Resistenzen

Vor einiger Zeit hatte ich mir ein Tablett gekauft. Die Idee war, ein Gerät zu haben, mit dem ich schnell PC Aufgaben machen kann, ohne den Rechner anschmeißen zu müssen. Ich wollte es auch auf Veranstaltungen nutzen und dann auch mich am digitalen Zeichnen versuchen. Als ich das Gerät dann hatte, habe ich es kurz versucht, dann aber nichts damit gemacht. Dann habe ich es für mehrere Jahre innerhalb meines Haushalts verliehen. 

Jetzt habe ich es wieder und schaffe es gerade motiviert und frei daran zu Zeichnen und mich damit vertraut zu machen. Warum hat das damals nicht geklappt? 

In Videospielen und vorallem Rollenspielen gibt es oft Resistenzen. Das sind Werte, oft an Elemente gekoppelt, die einen Schutz vor bestimmten Schäden und Effekten geben. Habe ich zum Beispiel 50% Resistenz gegen Feuer, dann kommt nur der halbe Schaden durch. 50% Resistenz gegen Vergiftung bedeutet oft, dass die Figur eine geringere Wahrscheinlichkeit hat vergiftet zu werden. 

Ich musste meine Resistenz für "Fehler" aufbauen. Inzwischen wenn ich etwas anfange in der Kunst, habe ich selten Angst, das etwas schief geht. Ehrlich gesagt bin ich mir sicher, dass es passieren wird, und das befreit mich sehr. Bis ich anfange dauert es manchmal länger, aber dann bin ich zu Versuchen bereit, bei unklarem Ausgang. Weil ich meine Resistenz ausgebaut habe und deshalb Fehler und unperfektes besser aushalte. Die Fehler sind immer noch da, genau wie das Feuer in meinen Spielen, aber der Schaden den ich, meine Arbeit und vorallem meine Motivation nehmen ist so gering, dass ich nach einem "Treffer" nicht direkt zu Boden gehe. Ich bleibe stehen, kann weiter machen und im besten Fall sogar heilen, statt ein "Game over" zu kassieren. 

Wege diese Fehlerresistenz aufzubauen gibt es viele, nicht für alle funktionieren alle Zugänge zu diesem Aufbau. Besonders, weil unsere Reaktion auf Fehler sehr stark auch von unserem Umfeld, Aufwachsen, Zielen, Wünschen und Ansprüchen geprägt ist. Von unseren Bedürfnissen und Gefühlen. Es ist aber möglich. Und spannenderweise haben wir ein Wort für Menschen mit hoher Fehlerresistenz: Talentiert. 

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