Rezension: RG-Verdeckter Einsatz in Paris

"Wenn es Dichtung ist, dann darf man es auch.", soll Pierre Dragon gesagt haben, denn das ist wohl die einzige Beschäftigung zu der man als Polizist ein Recht hat: Dichtung.

Pierre Dragon ( nicht sein echter Name) ist Polizist in der französischen Polizeieinheit "Direction centrale des Renseignements généraux", kurz RG. Eine Einheit vergleichbar mit unserem Verfassungsschutz. In der Graphic Novel "RG - Verdeckter Einsatz in Paris" möchte Pierre Dragon also Geschichten über seine Arbeit bei der RG erzählen; keine echten Geschichten, aber mit genug realer Substanz gefüllt, dass auch andere Polizisten sie authentisch finden würden.
Als er mit dem Comiczeichner Frederik Peeters zusammen gebracht wird, findet er einen Co-Autor, den die kindliche Romantik von Polizeiarbeit gar nicht so sehr fasziniert, sondern die authentische und trotzdem fantasievolle Darstellung von Menschen.
Und die Qualitäten beider bringen eine spannende, fesselnde Geschichte zusammen, die sogar in manchen Tönen kritisch ist, es aber sogar auch schafft, komisch zu sein.
Im ersten Band "Riad an der Seine" geht es um die Beobachtung des Textilienhändlers Sindbad, der im Verdacht steht, den Terrorismus zu finanzieren, bisher fehlen dafür aber die eindeutigen Beweise. Erst als relativ plötzlich ein "großer Fisch" im Geschäft von Sindbad auftaucht kommen die Ereignisse in Bewegung, so das ganz plötzlich der sogar amerikanische Geheimdienst mitmischt.
Was jetzt im ersten Moment auf wilde Verfolgungen, Schießereien und den restlichen üblichen Action-Klischees deutet, erweißt sich aber dann tatsächlich eher als sehr guter Krimi. Es geht um Ermittler und ihre Methode, es geht tatsächlich doch auch die meiste Zeit um Menschen und ihre Geschichten. Dragon und Peeters brauchen dafür kein extremes Tempo und keine schwere Dramatik, sondern setzen auf Realismus, den sie nur ab und an in der graphischen Darstellung aussetzen. Allerdings nicht zu häufig, so das es subtiles Stilmittel bleibt.
Der Zeichenstil von Peeters, der Schweizer ist, erinnert an die frankobelgischen Comics (Spirou und Fantasio, Asterix, Tim und Struppi) ist dabei aber deutlich detaillierter. Die Graphic Novel ist vollständig coloriert und dadurch sehr stimmungsvoll. Für Kinder ist er aber eher nicht geeignet, was zum einen die Thematik, aber auch die Darstellung von Sex in der Novelle bedingt.
Der Preis von 16,90€ mag im ersten Moment für eine relativ kurze Geschichte abschrecken, aber die hohe Qualität der Novelle, die im Hard-Cover daher kommt entschädigt diese Manko durchaus. RG erscheint übrigens im Carlsen Verlag, die sich zur Zeit vieler toller Graphic Novellen annehmen.

Mein Fazit:
RG hat mir gefallen, obwohl ich nicht sonderlich an Polizeiarbeit interessiert bin, denn für eine spannende Geschichte bin ich immer offen. Und die tiefen Charaktere haben mich dann überzeugt. Auch die Tatsache, dass es hier keinen Superbullen gibt, dem alles gelingt, der alles richtig macht, spricht für die Graphic Novel. Wer gerne Serien wie CSI oder auch Bones schaut, der kann auch mit Sicherheit an RG seine Freude haben.

Kommentare

  1. Schein einen Blick wert zu sein!

    Übrigens. Nicht wundern, dass ich momentan hier so wenig kommentiere. Zur Zeit reicht es gerade so zum mitlesen. ;)

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