Text: Birken sind Birken, Raben sind Raben
Als du schläfst, sitze ich auf deinem Balkon im Schatten. Ich mache die Atemübungen aus der Therapie und schaue auf die Birke die alle so schön finden. Als ein Rabe darin landet, frage ich mich ob er das letzte mal gelesen hat was ich geschrieben habe. "Ich bin nur ein Rabe", sagt er wieder, "lass mich in Ruhe mit deinem magischen Denken." Dann komm halt nicht, wenn alles in mir nach Zeichen sucht, aber das sage ich ihm nicht, weil es ist ja nur ein Rabe.
Du sagst, dass du niemandem zur Last fallen möchtest. Inzwischen wiegst du so wenig, dass ich kaum von Last reden kann. Wie dem Raben wünsche ich dir einfach, dass du noch frei sein kannst.
Ich glaube Menschen die wissen, dass sie in eine Hölle kommen, versuchen für immer zu leben. Die anderen reden mit dem Tod. Mal im Streit, mal im Arm. Er fällt zur Last. Denn schon seine Einladung wiegt mindestens einen ganzen Planeten. Deshalb hat er eine eigene Schwerkraft und wir schweben um ihn. Wenn er dann zerfällt, dann werden unsere Umlaufbahnen zu Spiralen. Fliegen als Mandala davon. Bis er uns woanders wieder bindet.
Der Rabe hat kaum eigene Schwerkraft. Er ist ja auch nur ein Rabe. Die Birke hingegen, in deinem Hof, die zieht uns an. Kein Wunder, dass wir sie alle noch ein paar Mal sehen wollen. Erst zusammen, dann nacheinander, dann auf Fotos, vielleicht bekommst du eine Birke zur letzten Umlaufbahn. Vielleicht sogar diese.
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