Poetry Slam von Innen: Johannes Floehr über Lisa Schøyen

Lisa Schøyen ist ein Mädchen und macht Lyrik. Mit beidem hatte ich früher nicht viel an der Mütze. Ersteres änderte sich in der Pubertät, Zweiteres, als ich Lisa und ihre Texte kennenlernte. Erstmalig trafen wir uns beim ehemaligen Neusser "Make some Neuss"-Slam, es muss Anfang 2012 gewesen sein oder wann anders. Sie performte ihren immer noch guten "Geisterfahrer"-Text, wohnte da aber versehentlich noch in ihrer Heimat Mettmann. Dennoch freundeten wir uns an. Ich lernte sie kennen und darüber hinaus, dass ihr seltsamer Nachname aus dem Norgewischen kommt. "Hui, Norwegen!", habe ich da gedacht, "Stockholm, Nokia und IKEA! Und ich liebe Köttbullar!" Hehe, wie dusselig ich war/bin.

Zurück zum Thema: Wir gingen dann gemeinsam auf Slam-Tour durch absurde Bundesländer (u.a. Baden-Württemberg, Bayern), gründeten mit Hank Zerbolesch und Michel Kühn das Projekt "Podcastpoesie" und taten etwas, das man nur mit ganz wenigen Slammern abseits von Auftritten tut: Freizeit verbringen. Sushi essen, Konzerte, sinnlose Besäufnisse, lachen, weinen: Was man halt so macht. Nachdem sie endlich aus Mettmann geflüchtet war, hat sie Münster, Köln und Indien (Klimax! Oder Antiklimax?) erkundet und ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, zwischendurch hat sie auch irgendetwas studiert. Lisa kommt herum, Lisa hat etwas zu erzählen. Ihre Texte haben bisweilen den Anspruch, die Welt ein bisschen besser zu machen, aber Lisa ist dennoch kein verschrobener Hippie und falls doch, dann einer in der bestmöglichen Form. Manchmal hadert sie mit sich selbst und ihren Texten, das sollte sie sich abgewöhnen. Könnte ich nur annähernd so gut schreiben wie sie, dieser Text hier wäre die beste Huldigung der Welt. Ach, Flips. Ach ja, "Flips":


Weil ich ein netter Typ bin, schenkte ich ihr irgendwann den sexy Spitznamen "Flips". Sie trägt ihn mit berechtigter Würde. Und nun auch ganz offiziell: Eines Nachts erweiterte ich den Cyperspace mit www.superflips.de, ihrem offiziellen Internet-Auftritt: Lustige gifs und Konfetti! Bei wohl keinem Slam Poeten divergieren Texte und Homepage so stark. Sie schämt sich ein wenig für diese Seite, vor allem, da superflips.de in der Google-Suche nach ihrem Namen ganz weit oben erscheint. Noch keinen einzigen Auftritt habe superflips.de ihr vermittelt, sagt sie. Aber auch noch keinen zu nichte gemacht, sage ich. Ohnehin hat Lisa es gar nicht nötig, nach Auftritten zu betteln, zwischen Aachen und Zittau dürfte sie so ziemlich von jeder Bühne ins - zu recht - fast immer begeisterte Publikum geschaut haben. Obacht, Anekdötchen: Für einen Slam gegen Sexismus in Aachen hatte sie, wie sie mir erzählte, ganz klassisch "im Zug auf der Hinfahrt" einen Text verfasst und auswendig gelernt. Wenn ich an jenem Abend eine Punktetafel gehabt hätte, es wäre eine 10 von 10 gewesen. Und weil ich ein ziemlich kritischer Dödel bin, gibt es vielleicht zehn 10-Punkte-Slamtexte, die ich in vier Jahren Slam gehört habe. Lisa schreibt so etwas mal eben im Zug. Meine Ehrfurcht und meinen Neid hatte sie damit endgültig gewonnen.

Seit neulich bildet sie mit Sim Panse ein perfektes Paar auf und neben der Bühne. Beim Paderborner "Kult Slam" durfte ich die Beiden anmoderieren und hatte extra einen VHS-Abendkurs belegt, um mir den Namen des Teams merken zu können: "Vom Ursprung des Mondes bis zum Ende des Zurücks". Die Umbenennung in "Brave New Word" folgte recht bald und zurecht. Es ist aber auch fast egal, wie die Beiden sich nennen, gewinnen tun sie sowieso. Plottwist! Jetzt wohnt Lisa in Bremen. Wenn ich in der Schule richtig aufgepasst habe, liegt Bremen nicht in Nordrhein-Westfalen. Ich war aber auch noch nie gut in Geometrie. Und so bin ich mir sicher, dass man Lisa weiterhin häufig bei Slams in NRW bewundern kann. Alles Andere wäre unfasslich schade und ungerecht, schließlich macht sie zumindest meine Welt durch ihre Existenz ein bisschen besser. Danke, Flips!


Geschrieben von Johannes Floehr.

www.herrsalami.de

Kommentare

  1. Ich musste mich erstmal nach dem Lesen sammeln. Der Herr Floehr überschlägt sich ein wenig und dann auch noch die hervorragende Internetseite von Frau Flips. Liest sich aber so, als wäre Lisa ziemlich gut :-)

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  2. Ich, so als Insider, muss ja mal zu meiner Schande gestehen, dass ich Lisa anfangs nicht ernst genommen habe. Das lag an mir. Die Arroganz, dass sie in ihrem jungen Alter noch gar nicht so viel erlebt haben könnte und dann gepaart mit meiner Unfähigkeit mit bedingungslos euphorischen Menschen klar zu kommen. Beides sehr engstirnig von mir gewesen.

    Inzwischen weiß ich ihre Texte und Auftritte sehr zu schätzen. Ich habe bei ihrer Vorrunde beim diesjährigen NRW-Slam ganz schön mitgeschwitzt und finde immer noch, sie hätte auch einen Startplatz im Finale verdient gehabt.

    Und ich klau mal beim Herrn Floehr - Plotttwist - Inzwischen denke ich, dass wenn sie älter wird und noch mehr Erfahrungen sammelt, sie noch einige sehr spannende und wichtige Texte auf die Bühne bringen wird.

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  3. Aufgeblasene Nichtigkeit ist immer zum kotzen. Dass diese Tiefflieger hier überhaupt schreiben und auftreten grenzt an Maßlosigkeit bzw mangelnder Erkenntnis der eigenen Irrelevanz

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    1. Denunzierende Selbstgerechtigkeit in der Bewertung von Menschen ist auch immer irgendwie unattraktiv. Das aus der Anonymität heraus zu tun, zeugt dann weiter von besonderer Fragwürdigkeit, weil es offenbart, dass man es diesen Personen wohl nicht ins Gesicht sagen würde.
      Menschen können nicht in Relevanz gemessen werden und wenn Johannes über Lisa etwas sagt, ist sie wenigstens auch für einen Menschen ganz unweigerlich und offensichtlich relevant.

      Auch wenn ich hier auf einen möglicherweise einem Troll zum Opfer fallen werde, es schadet doch niemandem, wenn diese Personen sich hier gegenseitig quasi ins Poesiealbum schreiben.

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