Unübersetzbar

Es gibt Waldeinsamkeit, Schadenfreude oder auch Weltschmerz. Es gibt im schwedischen ein Wort dafür sich in Unterhose zu betrinken. Für Ehren- und Familientitel gibt es im japanischen sehr viele Begriffe, bei denen es bei uns mindestens einen ganzen Satz bräuchte. Es gibt in meinem Kopf diesen Moment, wenn mich ein Kunstwerk richtig ergreift und ich plötzlich heftig fühle, aber ein Wort dafür habe ich nicht. 

Wenn ich spontan anfange zu zeichnen, ein Gedicht zu schreiben, oder auch eine Melodie summe, kann ich was dann kommt oft gar nicht anders ausdrücken. Ich habe keine Worte dafür. Manchmal merke ich, wie ich zum Englischen wechsel, weil ich unterbewusst den Eindruck habe, diese Sprache sagt es besser. Andersherum gibt es auch dort Sachen, die ich mit Worten nicht mehr ausgedrückt bekomme. 

Als These habe ich mal formuliert "Wenn alles mit Worten gesagt werden könnte, gäbe es keine Umarmungen". Das glaube ich auch immer noch. Ob eine Umarmung gerade gegeben werden darf, ob mensch gerade eine bekommen kann, ob mensch das annehmen kann, das lässt sich mit Worten gut verhandeln. Aber wenn jemand sagt "Fühl dich gedrückt", will ich sagen  "How am I supposed to do this? ". Ich verstehe schon, das der Satz eine Geste ist, aber genau das Erlebnis das er beschreibt, ist gar nicht enthalten. 

Handlungen sind natürlich auch Sprache oder Ausdruck. Egal wie funktional oder unterbewusst sie sind. Wenn ich mitten im Gespräch am Handy hänge, dann kann das verschiedene Bedeutungen habe, es sendet aber eben auch eine Nachricht. Welche das ist, hängt von vielem ab. Und ist vielleicht auch manchmal nicht übersetztbar. Vielleicht haben wir gerade keine Sprache um es anders zu sagen. 

Ich hoffe ihr versteht was ich sagen möchte, denn alle Worte sind immer nur eine Annäherung, nie kann das Erlebnis in mir drin wirklich komplett ausgedrückt werden. Den Versuch ist es wert. Die Akzeptanz dass es aber vielleicht nicht übersetzbar ist, die können wir in uns selbst suchen. 


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Zusatz: Sprache findet viel im Kopf statt. Gehirne habe eigene Bereiche dafür. Gefühle finden ihren Ursprung auch dort, in einem anderen Bereich. So der Stand der Forschung. Gefühle sind Gefühle. Unsere Aufgabe ist sie zu fühlen. Sie bennenen ist ein Teil eines guten Prozesses sie zu verarbeiten. Sie auszudrücken gehört auch zu einem guten Prozess, Ausdruck bedeutet aber nicht zwingend sprachlich und verständlich. Ich ergänze das, weil es für mich ein wichtiges Learning war. 

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