wir müssen uns sisyphos in therapie vorstellen

Sisyphos soll der Geschichte nach den Felsen einen Hügel oder Berg hinauf rollen. Immer wenn er an der Spitze angekommen ist, rollt der Fels wieder ins Tal hinab und Sisyphos muss von vorne beginnen. Was der Grund dafür ist, dass er diese Aufgabe übernehmen muss oder diese Strafe bekommen hat, ist nicht sicher überliefert. Es steht nur fest, dass er es tun muss. In dem Videospiel "Hades" wird Sisyphos als ein reflektierter muskulöser Mensch dargestellt. Das ewige wiederholen der schweren Arbeit bleibt nicht ohne Spuren. Sisyphos sagt in dem Spiel sogar, dass es ihm nicht mehr schwer fällt, er hat seinem Felsen einen Spitznamen gegeben und immer wieder beschreibt er in Dialogen, dass er auch irgendwie froh ist nicht da draußen sein zu müssen und zu kämpfen. Sisyphos ist zum Meme geworden, auch weil irgendein dusseliger Profithansel oder Kapitalismusknecht meinte, wir sollten uns Sisyphos glücklich vorstellen und als Vorbild nehmen. Wäre das ein Hinweis auf die Zufriedenheit mit immer gleicher Arbeit gewesen, dann hätte ich das sogar ernstnehmen können. Es war aber der Versuch ungerechte Arbeit den Leuten als aushaltbar einzureden. 

Wenn ich darüber nachdenke, sehe ich Sisphos als ein mögliches Sinnbild für Trauma. Denn auch Trauma wird einen für immer begleiten. Es wird die eigene Biografie nie verlassen. Der große Stein ist immer da. Und was passiert ist, das wird nicht unbedingt kleiner. Aber wir selbst können besser darin werden uns mit unserem Trauma zu bewegen. Wir können uns darum kümmern die Kräfte zu entwickeln, dass uns unser Trauma nach und nach immer leichter zu bewegen erscheint. Eine Freude wird es nie sein, aber wir werden akzeptieren müssen, dass wir es immer dabei haben. Und wir müssen weiter machen. Wir leiden darunter und es fühlt sich oft wie eine Strafe an. Wir wissen die Gründe nicht warum uns dieser Stein in die Hand gedrückt wurde. Vielleicht gibt es welche, vielleicht ist es Willkür, vielleicht sind da Verkettungen am Werk, die größer sind als das was wir verstehen können. Aber entscheidend ist, dass wir ihm immer wieder begegnen werden. Und dann müssen wir damit umgehen. Und dann schaffen wir es den Berg hoch. Und dann werden wir wieder daran erinnert. Und dann müssen wir damit umgehen. Und dann schaffen wir es irgendwie den Berg hoch. Und dann werden wir wieder daran erinnert. Und dann müssen wir damit umgehen. 

Unser Vorteil ist gegenüber Sisyphos, auch wenn das in den Geschichten gar nicht überliefert ist, dass wir uns Hilfen suchen können. Von Profis, von anderen mit vergleichbaren Erfahrungen. Und auch wenn die vielleicht dauerhaft von einem Adler in die Leber gezwickt werden, dann können wir uns immer noch über die Aushaltbarkeit von Dingen unterhalten, die uns quälen ob wir wollen oder nicht. 

Kommentare

Vielleicht auch spannend: