Ideendämmerung: Von Grenzen

Autor: Jay
Verfasst: November 2009

"Ich brauche kein Geschirr"

"Wie ist deiner?" - "Was?" - "Dein Name?" Es war, als würde ich unter ein Sofa greifen, das zu niedrig ist um darunter zu schauen, aber hoch genug, dass man mit dem Arm drunter passte. Ich fuchtelte ein wenig um her, denn mein Name musste irgendwann darunter gefallen sein, aber außer einigen Wollmäusen fand ich gar nichts. Ich seufzte und lies meine Deckung fallen.
"Es ist so Marius: Ich kenne meinen Namen nicht. Ich kenne meine Heimat nicht. Ich kenne all das was ich hier sehe nicht. Es gibt einen Teil von mir, der weiß das ich ein erwachsener Mann bin, aber laut meinem Gedächtnis ist es so, als würde ich erst seit meiner Ankunft in Absurdistan leben. Ich weiß wie all diese wichtigen Dinge funktionieren, die mir fehlen, ich weiß was Freunde sind oder auch Familie, aber ich kann diese Konzepte mit keinem Inhalt füllen. Tausend leere Gläser stehen in meinem Kopf, aber ich bin durstig. Ich brauche kein Geschirr, ich brauche Nährstoffe."
Marius setzte sich zu mir an den Tisch, sah aber an mir vorbei irgendwo hin. "Du hast mir einen Namen gegeben. So was machen bestimmt nur Freunde." Eine kleine hoffnungsvolle Kerze in meiner dunklen verwaisten Bibliothek wurde entzündet. "Natürlich sind wir nicht sofort Freunde, aber immerhin hast du jetzt schonmal ein Glas, in dem wenigstens ein Name drin ist, nicht?"

Marius präsentierte sich als guter Gastgeber. Er kochte reichlich und rustikal. Das konnte ich gut gebrauchen. Wenn mein Kopf viel zu verarbeiten hatte, dann sollte mein Magen da keine Ausnahme machen. Ich hatte erst den Eindruck Marius kochte viel nach Bauchgefühl, aber er wusste für alles ganz präzise die Zeiten. Selbst den Tee machte er so was von unwahrscheinlich präzise auf den Punkt. Es war angenehm seltsam. Er war angenehm seltsam. Genau wie das Gefühl in mir. Es war das Gefühl langsam wach zu werden, aus einem schlimmen Traum aufzustehen. Das Gefühl, die schlimmen Erinnerungen hätten sich auf den Weg gemacht. Ich begann, mich "zu hause" zu fühlen.

"Marius, wer ist der Alwier?", fragte ich und Marius stockte beim Essen. Er kaute weiter und dachte nach, auf der Suche nach einer Formulierung und nach einem Anfang. "Weiß du, wie die Grenzen funktionieren?" Ich hatte Grenzen die mich von meinem Gedächtnis trennten und ich kannte Grenzen zwischen Ländern, aber: "Was meinst du mit Grenzen?"
"Du erinnerst dich doch bestimmt an die Tür, durch die ich dich nach Neuersheim gebracht habe? Wie dir auch aufgefallen ist, macht eine Tür aus einem Schloss in eine Kleinstadt wenig Sinn." Marius zeichnete mit den Fingern etwas für sich selbst in die Luft und setzte dann neu an: "Ignis hat in den Schriften in der Halle der Charaktere Abschnitte gefunden, die von einem Mann erzählen, der über "alle Grenzen" gehen kann. Die Grenzen sind eine Art Trennlinie, allerdings viel abstrakter, zwischen Orten, die weder zeitlich noch räumlich verbunden sein müssen. Hier von Neuersheim aus gibt es eine Tür, für die ich einen Schlüssel habe, die zu Grendels Schloss führt. Es gibt noch andere Türen. In meinem Keller ist eine, die führt zur Halle der Charktere. Ich habe sie aber zur Zeit verschlossen. Der Alwier soll jemand sein, der keine Schlüssel brauch. Ignis hat nicht herausgefunden welche Bedeutung der Alwier für die Grenzen hat und wieso er scheinbar diese Fertigkeiten hatte."
Ein Teil von mir wollte sich aufbäumen, überschlagen, aufgeben und übergeben. Der andere, im Moment stärkere Teil glaubte, versuchte zu verstehen, überschlug sich aber trotzdem auch. Die Fotos in meiner Tasche. Vielleicht konnte Marius mir helfen.
"Es wird Zeit, dass du auch einen Namen bekommst.", unterbrach er meinen Gedanken.


Anmerkung:
Die Ideendämmerung-Woche endet mit diesem Teil, Ideendämmerung geht aber natürlich weiter. Das Ausfallen des Textes vom 14.11.2009 bitte ich aufgrund von Krankheit zu entschuldigen.

Kommentare

  1. Zunächst mal gute Besserung!

    Schade das der Marathon schon vorbei ist. Bin gespannt wie es weiter geht und welche Grenzen als nächste überschritten werden. :D

    Auch wenn es vielleicht bis zum nächsten teil noch ein wenig dauert ... ich freu mich drauf! :D

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