Posts mit dem Label Miriam werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Miriam werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Ich habe es satt mich für meine Ernährungsweise zu rechtfertigen

Miriam Jagdmann | 06.06.18 | / | 1 Kommentar
Ich bin Vegetarier. Ich habe schon viele Unterhaltungen über meine Art mich zu ernähren geführt. Viele meiner Gesprächspartner waren einfach nur interessiert, viele haben sich anerkennend oder solidarisch geäußert. Einigen reichte auch die reine Information, ohne ein tiefergehendes Gespräch zu suchen. Leider habe ich mich aber mindestens genauso oft auch für meine Ernährungsweise rechtfertigen müssen.

"Wie du isst kein Fleisch?! Man braucht Fleisch zum Leben!" Ich sitze hier vor dir, ich habe keine Mangelerscheinungen oder ähnliches. Mir geht es gut, mir ging es seit meiner Geburt gut und ja, ich habe nie in meinem Leben Fleisch gegessen. "Du bist so aufgewachsen? Dann hast du das ja gar nicht selbst entschieden." Doch hab ich. Es gab in meinem Leben genug Gelegenheiten, bei denen ich Fleisch hätte essen können. Zum Beispiel als ich mit der Familie meiner Freundin Einkaufen war und die Verkäuferin an der Fleischtheke auch mir eine Scheibe Wurst anbieten wollte. Oder bei diversen Grillabenden mit Freunden, wo mensch mir ungefragt ein Würstchen auf den Teller gelegt hat. Ich bin eine mündige Person und könnte jederzeit meinen Verzicht auf Fleisch beenden. Will ich aber nicht. "Du kannst nicht etwas ablehnen ohne es zu kennen." Doch, kann ich. Ich weiß auch nicht wie es ist Achterbahn zu fahren und habe trotzdem kein Interesse daran es auszuprobieren. „Aber Fleisch ist so lecker!“ Das glaube ich dir. Wenn ich mensch in meiner Nähe Fleisch zubereitet riecht es häufig nach etwas, das lecker sein könnte. Aber probieren möchte ich es trotzdem nicht. "Du musst einfach mal gutes Bio-Fleisch essen." Nein, muss ich nicht. Bio-Fleisch ist nämlich auch Fleisch. "Aber Milch und Eier und so isst du doch oder?" Ja. Und Fisch auch. "Häh dann bist du ja gar kein richtiger Vegetarier." Ich bin Peso- Vegetarier. Die Bezeichnung ist aber eigentlich auch Schnurz, ich esse kein Fleisch aber Fisch. Fertig. „Aber Fische sind doch auch Tiere" Ja. Und ich esse sie trotzdem. Lecker finde ich sie übrigens auch noch.

Solange ich mich erinnern kann muss ich mich dafür rechtfertigen warum ich Vegetarier bin. Dabei sollte das überhaupt kein Thema sein. Ob ich Fleisch einfach nicht mag, die Tiere mir leidtun oder die Farbe von Fleisch nicht zu meinem Outfit passt. Es ist meine Sache wie ich mich ernähre.

Ich habe es satt mich für meine Ernährungsweise zu rechtfertigen. Deshalb nenne ich in diesem Beitrag auch keine Gründe für meinen Verzicht. Was ich esse oder eben nicht esse sollte keine Erklärung brauchen. Ich greife damit nicht in das Leben anderer ein und ich versuche niemanden von dieser Ernährungsweise zu überzeugen. Solange es nicht krankhaft ist und ich mich damit wohlfühle, sollte es anderen auch egal was ich esse.

PS: Natürlich darf mensch mich trotzdem nach Gründen fragen. Solange die Art und Weise wie ich mich ernähre auch grundlos akzeptiert wird.

PPS: Ja, das Wortspiel im Titel ist Absicht. ;)

Soundcollage Rom

Miriam Jagdmann | 21.05.18 | / / / | 1 Kommentar
Rom - alte Ruienen, riesigen Plätze, hunderte von Kirchen und alles wimmelt nur so von Menschen. Italiens Hauptstadt kannte ich bisher nur aus dem Latein-Unterricht. Im März habe ich die Stadt dann endlich einmal selbst erkunden können. Rom ist nicht nur sehens- sondern auch hörenswert. Deshalb habe ich, unterstützt durch meine Reisebegleitung, versucht euch Rom in Tönen mitzubringen. Viel Spaß beim Hören:

Eine weitere Soundcollage aus Marokko von unserem Autor Andy findet ihr hier.


Gesprächsstoff #007

Jay Nightwind | 29.03.18 | / / / | 2 Kommentare
Welche Frage würdet ihr gerne all euren Menschen stellen und weshalb? 

Malte meint:
Ein aufrichtiges "Wie geht es dir?" ist meist schon die beste und wichtigste Frage, die man stellen kann. Ich möchte nicht, dass diese Frage eine stupide Floskel wird, auf die man automatisiert mit "Jo, muss." oder "Passt schon." antwortet. Wenn ich einen Menschen frage, wie es ihm geht, dann möchte ich auch ernsthaft wissen, was gerade bei ihm los ist. Ansonsten verkneife ich mir diese Frage einfach und ersetze sie durch andere Begrüßungsfloskeln oder Smalltalk. Denn ganz ehrlich: Aus Selbstschutz vor der Überlastung durch Probleme anderer Menschen halte ich es für durchaus wichtig, dass man nicht von jedem Menschen wissen muss, wie es ihm jetzt genau geht und was ihn beschäftigt. Manchmal tut es der eigenen Seele auch ganz gut, die oberflächliche Ebene eines Gesprächs nicht zu verlassen.

Um oberflächlich, aber trotzdem angeregt zu quatschen, stelle ich übrigens allen Menschen vier ganz bestimmte Fragen:
1. Pudding mit oder ohne Haut?
2. Die oder das Nutella?
3. Ziehst du zuerst Hosen und dann die Socken oder zuerst die Socken und dann die Hose an?
4. Würdest du lieber dein Leben lang Pupse ohne Geruch haben oder mit witziger Melodie furzen?

Perfekte Eisbrecher und ich weiß direkt, ob mein Gegenüber vernünftige Positionen vertritt oder einfach nur wahnsinnig ist.


Jay sieht das so: 
Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch Skill hat. Skill trennt sich von jeder gesellschaftlichen Bewertung, es geht mir nur um die ganz grundsätzliche Tatsache, dass mensch etwas kann. Meine Frage die ich gerne jedem Menschen auf der Welt stellen würde: Was möchtest du den anderen Menschen beibringen?

Das beinhaltet, welchen Skill mensch selbst hat und gleichzeitig in welcher Welt die Person leben will. Wenn jemand aufrichtig und von ganzem Herzen allen Menschen beibringen möchte, die Nasenflöte zu spielen, dann kommen alberne Zeiten auf uns zu. Fantastische alberne Zeiten, in den grober Unfug herrschen wird. Wenn uns dann noch Benehmen beigebracht wird, Nächstenliebe, fröhliche Tänze, Teezeremonien für die Ruhe und wie Sterne funktionieren, wann sollen wir dann noch Zeit für den ganzen Schmutz und Schrott haben?



Miriam sagt:
Als wir in unserer WG nach einer neuen Mitbewohnerin gesucht haben, haben wir jeder Bewerberin die gleichen Oder-Fragen gestellt: 

Couchpotato oder Partymaus?
Tiefkühl-Pizza oder selber kochen?
Frühaufsteher oder Langschläfer?

Klar, etwas alberne Fragen, aber es ging uns auch nicht darum, eine bestimmte, passende Antwort zu bekommen, sondern etwas über die Persönlichkeit der Menschen zu erfahren. Und genau das möchte ich immer, wenn ich ein ernsthaftes Gespräch mit jemandem führe. Ich möchte herausfinden „Wer ist dieser Mensch?“. Deshalb habe ich keine bestimmte Frage, die ich jedem Menschen stellen würde. Denn am Ende kann sowohl die Frage „Was ist dein Lieblingsessen?“ als auch „Was ist dir wichtig?“ zu einer Antwort führen, die etwas über mein Gegenüber verrät. Einzige Regel bei diesem ganzen Fragen-Stell-Kram: Wenn mir jemand etwas nicht erzählen möchte, dann muss das respektiert werden.

---
"Gesprächsstoff" ist eigentlich eine so genannte Talkbox. Mit Fragen, die zum Gespräch anregen, weil sie nicht so aufgebraucht sind wie andere. Wir nutzen ein paar der Fragen des Basis-Sets, um unsere Gespräche hier im Blog anzuregen. Denn als Blogteam sind wir eigentlich in einer Kennenlernphase, wo es natürlich darum geht, herauszufinden, wer die anderen so sind. Aber wir wollen natürlich auch gerne mit euch sprechen und diskutieren, die Anreize nutzen und von euch neue Impulse bekommen. Also geht die Eingangsfrage natürlich auch an euch und wir freuen uns auf eure Kommentare.




Shorts - Orientierungslos

Der Nachtwind | 09.03.18 | / / / | Kommentieren

Podcast: Interview zum Magnet-Magazin

Miriam Jagdmann | 24.02.18 | / / | Kommentieren
Von der Speisekarte zum Magazin - getrieben von dem Wunsch spannende Menschen, Projekte und Start-Ups aus ihrem Umfeld vorzustellen gründen Julian Kühn und Igor Albanese gemeinsam mit Inga Pöting und Denise Nelle kurzerhand eine Redaktion und stampfen aus dem Nichts ein Magazin. Im Dezember 2017 erscheint dann die erste Ausgabe des Magnet-Magazins. „Konnektor und urbanes Magazin“ prangt auf dessen Titel-Seite. Was genau drin steckt in dem neuen Magazin und wer damit erreicht werden soll - darüber haben wir mit den Herausgebern Julian und Igor gesprochen.



Die nächste Ausgabe des Magnet-Magazins erscheint im März. Das kostenlose Heft könnt ihr zum Beispiel im KABÜ bekommen. Oder ihr blättert euch auf der Internetseite des Magazins digital durch die Seiten.

Slam in NRW #010 - Braucht Poetry Slam eigene Berichterstattung?

Miriam Jagdmann | 14.02.18 | / / / / | Kommentieren
Es gibt Anglerzeitschriften, Motorsport-TV-Sendungen, Outdoor-Magazine (für Männer. Danke dafür Geo...), Radiosendungen in denen es außschließlich um Gaming geht und Youtube-Kanäle bei denen sich alles ums Thema Film dreht. Die meisten Szenen, Subkulturen und Interessengruppen haben eine eigene Berichterstattung. Das gilt jedoch nicht für die Slam-Szene. Aber brauchen wir überhaupt eigene journalistische Erzeugnisse? Und wenn ja, in welcher Form und mit welchen Inhalten? Genau um diese Fragen geht es in unserer ersten Studioausgabe von Slam in NRW. Interviewgäste sind Jay Nightwind und Marius Hanke alias Zwergriese.


Wenn ihr auch die Gesichter sehen wollt, dann könnt ihr euch das Interview aber auch ungeschnitten auf Youtube ansehen:




Ankündigung:
Auch ihr habt die Möglichkeit, euch an unserem Podcast zu beteiligen. Interviewt Zuschauer*Innen, Slammer*Innen, Veranstalter*Innen. Nehmt eure Ergebnisse als Audiodateien auf (MP3!), schickt sie uns an Nachtwindteam at gmail punkt com und wir bauen, wenn es passt, eure Inhalte ein. Natürlich unter Nennung eurer Namen und den ganzen üblichen Ehrerbietungen.

Bericht: "Wie süß sind die denn?"

Jay Nightwind | 15.12.17 | / / / | Kommentieren
Jays Sicht:
Als ich mich in die letzte Reihe setze, blinkt wieder die Chronik zu diesem Showabend auf, den ich mir dann gleich angucken würde: Im April 2012 spricht mich auf meiner – noch kleinen niedlichen – Slamveranstaltung in der Weststadthalle eine Studentin an, welche Garderobendienst hatte. Sie würde auch Texte schreiben, hauptsächlich Kolumnen für eine Studentenzeitschrift und das mit dem Poetry Slam, was wir da machen, das würde sie gerne mal ausprobieren. Im nächsten Monat steht sie dann bei unserer Weststadtstory auf der Bühne.

Schwupp! Es vergehen ein paar Jahre, es klingelt in meinem Postfach. Sandra Da Vina war in den Jahren fleißig. So hat sie zwei Bücher geschrieben, tourt inzwischen mit einem Soloprogramm durch Deutschland, taucht in Rundfunk und Fernsehen auf und erntet damit die Früchte ihres Fleißes. Mit dem sie, meiner Einschätzung nach, nie selbst so hausieren gehen würde. Sandra schreibt mir, dass sie mit zwei Bühnenfreunden gerne eine einmalige Lesebühne in Essen machen wollen würde, für einen guten Zweck. Und dafür würde sie eigentlich am liebsten in "mein" Haus, die Weststadthalle.

Ein paar Wochen später ist also einer dieser seltenen Fälle, wo ich als Zuschauer in die Weststadthalle komme. Nach inzwischen Sieben Jahren in der Poetry-Slam- und Bühnenliteratur-Szene habe ich schon vieles gesehen und manchmal, ganz ganz manchmal, sind die Abende zwar sehr schön, können aber nicht mehr aus der Masse der konsumierten Inhalte rausstechen.

Als Handwerker der selben Zunft guckt mensch auch nochmal anders auf so einen Abend. Das Analyse-Tool bleibt dann meist an, es wird nicht nur genossen, sondern auch gemessen.

Jetzt sitze ich also an meinem Rechner und habe das Bedürfnis, von dem Abend zu erzählen. Weil es ein richtig guter Abend war. Einer, von dem Leute halt unbedingt wissen sollten, damit sie neugierig werden, wenn sich so etwas nochmal ankündigt. Damit sie nichts verpassen. Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Abend erleben durfte, nicht nur, weil er handwerklich gut war.

Mein persönlicher Bezug zu Sandra stellt sie natürlich bei mir in einen Fokus, aber ihre beiden Begleiter möchte ich natürlich nicht aussparen: Florian "Flori" Wintels ist ein dekorierter Poetry-Slam-Profi, technisch aus Niedersachsen, schicksalshafterweise aber aus Paderborn. Piet Weber ist natürlich auch Poetry-Slam-Profi mit Meisterschaftserfahrung, kommt aus Berlin und bringt auch den zuvorerwähnten guten Zweck mit.

In einem Satz: Eine Strukturschwache Region im Norden Ghanas wird gestärkt und Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche ermöglicht. Die Hintergründe zu dem unterstützten Projekt findet ihr hier: http://www.africa-action.de/wulugu.html.

Auslöser für die Lesebühne ist dabei auch der Entschluss von Piet Weber, alle seine Gagen aus dem Dezember direkt in das Projekt zu investieren. Er suchte dafür Bühnen und Spielorte, die bereit waren einen Auftritt von ihm quasi gegen eine Spende zu tauschen.
Nachdem also etabliert ist, dass es an diesem Abend nur Gewinner geben könnte, mussten die Drei das aber auch ausfüllen. Zuschauer*Innen wollen trotzdem unterhalten werden, guter Zweck hin oder her.

Unterhaltung heißt halt nicht nur, dass ich den ganzen Abend mir die Locken aus der Frisur schüttel vor Lachen, sondern sogar noch viel eher, dass ich mich wohl fühle. Schon ab dem ersten Moment auf der Bühne, bis zur letzten abschließenden Moderation, gab es nur positive Stimmung zu spüren. Piet, Sandra und Flori standen da nicht als die Profis, die sie sind, sondern lassen mich vermuten, dass da dichte Freundschaften bestehen. Auch wenn viele Segmente dazu eingeladen hätten, hier und da eine Spitze auf jemanden abzufeuern, wurde sich auf der Bühne unterstützt und gefeiert. Wenn Sandra spontan laut gelacht hat, Flori den Piet in einem Spiel als den süßesten Menschen vorstellt, dann hat auch mein Analysetool mir gesagt, dass wir nicht mehr in der Weststadthalle, sondern im Wohnzimmer der Drei sind.

Deshalb wurde an dem Abend zusammen mit dem Publikum gespielt und gesponnen. Mit Lückentexten, Auktionen und Süßig-keits-wettbewerben mit PowerPointStütze. Ich befürchte fast, nicht genau beschreiben zu können, wie sie es gemacht haben, weil dann irgendwann, wenn es schön ist, auch der Handwerker mit Analyseblick sich frei macht und zurücklehnt. Vielleicht hilft der für mich schönste Moment des abends, um zu verstehen:

Als Flori Wintels die Auktion durchführt und moderiert, läuft er richtig heiß. Mit dem Auktionshammer eskaliert er auf dem Tisch auf der Bühne herum, bekommt einen schelmischen Glanz in den Augen und schlägt dann einfach auf das herumliegende Glockenspiel. Er spielt. Also nicht Musik, sondern er lebt sich einfach aus. Das hat Spaß gemacht beim Zuschauen. Und Lust darauf gemacht, auch ein bißchen mit sehr kleinen Hämmern willkürlich auf Dingelchen herum zu hauen. Sandra und Piet sitzen dabei auf dem Sofa, folgen der Auktion, lächeln und lassen Flori einfach seinen Platz. Niemand versucht sich rhetorisch vorzudrängeln, alle sind gleichwertig, ohne das alle gleich sind. Das fand ich super schön.

Und das liest sich vielleicht auch für so einen Nachbericht übermässig pathetisch, vielleicht ist es sogar unverhältnismäßig, aber wenn eine einmalige Lesebühne halt so einen schönen Abend geschaffen hat, dass mir schon in der Pause klar ist, dass ich darüber schreiben möchte, dass ich Leuten davon erzählen möchte, dann hat das eine Bedeutung. Wenn so ein Abend eine bereitsvorhandene Begeisterung für Texte, Bühne und Unterhaltung noch weiter anschieben kann, dann ist das diese ganz große Qualität, die so viele erreichen wollen.

Vielleicht bin ich aber auch massiv voreingenommen, weil ich an dem Abend ein T-Shirt mit Flori Wintels drauf ersteigert habe.


Miriams Sicht:
Dieses Shirt... Nicht gerade mein Highlight des Abends. Aber von vorne: Montagabend ploppt auf meinem Handy eine Nachricht auf: "Kommst du mit?", schreibt mir ein Freund. Mitgeschickt der Link einer Facebook-Veranstaltung. Das Titelbild: Drei lächelnde Menschen, von denen ich genau eine mit Sicherheit identifizieren kann. Sandra Da Vina. Flüchtig bekannt und von mir bewunderte Slammerin aus meiner Heimatstadt Essen. Die anderen Beiden kenne ich höchstens vom Hören-Sagen: Flori Wintels und Piet Weber. Der Titel der Veranstaltung: "Wie süß sind die denn?" Ein kurioser Titel für eine Bühnenshow, denke ich. Ein Format-Titel wie "Lesebühne" oder "Poetry Slam" wäre sicher eindeutiger gewesen, hätte mich aber auch weniger neugierig gemacht

Tatsächlich haben Sandra, Flori und Piet mit so einem schwammigen Titel auch alles richtig gemacht. Denn in klassische Formate lässt sich dieser Abend eben nicht so richtig einordnen. Mit einer guten Mischung aus Texten ohne Wettbewerb, Wettbewerb ohne Texten dafür mit Bildern, Musik und lockeren Publikumsinteraktionen, haben die drei etwas für mich Neues auf die Bühne gebracht.

Etwas Neues in dem vorallem ganz viel Herz steckt. Das schien den gesamten Abend immer wieder durch. Das fängt schon damit an, dass zwei von drei Menschen eine Anreise von über 100 und über 500 Kilometern hatten. Auch, dass die Künstler für den guten Zweck auftraten und selbst keinen finanziellen Vorteil aus dem Abend gezogen haben macht das deutlich. Dazu kommen noch Dinge wie eine eine gute Vorbereitung, die mensch zum Beispiel dadurch bemerkt hat, dass ein Konzept hinter dem Ganzen steht, oder dass sich Gedanken über immer wieder auftauchende Elemente gemacht wurde, wie zum Beispiel einen Voice-Opener.

Dass viel Herz in diesem Abend steckte, zeigte sich aber am deutlichsten durch den Umgang der Künstler untereinander. So konnte mensch spüren, dass die drei den Abend wirklich als gemeinsames Projekt realisiert haben. Anstelle von Einzel-Charakteren, die, jeder für sich, ihre Slots füllen, traten die Drei als Team auf, dem mensch auch abnimmt, dass es tatsächlich eins ist. Obwohl jeder Künstler Zeiträume hatte, in denen er sich individuell präsentieren konnte, herrschte den gesamten Abend eine starke Dynamik zwischen Sandra, Piet und Flori. Als Zuschauer war das echt schön anzusehen. Darüberhinaus schafften es die Künstler den Abend ihren Bock und ihre Energie an das Publikum weitergeleitet. Das gelang nicht nur in den interaktiven Teilen des Abends sondern auch dann, wenn mensch einfach "nur" zuschauen musste.

Einziges Manko dieses Abends: Das T-Shirt mit Flori Wintels drauf, das Jan ersteigert hat. Das ist halt leider mal so überhaupt nicht süß.

Podcast: Interview zur Bundeswehr mit Jay Nightwind

Miriam Jagdmann | 06.12.17 | / / / | 2 Kommentare
Bundeswehr. Lange kannte ich diese Institution nur aus amüsanten Anekdoten meines Vaters oder durch das Gegenteil der Wehrpflichtleistenden, nämlich meine Zivildienst-leistenden Brüder. Soldaten begegnete ich maximal am Bahnhof, wenn diese in ihren Uniformen unterwegs von A nach B waren. Doch seit einiger Zeit kann mensch dem Thema Bundeswehr gar nicht mehr ausweichen. Als Banner am Bahnhof, als Postkarte in der Kneipe oder als Spot vor dem nächsten Youtubevideo - die Werbung dieser Institution begegnet uns inzwischen überall in unserem Alltag. Und in der direkten Konfrontation stelle ich für mich fest: Ich weiß gar nicht wirklich viel über diese sogenannten Streitkräfte, die uns im Ernstfall verteidigen und schützen sollen.

Deshalb habe ich mich mit Jay Nightwind zusammengesetzt, der rund zwei Jahre bei der Bundeswehr gedient hat. Mit ihm habe ich über seine Zeit dort gesprochen. Über Vorurteile, die ihm und seinen Kameraden begegnet sind. Und über seine Zukunftsversion einer Welt, in der die Bundeswehr so wie sie heute besteht, vielleicht gar nicht mehr nötig ist.




Die im Podcast angesprochenen Texte von Jay Nightwind zu den Werbekampangen der Bundeswehr findet ihr hier:
Mach was wirklich zählt 
Bundeswehr aus Youtube abziehen