Rezension: Skyrim VS. Forza Horizon

Goldene Sonnenstrahlen umarmen sanftwippende Baumkronen. Der kleine einsame Hof schweigt in der Morgenröte. Eigentlich war ich auf dem Weg zu meiner nächsten Aufgabe, aber dieser Anblick hat mich von meinem eigentlichen Weg abgebracht. Ich atme tief ein, wenn der neue Tag beginnt. Es ist dieser Moment, in dem ich mir zwar vollkommen bewusst bin, dass ich nur ein Videospiel spiele, aber es sich doch so anfühlt, als wäre hier mehr geschaffen worden, als hätten hier Künstler die Welt nachgemalt, wenn sie an Glorie nicht mehr zu überbieten ist. Als ich den Moment vollständig in mir aufgenommen habe und meinen Weg fortsetzen möchte, kommt aber eine Frage in mir auf:
Welches Spiel spiele ich hier überhaupt?

Vielleicht ist es Skyrim, der sechste Teil der The Elder Scrolls-Reihe.
Skyrim ist ein Rollenspiel, das im namensgebenden Himmelsrand spielt. Die Region, umgeben und durchzogen von mächtigen Bergen, Felsmassiven und verschneiten Gipfeln, angefüttert mit kräftigen Tannenwäldern und belebt mit wilden Flussläufen. Himmeslrand ist eine Landschaft, die nur so nach positiven Adjektiven schreit und zu Superlativen einlädt.

Vielleicht ist es aber auch Forza Horizon, der fünfte Teil der Forza-Motorsport-Reihe.
Forza Horizon ist ein Rennspiel, das beim namensgebenden Horizon-Festival in Colorado in den U.S.A. spielt. Die Region, umgeben und durchzogen von markanten roterdigen Gebirgen, Felsmassiven und verschneiten Gipfeln, angefüttert mit wilden Waldstücken und im Staudamm gefügig gemachten Flussläufen. Colorado ist eine Landschaft, die nur so nach positiven Adjektiven schreit und zu Superlativen einlädt.
Und bei all der beabsichtigten Gleichartigkeit dieser Beschreibungen, haben beide Spiele doch auch verschiedenes zu bieten.
Skyrim: Eine Festungsruine in Himmelsrand
Das bedingt vor allem das Setting. Skyrim, angesiedelt in den Fantasywelten von Tamriel ist eine alte und frostige, vor allem aber nordische Welt. Die Architektur der Ortschaften wirkt aus dem skandinavischen ausgeliehen. Die Paläste sind hier keine prunkvollen Schlößer, sondern solide Bollwerke. Siedlungen wurden gebaut zum Arbeiten und zum Leben, Luxus ist hier Luxus: überflüssig. Und selbst wenn es ihn in größerem Ausmaße geben würde, wäre er doch von kurzer Dauer. Himmelsrand wird nämlich von Revolte bestimmt: Das Land spaltet sich zwischen den Sturmmänteln, traditionalistischen Freiheitskämpfern und dem kaiserlichen Imperium, den eigentlichen Staatshaltern, deren Rechtmäßigkeit angefochten wird. Umso mehr, da der Anführer der Sturmmäntel gerade den König Himmelrands getötet hat.
Die Widerauferstehung der Drachen, die als ausgestorben galten, die mit aggressivem Vordringen in die Ländereien Himmelsrands jedes Gleichgewicht vollkommen aufheben, sorgt für einen weiteren Grund der Sorge und Bedrückung, die in ganz Himmeslrand allgegenwertig ist.

Forza Horizon hingegen bietet da mehr Lebensfreude. Sogar in ihrer pursten Form. So ist Kern und auch tatsächlich räumlicher Mittelpunkt der Spielwelt das Horizonfestival. Mit Licht-, Feuer- und Feierwerk in der Nacht und ballernden Bässen am Tag, ist alles geboten, was einem aus dem Festivalsommer bekannt erscheint.
Und da lebhafte Festivals auch lebhaftes und buntes Publikum anlocken, ist das (übrigens fiktive) Horizonfestival über die Jahre hinweg auch Spielwiese von Autonarren geworden, die ihre getunten und gestylten Wagen nicht nur zeigen, sondern auch in aberwitzigen Rennen miteinander messen wollen.
Dafür wird die ganze Großregion untertänig gemacht. Egal ob alte Erzschmelze, am Staudamm, direkt am Festival, in der Kleinstadt Carson, beim Observatorium am Berg, auf dem Highway oder oder oder... Überall und jederzeit wird gerast, gesprintet, geballert und hier und da wird auch mal freundschaftlich der Lack der Fahrzeuge ausgetauscht.
Und auch wenn rundum Horizon kein Bürgerkrieg und keine Revolte herrscht, geht es doch darum den König vom Thron zu stoßen. Denn Darius Flynn, seit längerem ungeschlagener Sieger des Horizon-Turniers wartet nur darauf, von einem der anwesenden Fahrer herausgefordert zu werden.
Horizon: Vorne Gepose,  im Hintergrund das Festivalgelände
Doch auch wenn das Setting verschieden sein mag, erscheinen die Art wie gespielt wird und vor allem das Erfahrungs- und Stufensystem doch wieder ähnlich.
In Skyrim hat die Spielfigur drei Basiswerte: Mana, Ausdauer und Lebensenergie. Diese lassen sich, vom Spieler frei wählbar zum Stufenaufstieg erhöhen. Untergeordnet zu diesen Werten finden sich die Fertigkeiten, wie zum Beispiel Bogenschießen, verschiedene Magieschulen, Schmieden, Handeln, Blocken, Alchemie und was das Überleben in Himmelsrand noch so alles ermöglicht.
In diesen Fertigkeiten sammelt man Erfahrung, wenn man sie anwendet oder gegen Geld bei einem Trainer erlernt. Hat man eine bestimmte Zahl von Anstiegen in den Unterkategorien geschafft, steigt auch die Stufe des Charakters und man darf einen der Grundwerte um Zehn Punkte erhöhen.
Damit mensch, trotz offener Welt, auch etwas zu tun hat, gibt es zahlreiche und teilweise auch zufällig generierte Aufgaben. Manche davon erzählen die Geschichte der Gilden oder Gruppierungen, andere bieten die Gelegenheit Himmelsrand besser kennen zu lernen. Die Belohnung für die so genannten Quests besteht meist aus Geld, gelegentlich auch aus Ausrüstungsgegenständen. Die Aufgaben sind dabei immer sehr abwechslungsreich und erfordern oft Kreativität bei der Lösungsfindung. Der Abwechslungsreichtum ergibt sich aber auch aus Gegnern, die mit einem selbst ein wenig mit in der Stufe ansteigen, wobei sich der Schwierigkeitsgrad aber zu wirklich jedem Zeitpunkt im Spiel steigern und senken lässt.

Skyrim: Wundervolles Himmelsrand
Der Fahrer in Forza: Horizon hat zwar vielleicht keine Grundwerte, trotzdem kann er auf verschiedene Arten Erfahrung sammeln.
Übergeordnet geht es bei Horizon um die Qualifikation für die höheren Turnierrunden des Festivals. Dafür sammelt mensch Punkte durch Siege in den offiziellen Rennveranstaltungen des Festivals. Wer ausreichend Punkte gesammelt hat, kann sich das nächste Festivalbändchen abholen, das dann wieder die neuen Veranstaltungen verfügbar macht.
Neben diesen Punkten, gibt es aber noch den Ruf, denn mensch als Fahrer genießt.  Ist man in den Rufstufen weit fortgeschritten, werden Sonderrennen möglich, in denen man mit festgesetzten Fahrzeugen zum Beispiel gegen ein Doppeldeckerflugzeug antritt. In untergeordneten Fertigkeiten wie Driften, Knappes Ausweichen, Hochgeschwindigkeitsfahrten oder auch das Zerstören von Verkehrsschildern können durch Anwenden der jeweiligen Fertigkeiten Punkte gesammelt und damit diese Stufen errungen werden. Mit Abschluss einer Ruf-Stufe erhält mensch von Sponsoren ein Handgeld, da diese ein möglichst spektakuläres Festival sehen wollen.
Das Geld wird natürlich für den Kauf neuer Wagen benötigt, da viele Rennveranstaltungen besondere Vorraussetzungen haben, oder kann auch in das Tuning der Fahrzeuge investiert werden. Dadurch lassen sich so manche Fahrzeuge in andere Fahrzeugklassen heben.
Durch die Vorraussetzungen für die Rennen definiert sich zum Teil auch die Stärke der Gegner, der Schwierigkeitsgrad kann aber auch vor jedem Rennen ganz individuell angepasst werden. Wer dabei aber schwierigere Einstellungen wählt, wird mit höheren Geldgewinnen belohnt.
Neben den offiziellen Rennen, gibt es auch Hotspots für Straßenrennen, außerdem lassen sich andere Fahrer per Lichthupe zu spontanen Duellen herausfordern.
Nennt man die Rennen Quests, die Wagen Ausrüstung und den Ruf doch wieder Erfahrung, dann erkennt man die systemische Nähe der Titel sehr schnell. 
Forza Horizon: Ein Ausflug in den Wald
Forza, in der üblichen Natur der Serie, bietet dabei aber auch noch verschiedene passive Onlineherausforderungen an. So kann man sich an Blitzerkästen an den Höchstgeschwindigkeiten seiner Freunde messen oder auch die Bestzeiten der Freunde in den Festivalrennen schlagen. Skyrim bietet, ebenfalls in der üblichen Natur der Serie keinerlei Onlinefunktionen an, was aber kein besonderer Verlust ist, da jedes Erinnern an die Außenwelt des Spieles nur ein Abbruch an der Atmosphäre wäre.
Und die Atmosphäre ist in beiden Spielen sehr dicht. Sei es nun Bildfarbe, Sprecher oder die Musik der Spiele, alles untermalt und untermauert den bestehenden Eindruck und ist im Stande, den Spieler einzusaugen. Für sich genommen wirken sie natürlich unvergleichlich, Skyrims epische Mittelalterorchester gegen Forzas lizensierten Festivalsoundtrack, das graue düstere Fantasymittelalter gegen die bunten Neonlampen, Dorfbewohner gegen Radiomoderatoren, aber in ihrer Wirkung sind sie gleich stark.


Und gleich stark sind die Spiele immer. Der Redewendung nach, kann man Birnen und Äpfel ja nicht vergleichen, aber ich finde, da wird ein entscheidender Faktor immer übersehen: Beide sind Obst. Skyrim als Rollenspiel und Forza als Rennspiel sind vielleicht im unmittelbaren Geschmack nicht zu vergleichen, aber wenn wir über den Nährstoffgehalt sprechen kommen die beiden plötzlich ganz nah zusammen.
Sie bedienen dabei ganz andere Spielertypen und ihre Bedürfnisse. Die Erkunder und Entdecker, die Landschaftsfetischisten, die meditativen Spieler, die Spaziergänger. Sowohl in Forza als auch Skyrim ziehe ich manchmal einfach los, um mir eine Ecke anzuschauen, um etwas zu erforschen. Und die Fragen sind in beiden Spielen die selben: Wie ist der Ausblick von dem Berg? Wie sieht der See im Mondschein aus? War ich schon bei diesem Wald?
Tag und Nachtwechsel, freie Bewegung in offener Spielwelt, unzerstörbare Bäume, Schnellreisen über eine Karte und so weiter und so weiter: Die Gemeinsamkeiten der beiden Spiele überwiegen und drängen sich auf, je mehr man darüber nachdenkt. 
Ich, wäre ich Marketing-Mensch, würde auch beide nun im Abgesang der aktuellen Konsolengeneration gemeinsam für die XBox360 anbieten. Als Set mit den besten gesündesten und nahrhaftesten Open-World-Spielen dieser Konsolengeneration: Der Obstkorb. 
Und auch wenn nur ich diese Nähe zwischen den beiden Spielen sehe, dann gibt es da doch noch einen Hinweis, dass auch die Macher einig waren, denn:
Skyrim, der Rand des Himmels, ist uns ja meist eher als Horizont bekannt.
Horizon: Der Nachtwind recherchiert für diese Rezension

Anbei noch ein paar Screenshots zu beiden Spielen, die Horizon-Screenshots sind mit dem In-Game-Foto-Tool selbst gemacht und nachbearbeitet. Alle Decals auf den Fahrzeugen sind ebenfalls von mir selbst erstellt. 

Kommentare

  1. Auf solche Vergleiche kommst auch nur du, Jay. ;)

    Liest sich schlüssig und mangels Wissen über beide Spiele meinerseits glaube ich fast, du redest über ein Spiel. ^^

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das hoffe ich, denn so bieten wir ja auch in unserem Blog frische Inhalte. Wenn auch jetzt beide Spiele nicht mehr die jüngsten sind.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Wir moderieren unsere Kommentare, also bitte nicht wundern, wenn nicht alles sofort zu sehen ist.