Teil 2: Warum Bochum doch ganz schön scheiße ist

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Eigentlich wollte ich hier was erzählen über die schönen Ecken in Bochum, wie den Kemnader See, die Ruhrwiesen in Dahlhausen oder den Westpark. Über die schönen Radwege bis nach Hattingen und den wundervollen Kortländer Kiez mit dem Kugelpudel, der Trinkhalle und dem Eden.

Die letzten Wochen hat die Stadt Bochum mir die Formulierung so einer Lobeshymne echt schwer gemacht. Deswegen möchte ich euch stattdessen erklären wie in Bochum zurzeit Kultur zerstört wird.

Kortländer Kiez
Als Kortländer Kiez bezeichnet man eine kleine kreative Ecke zwischen der Abzweigung von Herner und Dorstener Straße in der Bochumer Innenstadt. Gleich hinter dem Rathaus. Das Internet sagt der Kortländer heißt Kortländer weil ein sogenannter Ferdinand Kortländer dort 30 Jahre (!) lang eine wohl legendäre Wirtschaft betrieben hat. Das wär ganz schön cool, andererseits sagt das Internet auch das Chemtrails existieren und Wasser giftig ist. Wie auch immer, eine ganze Zeit lang war der Kortländer die coole Alternative zum Bermuda Dreieck. Für alle Nicht-Bochumer möchte ich das Ganze in folgender Analogie ausdrücken. Das Bermudadreieck verhält sich zum Kortländer wie Sharknado 3 zu, sagen wir mal.. Fight Club. Das Bermuda Dreieck ist, mit wenigen Ausnahmen, ein füchterlicher Ort. Eine Art Vorhölle in der du nur überleben kannst, wenn du mindestens 1,8 Promille und gute Freunde dabei hast. Wie bei Sharknado3 halt. Der Kortländer Kiez war ein Ort der alternativen Energie mitten in der Stadt. Eine Art Szeneviertel wenn man so will.

Wenn man am Wochenende Spaß haben wollte, und keine Lust hatte sich hemmungslos zu betrinken oder zum tausendsten Mal von einem Jungesellenabschied mit den Worten: „Also, hör mir mal zu, ich heirate Samstag und küsse dich/trinke einen Schnaps mit dir/ putz dir deine Schuhe/etc.“ gegen einen Unkostenbeitrag von nur X €“ anquatschen zu lassen, der war im Kortländer Kiez genau richtig. Es gab Lesungen, Diskussionen, Akustikkonzerte und Repaircafés. Es gab gutes Craft-Bier in der Trinkhalle und irische Atmosphäre und flüssige Delikatessen im Paddy’s. Es gab verrücktes Eis im Kugelpudel und Schallplatten bei Bahlo-Records. Es gab Bier, Konzerte und vieles mehr im Eden. Es gab einen türkischen Supermarkt und einen klassischen Kiosk für das Fuß-Pilz nachhause. Und es gab den besten Dönermann der Welt im Kortländer. Der Mamaris-Grill hat eigentlich immer auf und versorgt deinen betrunkenen Körper mit zahlreichen Basics. Von Döner, über Lahmacun bis hin zum vegetarischen Dürüm. Falaffeltaschen und gefüllte Weinblätter. Börek und Pizzen. Egal wonach dein betrunkenes Ich dürstet. Mamaris kann dein Bedürfnis stillen. Natürlich kann ich nicht bester Dönermann der Welt sagen, ohne Has Ufra zu erwähnen. Aber der liegt nicht im Kortländer und hier geht es um den Kortländer.

Dem aufmerksamen Leser mag bereits aufgefallen, dass ich die letzten Sätze im Präteritum formuliert habe. Ich fürchte, dass diese Oase in Bochum auseinander zu fallen droht.

Was ist passiert?

In den letzten Monaten hat der Kortländer regelmäßigen Besuch von Ordnungsamt und Polizei wegen Lärmbelästigungen erhalten. Die Trinkhalle, die stets bemüht war den Lärmpegel soweit wie möglich unten zu halten (keine Musik, kein rumlungern draußen nach 10!) muss seine Pforten jetzt bereits um 22:00 schließen. Welcher Rentnerabend endet denn bitte um 22:00 Uhr?

Das Cafe Eden hat dasselbe Problem, das nach 22:00 Lärmbelästigungen stark geahndet werden. Ihnen droht eine hohe Geldstrafe bei weiteren Verstößen und desweiteren ist es ihnen untersagt gemütliche Wohnzimmerkonzerte, Diskussionen oder andere Veranstaltungen zu hosten. Sprich sie dürfen nun ein langweiliges Café ohne Veranstaltungen sein. Gerüchten zufolge hat auch der Kugelpudel Probleme, da es Konzerte veranstaltet hat.

Geht es also zu Ende mit dem Kortländer? Ich weiß es nicht. Hinter den Kulissen wird wohl fieberhaft an einer Lösung gearbeitet. Ich hoffe das uns Bochumern der Kortländer erhalten bleibt. Zeigt eure Solidarität um das coolste Viertel Bochums zu erhalten. Geht vor 22:00 in die Trinkhalle und trinkt ein, zwei Bier bei Tom. Esst unterwegs mal ein Eis im Kugelpudel oder trefft euer nächstes Tinderdate im Eden. Und besucht das zweite Kortländer Straßenfest.

Kommentare

  1. Sowas ist immer sehr ärgerlich. Aber kämpfen lohnt. Kämpfen heißt in diesem Fall vorallem mit der Nachbarschaft in Kontakt zu kommen und zu schauen, was da läuft. Wer macht hier die Kontrollen? Wer fühlt sich in seinem Bedürfnis nicht erfüllt?

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