Text: bis auf die Knochen
Als ich die siebte Schicht abtrage, ist schon länger kaum mehr etwas zu erkennen. Ich sehe nicht mehr wie jemand aus. Ich sehe wie jede*r aus, in dieser Tiefe. Was übrig bleibt ist rohes menschliches Material. Blut, Knochen, Muskeln, Nerven, andere Satzteile. Ein paar nützliche Flüssigkeiten. Ein bisschen Reste aus den täglichen Prozessen. Ich sitze hier so, als wollte ich beweisen, das ich ein Mensch bin. Ob anderen oder mir, das lässt sich nur schwer sagen. Mensch soll komplett ehrlich sein, aber wenn mensch dann in Blut und Scheiße sitzt, weil wirklich alles gesagt und gezeigt wird, dann wird nicht applaudiert, sondern gekotzt. Ich musste soweit runter. Es war alles schon so tief eingedrungen. Keine Sorge, ich war im Schlachthaus, ich weiß wo wir fürs Filet schneiden müssen. Und dann lassen wir es nachwachsen und schauen, wen wir dann bekommen. Ich befürchte es werde wieder ich sein. Aber nicht mehr wie vorher. Wie sollte es auch. Nichts wächst nach dem Trennen wieder genauso zusammen wie vorher. Aber wenn alles eine Narbe ist, sieht es auch nur wie Haut aus.
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