dunkler Neid, heller Neid, Zebra

Meine Freund*innen haben gerade gute Erfolge. Da werden Bücher geschrieben, Jobs bekommen, Gelegenheiten entstehen. Natürlich gibt es daneben auch Stress, Alltag und Probleme, aber die Erfolge sind da und sie haben eine wirklich hohe Qualität. Auch andere Menschen die ich mitbekomme haben Erfolge. Und ich freue mich für sie, auch wenn ich gerne ähnliche Erfolge hätte. 

Sich etwas für sich wünschen und es anderen trotzdem auch gönnen, das habe ich vor einigen Jahren begrifflich als hellen Neid kennen gelernt. Ich bin schon neidisch, aber der Neid schadet weder anderen noch mir. Ich stoße mit Begeisterung mit an. Ich bin gerne auf der Feier zum Sieg und trage dazu bei. Wenn ich Glück habe kann ich ja sogar etwas lernen aus dem Erfolg der anderen. 

Es gibt Menschen, aber auch Menschen, mit denen mich weniger verbindet. In manchen Werten stehen wir uns entgegen. Auch diese haben Erfolge. An guten Tagen schaffe ich es, auch denen Erfolg zu wünschen. Denn ich mag gerne, dass alle Menschen Erfolg und Fortschritte und Freude haben können. Aber nicht alle Tage sind gut, und es kommt auch der dunkle Neid durch. Der, wo ich den Erfolg für mich und meine Leute haben wollen würde. Wo ich feindselig werde. Wo der Neid mir und andren schadet. 

Dass ich den auch in mir trage, liegt unter anderem, dass ich in Systemen erzogen und aufgewachsen bin, die mehr dunklen als hellen Neid fördern. Kapitalismus und Patriachat sind riesige Fans davon Feind*innen, Konkurenz und Wettbewerb zu sehen. Sie erzählen vom ewigen Mangel und dass wenn jemand anders etwas hat, ich es ja nicht mehr bekommen kann. Angst ist ein ganz wichtiger Treibstoff dieser Systeme. Und dem kann ich mich nicht entziehen. 

Das knifflige am hellen Neid ist, dass wenn ich schon mal gerade neidisch bin, es gar nicht so viel braucht, um dunklen Neid daraus zu machen. Genauso wie es schnell gehen kann dass uns kalt wird, wenn nur eine Wolke kurz zwischen uns und der Sonne steht. Es braucht nur wenig um hellen Neid zu verdunkeln. Und es braucht etwas Energie und Bewegung in uns, um aus dem dunklen ins helle zu kommen. 

Und so springt es dann manchmal hin und her, was auch anstrengend ist. Von hell auf dunkel auf hell auf dunkel auf hell auf dunkel. Immer mit dem Versuch sich vom giftigen nicht einnehmen zu lassen. Dafür hilft es sich den Neid genau anzuschauen. Denn es gibt mehrere Ebenen. 

Meine Leute schreiben gerade Bücher. Ich bin neidisch. Aber worauf? Will ich auch ein Buch schreiben? Will ich auch dass mir jemand so vertraut das Risiko einzugehen, auf meine Arbeit zu setzen? Will ich etwas veröffentlichen? Will ich ein Projekt? Will ich Selbstwirksamkeit? 

Weil je nachdem welche der Fragen zutrifft, kann ich vielleicht sogar mit Handlungen auf den Neid reagieren. Ich kann mir ein Projekt suchen. Ich kann auch anfangen ein Buch zu machen. Ich kann etwas selbstwirksames tun, was dann vielleicht gar kein Buch ist. Die aktive Beschäftigung mit Neid kann zu eigenen Aktionen führen. Denn darauf sind wir ja neidisch, dass jemand Erfolg mit einer Aktion hatte. 


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