eine Meinung zum Jetzt
Ich glaube daran, dass der Mensch gut ist. Gut in dem Sinne, wie es eben der Mensch auch definiert hat. Wir wollen alle gut zueinander sein. Selbst Menschen die introvertiert sind oder anders nicht laufend in Kontakt mit anderen Personen kommen wollen, wollen in einer Gesellschaft leben, die nett ist, und akzeptierend und wenn es darauf ankommt auch hilfsbereit. Auch wenn Menschen zurückgezogen leben, wollen sie sicher sein, wenn sie wieder an Orte kommen, wo viele sind. Ich glaube daran, dass Menschen gut sind, ich glaube aber auf, dass es dafür Vorrausetzungen gibt. Es braucht Sicherheit, es braucht Fallschirme.
Ich glaube auch, dass aktuelle Personen in Macht, sei es durch Politik, Ruhm oder Geld, nicht wollen dass diese Sicherheit besteht. Weil es für sie besser ist, wenn die Menschen nicht gut sein können. Weil es besser für sie ist, wenn die Menschen in ihre Urinstinkte des Überlebens zurückgetreten werden, die wir aufgrund unserer Versorgung und unseres Fortschritts schon lange - in der Form - überkommen haben könnten. Aber Menschen die sicher sind, die können nachdenken, die können kreativ sein, die können erfinden und für die in ihren bequemen Positionen ist eben herausfordernd, dass Menschen die sicher sind und sich entwickeln wollen, dann auch Veränderung wollen. Und das widerspricht eben oft der etablierten Ordnung, selbst wenn die Werte manchmal übereinstimmen können. Manchmal denke ich, ironischerweise, dass bei denen in Macht dabei die Urinstinkte ein wenig übersteuern.
Ganz früher waren wir der Natur, dem Hunger, Krankheit und fehlendem Wissen ganz anders ausgesetzt. Unsere Seele hat deshalb einen unterbewussten Anteil entwickelt, der sich immer um unser Überleben kümmert. Dieser Anteil ist sehr stark in uns, weil früher unser Fortschritt erfordert hat, dass wir so lange wie möglich leben und uns fortpflanzen. Wir haben - wenn auch sehr sehr ungleich verteilt auf der Welt - diese Hindernisse eigentlich überkommen. Im Grundansatz könnten wir alle Menschen versorgen, wir können länger leben als ein Leben früher für uns gedacht war, teilweise wird sogar wissenschaftlich davon ausgegangen, dass wir eine Form der Unsterblichkeit jetzt schon erreichen könnten. Ob das erstrebenswert ist, das steht auf einem anderen Blatt. Dazu haben wir die besten Zeiten um Wissen zu speichern und haltbar zu machen, ohne selbst Nachwuchs haben zu müssen und diesem dann das Wissen zu vermitteln. Was uns davon abhält unsere Urinstinkte zu überkommen sind aber Ungleichheiten und eben Menschen die diese Reflexe in uns ausnutzen.
Es wird Mangel vermittelt, wo eigentlich keiner sein müsste. Es werden immer mehr Sicherungssysteme unserer Gesellschaft ausgeschaltet und damit ein Zustand und Gefühl der Bedrohung aufgebaut. Da Wohnraum, Geld, Arbeit und Chancen als begrenzt vermittelt werden, ist es leichter uns in Konkurenz zueinander zu stellen, wo es das gar nicht bräuchte. Und wo diese Kräfte besonders stark handeln, da habe ich den Eindruck sind wir besonders nah an einem möglichen Umbruch. Denn die, die sich konservativ nennen, auch wenn sie gar nichts erhalten wollen, die müssen besonders viel machen, weil schon so viel neues Denken und Wünschen in der Gesellschaft da ist. Jedes Einkürzen unserer Sicherheiten ist ein Angriff auf unsere Freiheit von oben.
Ich glaube daran, dass der Mensch gut ist. Sogar zu großen Teilen die, die da die Entscheidungen treffen. Dass ich daran glaube ist eine Entscheidung von mir. Wie wir alle einzeln und als Gemeinschaft dazu gewinnen auch wieder gut für alle und nicht nur sich sein zu wollen, das weiß ich nicht. Und ich glaube auch das ist richtig so. Denn alleine zu wissen, wie es allen besser gehen könnte, das scheint mir der Idee von Gemeinschaft eigentlich zu widersprechen. In langer Vergangenheit, da waren wir in Reisegruppen organisiert. Kulturen. Und wir konnten anderen begegnen, teilen, handeln, reden, uns verbinden, aber auch dann wenn es für die Erneuerung gut war, haben sich Gruppen auch abgetrennt. Ich glaube daran, dass das alles in Frieden möglich ist. Ich glaube daran, dass der Mangel nicht sein müsste. Das Platz für alle sein kann. Die Natur wird weiter ihre Rolle spielen. Wenn wir über unsere Verhältnisse von ihr nehmen, wird sie uns zu wenig geben. Wenn Menschen uns Menschen aber nehmen was wir bräuchten nur um ein System zu erhalten, dass seine Vorteile überholt hat, dann müssen wir unsere Rolle spielen.
Mich macht wütend und verärgert, dass Menschen so gegen Menschen handeln. Weil ich so sicher bin, dass wir füreinander gut sein wollen. Weil ich sicher bin, dass wir lieber füreinander sein wollen. Nur dafür braucht es eben die Sicherheiten, um die Gespräche führen zu können, die jetzt gerade für unsere Entwicklung wichtig sind. Jedes Einschneiden von bestehenden Sicherheiten nimmt uns die Zeit uns zu fragen: Wie sehen wir inzwischen eigentlich Gender? Was kann heute alles Familie sein? Wofür möchten wir im Leben Zeit haben? Wie geben wir uns in Gesellschaft Bedeutung? Wie können wir das Trauma heilen, dass wir vielen Gruppen zugefügt haben über die Zeit? Wie wollen wir leben, damit Fortschritt, Umwelt und Mensch auf einen Lebensraum passen können? Wie wollen wir leben, damit die, die nach uns kommen auch Freude an unseren Entscheidungen haben können? Das sind Fragen die wir bearbeiten können sollten. Nicht ob am Ende des Monats die Heizung ausgeht.
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