Parasoziale Verbindungen und der Tod

Parasoziale Verbindungen sind seltsam. Das ist, wenn wir uns in Verbindung mit einer Person sehen, die wir nicht kennen, oft geht es dabei um Prominente, um Figuren des Internets. Der Begriff ist von den Psychologen Horton und Wohl geprägt worden. Beim Aufkommen der Massenmedien haben sie untersucht, wie es auf Menschen wirkt, dass diese Medien eine gewisse Nähe und "face to face"-Interaktion vortäuschen, aber nicht erfüllen. 

Sie haben auch gesehen, dass darin Inspiration liegen kann. Dass es uns motivieren kann. Aber sie haben eben auch gesehen, wie es zu Isolation führen kann. Vorallem aber sind die Forschungen dazu immer noch in vollem Gange, während immer neue Massenmedien und vorgetäuschte Interaktionen (Chatbots und KI) in unseren Alltag einwirken.  

Ein*e Künstler*in ist gestorben. Ich bin betroffen. Und das finde ich erstmal gut, denn vom Tod einer Person betroffen zu sein ist erstmal empathisch und menschlich. Ich denke es ist dringend wichtig, dass uns Sterben und die Sterblichkeit bewusst sind und wir mitfühlen wenn es passiert. Denn es gibt kein Ausweichen. 

Wenn es passiert, ist es eine Trennung. Für uns, die wir weiter weg sind in der parasozialen Verbindung, ist es vorallem das Wissen, dass es keine neue Kunst, keinen neuen Inhalt und auch keine neue Unterhaltung gibt. Die Person hat der Welt oder dem Internet oder der Kunst etwas gegeben, wir haben es mit Freude angenommen. Jetzt wird das nicht mehr passieren. 

Trauer ist mehrdimensional. Ich darf auch traurig sein, wenn auch ich nicht Angehörige*r dieses Menschen bin. Meine Trauer wird aber anders sein, als die derer, die eine*n Partner*in, ihr Kind, ihre Eltern oder eine*n Freund*in verloren haben. Meine Trauer darf mitfühlend für die sein, die näher dran standen. Meine Trauer ist auch Beweis, dass dieser Mensch Wirkung auf mich hatte. 

Ich bin heute wach geworden und habe zu erst in Nachrichten geschaut - was nicht so schlau war - um zu sehen, dass ein Künstler und Performer den ich sehr mochte gestorben ist. Zu wenig ist bekannt und ich glaube darüber wer es war mag ich - wenn überhaupt - nur schreiben, wenn zum einen mehr über die Umstände bekannt ist und ich zum andren erstmal ein wenig trauern konnte. Nur leider musste ich mir das erstmal erlauben, weil mir in meinem Leben oft gesagt wurde "Was kümmert es dich, du kanntest diesen Menschen nicht". Leider hat mir das die Trauer etwas vergiftet. Und es stimmt eben nicht ganz. Ich kannte das Werk dieser Person. Einen Teil dieses Menschen, der gerne geteilt und gezeigt wurde. Eine Dimension der Person, die sie uns angeboten hat. Wenn ich einen Würfel nur von einer Seite berühre, dann ist das eben trotzdem Verbindung. 

Ich hoffe die Familie, Freund*innen und Liebenden finden Frieden in der Trauer. Ich hoffe sie können fühlen, was gefühlt werden muss. Einen ganz kleinen Abschnitt dieses Weges gehe ich mit. Von meinem parasozialen distanzierten Platz. 

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