Gastbeitrag - Rezension "Kaum Jemand – Zwischen den Ampelphasen "

Der Nachtwind | 05.07.16 | / |
Beitrag von Dierk Seidel

Am Freitag, den 18.03.2016 veröffentlichte der Künstler „Kaum Jemand“ sein zweites Album mit dem Titel „Zwischen den Ampelphasen“. Hinter „Kaum Jemand“ verbirgt sich Michael Holz, ein Künstler, der sich vielfältig in der Münsteraner Künstlerszene herumtreibt und dabei nie Fehl am Platz ist. Ob Theater, Rezitationen, oder mit seiner Liedermacherkombo „Kaum ein Vogel“. Michael Holz bringt seine teils verträumten, teils kritischen Gedanken vielfach ein. Die Vielfältigkeit zeigt er nun auch wieder auf seinem Soloalbum, welches er in Eigenregie produziert hat.
Bevor ich das Album hörte, wusste ich, dass es gut sein würde, obgleich ich nicht im Voraus wusste, welche Lieder darauf sein würden. Und das sage ich nicht nur, weil ich Michael gut kenne und mit ihm schon mehrfach gemeinsam auf der Bühne stand, sondern weil ich von der Qualität der Lieder und der Konzeption des Albums überzeugt bin.

Das Album wird eingerahmt von zwei Instrumentalstücken („Zwischen Weitkampweg und Waldeyerstraße“ und „Zwischen Küchenbusch und Küste“), hierbei wird Michael von Johanna Espeter an der Geige begleitet und gerade der Anfang weckt den Eindruck, dass das Album sehr getragen und ruhig sein wird. Dem widerspricht aber schon das zweite Lied, in dem er fragt: „bin ich befugt oder unbefugt/habe ich ne anzeige am hals/bin ich bettler oder musikant/bin ich als straftäter bekannt?“ und die Widersprüche zwischen Arm und Reich und den Irrsinn von absurden Verboten in Frage stellt. Begleitet wird er hier wie auch schon live immer regelmäßiger von Anja Kreysing am Akkordeon. Da stimmt alles.

Thematisch setzen sich viele Lieder mit Absurditäten des Alltags (Galaxienkollision), Konsumkritik (Ikea) und dem unbedingten Drang nach Freiheit (Ein Uhu im Birkenhain) auseinander. Gerade die kritischen Töne sind es, die genau wissen, wo sie ansetzen müssen, um satirisch zu treffen:

„ein neuer Michael Jackson im kinderzimmer/gleich kommt er in die kita/chinesisch lernt er dort/im hort“ (Chemie am Strauch).
Und dennoch sind vielleicht die stärksten Stücke die Verträumten und Romantischen wie „Du fehlst mir“ und „Kutterverleih“.
Bilder einer vergangenen Liebe, die man kennt, die wehtun, aber man den Schmerz der Einsamkeit manchmal ertragen muss, um abschließen zu können, bringt Michael Holz in „Du fehlst mir“ zum Ausdruck.
In „Kutterverleih“ kommen die fürs das Album titelgebende Ampelphasen zum Ausdruck und Michael Holz zeigt seine Stärke mit der Sprache zu spielen:
„ein mädchen beißt verträumt in eine nussecke“ und „ein mädchen träumt verbissen von einer nussecke“ . Das Träumen steht in diesem Stück im Vordergrund und lässt einen das Unmögliche wirklich werden. Der Refrain hat Mitsing- und Ohrwurmpotenzial. Soll hier aber nicht zitiert werden. Selber anhören ist angesagt.

Wenn Michael Holz neben dem Klavier zur Posaune greift, werden die manchmal ruhigen Stimmungen seiner Lieder aufgebrochen und lassen die Verspieltheit der Gedanken noch mehr zum Vorschein kommen. Die dezente Vielfalt der Instrumentenauswahl ist passend. Klavier und Stimme stehen immer Vordergrund, Posaune, Geige und Akkordeon fügen sich gut ein ohne sich aufzudrängen.

Den Abschluss des Albums macht das schon angesprochene weitestgehende Instrumentalstück „Zwischen Küchenbusch und Küste“. Es lässt einen über den Titel „Zwischen den Ampelphasen“ nachdenken. Michael Holz beschreibt in seinen Liedern die kleinen Gedanken, die einem eben zwischen Ampelphasen kommen können. Das, was er dann in den Liedern daraus macht ist mehr als nur ein Ampelphasengedanke. Die Stimmungen und Texte begleiten einen noch ein ganzes Stück.

Das Album „Zwischen den Ampelphasen“ ist nur direkt bei Michael Holz bestellbar oder auf seinen Konzerten zu kaufen. Klare Kaufempfehlung.

Kaumjemand.de 
https://soundcloud.com/kaumjemand



Beobachtungen von Leben gespickt mit einem Fünkchen Absurdität und Gesellschaftskritik und Überschriften die nicht zum Text passen, so könnte man die Texte von Dierk Seidel beschreiben – muss man aber nicht. Denn das würde bedeuten, sich auf etwas festzulegen, und das passt dann auch nicht so richtig zu ihm und seinen Texten.

Aufgewachsen in Leer (Ostfriesland), sammelte er seine ersten Slam- und Bühnenerfahrungen 2009 an seinem Studienort Flensburg. Seitdem präsentiert er seine Geschichten und Gedichte regelmäßig auf Poetry Slams und Lesebühnen zwischen Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen – dabei unter anderem bei den Schleswig-Holstein-Meisterschaften 2010 und 2011 und beim ersten Poetry Slam auf dem Deichbrand- Festival 2012. Seit Oktober 2014 findet man ausgewählte Texte auf dem Kreativblog www.kulturkater.de. Er hat Deutsch und Politik in Flensburg studiert und ist Gesamtschullehrer in Nordrhein-Westfalen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir moderieren unsere Kommentare, also bitte nicht wundern, wenn nicht alles sofort zu sehen ist.