Ohne Zweifel

Neulich habe ich mit jemandem ein intensives Gespräch geführt. Da brauchte jemand Rat und Raum um zu erzählen. Solche Gespräche brauchen eine gewisse Sensibilität und Offenheit, auch an vielen Stellen eine gesunde Menge Selbstaufgabe. Das sind Sachen, in denen ich in der Vergangenheit nicht immer gut war. Aber diesmal war ich gut. Zumindest so, dass ich mit mir zufrieden sein kann, was dieses Gespräch angeht. Ich habe keine Zweifel, dass ich das ganz gut gemacht habe. 

Später frage ich die andere Person nochmal, ob das Gespräch so okay war? Ich frage was es noch bewirkt hat. Was die Person jetzt dazu denkt. Während ich das entscheide erkenne ich einen kleinen Unterschied zu früheren Momenten in meinem Leben. Früher hätte ich das aus einer Unsicherheit heraus gefragt. Aus einer Unsicherheit heraus, die tief in mir verankert und erlernt ist. Aber jetzt frage ich diese Dinge aus einer Sicherheit heraus. Aus der Sicherheit, dass ich den Raum für Feedback und Kritik anbieten und aufmachen möchte. Denn das finde ich wichtig. 

Ich hatte in meinem Leben mit Menschen zu tun, die mich verändern wollten, teilweise um ihren Wünschen und Bedürfnissen gerecht zu werden. Was aber auch bedeutete, dass die gar nicht mit mir zu tun haben wollten, sondern sie mich dahin schieben wollten, dass ich jemand werde, den sie gerne hätten. Darüber hinaus und damit vermischt hatte ich in zwischenmenschlichen Verbindungen aber auch genug gemischte Erfahrungen gemacht, ausreichend Löcher in meinem Selbstwert, dass ich viel an mir gezweifelt habe. Zweifeln ist hier vorallem als das unentschieden sein zwischen mehreren Möglichkeiten zu sehen. Ich wusste nicht ob ich okay oder scheiße war, ob ich zuviel oder zu wenig bin, ob ich gerade so bin, wie Menschen es als nett akzeptieren können. Das ist heute anders. Auch weil ich weiß, dass ein Teil dieser Fragen auch schon nicht sinnvoll ist. 

Wenn ich frage ob ein Gespräch so in Ordnung war, dann will ich heute lernen. Lernen wie wir miteinander gut reden können. Lernen was ich noch beachten könnte, während ich schon auf eine Art bin, die ich für mich mag. Und dieses Lernen kommt nicht aus bremsenden Zweifel, sondern aus Offenheit und Neugierde. 

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