Texte: beim Arzt
"Tut es da weh?", fragt der Arzt, als er seinen Finger in den Fluss des Universums drückt. Ich beobachte es aufmerksam und merke nicht, dass er die Antwort von mir erwartet. Ich öffne meine Hand in der Erwartung, dass sie sich in Sand auflöst und dieser davon getragen wird. Ein Güterzug bremst stark zwischen meinen Schulterblättern. Dann schüttet er Steine aus, die von meinen Knochen abprallen.
"Entschuldigung, wie würden Sie ihre Müdigkeit beschreiben?", fragt der Arzt nochmal. Wir sitzen in einem Behandlungszimmer, das aussieht wie die Innenseite von Kaugummipapier. "Fällt mir schwer.", sage ich und komme mir ehrlich vor, auch wenn ich meine Gedanken gar nicht formuliere.
Mir scheint es, als hätte ich diese Knochen nur in der Stadtbibliothek geliehen und müsste sie eigentlich nochmal verlängern. Es kommt mir vor, als wäre der vordere Teil meiner Gedanken in den Regen geraten und jetzt ganz wellig. Getränke sind höchstens kalt, nie erfrischend und ich glaube ich müsste eher ertrinken als trinken, um nicht mehr durstig zu sein. Meine Füße sind älter als der restliche Körper. Meine Brille tut weh, wenn ich meine Augen aufsetze. Das ein oder andere Bild in mir ist durcheinander, manche sind stumpf und ohne Farbe. Würde ich sie jetzt malen, wäre es die Mono Lisa.
"Und was glauben Sie wo diese Erschöpfung herkommt?" In einer wundervollen Collage sehe ich alle Bilder von der Unendlichkeit die ich je gesehen habe. Fotos, Zeichnungen, Grafiken, Fantasien. Die Planeten walzen hörbar durch mich hindurch. Wenn ich die Grundlage der Frage wäre, gäbe es gerade kein weiteres Leben im Universum. Mein wacher Körper hält Winterschlaf schon im Sommer. Wenn ich jetzt etwas vorarbeite, kann ich dann im Winter frei nehmen vom frei haben und vielleicht frei sein für Freiheiten.
"Versuchen Sie Ruhe zu finden.", sagt er mit einer all umfassenden Stimme. Dann deckt er mich zu, gibt mir einen Kuss auf den Kopf, rollt mich ganz klein zusammen und schickt mich mit einer Brieftaube nach Hause. Als ich in diesem Schlaf träume, habe ich Angst wach zu werden. Also stelle ich mir vor ich würde zu meinem Arzt gehen und versuchen ihm meine Müdigkeit zu erklären. Das macht mich immer sehr müde.
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