Söldner des Spiels

Die Welt hat sich schlafen gelegt, der Wald schweigt und die Stadt ruht.
Wo ein schwacher Bachlauf den Wald bestreift, da schwillt ein kleines Feuer. Zusammengelegt aus dem wenigen trockenem Geäst, dass die Bäume bereitwillig von sich werfen zu einem Turm gestellt, der Glut und pflegende Wärme zu gleichen Teilen um sich schickt. Ein starker Leib altes Brot liegt am Feuer und schales Bier steht in einigen Krügen bereit, den die Wendungen der Welt machen gerne die Kehle feucht.
Und aus den Schatten der Waldes kommen einige Männer, geschunden und jung, geschult und alt, die für einige Stunden Heimat finden in diesem Wald. Ihre Werkzeuge bringen sie nicht, genau so wenig wie ihre Geschichten und ihr Tageswerk. Niemand fragt nach der Herkunft, auch wenn sie in fremden Zungen sprechen oder befremdliche Kleidung tragen.Keiner fragt nach dem Leben, der Familie. Manchmal bringen Freunde ihre Freunde mit. Sei das Rüstzeug noch so schlicht oder noch so löblich verziert, für einige Stunden legen diese Männer ab, was sie sonst unverkennbar macht.
Der späte Abend wandert auf dem Lauf der Nacht und mit ebendiesem beginnen auch die Spiele. Geschicklichkeit und Verstand, Aufmerksamkeit und Kraft werden gemessen, allem voran aber der Charakter. So steigern sich die Ehrgeizigen hinein und die Jünglichen machen Fehler; alterstrüber Blick verstellt das Bild; müde Gelenke überraschen mit ungeahnten Schritten und es ist ein nicht endender Tanz auf dem Spielbrett des Abends. Wo sich geschunden und aufgerieben wird, als wäre das Tagesleben nicht schon schändlich und aufreibend genug. Und so wird der Nacht der Kampf abgerungen, der am Tage fehlt. Da können stumme bleiche Männer auch einmal die Helden sein; Da können gezügelte Seelen schreien, balgen und toben.
Da wird gerungen, geworfen und getreten, aber niemals verletzt. Wer am Boden liegt, dem hilft man auf und wer den nächsten Schritt nur unter schwerem Atem tut, dem gönnt man seine Pause. Da wird Gemeinschaft gebaut, sondern gelebt, wenn auch nur für wenige Stunden.
Schon seit Jahren trifft man sich hier. Manche verschwinden und kommen nicht wieder, andere kommen auch nach Jahren als alte Freunde zurück. Die Jungen schauen zu den Alten auf, wissend, dass sie einmal eben diese sein wollen, wie die Alten zu den Jugen auf schauen und erkennen, dass auch sie mal diese waren.
Und wenn die Nacht in die dunkelsten Stunden steigt, so bald steigen diese Söldner des Spiels wieder in ihr gewöhnliches Leben auf getrennten sich nichtverkreuzenden Wegen.

Kommentare

  1. "spontan und unbedacht" erweist sich als ein Glücksgriff (den auch die wirklich wenigen Fehler nicht trüben können; Bsp: "Sie das Rüstzeug noch so schlicht").

    Der Sprachstil ist angenehmn gediegen.

    Die Interpretationsbreite ist erfrischend groß - ich musste zuerst an Schachspiel denken. Wie diese Tische, die man in machen Parks sieht.

    Hat mich beim Lesen erfreut.

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  2. Ja, das eine oder andere Flüchtigkeitsfehlerchen hat sich eingeschlichen ;-)

    Ich finde es aber auch sehr schön stimmungsvoll. Auch schön, dass es nicht direkt benennt, um was es tatsächlich geht. Hier ein Fragment, da ein Gefühl. Ich habe Rollenspieler vor Augen, die sich des nachts treffen.

    Schön, auf jeden Fall.

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  3. Danke.
    Mich freut ein wenig, dass ihr beide daneben liegt.

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