich gemacht werden? Wie kann unsere Zeitschrift umgesetzt werden, so dass sie liebevoll ist? 
Ob ihr dabei die große Aktivität oder ihre kleineren Bestandtteile nehmt liegt bei euch und wieviel Zeit ihr zusammen habt um es zu bearbeiten. 


Kommentare

Vielleicht auch spannend: