Brüten

Früher wenn ich meine Möbel gebaut habe, hatte ich eine Idee, wenn ich die Ruhe hatte habe ich die sogar gezeichnet, dann direkt angefangen zu bauen und dann war ich oft viel genervt, weil irgendwas schief gegangen ist oder es nicht so geworden ist, wie ich wollte. 

Wenn ich mit Leuten über ihre Slamtexte gesprochen habe, hatten viele den Wunsch sich hinzusetzen, die perfekte Idee zu haben, diese in einer Sitzung runter zu schreiben und dann ist das Ding fertig. Für einige hat das auch geklappt, aber dann waren sie damit auf der Bühne oder sind fertig gewesen und waren genervt. Irgendwie war es nicht so geworden wie sie wollten. 

Für beide Fälle war der Prozess dann, es wieder teilweise zurück zu bauen, etwas zu korrigieren, eine Lösung oder eine Notlösung zu finden. Oder die Sache scheiße zu lassen und aufzugeben. 

Seid gar nicht so langer Zeit klebe ich Skizzen meiner möglichen Möbel dahin, wo ich sie bauen möchte. Dann passiert oft eine bis vier Wochen nichts sichtbares. In meinem Kopf aber läuft ein unterbewusster Reifeprozess. Ich brüte auf der Idee. Muss doch noch was geändert werden? Fällt mir noch eine andere Lösung ein? Habe ich etwas übersehen? Irgendwann fange ich dann einfach an. Meist aus einer Langeweile heraus. Weil Langeweile ein guter Marker dafür ist, dass mensch gerade keine Probleme mehr hat. Und eben auch keine mehr mit der Idee. Sie meldet sich von Innen und möchte sagen, dass sie jetzt soweit ist. 

Brüten kann ich auch, weil ich mich dazu gebracht habe auch Dinge anzufangen, wenn ich keine Idee habe. Ich kann ohne Idee schreiben. Aber dadurch habe ich auch die Sicherheit, dass eine Idee nicht bezahlt, wenn ich sie nicht sofort umsetze. Und weil ich immer schreiben kann, kann ich das eben auch später machen. Die Ideen werden nicht so schnell schlecht. Die innere Kritik ist nicht mehr destruktiv, sondern arbeitet mit. Und so kann ich dann in Ruhe brüten. 

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